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Recht & Ethik · KI für Developer mit Claude und Codex

GPAI-Anbieterinformationen: Was KMU verlangen können

Stand 10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Wer ein fertiges KI-Modell in eine eigene Anwendung einbaut, sollte vom Modellanbieter Zweck, Fähigkeiten, Grenzen, technische Anforderungen, Lizenz, Datenangaben und Hinweise zur sicheren Nutzung verlangen. Der EU AI Act verpflichtet Anbieter von Allzweck-Modellen, solche Informationen Firmen bereitzustellen, die ihr Modell integrieren.

Das Problem

Ihr Team baut eine Anwendung auf ein vorhandenes KI-Modell: einen Assistenten für die Kundschaft, ein Werkzeug zur Dokumentenauswertung oder eine Suche in Firmenwissen. Das Modell stammt von einem grossen Anbieter und wird über eine Schnittstelle genutzt. Nun fragt sich Ihr Team: Was müssen wir über das Modell wissen, um unsere Anwendung verantwortungsvoll zu bauen? Und was dürfen wir vom Anbieter verlangen?

Wenn Sie ein fremdes Modell einbauen, übernehmen Sie Verantwortung für das, was Ihre Anwendung tut. Sie können diese Verantwortung aber nur tragen, wenn Sie die Stärken und Grenzen des Modells kennen: Wofür ist es gedacht, wo macht es Fehler, welche Daten verarbeitet es, welche Bedingungen gelten?

Der EU AI Act sieht vor, dass Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI-Modellen) nach Artikel 53 Firmen, die das Modell in ein KI-System integrieren, bestimmte technische Informationen bereitstellen. Für bestimmte freie und quelloffene Modelle entfällt diese Informationspflicht; bei Modellen mit systemischem Risiko gilt die Ausnahme nicht. Andere Pflichten, etwa zu Urheberrecht und zur Zusammenfassung der Trainingsinhalte, bleiben bestehen. Diese Seite zeigt eine Checkliste. Sie ersetzt keine Rechtsberatung, und Fristen wurden 2026 angepasst.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Ihre Rolle klären: Sind Sie Nutzer eines fertigen Dienstes oder bauen Sie das Modell in eine eigene Anwendung ein? Im zweiten Fall sind Sie unter Umständen Anbieter eines KI-Systems. Siehe Anbieter oder Betreiber.
  2. Einsatzzweck beschreiben: Wofür soll Ihre Anwendung dienen? Ohne diese Beschreibung lässt sich nicht beurteilen, welche Modellangaben wichtig sind.
  3. Dokumentation sammeln: Laden Sie Modellbeschreibung, Nutzungsbedingungen, technische Hinweise und Lizenz herunter und speichern Sie sie mit Datum. Siehe Modellbeschreibungen lesen.
  4. Checkliste abgleichen: Prüfen Sie anhand der Tabelle unten, welche Angaben vorliegen und welche fehlen.
  5. Fehlendes anfragen: Fragen Sie den Anbieter schriftlich nach den fehlenden Angaben. Halten Sie Datum und Antwort fest.
  6. Grenzen in Ihre Anwendung übersetzen: Bauen Sie Schutzmassnahmen ein, etwa Prüfschritte, Hinweise für Nutzende und menschliche Freigabe dort, wo das Modell schwach ist.
  7. Verträge prüfen: Klären Sie Auskunftspflichten, Updates, Haftung und Datenverarbeitung. Siehe Checkliste für KI-Anbieterverträge.
  8. Änderungen beobachten: Modelle werden aktualisiert oder abgeschaltet. Legen Sie fest, wer Änderungen verfolgt und nach jedem Update testet.

Vorlage zum Kopieren

Mit diesem Auftrag bereiten Sie eine Anfrage an einen Modellanbieter vor. Das Ergebnis ist ein Entwurf:

Wir entwickeln die Anwendung [Name] für [Zweck] und nutzen das Modell [Name, Version] von [Anbieter] über [Schnittstelle].
Schreibe einen höflichen, sachlichen Brief (Schweizer Standarddeutsch, Anrede «Sie») an den Anbieter, in dem wir um folgende Angaben bitten: vorgesehener Verwendungszweck und Einsatzgrenzen, Fähigkeiten und bekannte Schwächen, Eingabe- und Ausgabeformate, technische Anforderungen, Lizenz und Nutzungsbedingungen, Angaben zu Trainingsdaten (Zusammenfassung) und zum Umgang mit Urheberrecht, Hinweise zur sicheren Nutzung, Versions- und Änderungspolitik, Ansprechperson.
Erstelle zusätzlich eine Tabelle «Angabe | erhalten | Quelle | Datum | offen».
Gib keine Rechtsberatung und nenne keine gesetzlichen Pflichten als sicher.

Ersetzen Sie die Angaben. Lassen Sie den Brief von Ihrer Fachperson prüfen, bevor Sie ihn senden.

Worauf Sie achten müssen

  • Angaben können begrenzt sein: Anbieter müssen nicht alles offenlegen, insbesondere keine Geschäftsgeheimnisse. Entscheidend ist, dass Sie genug wissen, um Ihre Anwendung verantwortungsvoll zu bauen.
  • Nutzungsbedingungen: Sie regeln oft, wofür das Modell nicht verwendet werden darf. Verstösse können zu Sperrung oder Haftung führen.
  • Datenschutz: Klären Sie, ob und wie Eingaben verarbeitet, gespeichert oder zum Training genutzt werden. Siehe Vertrag: Training ausschliessen.
  • Versionswechsel: Wenn der Anbieter ein Modell ersetzt, kann Ihre Anwendung sich verändern. Testen Sie bei jedem Wechsel.
  • Eigene Pflichten: Auch mit guten Unterlagen bleiben Sie für Ihre Anwendung verantwortlich, inklusive Transparenz, Aufsicht und Dokumentation. Siehe Technische Dokumentation.
  • Schweizer Lage: Der AI Act gilt nicht direkt in der Schweiz. Bei EU-Bezug kann er relevant sein. Siehe EU AI Act und die Schweiz.
  • Fristen: Die Anwendungstermine wurden 2026 angepasst. Siehe Ab wann gelten welche Pflichten?.
AngabeWozu brauchen Sie sie?
Vorgesehener Zweck, Einsatzgrenzenprüfen, ob Ihr Einsatz passt
Fähigkeiten und bekannte SchwächenPrüfschritte und Hinweise planen
Ein- und Ausgabeformatetechnische Integration
Technische AnforderungenBetrieb, Kosten
Lizenz und Nutzungsbedingungenrechtlich zulässiger Einsatz
Trainingsdaten (Zusammenfassung), UrheberrechtRisiken und Nachfragen von Kundschaft einschätzen
SicherheitshinweiseMissbrauch und Fehler begrenzen
Versionen und ÄnderungenUpdates testen
KontaktRückfragen und Vorfälle

Wenn der Anbieter wenig liefert: Dokumentieren Sie Ihre Anfrage und die Antwort. Prüfen Sie, ob öffentliche Dokumentation, Modellkarten oder Nutzungsbedingungen die Lücken füllen. Gleichen Sie ab, welche Angaben für Ihre Anwendung unverzichtbar sind, und testen Sie das Modell selbst mit eigenen Fällen, vor allem dort, wo Fehler Folgen für Menschen hätten. Wenn wichtige Auskünfte fehlen und Ihre Anwendung sensibel ist, ziehen Sie einen anderen Anbieter oder eine Lösung mit grösserer Transparenz in Betracht. Planen Sie zudem, wie Sie bei Ausfall oder Abschaltung des Modells reagieren, und halten Sie diese Überlegungen in der Dokumentation fest.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein erfundenes Beispiel: Ein Schweizer Softwarehaus baut für Gemeinden einen Assistenten, der Fragen zu Abfallgebühren und Öffnungszeiten beantwortet. Er nutzt ein Sprachmodell eines internationalen Anbieters.

Vorher: Das Team liest nur die Preisseite. Nach dem Start gibt der Assistent in zwei Fällen veraltete Angaben und erfindet einen Termin. Die Gemeinde fragt, wie das passieren konnte.

Nachher: Mit der Vorlage fordert das Softwarehaus Einsatzgrenzen, bekannte Schwächen und Hinweise zur sicheren Nutzung an. Es erkennt, dass das Modell ohne Datenquelle Angaben erfinden kann, und baut die Antwort auf geprüfte Gemeindedaten um. Zudem fügt es einen Hinweis für Nutzende ein und testet jede Modellaktualisierung mit festen Testfragen.

So hilft Ihnen Alpasana

Wenn Sie KI-Modelle in eigene Anwendungen einbauen, bietet absofort den Kurs KI für Developer mit Claude und Codex. Laut Beschreibung lernen Sie LLM-Grundlagen mit Kontext, Grenzen und Datenschutz, Aufgaben zu delegieren und Ergebnisse zu verifizieren, und Sie erhalten ein Entwickler-Playbook mit Prompts, Review-Regeln, Tests und Datenschutzgrenzen.

Rechtliche Anforderungen des AI Act sind nicht Kursinhalt. Dafür sind Fachleute zuständig.

Häufige Fragen

Muss der Modellanbieter mir wirklich Informationen geben?

Der AI Act sieht für Anbieter von GPAI-Modellen Informationspflichten gegenüber Firmen vor, die das Modell in ein KI-System integrieren. Für bestimmte freie und quelloffene Modelle gibt es eine Ausnahme, ausser bei systemischem Risiko. Umfang und Zeitpunkt prüfen Sie im aktuellen Gesetzestext.

Was, wenn ich nur einen fertigen Assistenten nutze?

Dann sind Sie meist Betreiber und stellen andere Fragen. Siehe Betreiberpflichten.

Reicht die öffentliche Modellkarte?

Oft ist sie ein guter Anfang. Prüfen Sie, ob sie Zweck, Grenzen und Nutzungsbedingungen für Ihren Einsatz ausreichend beschreibt.

Wie halte ich die Antworten fest?

In einer Tabelle mit Datum und Quelle, abgelegt bei der Projektdokumentation. So können Sie später nachweisen, worauf Sie sich gestützt haben.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.

Quellen

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