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Schule & Unterricht · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben

KI-Arbeitsblätter für Screenreader verständlich aufbereiten

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Ein KI-Arbeitsblatt wird für Screenreader brauchbar, wenn es echte Überschriften, eine logische Lesereihenfolge, kurze Alternativtexte für Bilder und einfache Tabellen enthält. Die KI kann Entwürfe liefern, doch die Prüfung mit dem Screenreader und mit der betroffenen Person bleibt Ihre Aufgabe.

Das Problem

Frau Keller unterrichtet eine Klasse, in der ein Junge mit einer starken Sehbeeinträchtigung einen Screenreader nutzt. Das ist ein Programm, das den Inhalt einer Seite am Bildschirm laut vorliest oder auf einer Braillezeile anzeigt. Die schön gestalteten Arbeitsblätter, die sie mit KI vorbereitet hat, sind für ihn kaum nutzbar: Der Text steht in Kästchen, die Reihenfolge ist durcheinander, und Bilder werden einfach als «Grafik» vorgelesen.

Ein Screenreader erkennt nicht, was ein Blatt optisch zeigt. Er liest die Elemente in der Reihenfolge, in der sie im Dokument stehen. Fett gedruckte Zeilen sind für ihn keine Überschriften, solange sie nicht als solche formatiert wurden.

KI-Werkzeuge erzeugen oft Texte mit Sonderzeichen, Linien aus Zeichen und Tabellen, die nur grafisch funktionieren. Wer das ungeprüft übernimmt, schafft neue Hürden. Mit wenigen Handgriffen lässt sich das Blatt für alle verständlicher machen, auch für Lernende ohne Beeinträchtigung.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Das Blatt zuerst als reinen Text planen. Lassen Sie die KI Inhalt und Aufgaben in einer klaren Gliederung schreiben, ohne Gestaltung. Gestalten Sie danach in Word oder einem vergleichbaren Programm.
  1. Echte Überschriften verwenden. Weisen Sie Titel und Abschnitte mit den Formatvorlagen «Überschrift 1» und «Überschrift 2» aus. Nur so können Screenreader-Nutzende von Abschnitt zu Abschnitt springen.
  1. Die Lesereihenfolge prüfen. Vermeiden Sie Textfelder und frei schwebende Elemente. Eine einfache Kontrolle: Gehen Sie mit der Tabulator- oder Pfeiltaste durch das Dokument und achten Sie darauf, ob die Reihenfolge stimmt.
  1. Alternativtexte schreiben. Fragen Sie die KI nach einem kurzen Alternativtext pro Bild, ein bis zwei Sätze. Er beschreibt, was für die Aufgabe wichtig ist, nicht jedes Detail. Zierbilder markieren Sie als dekorativ.
  1. Tabellen einfach halten. Verwenden Sie eine Kopfzeile, keine verbundenen Zellen und keine leeren Zeilen als Abstand. Prüfen Sie, ob die Tabelle auch als Liste lesbar wäre.
  1. Aufträge in vollständigen Sätzen formulieren. Ersetzen Sie Pfeile, Symbole und Farbhinweise wie «Löse die roten Aufgaben» durch Text, etwa «Löse die Aufgaben 4 bis 6».
  1. Die Barrierefreiheitsprüfung nutzen. Viele Textprogramme haben eine eingebaute Prüfung auf Barrierefreiheit. Sie findet fehlende Alternativtexte und unklare Tabellen, ersetzt aber nicht den Praxistest.
  1. Mit dem Screenreader testen. Lassen Sie das Blatt vorlesen, oder bitten Sie den betroffenen Lernenden um eine Rückmeldung, was unklar war. Das ist die verlässlichste Prüfung.
ElementHäufiges ProblemBessere Lösung
ÜberschriftNur fett gedrucktFormatvorlage verwenden
BildKein oder zu langer AlternativtextEin bis zwei prägnante Sätze
TabelleVerbundene ZellenEinfache Struktur mit Kopfzeile
FarbeFarbe als einzige InformationZusätzlich Text oder Nummer
Link«Hier klicken»Beschreibender Linktext

Vorlage zum Kopieren

Ein Prompt ist der schriftliche Auftrag an die KI. Nutzen Sie ein von Ihrer Schule freigegebenes Werkzeug und fügen Sie nur Ihre eigenen Aufgabentexte ein.

Ich bereite ein Arbeitsblatt für [Fach, Stufe] vor, das mit einem Screenreader gelesen werden soll.
Hier ist mein Aufgabentext: [Text einfügen].
1. Gliedere den Text mit Überschriften in der Reihenfolge, in der er gelesen werden soll.
2. Formuliere alle Aufträge als vollständige Sätze ohne Symbole und Farbangaben.
3. Schreibe für jedes Bild einen Alternativtext von höchstens zwei Sätzen. Beschreibe nur, was für die Aufgabe nötig ist: [Zweck des Bildes].
4. Wandle Tabellen in eine einfache Tabelle mit Kopfzeile um oder schlage eine Liste vor.
5. Weise auf Stellen hin, die du nicht sicher beschreiben kannst.

Ergänzen Sie bei Bildern jeweils den Zweck, denn derselbe Plan wird für eine Mathematikaufgabe anders beschrieben als für den Geografieunterricht.

Worauf Sie achten müssen

  • Alternativtexte der KI können Dinge erfinden. Vergleichen Sie jede Beschreibung mit dem Bild und streichen Sie, was nicht zu sehen ist.
  • Fügen Sie keine Arbeiten, Fotos oder Namen von Lernenden in öffentliche KI-Dienste ein. Auch Hinweise zu einer Beeinträchtigung sind besonders schützenswert; Orientierung zum Datenschutz bietet das Educa-Dossier.
  • Rechtliche Ansprüche auf Anpassungen und Nachteilsausgleich regeln die Kantone unterschiedlich. Klären Sie sie im Einzelfall mit Schulleitung und Fachstelle.
  • Nicht jede Beeinträchtigung braucht dieselbe Anpassung. Fragen Sie die betroffene Person, was ihr hilft, statt für sie zu entscheiden.
  • Allgemeine Hinweise zur Zugänglichkeit finden Sie in den Leitlinien der Web Accessibility Initiative. Sie gelten für Webseiten, lassen sich aber sinngemäss auf Dokumente übertragen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein erfundenes Beispiel aus einer Sekundarschule in Burgdorf: Frau Keller hat ein Blatt zum Wasserkreislauf. Die Version vom Vorjahr enthielt ein farbiges Schema in einem Textfeld und die Anweisung «Beschrifte die blauen Pfeile».

Nach der Überarbeitung gibt es Überschriften für Aufgabe 1 bis 3. Das Schema hat einen Alternativtext («Pfeile zeigen den Weg von Verdunstung über Wolkenbildung zu Niederschlag»), und die Aufgabe heisst «Nenne die drei Stationen des Wasserkreislaufs». Der betroffene Schüler liest das Blatt mit dem Screenreader und meldet zurück, dass der Alternativtext die Reihenfolge nicht eindeutig nennt. Frau Keller ergänzt sie. Auch zwei Kinder mit Leseschwäche sagen, das neue Blatt sei klarer.

So hilft Ihnen Alpasana

Der Kurskatalog von absofort bietet KI- und IT-Kurse für konkrete Arbeitsaufgaben, unter anderem zu Bürokommunikation, Präsentationen und Dokumenten, mit Praxisaufgaben, Qualitätsprüfung und Einsatzregeln. Dort üben Sie, KI-Entwürfe sorgfältig zu prüfen und in Ihrem Arbeitsalltag zu nutzen.

Barrierefreiheit ist als eigenes Kursthema in der Beschreibung nicht ausdrücklich genannt. Für die fachliche Beurteilung im Einzelfall wenden Sie sich an Ihre schulische Fachstelle.

Häufige Fragen

Reicht es, das Blatt als PDF zu speichern?

Nur wenn das Ausgangsdokument sauber strukturiert ist. Ein PDF aus einem Dokument ohne Überschriften und Alternativtexte bleibt schwer nutzbar. Prüfen Sie das Ergebnis mit einem Screenreader.

Muss ich jedes Blatt so aufbereiten?

Es lohnt sich zumindest für Blätter, die Sie wiederverwenden, und für Klassen mit betroffenen Lernenden. Eine gute Struktur nützt auch weiteren Kindern. Für einzelne Blätter genügen oft Überschriften und Alternativtexte.

Kann die KI das Blatt selbst auf Barrierefreiheit prüfen?

Sie kann Hinweise geben, etwa fehlende Überschriften nennen. Ein verlässliches Urteil ist das aber nicht, weil sie das Dokument nicht so liest wie ein Screenreader. Ergänzend zu den Tipps hier lohnt der Beitrag zu Lernbarrieren erkennen.

Wie beschreibe ich Diagramme richtig?

Nennen Sie die Art des Diagramms, die Achsen und die wichtigen Werte, aber geben Sie die Auswertung nicht vor. Mehr dazu steht im Beitrag zu Diagrammen beschreiben.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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