Recht & Ethik · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben
KI-Persönlichkeitsverletzung: Beweise sichern
Kurz gesagt
Sichern Sie Beweise, bevor Sie handeln: Bildschirmfotos mit sichtbarer Adresse, Datum und Uhrzeit, Originaldateien, Links und Ihre eigenen Schritte. Verändern Sie nichts, leiten Sie belastendes Material nicht weiter und holen Sie bei ernsten Fällen rasch Hilfe bei einer Fachperson, der Polizei oder einer Beratungsstelle.
Das Problem
Sie entdecken, dass über Sie oder Ihren Betrieb ein falsches, entstelltes oder erniedrigendes KI-Erzeugnis im Umlauf ist: ein Fake-Foto, eine nachgebildete Stimme, ein erfundener Text, der Ihren Namen trägt. Vielleicht gibt ein KI-Chatbot falsche, rufschädigende Aussagen über Sie aus. Der erste Impuls: Weg damit! Melden, löschen lassen, antworten.
Doch wer zu schnell handelt, verliert Beweise. Beiträge verschwinden, Konten werden gesperrt, Chatverläufe ändern sich. Ohne Nachweis ist es später schwierig zu zeigen, was wann wo zu sehen war und wer es verbreitet hat. Für Gespräche mit einer Anwältin, für eine Anzeige oder für ein Löschbegehren ist eine saubere Sicherung wertvoll.
Dieser Beitrag zeigt, wie Sie in einfachen Schritten Beweise sichern, ohne selbst Fehler zu machen. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Der Persönlichkeitsschutz ist im Zivilgesetzbuch geregelt. Wie Sie im Einzelfall vorgehen, besprechen Sie mit einer Fachperson.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Ruhig bleiben und nicht antworten: Reagieren Sie nicht im Affekt, löschen oder kommentieren Sie nichts. Das kann Spuren verwischen.
- Sofort Bildschirmfotos machen: Erfassen Sie den ganzen Bildschirm, mit sichtbarer Adresszeile (Link), Datum, Uhrzeit und dem Konto, das den Inhalt veröffentlicht hat.
- Inhalt festhalten: Speichern Sie Bild, Video, Text oder Audio, soweit möglich, als Datei und notieren Sie die genaue Fundstelle (Link, Plattform, Konto, Zeitpunkt).
- Mehrere Belege sichern: Fotografieren Sie auch Kommentare, Teilen-Zahlen und Profilseite. Das zeigt Verbreitung und Absender.
- Chatverläufe sichern: Wenn ein KI-Chatbot falsche Aussagen erzeugt hat, speichern Sie den Chatverlauf mit Frage und Antwort, Werkzeug, Datum und Uhrzeit. Fragen Sie nicht beliebig neu, sondern sichern Sie den vorhandenen Stand.
- Protokoll führen: Notieren Sie in einer Liste, was Sie wann entdeckt, gesichert und unternommen haben, mit Namen von Zeugen.
- Zeugen einbeziehen: Bitten Sie eine vertrauenswürdige Person, den Inhalt ebenfalls zu sichern oder zu bestätigen, dass sie ihn gesehen hat.
- Sicher aufbewahren: Legen Sie die Dateien in einem eigenen Ordner mit Sicherungskopie ab. Verändern Sie sie nicht.
- Dann handeln: Nutzen Sie die Meldewege der Plattform, ein Löschbegehren oder rechtliche Schritte, siehe Deepfake entfernen lassen. Bei akuter Gefahr warten Sie mit der Meldung oder Hilfe nicht auf die Beweissicherung.
Vorlage zum Kopieren
Diese Vorlage hilft Ihnen, ein sauberes Beweisprotokoll zu führen. Verwenden Sie sie ohne die belastenden Inhalte selbst einzugeben.
Erstelle mir eine Vorlage für ein Beweisprotokoll zu einer möglichen Persönlichkeitsverletzung durch KI-Inhalte.
Spalten: Nr. | Datum und Uhrzeit der Entdeckung | Plattform/Fundort (Link) | Art des Inhalts
(Bild/Video/Audio/Text/Chatverlauf) | Beschreibung in 1–2 Sätzen, ohne den Inhalt zu wiederholen |
gesichert als (Dateiname, Ablageort) | Zeugen | unternommene Schritte (Meldung, Löschbegehren) | Datum.
Füge eine Checkliste mit 10 Punkten zur Beweissicherung hinzu und weise darauf hin, dass ich keine
belastenden Inhalte weiterleiten, verändern oder öffentlich kommentieren soll.
Gib keine Rechtsberatung. Sprache: Deutsch (Schweiz).Füllen Sie das Protokoll laufend aus. Tragen Sie nur ein, was Sie selbst beobachtet haben.
Worauf Sie achten müssen
- Intime oder sexualisierte Inhalte: Leiten Sie sie nicht weiter und sammeln Sie nicht mehr, als nötig. Wenn Minderjährige betroffen sind, speichern und verbreiten Sie das Material nicht weiter, sondern wenden Sie sich sofort an die Polizei. Siehe Intime Deepfakes: Hilfe.
- Originale sichern: Bewahren Sie Originaldateien unverändert auf. Arbeiten Sie bei Bedarf mit Kopien und dokumentieren Sie Bearbeitungen oder Umbenennungen.
- Eigene Rechtsverletzung vermeiden: Wer belastende Inhalte weiterverbreitet, auch um sich zu wehren, kann selbst Rechte verletzen.
- Plattformen ändern sich: Inhalte verschwinden oft rasch. Sichern Sie Belege, soweit dies die nötige Meldung oder Hilfe nicht verzögert.
- Beweiswert: Eigene Bildschirmfotos haben nicht immer das gleiche Gewicht wie amtliche Feststellungen. Fachpersonen können sagen, ob eine förmliche Sicherung nötig ist.
- Datenschutz: Ihre Sammlung enthält Personendaten Dritter. Bewahren Sie sie sicher auf und geben Sie sie nur an Berechtigte weiter.
| Beleg | Wozu |
|---|---|
| Bildschirmfoto mit Link, Datum, Uhrzeit | Nachweis von Fundort und Zeitpunkt |
| Originaldatei | unveränderter Inhalt |
| Profil- und Kontoseite des Absenders | Zuordnung, Verbreitung |
| Chatverlauf mit KI-Werkzeug | Beleg für Aussagen der KI |
| Protokoll mit Zeugen | zeitlicher Ablauf, eigene Schritte |
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Die Inhaberin eines Coiffeursalons in Zofingen entdeckt auf einer Social-Media-Plattform ein KI-erzeugtes Video, das sie in einer peinlichen Szene zeigt. Es kursiert in einer lokalen Gruppe.
Vorher: Sie schreibt wütend unter das Video und meldet es sofort. Wenige Stunden später ist das Video gelöscht, aber sie hat nichts gesichert und kann nicht mehr zeigen, was und wer es veröffentlicht hat.
Nachher: Als ihr derselbe Inhalt in einer anderen Gruppe begegnet, macht sie zuerst Bildschirmfotos mit Link, Datum und Uhrzeit, sichert Profil und Kommentare und bittet eine Freundin, ebenfalls zu bestätigen, dass sie das Video gesehen hat. Dann meldet sie den Inhalt der Plattform und holt rechtlichen Rat ein.
So hilft Ihnen Alpasana
Die KI-Kurse für konkrete Arbeitsaufgaben von absofort behandeln laut Angebotsbeschreibung unter anderem Phishing, Deepfakes und betriebliche KI-Richtlinien, mit Praxisaufgaben und KI-Lerncoach. Sie lernen, KI-Fälschungen zu erkennen und sicher damit umzugehen. Rechtsberatung oder Hilfe bei der Rechtsdurchsetzung bietet das nicht.
Häufige Fragen
Reicht ein Screenshot als Beweis?
Er ist ein wichtiger Anfang, aber nicht immer ausreichend. Mit Link, Datum und Uhrzeit sowie Zeugen erhöht sich der Wert. Ob eine förmliche Sicherung nötig ist, klärt eine Fachperson.
Soll ich das Material an Bekannte weiterschicken, damit sie es bestätigen?
Besser nicht. Bitten Sie sie, den Inhalt selbst am Fundort anzusehen und zu bestätigen. Das Weiterleiten kann die Verbreitung vergrössern.
Wohin kann ich mich wenden?
Je nach Fall an eine Anwältin oder einen Anwalt, die Polizei, eine Opferhilfestelle oder die Beschwerdestelle der Plattform. Bei Datenschutzfragen an Ihre Datenschutzverantwortliche oder die zuständige Aufsichtsstelle.
Was, wenn ein KI-Chatbot falsche Aussagen über mich macht?
Sichern Sie Frage, Antwort, Werkzeug und Zeitpunkt. Weitere Hinweise finden Sie unter Rufschädigung durch falsche KI-Antworten.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.
Quellen
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