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Recht & Ethik · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben

Intime KI-Fälschung ohne Zustimmung: Was kann ich tun?

Stand 10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Sie sind nicht schuld und müssen nicht allein damit umgehen. Sichern Sie Beweise ohne die Bilder weiterzuleiten, melden Sie den Inhalt bei der Plattform, lassen Sie sich beraten und prüfen Sie eine Anzeige. Fristen sind teils kurz, deshalb lohnt es sich, bald Hilfe zu holen.

Das Problem

Jemand hat mit KI ein Bild oder Video von Ihnen erzeugt, das Sie nackt oder in einer sexuellen Situation zeigt, die nie stattgefunden hat. Vielleicht kursiert es in einer Chatgruppe, auf einer Plattform oder ist Ihnen zugeschickt worden, oft verbunden mit einer Drohung oder einer Forderung. Die Bilder sind gefälscht, aber ihre Wirkung ist echt: Scham, Angst, Wut, Hilflosigkeit.

Das Wichtigste vorweg: Sie haben nichts falsch gemacht. Die Verantwortung liegt bei der Person, die das Bild erstellt oder verbreitet hat. Es gibt Wege, dagegen vorzugehen, und es gibt Menschen, die Ihnen dabei helfen.

Dieser Beitrag gibt Ihnen einen ersten, geordneten Handlungsplan. Er ersetzt keine Beratung. Wenn Sie in Gefahr sind, sich bedroht fühlen oder das Gefühl haben, nicht mehr weiter zu wissen, holen Sie sich sofort Hilfe: Bei akuter Bedrohung erreichen Sie die Polizei unter 117, für ein Gespräch rund um die Uhr die Dargebotene Hand unter 143.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

Hinweis: Bei diesem Thema ist KI höchstens ein Werkzeug für Formulierungen. Laden Sie die betroffenen Bilder niemals in ein KI-Werkzeug hoch.

  1. Atmen Sie durch und suchen Sie sich eine Vertrauensperson. Sie müssen das nicht allein tragen. Eine Freundin, ein Familienmitglied oder eine Beratungsstelle kann Sie begleiten.
  1. Reagieren Sie nicht auf Erpressung. Wenn jemand Geld oder weitere Bilder verlangt, zahlen und antworten Sie nicht. Brechen Sie den Kontakt ab, blockieren Sie die Person und sichern Sie vorher die Nachrichten.
  1. Sichern Sie Beweise, ohne zu verbreiten. Machen Sie Bildschirmfotos der Seite mit sichtbarer Adresse (URL), Datum, Uhrzeit, Benutzername und der Nachricht. Leiten Sie die Bilder selbst nicht weiter, auch nicht an Freunde. Wenn Minderjährige betroffen sind, speichern Sie die Bilder nicht; wenden Sie sich direkt an die Polizei und lassen Sie diese die Sicherung vornehmen. Siehe Beweise sichern.
  1. Melden Sie den Inhalt bei der Plattform. Die meisten Plattformen haben ein Meldeformular für intime Bilder ohne Zustimmung. Benennen Sie den Inhalt, erklären Sie, dass es eine Fälschung ist und dass Sie nicht eingewilligt haben, und bitten Sie um sofortige Entfernung. Mehr dazu in Deepfake melden und löschen.
  1. Holen Sie Beratung. Opferhilfe-Beratungsstellen in der Schweiz sind kostenlos und vertraulich (siehe Quelle). Sie helfen bei den nächsten Schritten, auch bei der Frage, ob und wie Sie Anzeige erstatten.
  1. Prüfen Sie eine Anzeige. Je nach Fall kommen verschiedene Straftatbestände in Frage, etwa bei Drohung, Nötigung, Ehrverletzung oder bei der Verbreitung bestimmter sexueller Inhalte. Für manche Delikte gelten kurze Antragsfristen, oft drei Monate ab Kenntnis. Lassen Sie sich bei der Polizei oder der Opferhilfe beraten.
  1. Lassen Sie rechtliche Schritte prüfen. Eine Anwältin kann beurteilen, ob eine Unterlassungsklage oder eine Löschung gegenüber Plattformen und Verbreitern in Frage kommt. Persönlichkeitsverletzungen können zivilrechtlich verfolgt werden.

Wer hilft wobei?

StelleHilfe
Polizei (117)Akute Bedrohung, Anzeige, Beweissicherung
Opferhilfe-BeratungsstelleKostenlose, vertrauliche Beratung
Dargebotene Hand (143)Gespräch rund um die Uhr
Plattform-MeldestelleEntfernung des Inhalts
Anwältin / AnwaltZivilrechtliche Schritte

Vorlage zum Kopieren

Ein Prompt ist der Arbeitsauftrag an die KI. Diese Vorlage hilft nur beim Formulieren einer Meldung; sie enthält keine Bilder und keine Namen.

Hilf mir, eine kurze, sachliche Meldung an eine Online-Plattform zu formulieren. Es geht um ein gefälschtes intimes Bild von mir, das ohne meine Zustimmung veröffentlicht wurde.
Plattform: [Name]. Fundort (Adresse/URL): [URL]. Datum der Entdeckung: [Datum].
Schreibe: 1. einen Betreff, 2. vier bis fünf Sätze, die erklären, dass es sich um eine Fälschung handelt, dass ich nicht eingewilligt habe und dass ich die sofortige Entfernung verlange, 3. einen Satz, der um eine Bestätigung bittet.
Ton: ruhig, bestimmt, ohne Vorwürfe an Dritte. Erwähne keine Namen. Schweizer Rechtschreibung, Sie-Form.
Gib keine Rechtsauskunft. Hinweis: Bitte füge kein Bild und keine persönlichen Daten ein.

Passen Sie den Text an das Formular der Plattform an; viele Meldewege sind kurz und brauchen nur wenige Sätze.

Worauf Sie achten müssen

  • Keine Bilder in KI-Werkzeuge: Laden Sie die gefälschten Bilder nie hoch, auch nicht, um «nachzusehen», wie die Fälschung entstand. Sie würden das Bild weiter verbreiten.
  • Nicht weiterleiten: Auch Freundinnen und Freunde sollten die Bilder nicht erhalten. Das Weiterleiten kann strafbar sein und vergrössert den Schaden.
  • Fristen beachten: Antragsfristen für Strafverfahren sind kurz; ein längeres Zuwarten kann Rechte gefährden. Lassen Sie sich früh beraten.
  • Gewalt und Bedrohung: Wenn jemand droht, Sie verfolgt oder erpresst, gehört das zur Polizei. Warten Sie nicht ab.
  • Minderjährige: Bei Personen unter 18 Jahren gelten besonders strenge Regeln, und die Bilder dürfen nicht gespeichert oder weitergegeben werden. Eltern und Schule sollten die Polizei einbeziehen; siehe auch Deepfake-Mobbing in der Schule.
  • Rechtslage in Bewegung: Der Umgang mit KI-Fälschungen wird laufend rechtlich diskutiert. Welche Bestimmungen im Einzelfall greifen, klärt eine Fachperson.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Eine junge Frau aus dem Kanton Aargau findet in einer Chatgruppe ein gefälschtes Nacktbild, das ihr Gesicht zeigt. Sie erhält zusätzlich eine Nachricht mit der Forderung, Geld zu überweisen, sonst werde das Bild an ihren Arbeitgeber geschickt.

Sie zahlt nicht, blockiert die Absenderin und macht Bildschirmfotos mit Datum und Adresse der Chatgruppe. Mit einer Vertrauten geht sie zur Beratungsstelle der Opferhilfe, die ihr erklärt, wie eine Anzeige abläuft. Die Plattform entfernt das Bild nach ihrer Meldung innert eines Tages. Sie erstattet Anzeige und lässt sich von einer Anwältin zu weiteren Schritten beraten.

So hilft Ihnen Alpasana

Alpasana ist keine Beratungsstelle für Betroffene und ersetzt weder Opferhilfe noch Polizei oder Rechtsberatung. Wenn Sie in Ihrem Betrieb, Ihrer Schule oder Ihrem Verein vorbeugen möchten, helfen die Kurse für konkrete Arbeitsaufgaben von absofort: Sie behandeln unter anderem Phishing, Deepfakes und betriebliche KI-Richtlinien, mit Praxisaufgaben und überprüfbarem Abschluss.

Wenn Sie persönlich belastet sind, sind Beratungsstellen der richtige erste Ansprechpartner.

Häufige Fragen

Muss ich Anzeige erstatten?

Nein, das ist Ihre Entscheidung. Eine Beratung hilft Ihnen, die Folgen abzuschätzen. Beachten Sie, dass für manche Delikte kurze Fristen gelten und dass Beweise gesichert sein sollten, bevor Inhalte verschwinden.

Reicht es, den Inhalt bei der Plattform zu melden?

Das ist ein wichtiger erster Schritt, aber nicht unbedingt der letzte. Verbreitete Kopien und Folgetaten sind damit nicht erledigt. Ob zusätzlich eine Anzeige oder eine zivilrechtliche Massnahme sinnvoll ist, klären Sie mit der Beratungsstelle.

Wie erkenne ich, ob es eine Fälschung ist, wenn ich unsicher bin?

Sie müssen die Fälschung nicht selbst beweisen. Sagen Sie, dass das Bild nicht echt ist und Sie nicht eingewilligt haben. Die Fachstellen und die Polizei wissen, wie damit umzugehen ist. Mehr Orientierung gibt Deepfake erkennen ohne Technik.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.

Quellen

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