Recht & Ethik · Linup: KI sicher am Arbeitsplatz
Ist ein bestimmtes KI-Zertifikat gesetzlich vorgeschrieben?
Kurz gesagt
Nein, der EU AI Act schreibt kein bestimmtes KI-Zertifikat vor. Verlangt werden Massnahmen, damit Ihr Team über ausreichende KI-Kompetenz verfügt; wie Sie das belegen, entscheiden Sie selbst. Ein privates Zertifikat kann dabei ein praktischer Nachweis sein, ist aber keine amtliche Bescheinigung.
Das Problem
Seit der EU AI Act in Kraft ist, landen in vielen Postfächern Angebote mit Betreffzeilen wie «Pflichtzertifikat KI-Kompetenz» oder «Jetzt AI-Act-konform werden». Manche wirken, als drohe ohne ein bestimmtes Papier sofort eine Busse. Für eine Geschäftsführerin ohne juristische Abteilung ist schwer zu erkennen, was davon stimmt.
Der Druck ist verständlich: Niemand möchte eine Pflicht übersehen. Gleichzeitig kostet ein unnötiger Kurs Geld und Arbeitszeit, und ein falsch gewähltes Angebot passt vielleicht gar nicht zu den Aufgaben Ihres Teams.
Die gute Nachricht: Die Rechtslage ist in diesem Punkt recht klar. Sie haben Spielraum, wie Sie die KI-Kompetenz aufbauen und belegen.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Lesen Sie den Kern von Artikel 4. Anbieter und Betreiber von KI-Systemen ergreifen Massnahmen, um nach besten Kräften sicherzustellen, dass ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt. Betreiber heisst hier: Wer ein KI-System in eigener Verantwortung beruflich einsetzt. Von einem Zertifikat ist im Text keine Rede.
- Klären Sie, ob der AI Act Sie betrifft. Für Schweizer Betriebe gilt er vor allem, wenn sie KI in der EU anbieten oder ihre KI-Ergebnisse in der EU verwendet werden. Die Seite Gilt der EU AI Act in der Schweiz? hilft bei der Einordnung.
- Prüfen Sie Werbeversprechen nüchtern. Fragen Sie bei jedem Angebot: Wird behauptet, das Zertifikat sei gesetzlich vorgeschrieben? Steht eine Behörde dahinter? Lassen Sie sich die Rechtsgrundlage nennen. Fehlt sie, ist das ein Warnsignal.
- Bestimmen Sie den Bedarf pro Rolle. Wer KI nur für einfache Texte nutzt, braucht weniger Tiefe als jemand, der Bewerbungen vorsortieren lässt. Notieren Sie für jede Rolle, was die Person wissen muss.
- Wählen Sie passende Nachweisformen. Möglich sind interne Schulungen mit Teilnahmeliste, Online-Kurse mit Quiz, private Zertifikate oder dokumentierte Praxisübungen. Wichtig ist, dass der Nachweis zum tatsächlichen Einsatz passt.
- Nutzen Sie KI für den Angebotsvergleich. Kopieren Sie die Beschreibung eines Kursangebots in die Vorlage unten. Die KI sortiert, welche Aussagen belegt sind und welche Sie nachfragen sollten. Prüfen Sie das Ergebnis selbst.
- Halten Sie Ihre Entscheidung fest. Schreiben Sie in zwei, drei Sätzen auf, warum Sie welche Form gewählt haben. So können Sie Ihr Vorgehen später erklären.
Vorlage zum Kopieren
Ich prüfe ein Kursangebot zur KI-Kompetenz für unser Team in der Schweiz.
Hier die Angebotsbeschreibung: [Text der Angebotsseite einfügen]
Unsere Rollen und ihre KI-Nutzung: [Rolle: Aufgabe]
Bitte erstelle eine Tabelle mit den Spalten: Aussage im Angebot | belegt oder unbelegt | Frage an den Anbieter.
Markiere besonders alle Aussagen, die eine gesetzliche Pflicht oder eine amtliche Anerkennung behaupten.
Beurteile anschliessend, ob die Inhalte zu unseren Rollen passen. Erfinde keine Rechtsquellen.Passen Sie die Rollen an Ihren Betrieb an und fügen Sie nur öffentlich zugängliche Angebotstexte ein.
| Behauptung im Angebot | Wie Sie sie einordnen |
|---|---|
| «Gesetzlich vorgeschriebenes Zertifikat» | Trifft für den AI Act nicht zu; nachfragen |
| «Behördlich anerkannt» | Nachweis verlangen, welche Behörde |
| «Erfüllt alle Pflichten des AI Act» | Kein Kurs kann das allein garantieren |
| «Mit überprüfbarem Abschluss» | Kann ein nützlicher Beleg sein |
| «Inhalte nach Rolle wählbar» | Passt zur Idee von Artikel 4 |
Worauf Sie achten müssen
- Fragen und Antworten der EU-Kommission: Die Kommission erläutert, dass kein Zertifikat verlangt wird und interne Aufzeichnungen genügen können. Massgebend bleibt der Gesetzestext.
- Aufsicht und Sanktionen: Für Artikel 4 sind im AI Act keine eigenen Bussen festgelegt; die Mitgliedstaaten regeln die Durchsetzung. Mangelnde Schulung kann aber bei der Beurteilung eines Schadens oder Verstosses eine Rolle spielen.
- Mögliche Änderungen: Im November 2025 hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Pflicht aus Artikel 4 abzuschwächen und stärker den Mitgliedstaaten zuzuweisen. Ob und wie das umgesetzt wurde, sollten Sie aktuell nachprüfen.
- Schweiz: Stand Oktober 2026 gibt es kein Schweizer Gesetz, das ein KI-Zertifikat vorschreibt. Branchenregeln oder Kundenverträge können aber eigene Anforderungen enthalten.
- Private Zertifikate: Sie bestätigen einen Kursabschluss beim jeweiligen Anbieter. Sie sind keine staatliche Anerkennung und kein Freibrief.
- Lassen Sie im Zweifel fachlich prüfen, welche Pflichten für Ihren Betrieb konkret gelten.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Ein Malergeschäft in Winterthur liefert auch Offerten an Kundschaft in Süddeutschland und nutzt dafür einen KI-Assistenten. Der Inhaber erhält ein Angebot für ein «Pflichtzertifikat» mit zwei Präsenztagen. Er ist unsicher und möchte keine Busse riskieren.
Mit der Vorlage lässt er das Angebot prüfen und liest danach selbst die Fragen und Antworten der EU-Kommission. Er stellt fest, dass kein Zertifikat vorgeschrieben ist. Stattdessen wählt er einen kürzeren Online-Kurs für die drei Personen, die Offerten schreiben, und dokumentiert Teilnahme und Quiz. Die übrigen Mitarbeitenden erhalten eine interne Kurzschulung mit Merkblatt.
So hilft Ihnen Alpasana
Linup: KI sicher am Arbeitsplatz ist ein Online-Kurs mit acht Modulen und Quiz, ohne Technikkenntnisse in rund zwei bis drei Stunden zu absolvieren. Er behandelt Datenumgang, die Prüfung von KI-Ergebnissen und das Erkennen von Betrugsversuchen.
Zum Abschluss gibt es ein privates Zertifikat mit QR-Code und öffentlicher Verifikation sowie eine Nachweismappe mit Curriculum, Abschlussdatum, Ergebnis, Zertifikats-ID und Rollenbezug. Linup sagt damit offen, was es ist: ein geordneter Schulungsnachweis, kein amtliches Zertifikat. Ein kostenloser KI-Risiko-Check hilft beim Einstieg.
Häufige Fragen
Kann ich die Schulung auch selbst durchführen?
Ja. Eine interne Schulung ist zulässig, wenn sie zu den Aufgaben passt und Sie sie dokumentieren. Hilfreich ist eine Vorlage wie die Nachweistabelle zur KI-Kompetenz.
Gibt es ein staatlich anerkanntes KI-Zertifikat in der Schweiz?
Für die KI-Kompetenz im Sinne des AI Act gibt es kein staatlich vorgeschriebenes Zertifikat. Davon zu unterscheiden sind eidgenössische Berufsprüfungen und Diplome, die eine ganz andere Funktion haben, nämlich einen beruflichen Abschluss.
Was mache ich mit einem bereits gekauften Kurs?
Prüfen Sie, ob die Inhalte zu Ihren Rollen passen. Wenn ja, ist der Kurs ein guter Baustein Ihrer Dokumentation. Ergänzen Sie fehlende Themen intern, statt alles neu zu buchen.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.
Quellen
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- Artikel 4 EU AI Act: Was bedeutet KI-Kompetenz?AI Act Artikel 4 KI-Kompetenz: Planen Sie Lernmassnahmen für Aufgaben und Rollen und dokumentieren Sie Inhalte, Übungen und den offenen Lernbedarf.
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