Recht & Ethik · KI-Weiterbildung für Unternehmen
Was bedeutet das Berufsgeheimnis beim Einsatz von KI?
Kurz gesagt
Das Berufsgeheimnis verbietet bestimmten Berufsgruppen, anvertraute Geheimnisse an Unbefugte weiterzugeben. Wer Berufsgeheimnisse in einen externen KI-Dienst eingibt, kann sie je nach Konstellation offenbaren. Klären Sie deshalb vor jeder KI-Nutzung, ob Ihr Beruf geschützt ist und ob die Weitergabe zulässig oder abgesichert ist.
Das Problem
Frau Müller arbeitet im Sekretariat einer kleinen Anwaltskanzlei. Ihre Chefin sagt: «Wir sollten KI für Zusammenfassungen nutzen.» Frau Müller wundert sich: Bei einer Bäckerei wäre das kein Thema. Aber in einer Kanzlei, einer Arztpraxis oder einer Beratungsstelle steckt in fast jedem Dokument ein Geheimnis. Dürfen diese Dokumente überhaupt in ein Programm eines fremden Anbieters?
Diese Frage ist berechtigt. Für bestimmte Berufe gelten in der Schweiz strengere Regeln als der normale Datenschutz. Wer sie verletzt, riskiert nicht nur Ärger mit den Betroffenen, sondern unter Umständen eine Strafe. Zugleich heisst das nicht, dass KI für diese Berufe tabu ist. Entscheidend ist, wie die KI eingesetzt wird.
Diese Seite erklärt die Grundidee in einfachen Worten. Sie ist eine Orientierung und keine Rechtsberatung.
Einfach erklärt
Ein Berufsgeheimnis ist eine gesetzliche Pflicht zur Verschwiegenheit. Im Schweizerischen Strafgesetzbuch steht sie in Art. 321. Sie betrifft ausdrücklich genannte Berufsgruppen, darunter Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Ärztinnen und Ärzte, Zahnärzte, Psychologen, Apotheker, Hebammen sowie ihre Hilfspersonen. Auch Revisoren sind in der Aufzählung genannt. Anvertraut ist, was Ihnen im Beruf mitgeteilt wurde oder was Sie dadurch wahrgenommen haben.
Offenbaren bedeutet, ein Geheimnis einer Person zugänglich zu machen, die es nicht kennen darf. Wenn eine Mitarbeiterin ein Dossier in einen externen KI-Dienst lädt, kann dieser Anbieter mit den Inhalten in Berührung kommen. Ob das rechtlich schon eine Offenbarung ist, hängt von den Umständen ab: vom Vertrag mit dem Anbieter, von der technischen Ausgestaltung und von der Frage, wer Zugang haben kann.
Daneben gibt es weitere Geheimnisse, die nicht zu den klassischen Berufsgeheimnissen zählen, etwa das Geschäftsgeheimnis, das Bankkundengeheimnis oder das Amtsgeheimnis. Auch sie schränken die Weitergabe ein.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Klären Sie Ihre Rolle. Gehören Sie selbst oder Ihr Arbeitgeber zu den Berufsgruppen mit gesetzlichem Berufsgeheimnis? Falls ja, gelten Ihre Hilfspersonen ebenfalls als gebunden.
- Sammeln Sie die Daten, die Sie bearbeiten möchten. Teilen Sie sie nach Art ein: allgemein, Personendaten, besonders schützenswert, Berufsgeheimnis.
- Prüfen Sie, ob die Aufgabe ohne Geheimnisse möglich ist. Für viele Zwecke genügt ein erfundenes oder stark abstrahiertes Beispiel. Mehr dazu unter Falldaten anonymisieren.
- Prüfen Sie den Anbieter. Wo werden die Daten verarbeitet? Gibt es einen Vertrag zur Auftragsbearbeitung? Wird mit den Eingaben trainiert? Welche Personen haben Zugriff?
- Klären Sie die Grundlage. Möglich sind je nach Fall eine ausdrückliche Einwilligung der Betroffenen oder eine Bewilligung der Aufsichtsbehörde. Lesen Sie dazu Reicht eine Einwilligung?.
- Legen Sie eine interne Regel fest. Halten Sie schriftlich fest, was mit KI bearbeitet werden darf und was nicht. Eine Vorlage finden Sie unter KI-Richtlinie für Mitarbeitende.
- Fragen Sie Ihre Aufsicht oder Ihren Verband. Anwaltsverbände, Ärztegesellschaften und Kantonale Datenschutzstellen veröffentlichen teilweise Empfehlungen. Fragen Sie im Zweifel dort nach.
Vorlage zum Kopieren
Dieser Prompt arbeitet ausdrücklich ohne echte Geheimnisse. Er hilft Ihnen, die Fragen für den Einsatz in Ihrer Berufsgruppe zu ordnen.
Ich arbeite als [Rolle] in einem Schweizer Betrieb der Branche [Branche]. Ich möchte klären, ob und wie wir KI nutzen können, ohne Berufsgeheimnisse zu verletzen.
Erstelle eine Fragenliste für unsere Datenschutz- oder Rechtsfachperson mit den Themen:
- Welche unserer Daten fallen unter ein gesetzliches Berufsgeheimnis?
- Welche KI-Aufgaben benötigen keine Geheimnisse (Beispiele: [Aufgabe 1], [Aufgabe 2])?
- Welche Fragen sind beim Anbieter [Name oder «noch offen»] zu stellen (Standort, Zugriff, Training, Vertrag)?
- Welche Grundlage (Einwilligung, Bewilligung, Anonymisierung) kommt je Aufgabe in Frage?
Regeln: Keine rechtlichen Schlussfolgerungen ziehen, nur Fragen und Prüfpunkte nennen. Keine echten Personendaten verwenden. Deutsch (Schweiz), einfache Sprache.Ersetzen Sie die Platzhalter durch Ihre Rolle und Aufgaben; die Antwort bringen Sie zur Fachperson.
Worauf Sie achten müssen
- Strafrechtliche Folgen: Die Verletzung des Berufsgeheimnisses ist strafbar. Das Gesetz sieht Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor. Die Strafbarkeit besteht auch nach Beendigung des Berufs.
- Hilfspersonen: Auch Mitarbeitende und externe Dienstleister, die Zugang erhalten, können einbezogen sein. Sorgen Sie für Verschwiegenheitsverpflichtungen.
- Datenschutz zusätzlich: Das Datenschutzgesetz gilt neben dem Berufsgeheimnis. Gesundheitsdaten und andere besonders schützenswerte Personendaten verlangen mehr Sorgfalt.
- Anonymisierung ist nicht automatisch sicher: Sind Personen noch erkennbar, bleibt das Geheimnis betroffen.
- Kantonale und berufliche Regeln: Zusätzlich gelten kantonale Vorgaben und Standesregeln. Ob sie strenger sind, hängt vom Beruf ab.
- Kein Pauschalurteil: Ob eine konkrete KI-Nutzung zulässig ist, entscheidet sich im Einzelfall.
| Daten | Beispiel | Vorsicht |
|---|---|---|
| Allgemeine Texte | Vorlage für Briefkopf | gering |
| Personendaten | Kundenliste | mittel bis hoch |
| Besonders schützenswerte | Gesundheitsangaben | hoch |
| Berufsgeheimnis | Mandatsakte, Patientenakte | sehr hoch |
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Eine Hausarztpraxis in Zofingen möchte Briefe an Patientinnen schneller formulieren. Die Praxisleiterin klärt zuerst, welche Aufgaben ohne Patientendaten gehen.
Vorher: Die Assistentin hätte ganze Berichte in einen Chat kopiert. Nachher: Die KI erstellt Briefvorlagen und Textbausteine mit Platzhaltern wie [Name], [Datum], [Befund]. Die Assistentin ergänzt die Angaben im praxiseigenen System. Patientendaten gelangen so nicht in den KI-Dienst, die Zeitersparnis bleibt teilweise erhalten.
So hilft Ihnen Alpasana
Damit alle im Betrieb dieselben Regeln kennen, hilft die KI-Weiterbildung für Unternehmen. Sie behandelt Schweizer Praxisbezug und Datenschutz als Lerninhalte und den verantwortungsvollen Umgang mit Unternehmensdaten. Die Teilnehmenden lernen online im eigenen Tempo und erhalten verifizierbare Abschlüsse.
Für Teams gibt es auf der Seite eine Kontaktmöglichkeit zu Firmenlösungen. Die juristische Beurteilung Ihres Berufsgeheimnisses ist nicht Teil des Angebots.
Häufige Fragen
Gilt das Berufsgeheimnis auch für Treuhänder?
Treuhänder sind in der klassischen Aufzählung nicht generell genannt, Revisoren schon. Daneben bestehen vertragliche Pflichten und das Geschäftsgeheimnis. Details finden Sie unter KI in der Treuhand.
Ist eine Schweizer KI-Lösung automatisch erlaubt?
Nein. Entscheidend sind Vertrag, Zugriffe und Absicherung, nicht allein der Standort. Auch bei Schweizer Anbietern müssen Sie prüfen.
Darf ich KI nutzen, wenn ich Namen weglasse?
Das kann reichen, aber nur, wenn die Person nicht mehr erkennbar ist. Seltene Merkmale, Orte und Zeitangaben können sie verraten.
Wo bekomme ich verbindliche Auskunft?
Bei Ihrem Berufsverband, der Aufsichtsbehörde oder einer Fachperson für Recht. Diese Seite gibt nur Orientierung.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.
Quellen
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