Recht & Ethik · Linup: KI sicher am Arbeitsplatz
Ab wann gelten welche Pflichten des EU AI Act?
Kurz gesagt
Der EU AI Act gilt gestaffelt; ein einziges Startdatum reicht für die Planung nicht aus. Stand Oktober 2026 sind auch die Änderungen des AI Omnibus zu berücksichtigen, insbesondere die späteren Termine für bestimmte Hochrisikoanforderungen.
Das Problem
Auf einer älteren Folie steht ein Termin, in einem Newsletter ein anderer. Frau Müller soll daraus einen Plan für den Betrieb erstellen. Sie kann aber nicht erkennen, ob von Inkrafttreten, Beginn einer einzelnen Pflicht oder einer Sonderregel für bestehende Systeme die Rede ist.
Inkrafttreten bedeutet, dass eine Regelung rechtlich besteht; Anwendungstermine bestimmen, ab wann einzelne Vorgaben zu beachten sind. Für Ihren Plan brauchen Sie deshalb neben dem Datum immer die betreffende Vorschrift, den Anwendungsfall und Ihre Unternehmensrolle. Ein Kalender ohne diese Zuordnung erzeugt falsche Sicherheit.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Beginnen Sie mit dem geprüften Anwendungsfall. Öffnen Sie Ihre Liste der KI-Anwendungen und wählen Sie einen Vorgang aus. Klären Sie zuerst den EU-Bezug und die Rolle Ihres Betriebs. Ohne diese Grundlage lässt sich ein allgemeiner Termin nicht sinnvoll in eine betriebliche Aufgabe übersetzen.
- Öffnen Sie die aktuelle amtliche Quelle. Prüfen Sie Artikel 113 sowie gegebenenfalls besondere Übergangsvorschriften. Notieren Sie das Datum Ihrer Recherche und die verwendete Fassung. Eine Suchmaschinenzusammenfassung oder KI-Antwort kann ältere Termine enthalten und ersetzt die Kontrolle im Original nicht.
- Ordnen Sie die grosse Zeitachse ein. Die Verordnung trat am 1. August 2024 in Kraft; der allgemeine Anwendungstermin ist der 2. August 2026. Teilbereiche gelten früher oder später. Verwenden Sie die Tabelle unten als Orientierung und prüfen Sie die genaue Vorschrift Ihres Falls.
- Berücksichtigen Sie Änderungen von 2026. Die Kommission berichtet, dass der AI Omnibus am 27. Juli 2026 in Kraft trat. Die Hochrisikotermine wurden für bestimmte Bereiche verschoben. Übernehmen Sie deshalb die früher verbreitete Kombination von 2026 und 2027 nicht unverändert in einen neuen Plan.
- Prüfen Sie Sonderfälle ausdrücklich. Notieren Sie, wann ein System erstmals bereitgestellt oder eingesetzt wurde und ob es wesentlich verändert wird. Für bestehende Systeme können zusätzliche Übergangsvorschriften relevant sein. Lassen Sie solche Fragen anhand des aktuellen Textes fachlich beurteilen, statt allein nach dem Kaufdatum zu entscheiden.
- Lassen Sie KI den Arbeitsplan formatieren. Geben Sie nur bereits überprüfte Termine und die dazugehörigen Aufgaben ein. Verlangen Sie eine Tabelle mit Quelle, Zuständigkeit und offenem Prüfpunkt. Die KI soll keine fehlenden Fristen ergänzen, auch wenn dadurch zunächst leere Felder bestehen bleiben.
- Planen Sie rückwärts von der bestätigten Aufgabe. Berücksichtigen Sie Beschaffung, technische Anpassung, Schulung und interne Freigabe. Bestimmen Sie einen Termin für die nächste Quellenkontrolle und eine Person für Änderungen. Trennen Sie interne Vorbereitungstermine sichtbar von gesetzlichen Anwendungsterminen.

Einfach erklärt
Ein Anwendungstermin gehört immer zu einer bestimmten Regel. Er ist nicht mit Ihrem internen Projekttermin gleichzusetzen. Ihr Betrieb kann eine Schulung oder technische Anpassung früher planen, damit bei Beginn einer bestätigten Pflicht alles vorbereitet ist.
Ein Beispiel: Eine Fachperson ordnet einer geplanten Anwendung eine bestimmte Anforderung zu. Frau Müller übernimmt Vorschrift und Termin mit Quelle in den Arbeitsplan. Daneben setzt sie einen internen Termin für die Beschaffung der Unterlagen. Beide Daten werden unterschiedlich bezeichnet, damit niemand den selbst gewählten Arbeitstermin für eine gesetzliche Frist hält.
Für die Planung genügen die Felder Anwendung, Vorschrift, Quelle, gesetzlicher Termin, interne Vorbereitung und Zuständigkeit. KI kann diese geprüften Angaben sortieren, darf fehlende Fristen aber nicht ergänzen.
Welche Termine gehören in die erste Übersicht?
| Datum | Orientierung, Stand Oktober 2026 |
|---|---|
| 2. Februar 2025 | Erste Regeln, darunter ursprüngliche Verbote und KI-Kompetenz |
| 2. August 2025 | Unter anderem Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck |
| 2. August 2026 | Allgemeiner Anwendungstermin mit Ausnahmen; unter anderem Beginn der Transparenzpflichten nach Artikel 50 |
| 2. Dezember 2026 | Neu ergänzte Verbote nach Artikel 5, soweit dort vorgesehen |
| 2. Dezember 2027 | Betroffene Hochrisikoregeln für Anhang III |
| 2. August 2028 | Betroffene Hochrisikoregeln für Produkte nach Anhang I |
Grundlage sind Artikel 113 und die amtliche Erläuterung zum AI Omnibus. Für vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebrachte Systeme zur Erzeugung synthetischer Inhalte sieht Artikel 111 eine Frist bis zum 2. Dezember 2026 für die Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50 Absatz 2 vor. Weitere Sonder- und Übergangsregeln müssen im Einzelfall geprüft werden.
Worauf Sie achten müssen
- Die oben stehende Zeitachse ist kein vollständiger Pflichtenplan. Sie muss mit Ihrer Risikoeinstufung, Rolle und den einschlägigen Sonderregeln abgeglichen werden.
- Verschobene Hochrisikoanforderungen heben andere geltende Vorschriften nicht auf. Datenschutz, bestehende Verbote und gesonderte Transparenzpflichten sind weiterhin jeweils zu prüfen.
- Die Pflicht zur Förderung von KI-Kompetenz nach Artikel 4 wurde 2026 angepasst. Prüfen Sie den aktuellen Inhalt und verlassen Sie sich nicht auf ältere Werbeaussagen zu einer angeblichen einheitlichen Zertifikatspflicht.
- Gesetzesänderung, politischer Vorschlag und behördliche Erläuterung sind unterschiedliche Quellenarten. Kennzeichnen Sie Ihren Beleg entsprechend, bevor Sie ihn als verbindlichen Planungstermin behandeln.
- Lassen Sie offene Rechtsfragen anhand Ihres konkreten Falls fachlich prüfen. Eine KI kann Informationen ordnen, aber auch Regeln, Quellen und Schlussfolgerungen erfinden.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein erfundenes Beispiel: Ein Schweizer Personalbüro mit EU-Bezug plant eine neue KI-Anwendung. Frau Müller findet im alten Projektordner eine Folie mit den ursprünglichen Hochrisikofristen. Sie übernimmt diese zunächst in den Kalender, bemerkt aber den abweichenden Stand einer aktuellen amtlichen Quelle.
Das Büro lässt Anwendung und Termin erneut fachlich zuordnen. Die interne Vorbereitung läuft weiter, während der gesetzliche Bezug im Plan korrigiert wird. Schulung und Datenschutzprüfung werden nicht pauschal verschoben. Jede Aufgabe erhält eine Quelle und eine verantwortliche Person, sodass spätere Änderungen nachvollziehbar bleiben.
So hilft Ihnen Alpasana
Linup vermittelt Grundregeln zum Umgang mit Daten, zur Prüfung von KI-Ergebnissen und zum Erkennen von Betrugsversuchen. Der Online-Kurs richtet sich auch an Menschen ohne Technikkenntnisse. Für Teams stehen Einladungen, Fortschrittsübersicht und eine Nachweismappe mit Kursinhalt und Abschlussangaben zur Verfügung. Das Angebot finden Sie unter Linup: KI sicher am Arbeitsplatz.
Linup unterstützt die Durchführung und Dokumentation von Schulung. Sie können Lernaufgaben dadurch organisatorisch in Ihren bestätigten Vorbereitungsplan aufnehmen. Eine Weiterbildung und ihr Nachweis ersetzen keine rechtliche Einzelfallprüfung und garantieren keine vollständige Erfüllung gesetzlicher Pflichten.
Häufige Fragen
Gilt seit August 2026 bereits alles?
Nein, der allgemeine Anwendungstermin hat Ausnahmen. Prüfen Sie die einzelne Bestimmung und allfällige Übergangsregeln statt aus einem Datum auf sämtliche Systeme zu schliessen.
Dürfen wir bis zum späteren Termin mit echten Daten testen?
Eine spätere Pflicht ist keine allgemeine Testerlaubnis. Prüfen Sie Datenschutz, bestehende Anforderungen und die konkrete Versuchsgestaltung unabhängig vom späteren Anwendungstermin.
Wie oft müssen wir die Quellen kontrollieren?
Legen Sie einen zum Projekt passenden Kontrollpunkt fest, etwa vor Beschaffung, Freigabe und wesentlichen Änderungen. Bei angekündigten Änderungen sollten Sie zusätzlich verfolgen, ob und wann daraus geltendes Recht wird.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.
Quellen
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