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Berufe & Funktionen · KI-Weiterbildung für Unternehmen

Stellenanzeigen auf ausgrenzende Formulierungen prüfen

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Stellenanzeigen können unbeabsichtigt ausgrenzen, etwa durch Wörter, die ein bestimmtes Alter, Geschlecht oder eine Herkunft nahelegen. Eine KI kann Texte auf solche Stellen hin durchsehen und Alternativen vorschlagen. Ob eine Formulierung rechtlich problematisch ist, klären Sie im Einzelfall mit einer Fachperson.

Das Problem

Ein Betrieb schreibt eine Stelle aus: «Wir suchen einen jungen, dynamischen Mitarbeiter mit Muttersprache Deutsch, der uns tatkräftig unterstützt.» Der Satz klingt harmlos und ist doch problematisch. Er schliesst Frauen, ältere Personen und Menschen mit anderer Muttersprache indirekt aus, auch wenn sie alles könnten, was die Stelle braucht.

Solche Formulierungen entstehen selten aus Absicht. Es sind Gewohnheiten, Floskeln aus alten Anzeigen oder Wunschbilder. Die Folgen sind real: Geeignete Personen bewerben sich nicht, und im schlimmsten Fall entsteht rechtlicher Ärger. Gleichzeitig sind Unternehmen auf Fachkräfte angewiesen und sollten niemanden unnötig abschrecken.

Eine KI kann beim Prüfen helfen. Sie erkennt viele problematische Wörter und schlägt Alternativen vor. Sie macht aber auch Fehler: Sie kann Unproblematisches markieren, anderes übersehen und selbst Vorurteile enthalten. Darum ist ihr Urteil ein Hinweis, kein Gutachten.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Stelle und Anforderungen klären. Was ist für die Aufgabe wirklich nötig? Nur sachliche Anforderungen gehören in die Anzeige. Siehe Anforderungsprofil erstellen.
  1. Anzeige entwerfen. Schreiben Sie die Anzeige oder nehmen Sie eine bestehende. Sie darf noch unvollkommen sein.
  1. Mit Checkliste prüfen. Gehen Sie die Checkliste unten durch: Geschlecht, Alter, Herkunft, Sprache, Aussehen, Familie, Gesundheit, Sonstiges.
  1. KI zur zweiten Durchsicht nutzen. Geben Sie den Anzeigentext (ohne Firmengeheimnisse) in die Vorlage und lassen Sie Stellen markieren, die ausgrenzend wirken könnten, mit Begründung und Alternative.
  1. Vorschläge bewerten. Nicht jede Markierung ist berechtigt. Entscheiden Sie, ob ein Begriff sachlich nötig ist, zum Beispiel eine Sprachkompetenz, die für die Arbeit zwingend ist.
  1. Sprachniveau statt Muttersprache. Wenn Sprachkenntnisse nötig sind, nennen Sie das geforderte Niveau, etwa «sehr gute Deutschkenntnisse», statt der Muttersprache.
  1. Gegenlesen lassen. Lassen Sie die Anzeige von Personen mit unterschiedlichem Hintergrund lesen. Fragen Sie: Fühlen Sie sich angesprochen?
  1. Rechtlich klären, wo nötig. Bei Zweifeln, etwa zu Altersangaben oder besonderen Anforderungen, holen Sie Rat bei einer Fachperson.

Vorlage zum Kopieren

Du unterstützt ein Schweizer Unternehmen beim Prüfen einer Stellenanzeige auf Formulierungen, die geeignete Personen unnötig ausschliessen könnten. Du gibst keine Rechtsauskunft.

Stellenanzeige:
[Text einfügen]

Aufgabe:
1. Markiere alle Stellen, die in Bezug auf Geschlecht, Alter, Herkunft, Muttersprache, Aussehen, Familienstand, Gesundheit oder andere persönliche Merkmale ausgrenzend wirken können (z. B. «junges Team», «dynamisch», «Muttersprache Deutsch», «belastbar»).
2. Erkläre zu jeder Stelle in einem Satz, warum sie ausgrenzend wirken kann.
3. Schlage eine sachliche Alternative vor, die zur Aufgabe passt.
4. Nenne Anforderungen, die für die Tätigkeit nicht nötig erscheinen, und stelle dazu eine Rückfrage.
5. Wenn eine Formulierung sachlich begründet sein kann, sage das und stelle eine Rückfrage statt sie zu streichen.
Verwende Schweizer Rechtschreibung. Gib keine Aussagen zur Rechtmässigkeit.

Prüfen Sie jede Markierung selbst und besprechen Sie Zweifelsfälle mit der Personalverantwortlichen oder einer Fachperson.

ProblematischBesser
«Junges, dynamisches Team»«Offenes Team mit gemischten Erfahrungen»
«Muttersprache Deutsch»«Sehr gute Deutschkenntnisse (Niveau C1)»
«Belastbar» (ohne Begründung)«Bereitschaft zu Einsätzen am Wochenende (einmal pro Monat)»
Nur männliche BerufsbezeichnungGeschlechtsneutral oder mit w/m/d

Worauf Sie achten müssen

  • Gesicherte Grundsätze: Das Gleichstellungsgesetz verbietet die Benachteiligung aufgrund des Geschlechts, auch bei der Anstellung. Weitere Aspekte, etwa Alter oder Herkunft, sind rechtlich unterschiedlich geregelt und im Einzelfall zu prüfen. Massgebend sind die Gesetze und im Zweifel eine Fachperson.
  • Fairness im Allgemeinen: Auch wenn etwas nicht verboten ist, kann es abschrecken. Sprache prägt, wer sich bewirbt.
  • Grenzen der KI: Die KI markiert nicht alles, markiert manches zu Unrecht und kann selbst Stereotype enthalten. Ihr Urteil ist ein Hinweis.
  • Sachliche Anforderungen sind erlaubt: Wenn die Tätigkeit bestimmte Fähigkeiten verlangt, etwa körperliche Arbeit oder Sprachkenntnisse, dürfen Sie das nennen. Begründen Sie es.
  • Datenschutz: Stellenanzeigen enthalten meist keine Personendaten. Geben Sie dennoch keine internen Informationen ein, die vertraulich sind. Siehe Welche Daten gehören nicht in eine KI?.
  • Auch der Prozess zählt: Eine faire Anzeige nützt wenig, wenn die Auswahl später voreingenommen ist. Siehe Grenzen von KI bei der Personalauswahl.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Eine Schreinerei in Sursee sucht einen Montageschreiner. Die erste Fassung der Anzeige lautet: «Wir suchen einen jungen, kräftigen Mitarbeiter mit Muttersprache Deutsch.» Die Geschäftsleiterin lässt die Anzeige von der KI prüfen und markiert drei Stellen.

Sie überlegt bei jeder Stelle: «Jung» ist nicht nötig, es geht um Erfahrung oder Lernbereitschaft. «Kräftig» trifft die Aufgabe nur teilweise, wichtiger sind Geschick und Genauigkeit, wobei Tragen schwerer Teile zur Arbeit gehört, und das schreibt sie ehrlich hin. «Muttersprache Deutsch» ersetzt sie durch «gute Deutschkenntnisse für Kundenkontakt auf der Baustelle».

Nach der Veröffentlichung bewerben sich auch eine Frau und ein Mann mit Erfahrung aus dem Ausland. Vorher sprach die Anzeige nur einen kleinen Kreis an, nachher einen grösseren. Wie eine klare Anzeige aufgebaut sein kann, zeigt Stellenanzeige mit KI schreiben.

So hilft Ihnen Alpasana

Wenn Ihre Mitarbeitenden im Personalbereich lernen sollen, KI fair und sorgfältig einzusetzen, bietet absofort die KI-Weiterbildung für Unternehmen an. Beschrieben sind unter anderem KI für Verwaltung, Kommunikation und Entscheidungsgrundlagen sowie Schweizer Praxisbezug und Datenschutz als Lerninhalte.

Das Angebot ersetzt keine Rechtsberatung zum Arbeitsrecht. Für Firmenlösungen und Teambuchungen gibt es eine Kontaktmöglichkeit.

Häufige Fragen

Darf ich «jung» oder «erfahren» schreiben?

Beides sind Hinweise auf das Alter und können ausgrenzen. Beschreiben Sie besser, was Sie brauchen: Lernbereitschaft, Berufserfahrung in einem bestimmten Bereich, Kenntnisse. Bei Zweifeln fragen Sie eine Fachperson.

Muss ich «m/w/d» schreiben?

Eine geschlechtsneutrale oder breit angesprochene Formulierung ist empfehlenswert, weil sie alle anspricht. Wie Sie das gestalten, ist eine Frage des Stils; wichtig ist, dass niemand ausgeschlossen wirkt.

Kann die KI garantieren, dass meine Anzeige rechtlich in Ordnung ist?

Nein. Sie gibt Hinweise, aber keine Rechtsauskunft. Bei Zweifeln hilft eine Fachperson für Arbeitsrecht.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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