Zum Inhalt springen

Coaching verstehen · Prompt Engineering

Was wäre, wenn? Mit KI hilfreiche Gedankenexperimente bauen

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Hypothetische Fragen laden dazu ein, Möglichkeiten gedanklich durchzuspielen, ohne sich festzulegen. Sie funktionieren, wenn sie offen, konkret und freiwillig sind. Mit KI können Sie Fragen entwerfen und prüfen, die Wirkung zeigt sich aber nur im Gespräch.

Das Problem

Eine Klientin steckt in einer Entscheidung fest und dreht sich im Kreis: «Ich kann doch nicht einfach alles hinschmeissen.» Direkte Fragen wie «Was wollen Sie wirklich?» führen oft zu Abwehr oder Leere. Manchmal braucht es einen indirekten Zugang, der den Druck der Festlegung nimmt.

Hier helfen hypothetische Fragen. Sie laden dazu ein, etwas gedanklich durchzuspielen: «Angenommen, Sie müssten sich nicht entscheiden, was würde Sie interessieren?» oder «Stellen Sie sich vor, in einem Jahr ist alles gut gelaufen. Was haben Sie getan?» Weil sie nur im Gedankenspiel stattfinden, fühlen sie sich weniger riskant an und lassen neue Möglichkeiten sichtbar werden. Die Wunderfrage der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie ist ein bekanntes Beispiel.

Hypothetische Fragen sind aber nicht beliebig. Zu abstrakte oder zu weit hergeholte Szenarien bringen wenig, und manche Menschen reagieren darauf mit Unwillen. Auch dürfen sie keine Antwort vorgeben. KI eignet sich als Ideengeberin: Sie entwirft Varianten, die Sie anpassen. Verwenden Sie dafür erfundene Situationen. Echte Gesprächsinhalte gehören nicht in öffentliche KI-Dienste.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Anliegen im Allgemeinen fassen: Beschreiben Sie ein typisches Coaching-Thema als erfundenes Beispiel, zum Beispiel «berufliche Entscheidung zwischen Sicherheit und Veränderung».
  2. Ziel der Frage bestimmen: Was soll die Frage bewirken? Zum Beispiel Druck nehmen, neue Optionen öffnen, Wünsche erkennen oder Folgen durchdenken.
  3. Fragetypen wählen: Wählen Sie Typen wie Zukunftsfrage («In einem Jahr …»), Wegfall der Hindernisse («Angenommen, … wäre kein Hindernis»), Perspektivwechsel («Was würde ein Freund raten?») oder Ressourcenfrage («Wann haben Sie Ähnliches schon gemeistert?»).
  4. KI-Entwurf einholen: Fügen Sie die Vorlage unten ein. Bitten Sie um jeweils zwei Formulierungen pro Typ.
  5. Auswählen und anpassen: Wählen Sie Formulierungen, die zu Ihrer Sprache und zum Anliegen passen. Streichen Sie Suggestives.
  6. Vorbereitung auf Reaktionen: Überlegen Sie, wie Sie reagieren, wenn die Person sagt: «Das ist unrealistisch.» Eine mögliche Antwort: «Es ist nur ein Gedankenspiel. Was würde Ihnen dabei einfallen?»
  7. Im Gespräch anbieten: Fragen Sie vorher um Erlaubnis: «Darf ich Ihnen eine ungewöhnliche Frage stellen?» So bleibt die Autonomie gewahrt.
  8. Ergebnisse sichern: Fassen Sie zusammen, was die Person im Gedankenspiel gesagt hat, und fragen Sie, was davon in der Realität bedeutsam ist.

Vorlage zum Kopieren

Ich bin Coach und möchte hypothetische Fragen für ein Coaching-Thema entwickeln. Wir arbeiten mit einem erfundenen Beispiel.

Erfundenes Thema: [z. B. berufliche Entscheidung zwischen Sicherheit und Veränderung]
Ziel der Fragen: [z. B. Druck nehmen und neue Optionen öffnen]

Aufgabe:
1. Formuliere je zwei offene hypothetische Fragen zu diesen Typen: Zukunft («In einem Jahr …»), Hindernis fällt weg («Angenommen, … wäre kein Hindernis»), Perspektivwechsel, bisherige Erfolge.
2. Prüfe jede Frage auf Suggestion und auf versteckte Antworten.
3. Gib zu jeder Frage an, wann sie eher passt und wann nicht.
4. Nenne drei mögliche Reaktionen («Das ist unrealistisch») und je eine respektvolle Antwort.
Keine Diagnosen, keine Ratschläge zur Entscheidung, keine realen Daten. Sprache: Deutsch (Schweiz), Anrede «Sie».

Ersetzen Sie Thema und Ziel. Passen Sie die Fragen an Ihre Klientengruppe an.

Worauf Sie achten müssen

  • Keine Klientendaten in öffentlichen KI-Diensten: Arbeiten Sie mit erfundenen Themen. Berufsgeheimnis, Datenschutz und Einwilligung bleiben im Einzelfall zu prüfen.
  • Freiwilligkeit: Bieten Sie die Frage an, statt sie zu verordnen. Wer das Gedankenspiel ablehnt, soll es ablehnen dürfen.
  • Realitätsbezug: Hypothesen können in Wunschdenken enden. Bringen Sie das Ergebnis zurück in den Alltag: Was lässt sich davon heute prüfen?
  • Nicht bei akuter Belastung: Wenn jemand in einer Krise steckt, wirken Zukunftsfragen oft zynisch. Dann ist Stabilisierung wichtiger.
  • Keine Vorhersagen: Gedankenspiele sind keine Prognosen. Verwechseln Sie Szenarien nicht mit Wahrscheinlichkeiten.
  • Krisenhinweise: Bei Hoffnungslosigkeit oder Selbstgefährdung verweisen Sie an Hausarzt, Psychotherapie oder die Dargebotene Hand (Telefon 143).
TypBeispiel
Zukunft«Stellen Sie sich vor, in einem Jahr ist die Entscheidung getroffen und Sie sind zufrieden. Was haben Sie getan?»
Hindernis fällt weg«Angenommen, die Finanzen wären kein Thema. Was würden Sie dann ausprobieren?»
Perspektivwechsel«Was würde eine Kollegin, der Sie vertrauen, in dieser Lage sagen?»
Ressourcen«Wann haben Sie schon einmal eine schwierige Veränderung gut bewältigt?»

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Thomas, 50, Coach in Lenzburg, begleitet eine Teamleiterin, die zwischen dem Verbleib in ihrer Firma und einem Wechsel hin- und hergerissen ist. Direkte Fragen führen zu Floskeln wie «Es hat beides Vor- und Nachteile».

Vorher: Das Gespräch stockt, beide wiederholen sich.

Nachher: Mit Entwürfen aus der KI-Vorbereitung fragt Thomas, nachdem er um Erlaubnis gebeten hat: «Angenommen, Sie müssten sich heute nicht entscheiden. Welche Frage würden Sie in den nächsten drei Monaten gern klären?» Die Klientin nennt zwei Fragen, die sie bisher nicht ausgesprochen hatte. Daraus entsteht ein kleiner Erkundungsplan, etwa ein Gespräch mit einer ehemaligen Kollegin.

So hilft Ihnen Alpasana

Wenn Sie lernen möchten, KI präzise für Ihre Vorbereitung zu beauftragen, bietet der Prompt-Engineering-Kurs auf absofort.ch Grundlagen: Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festlegen, Beispiele einsetzen, Prompts überarbeiten und Ergebnisse prüfen. Er läuft online, ohne Programmierkenntnisse, mit Zertifikat. Die Methodik des Coachings selbst vermittelt er nicht.

Häufige Fragen

Wann passen hypothetische Fragen nicht?

Wenn die Person sich nicht ernst genommen fühlt oder keine Lust auf Gedankenspiele hat. Dann wechseln Sie zu konkreten Fragen. Siehe Konkretisierungsfragen.

Ist die Wunderfrage eine hypothetische Frage?

Ja, sie ist ein bekanntes Beispiel aus dem lösungsfokussierten Ansatz. Mehr dazu auf der Seite Wunderfrage in Alltagssprache.

Wie gehe ich mit Antworten wie «Das ist unrealistisch» um?

Erinnern Sie daran, dass es ein Gedankenspiel ist, und fragen Sie nach dem Kern des Wunsches: «Was daran ist Ihnen wichtig?»

Sind das Prognosen?

Nein. Gedankenspiele zeigen Möglichkeiten, keine Wahrscheinlichkeiten. Prüfen Sie Ideen anschliessend an der Realität, zum Beispiel mit einem Entscheidungsexperiment.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Weiterlesen in der Galaxie