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Recht & Ethik · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben

KI-Texte zu öffentlichen Themen: Wann braucht es einen Hinweis?

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Veröffentlichen Sie einen KI-erzeugten Text, der die Öffentlichkeit über Themen von öffentlichem Interesse informiert, müssen Sie nach Artikel 50 des EU AI Act offenlegen, dass er künstlich erzeugt wurde. Das entfällt, wenn der Text menschlich geprüft wurde und eine Person die redaktionelle Verantwortung trägt. Die Verordnung betrifft Schweizer Betriebe nur bei EU-Bezug.

Das Problem

Ihr Betrieb betreibt einen Blog, einen Newsletter oder die Website eines Vereins und möchte Texte mit KI erstellen: einen Beitrag zur Energiepreisentwicklung, zur Gemeindeabstimmung oder zu einem gesundheitlichen Thema. Nun hören Sie, dass solche Texte gekennzeichnet werden müssen. Gilt das für Sie?

Die Regel hat einen Zweck: Wenn Menschen sich über wichtige Themen informieren, sollen sie wissen, ob ein Text von einer Maschine stammt, besonders bei Informationen, die Meinungen und Entscheide prägen. Die Pflicht ist aber an Bedingungen geknüpft und hat eine wichtige Ausnahme.

Dieser Beitrag erklärt die Grundidee. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Ob Sie betroffen sind, hängt vom EU-Bezug und vom konkreten Text ab.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Textart bestimmen: Ist der Text dazu bestimmt, die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren? Ein Newsletter mit Produktneuheiten ist etwas anderes als ein Informationsbeitrag zu Gesundheit, Politik oder Wirtschaftspolitik.
  2. Veröffentlichung klären: Wird der Text öffentlich zugänglich gemacht, etwa auf einer Website, in einer Zeitung oder einem Social-Media-Kanal?
  3. EU-Bezug prüfen: Richtet sich der Text an Publikum in der EU? Siehe Gilt der EU AI Act auch für Schweizer Unternehmen?.
  4. Redaktion organisieren: Prüft eine Person den Text inhaltlich, und trägt jemand die redaktionelle Verantwortung? Dann kann die Pflicht zur Offenlegung entfallen.
  5. Prüfen und überarbeiten: Kontrollieren Sie Fakten, Zahlen und Quellen und überarbeiten Sie Stil und Aussagen selbst. Siehe Wie prüfe ich Zitate und Quellen aus KI-Antworten?.
  6. Hinweis formulieren: Ohne redaktionelle Verantwortung kennzeichnen Sie klar, etwa «Dieser Text wurde mit Hilfe von KI erstellt».
  7. Dokumentieren: Halten Sie fest, wer geprüft und verantwortet hat, und bewahren Sie Belege auf.
SituationHinweis nötig?Bemerkung
KI-Entwurf, gründlich redaktionell geprüft, verantwortliche Person benanntin der Regel nicht nach Artikel 50Sorgfalt und Verantwortung dokumentieren
KI-Text zu einem öffentlichen Thema ohne Prüfung veröffentlichtjaklare Offenlegung
Produkttext oder WerbetextArtikel 50 betrifft vor allem Information über öffentliche Angelegenheitenandere Regeln prüfen
Interner Berichtneinnicht öffentlich
Text für Publikum in der Schweiz ohne EU-BezugAI Act gilt nicht unmittelbarTransparenz trotzdem empfehlenswert

Was Artikel 50 vorsieht

Nach Artikel 50 des EU AI Act müssen Betreiber eines KI-Systems, das Text erzeugt oder manipuliert, der veröffentlicht wird, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren, offenlegen, dass der Text künstlich erzeugt oder manipuliert wurde. Das gilt nicht, wenn eine menschliche Überprüfung oder redaktionelle Kontrolle erfolgt ist und eine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung trägt. Daneben bestehen Pflichten für Anbieter, ihre Ausgaben maschinenlesbar zu markieren.

Die Pflichten gelten grundsätzlich ab dem 2. August 2026. Zu einzelnen Fristen gab es Änderungen. Prüfen Sie den aktuellen Stand wie in Artikel 50 AI Act: Welche Transparenzpflichten gibt es? beschrieben. Für eine verwandte Pflicht lesen Sie Wann müssen Deepfakes als KI-Inhalte gekennzeichnet werden?.

Vorlage zum Kopieren

Ich prüfe, ob wir einen KI-gestützten Text zu einem öffentlichen Thema kennzeichnen sollten. Wir sind ein Schweizer Betrieb ([Branche]) mit [Website/Newsletter/Social Media].
Thema des Textes: [z. B. Hintergrund zu einer kommunalen Abstimmung]
Veröffentlichung für: [Publikum, Länder]
Wer prüft und verantwortet den Text? [Funktion oder offen]
Erstelle:
1. Eine Checkliste für redaktionelle Prüfung (Fakten, Quellen, Neutralität, Verantwortung).
2. Drei kurze Hinweisformulierungen für den Fall, dass wir offenlegen.
3. Fragen an eine Fachperson zum EU-Bezug.
Gib keine rechtliche Beurteilung ab und weise auf Unsicherheiten hin.

Setzen Sie Ihre Angaben ein. Verwenden Sie die Checkliste vor der Veröffentlichung und lassen Sie den Rechtsbezug fachlich klären.

Worauf Sie achten müssen

  • Erfundene Inhalte: KI-Texte enthalten oft Fehler und erfundene Quellen. Prüfen Sie alles, bevor Sie veröffentlichen.
  • Verantwortung: Wer redaktionelle Kontrolle beansprucht, muss sie tatsächlich ausüben und dokumentieren.
  • Urheberrecht: Prüfen Sie, ob der Text fremde Inhalte übernimmt. Siehe Wem gehören Texte und Bilder aus einer KI?.
  • Transparenz als Vertrauensfrage: Auch ohne Pflicht kann ein Hinweis das Vertrauen stärken.
  • Datenschutz: Fügen Sie keine vertraulichen Daten in KI-Programme ein.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Ein Gewerbeverein in Olten möchte für seine Website Beiträge zu Wirtschaftsthemen in der Region veröffentlichen, auch für Leserinnen in Deutschland, und lässt Entwürfe mit KI erstellen.

Vorher werden Entwürfe ungeprüft übernommen. Nachher prüft die Redaktorin jeden Text, kontrolliert Zahlen und Quellen, überarbeitet Aussagen und benennt sich als verantwortliche Person im Impressum. Für Texte, die nur wenig bearbeitet werden, setzt der Verein einen Hinweis «Mit KI-Unterstützung erstellt». Ein Prüfprotokoll hält fest, wer wann geprüft hat.

So hilft Ihnen Alpasana

Wer KI-Texte sorgfältig prüfen und verantwortungsvoll einsetzen möchte, findet bei absofort Kurse zu konkreten Arbeitsaufgaben: KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben. Dazu gehören Bürokommunikation, Claude mit Qualitätsprüfung und Einsatzregeln sowie betriebliche KI-Richtlinien.

Sie üben an Praxisaufgaben mit KI-Lerncoach und erhalten einen verifizierbaren Abschluss. Das Angebot ist eine Weiterbildung und ersetzt keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Muss ich auch Werbetexte kennzeichnen, die mit KI entstanden sind?

Artikel 50 betrifft Texte zur Information der Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse. Für Werbung können andere Regeln gelten, etwa zur Täuschung. Lassen Sie den Einzelfall prüfen.

Genügt es, einen Text kurz durchzulesen?

Für die Ausnahme ist eine echte menschliche Überprüfung oder redaktionelle Kontrolle nötig, mit benannter Verantwortung. Ein flüchtiger Blick reicht nicht.

Was gilt in der Schweiz ohne EU-Bezug?

Der AI Act gilt dann nicht unmittelbar. Transparenz bleibt eine Frage der Redlichkeit, und andere Vorschriften wie Lauterkeits- und Persönlichkeitsrecht können relevant sein.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.

Quellen

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