Recht & Ethik · Übersetzen, Dolmetschen und Sprachtraining
Darf ich fremde Texte mit KI übersetzen und veröffentlichen?
Kurz gesagt
Zum eigenen Verständnis oder intern dürfen Sie vieles übersetzen lassen. Veröffentlichen oder verbreiten Sie die Übersetzung eines geschützten Textes, brauchen Sie in der Regel die Zustimmung der Rechteinhaber, denn eine Übersetzung ist eine Bearbeitung des Originals.
Das Problem
Auf einer englischen Fachseite finden Sie einen hervorragenden Ratgeber für Ihre Branche. Ihre Kundschaft spricht Deutsch, und eine KI übersetzt den Text in Sekunden verständlich und fliessend. Warum nicht auf die eigene Website stellen oder im Newsletter verschicken?
Dahinter steckt ein Irrtum, der häufig vorkommt: «Ich habe den Text ja selbst, in neuer Sprache, also gehört er mir.» Rechtlich bleibt die Übersetzung aber mit dem Original verbunden. Wer sie veröffentlicht, nutzt das fremde Werk in abgewandelter Form.
Das Urheberrecht gibt der Urheberin das Recht zu entscheiden, ob und wie ihr Werk bearbeitet und verbreitet wird. Ob Sie die Übersetzung nur lesen oder öffentlich nutzen, macht darum einen grossen Unterschied.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Klären Sie den Zweck. Wollen Sie den Text nur verstehen, intern im Team verwenden oder öffentlich zeigen, zum Beispiel auf der Website, im Newsletter oder in einem Handbuch? Davon hängt alles Weitere ab.
- Prüfen Sie, ob der Text geschützt ist. Texte sind meist geschützt, wenn sie eine individuelle geistige Schöpfung sind. Ob eine Ausnahme gilt (Gesetze, amtliche Dokumente, sehr alte Werke), prüfen Sie im Einzelfall. Als Grundregel endet der Schutz in der Schweiz 70 Jahre nach dem Tod der Urheberin oder des Urhebers; bei Miturheberschaft und in gesetzlich geregelten Sonderfällen kann sich die Berechnung unterscheiden.
- Verstehen Sie: Übersetzung ist Bearbeitung. Das Urheberrechtsgesetz (URG) zählt Übersetzungen zu den Werken zweiter Hand. Sie dürfen entstehen, aber ihre Verwendung braucht die Zustimmung der Urheberin des Originals, soweit sie in dessen Rechte eingreift.
- Nutzen Sie die interne Übersetzung für das Verständnis. Für das eigene Lesen und die betriebsinterne Information sind die Spielräume grösser. Verteilen Sie Übersetzungen aber nicht breit oder extern.
- Fragen Sie die Rechteinhaber. Schreiben Sie kurz an Autorin oder Verlag und bitten Sie um Erlaubnis für Übersetzung und Veröffentlichung. Nennen Sie Zweck, Kanal und Zeitraum.
- Prüfen Sie freie Lizenzen. Manche Texte stehen unter Creative-Commons-Lizenzen, die Übersetzungen erlauben, oft mit Namensnennung und Hinweis auf die Änderung. Lesen Sie die Lizenzbedingungen genau und beachten Sie Einschränkungen wie «keine Bearbeitung».
- Ziehen Sie Alternativen in Betracht. Schreiben Sie eigene Zusammenfassungen oder Beiträge mit eigenen Gedanken und verweisen Sie mit Quelle auf das Original. Ideen und Fakten sind frei, ihre Darstellung nicht.
- Lassen Sie wichtige Texte prüfen. Bei Veröffentlichung, Verträgen oder Fachtexten lohnt sich ein menschliches Korrektorat, und bei Zweifeln zur Berechtigung eine rechtliche Beratung.
Vorlage zum Kopieren
Schreibe eine kurze Anfrage um Erlaubnis zur Übersetzung.
Absender: [Name, Firma, Ort].
Originaltext: «[Titel]», Autor/in: [Name], Fundstelle: [Link].
Gewünschte Nutzung: Übersetzung ins Deutsche (Schweiz) und
Veröffentlichung [auf unserer Website / im Newsletter / intern].
Zeitraum: [z. B. unbefristet / ein Jahr].
Wir nennen die Urheberschaft und verlinken auf das Original.
Bitte um schriftliche Zustimmung und Angabe der gewünschten
Namensnennung. Ton: höflich, sachlich, auf Deutsch,
höchstens 120 Wörter. Erfinde keine Rechtsbehauptungen.Passen Sie Zweck, Kanal und Zeitraum an. Senden Sie die Anfrage erst nach eigener Prüfung, und bewahren Sie die Antwort auf.
Was ist wann erlaubt?
| Situation | Einschätzung |
|---|---|
| Übersetzung für das eigene Verständnis | Unproblematisch |
| Betriebsinterne Information in kleinem Kreis | In Grenzen möglich, Bedingungen prüfen |
| Veröffentlichung eines noch geschützten Werks auf Website oder im Newsletter | Zustimmung oder passende Lizenz nötig, soweit keine gesetzliche Schranke greift |
| Text unter freier Lizenz, die Bearbeitung erlaubt | Zulässig unter den Lizenzbedingungen |
| Sehr altes, gemeinfreies Werk | Frei, aber neuere Übersetzung oder Ausgabe beachten |
Worauf Sie achten müssen
- Das Ergebnis der KI gehört nicht automatisch Ihnen: Die Übersetzung hängt am Original. Ihre eigenen Rechte daran bestehen nur, soweit sie überhaupt entstehen können, und ersetzen nicht die Zustimmung der Urheberin.
- Qualität prüfen: KI-Übersetzungen können Fachbegriffe, Zahlen oder Verneinungen falsch wiedergeben. Bei Veröffentlichung braucht es eine menschliche Prüfung.
- Vertraulichkeit: Fügen Sie keine vertraulichen oder personenbezogenen Texte in öffentliche Übersetzungsdienste ein. Bei Verträgen siehe Verträge mit KI übersetzen.
- Beglaubigte Übersetzungen: Für Urkunden und Behörden braucht es oft eine beglaubigte Übersetzung durch befugte Personen. Eine KI-Übersetzung genügt dafür nicht.
- Quellenangabe ersetzt keine Erlaubnis: Auch wenn Sie das Original nennen, bleibt die Zustimmung nötig, wo sie das Gesetz verlangt.
- Keine Rechtsberatung: Bei grösseren Veröffentlichungen klärt eine Fachperson die Rechte.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein erfundenes Beispiel: Eine Treuhänderin in Aarau stösst auf einen ausführlichen englischen Leitfaden zu einem Steuerthema und übersetzt ihn mit KI für ihre Kundschaft. Den Text will sie als Blogbeitrag veröffentlichen, mit ihrem Logo.
Beim Nachprüfen entdeckt sie, dass der Leitfaden unter den Rechten eines Verbands steht und keine freie Lizenz trägt. Mit der Vorlage fragt sie beim Verband nach. Der erlaubt die Übersetzung, verlangt aber einen Hinweis auf die Quelle und prüft die Fassung vor Veröffentlichung.
Zusätzlich lässt die Treuhänderin die Fachbegriffe von einer Person mit Sprachkenntnissen gegenlesen. Der Beitrag erscheint mit Quellenhinweis und Zustimmung, ohne dass ein Rechtsstreit droht.
So hilft Ihnen Alpasana
Wenn Dokumente an einer Sprachbarriere scheitern, bietet Alpasana Übersetzen, Dolmetschen und Sprachtraining an: juristische, technische und geschäftliche Fachübersetzungen, beglaubigte Übersetzungen, Korrektorat und Lektorat sowie eine Dokumentprüfung mit verbindlicher Offerte. Der Schwerpunkt liegt auf Ukrainisch, Russisch und Deutsch.
Die Frage, ob Sie ein fremdes Werk übersetzen und veröffentlichen dürfen, klärt das nicht, denn dafür sind die Rechteinhaber zuständig. Zum Einstieg lesen Sie Wem gehören Texte und Bilder aus einer KI? und Zitate und Quellen bei KI-Texten.
Häufige Fragen
Darf ich eine KI-Übersetzung eines Gesetzestextes veröffentlichen?
Gesetze und amtliche Erlasse sind in der Schweiz vom Urheberrechtsschutz ausgenommen. Das gilt nicht automatisch für jede Begleitpublikation oder Kommentierung. Beachten Sie ausserdem, dass nur die amtlichen Sprachfassungen verbindlich sind.
Reicht es, wenn ich die Übersetzung stark verändere?
Wenn Sie nur Sätze umstellen, bleibt die Übersetzung eine Bearbeitung des Originals. Erst eine wirklich eigenständige Darstellung mit eigenen Gedanken, die nur die Ideen übernimmt, ist frei. Die Grenze ist im Einzelfall zu beurteilen.
Was gilt für Texte, die ich selbst geschrieben habe?
Eigene Texte dürfen Sie frei übersetzen lassen. Anders ist es, wenn Sie die Rechte an einen Verlag oder Auftraggeber übertragen haben. Prüfen Sie dann den Vertrag.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.
Quellen
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