Recht & Ethik · KI-Weiterbildung für konkrete Berufsrollen
Dürfen Therapienotizen in einen KI-Assistenten?
Kurz gesagt
Therapienotizen gehören zu den am strengsten geschützten Daten. Sie in einen externen KI-Assistenten einzugeben, ist ohne tragfähige Grundlage riskant und kann die berufliche Schweigepflicht verletzen. Sicher sind Arbeitsweisen ohne Patientendaten, etwa mit erfundenen Beispielen, oder Lösungen, die Ihre Aufsichts- und Datenschutzstelle ausdrücklich für zulässig hält.
Das Problem
Eine Psychotherapeutin schreibt nach jeder Sitzung Notizen. Es sind Stichworte, Beobachtungen, Gesprächsinhalte, manchmal sehr persönliche Dinge. Das Verfassen von Berichten für Krankenkasse oder Hausärztin kostet am Abend viel Zeit. Der Gedanke liegt nahe: «Ein KI-Assistent könnte aus den Notizen einen strukturierten Bericht machen.»
Gerade bei Therapiedaten ist Vorsicht angebracht. Hier treffen mehrere Schutzebenen zusammen: das berufliche Schweigegebot, das Datenschutzrecht für Gesundheitsdaten und die besondere Vertrauensbeziehung. Betroffene erzählen in der Therapie Dinge, die sie sonst niemandem sagen, und verlassen sich darauf, dass das so bleibt.
Frau Müller arbeitet im Sekretariat einer Praxis für Psychotherapie und hat die Aufgabe, Abläufe zu verbessern. Sie möchte wissen, wo KI hilft und wo nicht. Diese Seite zeigt Wege, die im Alltag funktionieren, und nennt die Grenzen offen.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Klären Sie, welche Regeln für Sie gelten. Psychologinnen und Psychologen mit Berufsausübungsbewilligung unterstehen dem Berufsgeheimnis nach Art. 321 des Strafgesetzbuchs, und das Psychologieberufegesetz nennt Berufspflichten. Hinzu kommen kantonale Regeln. Fragen Sie beim Kantonsarzt, der Aufsichtsbehörde oder Ihrem Berufsverband nach.
- Trennen Sie Aufgaben mit und ohne Patientenbezug. Viele Aufgaben brauchen keine Patientendaten: Vorlagen für Erstgespräche, Informationsblätter, Terminerinnerungen mit neutralem Text, Mustertexte für Berichte, Strukturen für Notizen.
- Arbeiten Sie mit erfundenen Beispielen. Lassen Sie die KI an einem fiktiven Fall zeigen, wie ein Bericht aufgebaut wird. Diese Struktur übertragen Sie von Hand in Ihr geschütztes Praxissystem.
- Prüfen Sie, ob Anonymisierung genügt. Namen zu streichen, reicht bei Therapiedaten oft nicht, weil Lebensgeschichte, Beruf, Ort und Ereignisse die Person erkennbar machen können. Lesen Sie dazu Falldaten anonymisieren.
- Klären Sie die Grundlage für echte Daten. Gesundheitsdaten zählen im Datenschutzgesetz zu den besonders schützenswerten Personendaten. Eine Einwilligung muss ausdrücklich, informiert und freiwillig sein, und sie löst das Problem des Berufsgeheimnisses nicht automatisch; siehe Reicht eine Einwilligung?.
- Prüfen Sie Anbieter und Vertrag. Wo laufen die Daten? Wer hat Zugriff? Wird trainiert? Gibt es einen Vertrag zur Auftragsbearbeitung? Ohne klare Antworten lassen Sie die Finger davon.
- Dokumentieren Sie Ihre Praxisregel. Halten Sie schriftlich fest, was Sie mit KI machen und was nicht, und informieren Sie Patientinnen und Patienten transparent.
Auch die Gesprächsführung mit Klientinnen und Klienten lässt sich nicht einfach an Technik abgeben. Wenn Sie Hilfsmittel einsetzen, informieren Sie offen darüber, bevor Fragen gestellt werden. Das stärkt die Vertrauensbeziehung, die Grundlage jeder Therapie ist. Wer merkt, dass jemand unsicher reagiert, verzichtet besser vollständig auf den Einsatz.
Vorlage zum Kopieren
Dieser Prompt arbeitet ohne echte Daten und erzeugt eine Struktur, die Sie in Ihrem geschützten System ausfüllen.
Erstelle eine Vorlage für einen Bericht an eine Hausärztin nach einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung in der Schweiz.
Gliederung: Anlass der Zuweisung | Verlauf in Stichworten | bisherige Massnahmen | aktuelle Einschätzung | Empfehlung | offene Fragen.
Verwende ausschliesslich Platzhalter wie [Name], [Geburtsjahr], [Zeitraum], [Beobachtung] und keine echten Angaben.
Schreibe zu jedem Abschnitt in einem Satz, was hineingehört und was nicht (zum Beispiel keine Wertungen ohne Beobachtung).
Ton: sachlich, respektvoll, Deutsch (Schweiz).
Füge am Ende eine Liste «Vor dem Versand prüfen» an.Sie können die Gliederung für andere Berichtsarten anpassen. Die inhaltlichen Angaben tragen Sie danach selbst ein.
Worauf Sie achten müssen
- Berufsgeheimnis: Es kann bereits verletzt sein, wenn Inhalte an einen Dienst gelangen, der keinen berechtigten Zugang haben darf. Die Einzelheiten hängen von der Konstellation ab.
- Gesundheitsdaten: Sie sind besonders schützenswert. Das erhöht die Anforderungen an Grundlage, Sicherheit und Information.
- Erkennbarkeit: Auch ohne Namen kann eine Lebensgeschichte eindeutig sein, vor allem in kleinen Gemeinden.
- Aufnahmen und Transkripte: Wer Sitzungen aufnehmen und automatisch transkribieren lässt, verarbeitet noch mehr Inhalte. Das verlangt besondere Aufklärung und tragfähige Lösungen.
- Fehlerrisiko: KI kann Aussagen verändern, weglassen oder deuten. In klinischen Texten kann das gravierend sein. Jede Passage braucht fachliche Kontrolle.
- Aufsicht: Stellen Sie Ihre Pläne wenn möglich vorab der zuständigen Stelle oder Ihrem Verband vor.
| Aufgabe | Mit echten Daten | Ohne Patientendaten |
|---|---|---|
| Berichtsvorlage | nicht nötig | gut geeignet |
| Informationsblatt für Klienten | nicht nötig | gut geeignet |
| Zusammenfassung einer Sitzung | nur mit geklärter Grundlage | Beispielfall |
| Terminerinnerung | Minimaltext ohne Inhalt | ja |
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Eine Psychologin mit eigener Praxis in Olten verbringt jede Woche mehrere Stunden mit Berichten. Sie möchte KI nutzen, ist aber unsicher.
Vorher: Sie erwägt, Sitzungsnotizen in einen frei zugänglichen Chatdienst zu kopieren. Nachher: Sie klärt mit ihrem Berufsverband, dass das ohne geprüfte Grundlage nicht in Frage kommt. Stattdessen lässt sie sich mit erfundenen Fällen Berichtsvorlagen und Formulierungshilfen erstellen und füllt sie in ihrer Praxissoftware aus. Der Aufwand sinkt, die Daten bleiben im geschützten System.
So hilft Ihnen Alpasana
Wenn Sie im Team lernen möchten, wie sich Aufgaben mit KI strukturieren lassen und wo Grenzen liegen, hilft die KI-Weiterbildung für konkrete Berufsrollen. Sie umfasst rollenbezogene Kurse mit durchgehendem Praxisfall, Praxis-Prompts und einem KI-Lerncoach. Sie bauen ein KI-gestütztes Werkzeug für den eigenen Arbeitsalltag auf und erhalten ein verifizierbares Zertifikat.
Ob eine KI-Nutzung bei Ihnen mit dem Berufsgeheimnis vereinbar ist, klären Sie mit Ihrer Aufsichtsstelle oder einer Fachperson; absofort gibt dazu keine Rechtsauskunft.
Häufige Fragen
Reicht es, den Namen wegzulassen?
Oft nicht. Beruf, Wohnort, Familienverhältnisse und besondere Ereignisse können eine Person erkennbar machen. Prüfen Sie jeden Text darauf, ob jemand aus dem Umfeld die Person erkennen könnte.
Gibt es KI-Lösungen speziell für Therapiepraxen?
Es gibt Anbieter mit Angeboten für Gesundheitsberufe. Ob eines davon für Ihre Praxis zulässig ist, müssen Sie anhand von Vertrag, Standort, Zugriffen und Absicherung prüfen. Eine Werbeaussage genügt nicht.
Darf ich eine Aufnahme transkribieren lassen?
Aufnahmen und Transkripte sind besonders heikel. Ohne ausdrückliche, informierte Zustimmung und geprüfte technische Lösung sollten Sie darauf verzichten. Weitere Hinweise unter Telefonaufnahmen und Transkription.
Wer hilft mir bei der Entscheidung?
Berufsverbände, kantonale Datenschutzstellen und Fachpersonen für Medizinrecht. Notieren Sie Ihre Fragen vorab, die Vorlage oben hilft dabei.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.
Quellen
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