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Recht & Ethik · KI für Developer mit Claude und Codex

Ist Open-Source-KI vom EU AI Act ausgenommen?

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Teilweise. Der EU AI Act nimmt KI-Systeme, die unter freien und quelloffenen Lizenzen bereitgestellt werden, grundsätzlich vom Anwendungsbereich aus, jedoch nicht, wenn sie als Hochrisiko-System in Verkehr gebracht werden oder unter Verbote und bestimmte Transparenzpflichten fallen. Wer ein offenes Modell im eigenen Produkt einsetzt, kann trotzdem Pflichten haben.

Das Problem

Ihr Betrieb oder Ihr IT-Dienstleister möchte ein offenes KI-Modell verwenden, das sich frei herunterladen lässt. Es heisst: «Open Source, kostenlos, keine Einschränkungen.» Nun fragt jemand, ob die KI-Verordnung der EU dafür überhaupt gilt, und ob man sich deshalb um nichts kümmern muss.

Die Antwort ist: nicht ganz. Die Verordnung enthält Erleichterungen für quelloffene KI, aber diese gelten nur in bestimmten Fällen und haben Ausnahmen von der Ausnahme. Zudem sagt «Open Source» im Alltag nicht immer dasselbe wie im Gesetz.

Dieser Beitrag erklärt die Grundidee. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Entwicklung oder Vertrieb eigener KI-Produkte mit offenen Modellen klären Sie die Pflichten fachlich.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Gegenstand klären: Geht es um ein KI-Modell, um ein KI-System (also eine Anwendung) oder um beides? Das Gesetz unterscheidet.
  2. Lizenz lesen: Welche Lizenz hat das Modell? Ist sie wirklich frei und offen, oder gibt es Einschränkungen, etwa für gewerbliche Nutzung oder bestimmte Zwecke? Siehe Open Source oder Open Weight.
  3. Einsatz beschreiben: Wofür wollen Sie das Modell einsetzen? Intern, in einem Produkt, für Kundinnen und Kunden?
  4. Risikoklasse prüfen: Fällt die Anwendung unter ein Verbot, einen Hochrisikobereich oder eine Transparenzpflicht? Dann hilft die Open-Source-Ausnahme nicht. Orientierung bietet Welche Risikoklasse hat unsere KI-Anwendung?.
  5. Rolle bestimmen: Setzen Sie das Modell nur ein oder bieten Sie die Anwendung anderen an? Siehe Anbieter oder Betreiber.
  6. EU-Bezug klären: Gilt die Verordnung für Ihren Betrieb? Mehr unter Gilt der EU AI Act auch für Schweizer Unternehmen?.
  7. Fachlich absichern: Lassen Sie Grenzfälle prüfen und dokumentieren Sie das Ergebnis.
SituationOrientierung (vereinfacht)
Freies Modell, nur zum AusprobierenAusnahme kann greifen, Lizenz prüfen
Offenes Modell in eigener Anwendung für KundschaftPflichten als Anbieter oder Betreiber möglich
Offenes Modell für ein Hochrisiko-Einsatzfeld (z. B. Personalauswahl)Ausnahme greift nicht, Hochrisiko-Pflichten prüfen
Verbotene Praxis (z. B. Emotionserkennung am Arbeitsplatz)Verbot gilt unabhängig von der Lizenz
Chatbot mit offenem ModellTransparenzpflichten prüfen
Grosse Allzweck-Modelle mit systemischem Risikogesonderte Regeln, Ausnahmen eingeschränkt

Wie die Ausnahme gedacht ist

Die Verordnung will Forschung und Zusammenarbeit rund um frei verfügbare Software nicht unnötig belasten. Deshalb gilt sie für KI-Systeme, die unter freien und quelloffenen Lizenzen bereitgestellt werden, grundsätzlich nicht. Das ändert sich, wenn sie als Hochrisiko-System in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen werden oder wenn sie unter bestimmte Verbote und Transparenzregeln fallen. Für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck gibt es eigene Regeln, bei denen Erleichterungen für offene Modelle bestehen, aber nicht bei Modellen mit systemischem Risiko. Einen Überblick gibt Was ist ein KI-Modell mit allgemeinem Verwendungszweck?.

Welche Lizenzfragen bei geschäftlicher Nutzung zählen, behandelt Offene KI geschäftlich nutzen. Die einzelnen Voraussetzungen und Ausnahmen sind rechtlich detailliert: Lassen Sie sie im konkreten Fall prüfen.

Vorlage zum Kopieren

Ich möchte klären, ob für den geplanten Einsatz eines offenen KI-Modells in unserem Schweizer Betrieb Fragen zum EU AI Act zu prüfen sind.
Modell und Lizenz: [Name, Lizenz laut Anbieter]
Geplanter Einsatz: [Beschreibung]
Betroffene Personen: [z. B. Kundschaft, Bewerbende, niemand]
Wird die Anwendung anderen bereitgestellt? [ja/nein]
EU-Bezug: [ja/nein/unklar]
Erstelle:
1. Eine Liste von Prüffragen (Verbotsfälle, Hochrisikobereiche, Transparenzpflichten, Rolle, Lizenz).
2. Eine Tabelle mit unseren Antworten und offenen Punkten.
3. Fragen an eine Fachperson.
Gib keine rechtliche Beurteilung ab, nenne keine Artikelnummern als sicher und weise auf Unsicherheiten hin.

Setzen Sie Ihre Angaben ein. Die Fragenliste bringen Sie in das Gespräch mit der Fachperson.

Worauf Sie achten müssen

  • Lizenzen: Manche «offenen» Modelle haben Einschränkungen und sind nicht Open Source im strengen Sinn. Lesen Sie die Lizenz.
  • Sicherheit: Laden Sie Modelle nur aus vertrauenswürdigen Quellen. Siehe Wie erkenne ich einen vertrauenswürdigen Modelldownload?.
  • Datenschutz: Die Ausnahme im AI Act ändert nichts an Datenschutz und Urheberrecht.
  • Weiterentwicklung: Wer ein offenes Modell verändert und anbietet, kann Pflichten tragen.
  • Aktualität: Die Verordnung und ihre Fristen wurden 2026 teilweise angepasst. Prüfen Sie den aktuellen Stand.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Eine kleine Softwarefirma in Baden baut auf einem offenen Sprachmodell eine Anwendung, die Bewerbungen vorsortiert, und bietet sie Personalabteilungen in der EU an.

Vorher meint sie, wegen der offenen Lizenz gelte die KI-Verordnung nicht. Nachher zeigt die Prüfung: Die Anwendung bewertet Bewerbende und fällt damit in einen Hochrisikobereich. Die Ausnahme für offene Lizenzen hilft hier nicht. Die Firma holt fachlichen Rat ein und plant die nötigen Anforderungen ein.

So hilft Ihnen Alpasana

Wer KI-Anwendungen entwickelt, findet bei absofort den Kurs KI für Developer mit Claude und Codex. Er behandelt LLM-Grundlagen, Codegenerierung, Debugging, Review, Datenschutzgrenzen und das systematische Kontrollieren von KI-Änderungen. Dazu gehören ein Entwickler-Playbook und ein Praxisprojekt mit verifizierbarem Zertifikat.

Der Kurs ist eine technische Weiterbildung und ersetzt keine rechtliche Prüfung nach dem AI Act.

Häufige Fragen

Gilt die Ausnahme auch für Modelle, die ich selbst veröffentliche?

Sie kann für Systeme gelten, die unter freier Lizenz bereitgestellt werden, mit den genannten Gegenausnahmen. Details hängen von Ihrem Fall ab. Lassen Sie ihn fachlich prüfen.

Was ist mit offenen Modellen im Betrieb, die wir nur selbst nutzen?

Dann sind Sie Betreiber. Je nach Einsatz können Pflichten bestehen, etwa bei Hochrisiko-Anwendungen oder Transparenzfragen.

Müssen offene Modelle gekennzeichnet werden?

Die Kennzeichnungspflichten betreffen bestimmte Anwendungen wie Chatbots oder KI-Inhalte. Siehe Artikel 50 AI Act.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Massgeblich sind die geltenden Gesetzestexte.

Quellen

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