Recht & Ethik · KI für Developer mit Claude und Codex
KI-Training mit Firmeninhalten: Rechte prüfen
Kurz gesagt
Nicht alles, was in Ihrem Betrieb liegt, dürfen Sie ohne Weiteres für ein KI-Training verwenden. Prüfen Sie Urheberrechte von Mitarbeitenden und Agenturen, Lizenzen für Fotos und Software, Personendaten und Geheimhaltungspflichten. Oft ist die Anbindung an Ihre Daten ohne Training die einfachere Lösung.
Das Problem
Ihre Firma verfügt über viel Material: Produktbeschreibungen, Offerten, Berichte, Handbücher, Fotos, Webseitentexte, Supportantworten. Nun soll ein KI-Modell «mit unseren eigenen Inhalten trainiert» werden, damit es im Stil Ihres Hauses schreibt und Ihr Fachwissen kennt. Das Entwicklungsteam fragt: «Dürfen wir das einfach?»
Intuitiv sagt man: Es ist unser Material, also ja. In der Praxis ist es komplizierter. Viele Inhalte stammen von Mitarbeitenden, freien Textern, Agenturen oder Fotografinnen, und Ihre Rechte hängen von Verträgen ab. Manche Unterlagen enthalten Personendaten oder Geschäftsgeheimnisse Dritter. Und für Bilder aus Datenbanken gelten Lizenzen, die ein KI-Training womöglich ausschliessen.
Diese Seite hilft Ihnen, die richtigen Fragen zu stellen, bevor Sie Zeit und Geld investieren. Sie ersetzt keine Rechtsberatung. Bei grösseren Vorhaben ist eine Prüfung durch eine Fachperson sinnvoll.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Ziel präzisieren: Wollen Sie ein Modell wirklich trainieren oder anpassen (Fine-Tuning), oder genügt es, ein vorhandenes Modell auf Ihre Dokumente zugreifen zu lassen? Letzteres ist oft einfacher und rechtlich unkomplizierter. Siehe RAG oder Fine-Tuning.
- Inhalte inventarisieren: Listen Sie auf, welche Materialien infrage kommen, aus welchen Quellen sie stammen und wer sie erstellt hat.
- Urheber klären: Wurden Inhalte von Mitarbeitenden, freien Mitarbeitenden, Agenturen oder Dritten erstellt? Prüfen Sie Arbeitsverträge und Aufträge. Siehe Nutzungsrechte bei Agenturen.
- Nutzungsrechte prüfen: Sind KI-Training und Weiterentwicklung vom Nutzungsrecht abgedeckt? Bei Fremdinhalten wie Stockfotos oder Texten Dritter sind solche Nutzungen oft nicht vorgesehen.
- Personendaten aussortieren: Enthalten Unterlagen Namen, Kundendaten oder Gesundheitsangaben? Prüfen Sie Zweck, Rechtsgrundlage, Anonymisierung. Siehe KI-Training mit eigenen Daten.
- Geheimhaltung beachten: Verträge mit Kundinnen und Partnern können verbieten, Informationen weiterzuverwenden. Prüfen Sie Geheimhaltungsvereinbarungen.
- Lizenzen von Werkzeugen und Modellen prüfen: Dürfen Sie das gewählte Modell anpassen und kommerziell nutzen? Welche Bedingungen gelten für die Ergebnisse?
- Freigabe und Dokumentation: Halten Sie fest, welche Inhalte mit welcher Begründung verwendet werden. Lassen Sie die Auswahl rechtlich prüfen und von der Geschäftsleitung freigeben.
Vorlage zum Kopieren
Mit diesem Auftrag bereiten Sie das Inventar für die Rechteprüfung vor. Das Ergebnis dient als Arbeitsgrundlage für Fachleute:
Wir sind [Betrieb, Branche, Grösse, Schweiz] und planen, ein KI-Modell mit eigenen Inhalten anzupassen: [Zweck].
Mögliche Inhalte: [Liste, z. B. Produktbeschreibungen, Supportantworten, Fotos, Handbücher, Offerten].
Erstelle eine Tabelle mit den Spalten «Inhaltsart», «Urheber (intern/extern)», «Vertragliche Grundlage (z. B. Arbeitsvertrag, Agenturvertrag, Lizenz)», «Enthält Personendaten (ja/nein)», «Enthält Geheimnisse Dritter (ja/nein)», «Offene Fragen».
Ergänze eine Liste mit zehn Fragen, die wir intern und mit einer Fachperson klären sollten. Gib keine Rechtsberatung, erfinde keine Gesetzesartikel und weise auf Unsicherheiten hin.Ersetzen Sie die Angaben. Besprechen Sie das ausgefüllte Inventar mit Datenschutz, Geschäftsleitung und gegebenenfalls einer Rechtsberatung.
Worauf Sie achten müssen
- Mitarbeitende: Bei Werken von Mitarbeitenden verbleibt das Urheberrecht grundsätzlich bei den schaffenden Personen; welche Nutzungsrechte der Betrieb hat, hängt von Vertrag und Umständen ab. Für Computerprogramme, die im Rahmen des Arbeitsvertrags bei der Erfüllung beruflicher Aufgaben und vertraglicher Pflichten geschaffen wurden, darf nach Art. 17 URG grundsätzlich der Arbeitgeber die ausschliesslichen Nutzungsrechte ausüben. Prüfen Sie, ob diese Rechte und die Vertragslage das geplante KI-Training abdecken.
- Agenturen und Freelancer: Nutzungsrechte sind oft auf bestimmte Zwecke beschränkt. Holen Sie bei Bedarf eine Erweiterung ein.
- Gekaufte Inhalte: Stockfotos, Schriften, Musik und Datenbanken haben eigene Lizenzen. Prüfen Sie Ausschlüsse für KI-Nutzung.
- Personendaten: Der Datenschutz gilt auch für interne Daten. Siehe Datenminimierung.
- Geschäftsgeheimnisse: Auch eigene Geheimnisse sollten Sie schützen, besonders wenn externe Dienste beteiligt sind. Siehe Geschäftsgeheimnisse schützen.
- Dienstleister: Wenn ein externer Anbieter trainiert, regeln Sie Verwendung, Eigentum am Ergebnis und Löschung vertraglich.
- Ohne Training geht oft mehr: Wenn ein Modell Ihre Dokumente nur zur Beantwortung liest, entfallen manche Fragen, nicht aber Datenschutz und Zugriffsrechte.
| Inhalt | Typische Frage |
|---|---|
| Texte von Mitarbeitenden | Nutzungsrecht im Arbeitsvertrag? |
| Texte freier Texter | Rechte für KI-Zwecke eingeräumt? |
| Fotos von Fotografen | Lizenz erlaubt Weiterverwendung und KI? |
| Stockfotos | Lizenz schliesst KI-Training aus? |
| Kundenkorrespondenz | Personendaten und Geheimhaltung |
| Handbücher mit Fremdinhalten | Zitate und Lizenzen |
| Software-Code | Open-Source-Lizenzen |
Der pragmatische Weg: Beginnen Sie mit einem kleinen, sauberen Datensatz: Texte, die Ihr Betrieb selbst und vollständig verantwortet, ohne Personendaten und Drittrechte. Testen Sie daran, ob ein Training oder eine Dokumentenanbindung wirklich besser funktioniert als ein gut formulierter Prompt mit Beispielen. Erst wenn der Nutzen belegt ist, erweitern Sie schrittweise. So investieren Sie nicht in aufwendige Rechteklärungen für Material, das am Ende wenig bringt. Halten Sie jeden Schritt in einer Rechtetabelle fest. Wenn Sie später Kundschaft oder Behörden erklären müssen, womit Ihr System arbeitet, haben Sie eine belastbare Grundlage zur Hand.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein erfundenes Beispiel: Ein Schweizer Maschinenbauer mit 80 Mitarbeitenden möchte ein Modell mit alten Servicerapporten, Handbüchern und Produktfotos anpassen, damit es Supportfragen beantwortet.
Vorher: Das Team stellt alles zusammen und will losziehen. Erst im Gespräch mit der Rechtsberaterin zeigt sich, dass die Servicerapporte Kundennamen enthalten, Teile der Handbücher von einer Agentur stammen und einige Fotos aus einer Bilddatenbank mit KI-Ausschluss.
Nachher: Mit dem Inventar sortiert das Team Material in «unkritisch», «zu klären» und «nicht verwenden». Es startet mit anonymisierten Rapporten und eigenen Handbuchtexten und bindet die Dokumente an ein vorhandenes Modell an, ohne dieses zu trainieren. Für Agenturtexte holt es eine Erweiterung der Nutzungsrechte ein. Bilder bleiben aussen vor.
So hilft Ihnen Alpasana
Wenn Sie KI-Anwendungen mit eigenen Daten umsetzen möchten, bietet absofort den Kurs KI für Developer mit Claude und Codex. Laut Beschreibung lernen Sie LLM-Grundlagen mit Kontext, Grenzen und Datenschutz, Aufgaben zu delegieren und Ergebnisse zu verifizieren, und Sie erhalten ein Entwickler-Playbook mit Prompts, Review-Regeln, Tests und Datenschutzgrenzen.
Die Klärung von Urheberrechten und Verträgen ist nicht Kursinhalt. Dafür ziehen Sie eine Rechtsberatung bei.
Häufige Fragen
Muss ich ein Modell trainieren, um meine Dokumente zu nutzen?
Nein. Häufig genügt es, einem Modell Ihre Dokumente beim Beantworten zugänglich zu machen. Das ist einfacher und kontrollierbarer.
Gehören mir die Texte meiner Mitarbeitenden?
Nicht automatisch. Meist haben Sie Nutzungsrechte nach Vertrag und Zweck. Prüfen Sie, ob sie für KI-Zwecke reichen.
Darf ich Kundendaten für das Training verwenden?
Nur mit Rechtsgrundlage, Zweckbindung und Datenschutz. Anonymisierte Daten sind unkritischer. Lassen Sie den Einzelfall prüfen.
Was ist mit Open-Source-Code?
Er unterliegt Lizenzen, die Pflichten enthalten. Siehe KI und Code-Lizenzen.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.
Quellen
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