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Branchen · KI-Beratung und digitale Transformation

KI für Anwaltskanzleien: Werkzeuge sinnvoll vergleichen

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Wählen Sie ein KI-Werkzeug nicht nach Werbeversprechen, sondern nach Ihren Aufgaben: Was soll es konkret erledigen, wo liegen die Daten, und wie belegt es seine Aussagen? Testen Sie zwei bis drei Kandidaten mit denselben anonymisierten Beispielen und halten Sie das Ergebnis in einer Tabelle fest.

Das Problem

Der Markt für KI-Werkzeuge, die sich an Kanzleien richten, ist unübersichtlich. Es gibt allgemeine Chat-Programme, Zusatzfunktionen in der bestehenden Kanzleisoftware und spezialisierte Anwendungen für Recherche, Vertragsprüfung oder Aktenanalyse. Alle versprechen Zeitgewinn. Wer soll da noch den Überblick behalten?

Für eine kleine Kanzlei ist eine Fehlentscheidung teuer. Ein Werkzeug, das nicht zu den Aufgaben passt, wird nach drei Wochen nicht mehr benutzt. Ein Werkzeug, das Mandatsdaten unklar verarbeitet, kann das Berufsgeheimnis gefährden. Und ein Werkzeug, das Quellen erfindet, kostet im schlimmsten Fall Vertrauen.

Hilfreich ist ein nüchterner Vergleich anhand fester Kriterien. Diese Seite liefert Ihnen eine Liste dazu, ohne einzelne Produkte zu bewerten. Solche Bewertungen veralten schnell, Kriterien nicht.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Aufgaben aufschreiben. Notieren Sie drei bis fünf konkrete Tätigkeiten, bei denen Sie Zeit sparen möchten, etwa «Akten chronologisch zusammenfassen» oder «Verträge vergleichen». Ohne Aufgabe gibt es keinen sinnvollen Vergleich. Anregungen: Akten mit KI zusammenfassen.
  1. Muss-Kriterien festlegen. Bestimmen Sie, was unverhandelbar ist: Zum Beispiel muss klar sein, wo die Daten verarbeitet werden, ob Ihre Eingaben zum Training verwendet werden und ob ein Vertrag zur Datenverarbeitung angeboten wird.
  1. Kandidaten sammeln. Wählen Sie zwei bis drei Werkzeuge: eines, das Ihre Software bereits anbietet, ein allgemeines und ein spezialisiertes. Mehr überfordert den Test.
  1. Fragen an die Anbieter stellen. Schicken Sie allen dieselben Fragen. Eine Vorlage finden Sie unter Sicherheitsfragen an KI-Anbieter. Notieren Sie Antworten schriftlich.
  1. Testfälle vorbereiten. Nehmen Sie drei anonymisierte Beispiele aus Ihrem Alltag. Geben Sie jedem Werkzeug dieselben Aufträge. Wie Sie Texte vorbereiten, steht bei Kanzleidokumente anonymisieren.
  1. Ergebnisse bewerten. Lassen Sie zwei Personen unabhängig bewerten: Stimmt es? Sind Fundstellen angegeben und nachprüfbar? Wie viel Zeit sparen wir wirklich, wenn wir die Kontrolle mitrechnen?
  1. Kosten und Aufwand zusammenrechnen. Preise, Einführung, Schulung und Pflege gehören dazu. Fragen Sie nach Kündigungsfristen und danach, ob Sie Ihre Daten bei einem Wechsel zurückerhalten.
  1. Pilotphase festlegen. Starten Sie mit einer kleinen Gruppe über einige Wochen. Legen Sie vorher fest, woran Sie Erfolg messen, und entscheiden Sie dann gemeinsam.
Ablaufgrafik in 8 Schritten: 1. Aufgaben aufschreiben; 2. Muss-Kriterien festlegen; 3. Kandidaten sammeln; 4. Fragen an die Anbieter stellen; 5. Testfälle vorbereiten; 6. Ergebnisse bewerten; 7. Kosten und Aufwand zusammenrechnen; 8. Pilotphase festlegen.
Der Weg im Überblick: KI für Anwaltskanzleien: Werkzeuge sinnvoll vergleichen

Vorlage zum Kopieren

Mit dieser Vorlage lassen Sie sich helfen, Ihre eigene Kriterienliste aufzubauen. Geben Sie darin keine Mandatsdaten ein.

Du berätst eine kleine Schweizer Anwaltskanzlei (ca. [Anzahl] Personen) bei der Auswahl eines KI-Werkzeugs.

Unsere Aufgaben: [z. B. Akten zusammenfassen, Verträge vergleichen, Mandantenbriefe vereinfachen]
Unsere Software heute: [z. B. Kanzleisoftware XY, Microsoft 365]
Unsere Muss-Kriterien: [z. B. Datenverarbeitung in der Schweiz oder EU, kein Training mit unseren Eingaben]

Erstelle:
1. Eine Tabelle mit 12 Bewertungskriterien (Spalten: Kriterium | Warum wichtig | Frage an den Anbieter).
2. Fünf Testaufträge, die wir mit anonymisierten Beispielen durchführen können.
3. Eine Liste von Warnsignalen in Angeboten.
Verwende einfache Sprache. Nenne keine konkreten Produkte und keine Preise.

Ergänzen Sie Ihre eigenen Muss-Kriterien. Die Tabelle gleichen Sie anschliessend mit den Antworten der Anbieter ab.

KriteriumFrageWarnsignal
DatenverarbeitungWo und von wem werden Eingaben verarbeitet?Keine klare Antwort
TrainingWerden Eingaben zum Verbessern des Modells genutzt?«Das kommt darauf an» ohne Vertrag
QuellenWerden Fundstellen angegeben, die man prüfen kann?Nur Fliesstext ohne Belege
VertragGibt es eine Vereinbarung zur Datenverarbeitung?Nur Standard-AGB
AusstiegErhalte ich meine Daten zurück?Keine Exportmöglichkeit

Worauf Sie achten müssen

  • Berufsgeheimnis: Die Schweigepflicht der Anwaltschaft ist im Strafgesetzbuch geregelt (Art. 321 StGB). Das Werkzeug muss so eingesetzt werden können, dass es dazu passt. Die Einordnung im Einzelfall gehört in die fachliche Prüfung.
  • Datenschutz: Das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) gilt auch für Kanzleien. Bei Auftragsbearbeitung durch einen Anbieter brauchen Sie klare Abmachungen. Der EDÖB informiert dazu.
  • Werbeaussagen: Angaben wie «80 Prozent schneller» sind ohne Messmethode wertlos. Prüfen Sie selbst, mit Ihren Fällen.
  • Bindung: Wer Daten und Abläufe in ein Werkzeug legt, hängt davon ab. Planen Sie den Wechsel mit ein.
  • Veränderung: Modelle und Funktionen ändern sich laufend. Prüfen Sie die Wahl jährlich neu. Stand Oktober 2026 ist das Angebot in Bewegung, Aussagen zu einzelnen Produkten gelten nur kurz.
  • Schulung: Ein gutes Werkzeug in ungeübten Händen führt zu Fehlern. Planen Sie Einführung und Regeln ein.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Eine Dreipersonenkanzlei in Luzern will KI nutzen, um Verträge schneller zu vergleichen. Die Partnerin sammelt drei Kandidaten und stellt allen dieselben zwölf Fragen. Einer antwortet auf drei Fragen nicht, einer bietet keinen Vertrag zur Datenverarbeitung an.

Das dritte Werkzeug besteht den Test mit drei anonymisierten Verträgen. Die Bewertung zeigt aber: Zwar erkennt es Unterschiede zuverlässig, die Prüfung der Treffer braucht jedoch fast so lange wie der manuelle Vergleich. Die Kanzlei entscheidet sich für einen Pilot mit der Substitutin über sechs Wochen und notiert Zeit und Fehler. Erst danach kauft sie weitere Lizenzen. Die Partnerin sagt: «Wir haben nicht das Neueste gekauft, sondern das, was wir prüfen können.»

So hilft Ihnen Alpasana

Wenn Ihre Kanzlei Arbeitsabläufe vor einer Legal-Tech-Auswahl ordnen möchte, kann KI-Beratung und digitale Transformation Prozesse aufnehmen, KI-Potenziale analysieren und Vorhaben priorisieren. Eine Empfehlung für ein bestimmtes Werkzeug oder Rechtsberatung ist damit nicht verbunden.

Häufige Fragen

Reicht ein allgemeines Chat-Programm für eine Kanzlei?

Für unkritische Arbeiten ohne Mandatsdaten kann es genügen, etwa für Ideen oder Formulierungshilfen. Sobald vertrauliche Angaben im Spiel sind, brauchen Sie klare Zusagen zur Datenverarbeitung.

Wie viele Werkzeuge soll ich testen?

Zwei bis drei. Mit mehr verlieren Sie den Überblick und vergleichen am Ende Eindrücke statt Ergebnisse.

Wer soll die Auswahl treffen?

Die Kanzleileitung entscheidet, die Personen, die täglich damit arbeiten, testen mit. Halten Sie die Regeln danach schriftlich fest, wie unter KI-Regeln für die Kanzlei beschrieben.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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