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Recht & Ethik · KI-Weiterbildung für Unternehmen

KI als Arbeitshilfe: Wie berücksichtigen wir Behinderungen?

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

KI kann Mitarbeitende mit Behinderung unterstützen, etwa durch Spracheingabe, Vorlesen oder einfache Sprache, aber nur, wenn die betroffene Person mitbestimmt, die Teilnahme freiwillig bleibt und Gesundheitsdaten besonders geschützt werden. Prüfen Sie Werkzeuge gemeinsam mit den Betroffenen und behalten Sie Alternativen bei.

Das Problem

Ein Mitarbeiter mit Sehbehinderung liest Bildschirmtexte nur mühsam. Eine Kollegin mit Legasthenie braucht für lange Texte doppelt so viel Zeit. Ein Mitarbeiter mit einer Handverletzung kann nicht lange tippen, und eine Mitarbeiterin mit Hörbehinderung tut sich bei Telefonkonferenzen schwer. KI-Werkzeuge bieten Hilfen an: Spracheingabe, Vorlesen, automatische Untertitel, Zusammenfassungen, Vereinfachen von Texten, Beschreibung von Bildern.

Das klingt nach einer echten Chance. Doch es gibt auch Fallstricke. Wer entscheidet, welches Werkzeug passt? Wie schützt man die Privatsphäre der Person, deren Gesundheitszustand dabei sichtbar wird? Was, wenn die KI Fehler macht und jemand sich darauf verlässt? Und wie vermeidet man, dass aus einer Hilfe ein Zwang wird?

Diese Checkliste hilft Ihnen, KI als Arbeitshilfe sorgfältig einzuführen. Sie ersetzt keine Rechtsberatung und keine Fachberatung zu Behinderungen. Hinweise zu Unterstützungsangeboten und Pflichten klären Sie mit den zuständigen Stellen und Fachpersonen.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Mit der Person sprechen: Fragen Sie, was sie braucht und was sie sich wünscht. Niemand kennt die Anforderungen besser. Führen Sie das Gespräch vertraulich und freiwillig.
  2. Ziel bestimmen: Welche Aufgabe soll erleichtert werden: Lesen, Schreiben, Hören, Sprechen, Organisieren? Je genauer das Ziel, desto passender die Lösung.
  3. Mögliche Hilfen sammeln: Notieren Sie Optionen, zum Beispiel Diktierfunktion, Vorlesefunktion, Untertitel in Besprechungen, Textvereinfachung, Zusammenfassung langer Dokumente, Bildbeschreibung. Nicht jede ist für jede Person sinnvoll.
  4. Gemeinsam testen: Lassen Sie die Person Werkzeuge mit unkritischen Beispielen ausprobieren und entscheiden, was hilft. Bewerten Sie Bedienbarkeit, Genauigkeit und Tempo.
  5. Datenschutz klären: Gesundheitsangaben gehören zu den besonders schützenswerten Daten. Fragen Sie nicht mehr ab als nötig, und prüfen Sie, wo ein Werkzeug Sprache und Texte verarbeitet.
  6. Freiwilligkeit sichern: Die Nutzung ist ein Angebot, kein Zwang. Die Person darf Hilfen auch ablehnen oder wechseln, ohne Nachteile.
  7. Fehler einplanen: Prüfen Sie, wo eine Fehlleistung folgenreich wäre, etwa bei Untertiteln für Sicherheitsanweisungen. Dort braucht es Kontrolle oder Alternativen.
  8. Weitere Unterstützung prüfen: Klären Sie mit Fachstellen, welche Anpassungen des Arbeitsplatzes oder Unterstützungsangebote es gibt.
  9. Regelmässig überprüfen: Besprechen Sie nach einigen Wochen, ob die Lösung hilft, und passen Sie sie an.

Vorlage zum Kopieren

Diese Vorlage hilft Ihnen, ein Gespräch vorzubereiten. Geben Sie darin keine Gesundheitsdaten einer bestimmten Person ein.

Ich bereite ein vertrauliches Gespräch mit einer Mitarbeiterin/einem Mitarbeiter vor, die/der bei der Arbeit
Unterstützung durch KI-Hilfen wünscht. Aufgabenbereich: [z. B. Büroadministration].
Mögliche Schwierigkeit: [Lesen / Schreiben / Hören / Bedienen der Tastatur / Organisation], ohne Diagnose.
Erstelle mir:
1. einen Gesprächsleitfaden mit 10 offenen, respektvollen Fragen,
2. eine Liste von Arten von KI-Hilfen (Spracheingabe, Vorlesen, Untertitel, Textvereinfachung, Zusammenfassung)
   mit jeweils Chancen und Grenzen,
3. eine Checkliste für Datenschutz und Freiwilligkeit,
4. 5 Fragen, die ich mit einer Fachstelle klären sollte.
Gib keine medizinischen oder rechtlichen Beratungen und erfinde keine Ansprüche. Sprache: Deutsch (Schweiz), Anrede «Sie».

Ergänzen Sie den Aufgabenbereich. Lassen Sie den Leitfaden von Ihrer Personalabteilung gegenlesen und besprechen Sie ihn vertraulich.

Worauf Sie achten müssen

  • Fürsorgepflicht: Arbeitgebende haben im Arbeitsverhältnis die Persönlichkeit der Arbeitnehmenden zu achten und zu schützen. Dazu gehört Rücksicht auf Gesundheit und Behinderung. Wie weit die Pflichten im Einzelfall gehen, klären Sie mit einer Fachperson.
  • Gesundheitsdaten: Sie sind besonders schützenswert. Bearbeiten Sie nur, was nötig ist, begrenzen Sie den Kreis der Eingeweihten und lagern Sie Daten sicher.
  • Freiwilligkeit und Würde: Erheben Sie Angaben zur Situation nur, soweit sie für die konkrete Unterstützung oder zur Erfüllung einer Pflicht erforderlich sind, und behandeln Sie sie vertraulich. Ansprüche und Pflichten hängen vom Einzelfall ab. Hilfen sollen Selbstständigkeit stärken, nicht bevormunden.
  • Genauigkeit: Automatische Untertitel, Spracherkennung und Zusammenfassungen machen Fehler, besonders bei Dialekt, Fachwörtern und Hintergrundgeräuschen. Prüfen Sie, wie gut sie in Ihrem Umfeld funktionieren.
  • Datenschutz der Werkzeuge: Sprach- und Textdaten gelangen oft an Anbieter. Prüfen Sie Bedingungen, bevor sensible Inhalte verarbeitet werden.
  • Zugänglichkeit der Werkzeuge: Auch KI-Programme selbst müssen bedienbar sein, zum Beispiel mit Screenreader oder Tastatur.
HilfeMögliche UnterstützungGrenze
SpracheingabeSchreiben ohne TastaturFehler bei Dialekt und Fachwörtern
VorlesenTexte hören statt lesenAussprache, Tabellen
UntertitelBesprechungen mitverfolgenVerzögerung, Fehler
Textvereinfachungleichtere SpracheInhalt kann verfälscht werden
Zusammenfassungschnellerer ÜberblickAuslassungen möglich
BildbeschreibungInhalt von Bildern erfassenFehler und Lücken

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Ein Sachbearbeiter einer Gemeindeverwaltung im Aargau hat Legasthenie. Er verbringt viel Zeit damit, Briefe zu kontrollieren.

Vorher: Der Vorgesetzte schlägt vor, die ganze Abteilung solle ein Rechtschreibwerkzeug mit KI nutzen. Der Sachbearbeiter fühlt sich blossgestellt, weil klar wird, warum.

Nachher: Im Vier-Augen-Gespräch fragt die Teamleiterin, was ihn entlasten würde. Er testet Spracheingabe und eine Korrekturhilfe mit unkritischen Texten und wählt das, was ihm passt. Die Nutzung bleibt freiwillig, es werden keine Gesundheitsangaben dokumentiert, und alle Mitarbeitenden dürfen geeignete Hilfen nutzen, ohne Begründung. Nach vier Wochen schauen beide gemeinsam, ob es hilft.

So hilft Ihnen Alpasana

Die KI-Weiterbildung für Unternehmen von absofort behandelt laut Angebotsbeschreibung den verantwortungsbewussten Umgang mit Unternehmensdaten, Datenschutz und den Einsatz von KI für Verwaltung, Kommunikation und Texte. Lernen im eigenen Tempo kann je nach Bedarf eine Hilfe sein. Fachberatung zu Behinderungen und Rechtsberatung sind nicht Teil des Angebots.

Häufige Fragen

Müssen wir als Betrieb KI-Hilfen anbieten?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Pflichten und Ansprüche hängen vom Einzelfall und von der Situation ab. Klären Sie sie mit Fachstellen oder einer Fachperson, und prüfen Sie dabei auch Unterstützungsangebote.

Darf ich nach einer Behinderung fragen?

Nur, soweit es für das Arbeitsverhältnis nötig ist, und das Gespräch sollte freiwillig sein. Gesundheitsdaten sind besonders geschützt. Mehr dazu unter Sensible Daten und KI.

Was, wenn die KI-Hilfe Fehler macht?

Dann braucht es Kontrolle oder eine Alternative. Bei wichtigen Inhalten sollte eine Person prüfen. Legen Sie das gemeinsam fest.

Kann eine Hilfe für alle nützlich sein?

Oft ja. Untertitel, Zusammenfassungen oder Vorlesen helfen auch Personen ohne Behinderung. Wenn alle sie nutzen dürfen, entfällt der Erklärungsdruck.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.

Quellen

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