Recht & Ethik · KI-Weiterbildung für konkrete Berufsrollen
Falldaten anonymisieren: Wann bleibt eine Person erkennbar?
Kurz gesagt
Ein Fall ist nur dann anonym, wenn die Person auch mit vertretbarem Aufwand nicht mehr erkennbar ist. Das Streichen des Namens genügt oft nicht, weil Beruf, Ort, Zeitangaben und seltene Ereignisse eine Person verraten können. Prüfen Sie den Text aus Sicht eines Menschen, der die Person kennen könnte.
Das Problem
Eine Sozialarbeiterin in einem kleinen Dorf möchte einen schwierigen Fall mit KI besprechen, um Ideen für das weitere Vorgehen zu erhalten. Sie entfernt den Namen und schreibt: «Ein 54-jähriger Landwirt aus dem Gemeindeteil Oberdorf, der letzten Herbst seinen Hof an den Sohn übergab, zwei Wochen später seine Frau verlor und seither das Haus kaum verlässt.»
Der Name fehlt, trotzdem weiss im Dorf jeder, wer gemeint ist. Das ist das Kernproblem der Anonymisierung: Erkennbar macht eine Person nicht nur der Name, sondern die Kombination von Angaben. Frau Müller, die bei einer Stiftung arbeitet und Fallbeispiele für Weiterbildungen aufbereiten soll, steht vor demselben Problem.
Das Datenschutzgesetz spricht von Personendaten, wenn sich Angaben auf eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehen. Bestimmbar ist eine Person, wenn man sie mit zumutbarem Aufwand identifizieren könnte. Und wo ein Berufsgeheimnis gilt, ist schon die Erkennbarkeit für Aussenstehende ein Problem.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Fragen Sie zuerst, ob Sie den Fall wirklich brauchen. Oft genügt eine allgemeine Frage: «Wie spreche ich mit Menschen, die sich nach einem Verlust zurückziehen?» Das braucht keinen Einzelfall.
- Entfernen Sie direkte Merkmale. Namen, Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Versicherungs- und Dossiernummern gehören raus.
- Suchen Sie indirekte Merkmale. Dazu zählen Beruf, Arbeitgeber, Wohnort oder Quartier, Alter, Familienkonstellation, besondere Ereignisse, seltene Krankheiten, Schulklassen, Vereinsmitgliedschaften, Fahrzeuge und genaue Zeitangaben.
- Verallgemeinern Sie. Aus «54-jähriger Landwirt aus Oberdorf» wird «Mann mittleren Alters in ländlichem Umfeld». Aus «im Oktober» wird «in einem früheren Jahr». Verändern Sie aber nichts, was für die Fragestellung wesentlich ist.
- Prüfen Sie die Kombination. Je mehr Merkmale zusammenkommen, desto eher ist eine Person erkennbar. Fragen Sie sich: Könnte jemand, der die Person kennt, sie wiedererkennen? Könnten Nachbarn, Familie oder Arbeitskollegen sie erraten?
- Prüfen Sie die Gruppengrösse. Gibt es nur wenige Menschen mit diesem Merkmalsmix in der Gemeinde oder im Beruf, ist das Risiko hoch. In kleinen Gemeinden gelten strengere Massstäbe.
- Lassen Sie die KI nur zur Kontrolle helfen. Sie können sie bitten, indirekte Merkmale zu markieren. Das ersetzt Ihr Urteil nicht, bringt aber Hinweise.
- Entscheiden Sie bewusst. Wenn Zweifel bleiben, verzichten Sie auf den Fall oder erfinden einen Beispielfall. Siehe auch Wie anonymisiere ich Dokumente?.
Vorlage zum Kopieren
Dieser Prompt prüft nur Ihren bereits bereinigten Text auf übrig gebliebene Merkmale. Verwenden Sie ihn nur, wenn Sie den Text bereits vorsichtig vorbereitet haben.
Ich habe einen Fall bereits bereinigt und möchte prüfen, ob eine Person noch erkennbar sein könnte. Kontext: Schweiz, kleiner Ort, [Berufsfeld].
Lies den folgenden Text. Liste alle Angaben auf, die allein oder in Kombination eine Person erkennbar machen könnten (zum Beispiel Beruf, Alter, Ort, Zeitangaben, seltene Ereignisse, Familienverhältnisse).
Gib je Merkmal einen Vorschlag, wie ich es verallgemeinern kann, ohne dass die Fragestellung verloren geht.
Beurteile am Ende NICHT, ob der Text anonym ist; nenne nur, welche Risiken du siehst und welche Rückfragen ich mir stellen sollte.
Text:
[bereinigter Text]Ersetzen Sie das Berufsfeld und den Text. Die endgültige Entscheidung treffen Sie selbst oder mit Ihrer Fachperson.
Worauf Sie achten müssen
- Mosaik-Effekt: Einzelne harmlose Angaben ergeben zusammen ein klares Bild. Prüfen Sie immer die Kombination.
- Kleine Räume: Je kleiner Ort, Betrieb oder Berufsgruppe, desto eher ist jemand erkennbar.
- Zusatzwissen: Wer die Person kennt, kann Details zuordnen, die für Fremde anonym wirken.
- Berufsgeheimnis: Bei Geheimnisträgern schützt das Gesetz auch Informationen, aus denen die Person erschlossen werden kann.
- Pseudonymisierung: Ersatznamen oder Codes machen Fälle nicht anonym, solange eine Zuordnung möglich ist; siehe Anonymisieren oder pseudonymisieren.
- KI-Kontrolle: Die KI kann Merkmale übersehen. Sie ist ein zweites Augenpaar, kein Prüfsiegel.
| Merkmal | Risiko | Beispiel für Verallgemeinerung |
|---|---|---|
| Genauer Beruf und Ort | hoch | «Fachperson im Gewerbe, ländlicher Raum» |
| Exaktes Alter | mittel | «Mitte 50» |
| Datum eines Ereignisses | mittel | «vor einigen Monaten» |
| Seltene Diagnose | hoch | «chronische Erkrankung» |
| Kombination mehrerer | sehr hoch | Fall vereinfachen oder erfinden |
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Eine Heimleiterin in einem Bergdorf will mit KI ein Gespräch zu einem herausfordernden Bewohnerverhalten vorbereiten. Sie entfernt Namen und Zimmernummer und glaubt, die Beschreibung sei anonym.
Vorher: «Eine 87-jährige ehemalige Lehrerin, die als Einzige im Haus Italienisch spricht und deren Sohn Gemeinderat ist». Nachher: «Eine ältere Bewohnerin mit Bildungsberuf, die sich schwer eingewöhnt». Die Leiterin streicht Sprache, Familienmitglied und Beruf, weil im Dorf jede Leserin sofort wüsste, wer gemeint ist. Die Frage an die KI bleibt nützlich, der Mensch bleibt geschützt.
So hilft Ihnen Alpasana
Wer im Beruf täglich mit sensiblen Fällen arbeitet, lernt bei absofort in der KI-Weiterbildung für konkrete Berufsrollen, wie sich Aufgaben mit KI bearbeiten lassen. Die Kurse arbeiten mit einem durchgehenden Praxisfall und Praxis-Prompts, bieten einen KI-Lerncoach und schliessen mit einem verifizierbaren Zertifikat mit Rolle und Level ab.
Ob ein bestimmter Text tatsächlich anonym ist, beurteilen Sie gemeinsam mit Ihrer Datenschutz- oder Fachperson. Eine Rechtsprüfung ist nicht Teil des Angebots.
Häufige Fragen
Reicht es, Namen durch Buchstaben zu ersetzen?
Nein, das ist eine Pseudonymisierung. Solange Merkmale und Zusatzwissen die Person erkennen lassen, bleibt der Text personenbezogen.
Kann ich Zahlen und Daten verändern?
Ja, wenn die Fragestellung dadurch nicht verfälscht wird. Ändern Sie nur, was nicht entscheidend ist, und erwähnen Sie in Ihrer Dokumentation, dass Angaben verändert wurden.
Wie anonym muss ein Text für ein Fallbeispiel in der Weiterbildung sein?
Wesentlich strenger als für den internen Gebrauch, denn er wird einem grösseren Kreis gezeigt. Im Zweifel erfinden Sie einen Beispielfall, der typische Elemente mehrerer Fälle kombiniert.
Hilft eine KI-Anonymisierung?
Als erste Durchsicht ja. Verlassen Sie sich aber nicht darauf, besonders wenn der Text an einen externen Dienst geht. Siehe auch Personendaten in KI-Prompts erkennen.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.
Quellen
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