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Coaching verstehen · Prompt Engineering

Zirkuläre Fragen: Mit KI Perspektiven als Vermutungen erkunden

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Zirkuläre Fragen laden dazu ein, die Perspektive anderer Personen zu erkunden: «Was würde Ihre Kollegin dazu sagen?» Die Antworten sind Vermutungen der Klientin, keine Tatsachen. Mit KI können Sie solche Fragen an erfundenen Beispielen üben und auf Unterstellung prüfen.

Das Problem

Eine Klientin klagt über einen Konflikt mit ihrer Vorgesetzten. Sie beschreibt die Situation aus ihrer Sicht, und der Coach versteht sie gut. Gleichzeitig fehlt etwas: Wie die Vorgesetzte die Lage sieht, wissen beide nicht. Gespräche, in denen nur eine Sicht vorkommt, verfestigen oft die Position und lassen wenig Spielraum.

Zirkuläre Fragen stammen aus der systemischen Beratung und Therapie, die in den 1970er- und 1980er-Jahren unter anderem von der Mailänder Gruppe um Mara Selvini Palazzoli entwickelt wurde. Sie fragen nicht direkt nach dem Befinden der Person, sondern nach Beziehungen und Wirkungen: «Wie würde Ihre Vorgesetzte die Situation beschreiben?», «Wer im Team bemerkt es als Erstes, wenn es Ihnen besser geht?», «Was würde Ihre Kollegin sagen, was Sie anders machen könnten?»

Wichtig: Die Antworten sind Vermutungen der Klientin über die Sichtweise anderer. Sie sind keine Tatsachen. Wer sie als Wahrheit behandelt, begeht dieselben Fehler wie bei Gedankenlesen. Der Wert der Fragen liegt im Perspektivwechsel und darin, dass sich Zusammenhänge zeigen. KI kann Ihnen helfen, Fragen vorzubereiten und auf Unterstellungen zu prüfen. Üben Sie mit erfundenen Beispielen. Gesprächsinhalte von Klientinnen gehören nicht in öffentliche KI-Dienste.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Beteiligte als Rollen erfassen: Denken Sie sich eine fiktive Situation mit zwei oder drei Rollen aus, zum Beispiel Mitarbeiterin, Vorgesetzte, Kollegin.
  2. Fragetypen sammeln: Notieren Sie Typen: Sicht eines anderen («Was würde X sagen?»), Beobachtung («Wer bemerkt es zuerst?»), Unterschied («Wem fällt es am meisten auf?»), Zukunft («Was wäre in einem Jahr anders, und wer würde es sagen?»).
  3. KI-Entwurf einholen: Geben Sie die fiktive Situation in die Vorlage unten ein und lassen Sie sich Fragen sowie eine Prüfung auf Unterstellung geben.
  4. Formulierungen prüfen: Achten Sie darauf, dass die Frage nicht schon eine Deutung enthält («Warum ist Ihre Chefin so unfair?»). Zirkuläre Fragen sollten neugierig sein.
  5. Als Vermutung kennzeichnen: Üben Sie Rückfragen wie «Das ist Ihre Vermutung. Wie könnten Sie das überprüfen?»
  6. Rollenspiel üben: Lassen Sie die KI die Klientin spielen, die mit «Das weiss ich doch nicht» antwortet. Üben Sie: «Was vermuten Sie?»
  7. Anschluss klären: Fragen Sie nach der Wirkung: «Was fällt Ihnen an dieser Sicht auf?», «Was bedeutet das für Ihr nächstes Gespräch?»
  8. Bei Bedarf überprüfen lassen: Besprechen Sie mit der Klientin, ob und wie sie die Vermutung im Gespräch mit der anderen Person prüfen möchte.

Vorlage zum Kopieren

Ich bin Coach und möchte zirkuläre Fragen üben. Wir arbeiten mit einer erfundenen Situation.

Erfundene Situation: [z. B. Eine Mitarbeiterin empfindet die Kommunikation mit ihrer Vorgesetzten als schwierig.]
Beteiligte (nur Rollen): [Mitarbeiterin, Vorgesetzte, Kollegin]

Aufgabe:
1. Formuliere je zwei zirkuläre Fragen zu: Sicht einer anderen Person, Beobachtung durch andere, Unterschieden und Zukunft.
2. Prüfe jede Frage darauf, ob sie eine Unterstellung, Deutung oder Schuldzuweisung enthält. Schlage eine neutralere Fassung vor.
3. Nenne drei Rückfragen, mit denen ich die Antworten als Vermutungen kennzeichne und prüfbar mache.
4. Spiele die Klientin, die zuerst sagt: «Das weiss ich nicht.» Reagiere realistisch auf meine Fragen und gib mir danach Feedback.
Keine Diagnosen, keine Urteile über reale Personen, keine realen Daten. Sprache: Deutsch (Schweiz), Anrede «Sie».

Ersetzen Sie die Situation durch ein erfundenes Beispiel aus Ihrem Praxisfeld und wählen Sie Rollen, nicht Personen.

Worauf Sie achten müssen

  • Keine Gedankenleserei: Zirkuläre Fragen liefern keine Auskunft über das, was andere wirklich denken. Behandeln Sie die Antworten als Hypothesen.
  • Keine Klientendaten in öffentlichen KI-Diensten: Arbeiten Sie mit erfundenen Rollen und Situationen. Berufsgeheimnis, Datenschutz und Einwilligung gelten auch für Beschreibungen Dritter.
  • Dritte schützen: Wenn Klientinnen über Personen sprechen, die nicht anwesend sind, vermeiden Sie Schuldzuschreibungen und prüfen Sie die Fairness.
  • Nicht bei jeder Person passend: Manchen Menschen fällt der Perspektivwechsel schwer oder wirkt befremdlich. Wählen Sie dann andere Zugänge.
  • Gewalt und Machtmissbrauch: Bei Mobbing, Gewalt oder Machtmissbrauch sind andere Stellen zuständig. Zirkuläre Fragen können Betroffene unter Druck setzen, ihre Sicht zu relativieren.
  • Krisen: Bei Hinweisen auf Hoffnungslosigkeit oder Selbstgefährdung verweisen Sie an Hausarzt, Psychotherapie oder die Dargebotene Hand (Telefon 143).
FrageartBeispiel
Sicht eines anderen«Was würde Ihre Vorgesetzte sagen, wenn ich sie nach dem Anliegen frage?»
Beobachtung«Wer in Ihrem Team würde als Erstes merken, dass es besser läuft?»
Unterschied«Wem fällt es am meisten auf, wenn Sie in Sitzungen sprechen?»
Zukunft«Wer würde in einem Jahr sagen, dass sich etwas verändert hat, und woran?»

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Katharina, 49, Coachin in Aarau, begleitet eine Projektleiterin, die sich von ihrem Team nicht unterstützt fühlt. Sie fragt zunächst: «Warum unterstützt Sie das Team nicht?»

Vorher: Die Klientin beschreibt lange, was das Team falsch macht. Das Gespräch bleibt in ihrer Sicht.

Nachher: Mit Übungsfragen aus der KI-Vorbereitung fragt Katharina: «Was würde ein Teammitglied sagen, wenn man es fragt, was es von Ihnen braucht?» Die Klientin überlegt und vermutet, das Team wünsche sich klarere Prioritäten. Katharina fragt: «Wie könnten Sie prüfen, ob das stimmt?» Die Klientin plant ein kurzes Gespräch mit zwei Teammitgliedern.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zum Perspektivwechsel?

Zirkuläre Fragen bauen den Perspektivwechsel in die Frage ein, ohne ihn zu verordnen. Das Gegenüber entscheidet, ob es mitgeht.

Wie gehe ich mit «Das weiss ich nicht» um?

Fragen Sie nach einer Vermutung: «Was könnte sein?» Hilfreich sind auch Hypothetische Fragen.

Wie verhindere ich Unterstellungen?

Formulieren Sie neugierig und neutral, vermeiden Sie «Warum» und werten Sie die Antworten nicht. Mehr dazu unter Zirkuläre Fragen ohne Unterstellung.

Eignen sich zirkuläre Fragen auch für Teams?

Ja, mit Vorsicht, wenn mehrere Personen anwesend sind. Siehe Zirkuläre Fragen im Team.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

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