KI-Kompetenz lehren · Prompt Engineering
Rückfragen an KI üben, statt neue Antworten anzufordern
Kurz gesagt
Lassen Sie Lernende zuerst die unpassende Stelle einer KI-Antwort benennen und eine klare Rückfrage dazu formulieren. Danach prüfen sie genau diese Stelle erneut, statt immer wieder eine vollständig neue Antwort anzufordern.
Das Problem
«Mach es besser» liefert oft nur eine andere Formulierung. Die ursprüngliche Unklarheit bleibt bestehen, und nach mehreren Versuchen lässt sich kaum noch sagen, was eigentlich verbessert werden sollte. Frau Keller will Rückfragen als bewusste Denkhandlung vermitteln.
Eine gezielte Rückfrage knüpft an eine bestimmte Aussage oder Lücke an. Sie kann eine Erklärung, eine Begründung oder eine begrenzte Änderung verlangen. Entscheidend ist, dass Lernende den Anlass selbst erkennen und den Erfolg anschliessend überprüfen.
Frau Keller kann Rückfragen im Fachunterricht und in der Erwachsenenbildung gleichermassen üben. Entscheidend ist ein gemeinsames Verständnis des Sachthemas. Geben Sie bei sprachlichen Hürden Satzanfänge, ohne die fachliche Frage vorwegzunehmen; die eigene Diagnose der Unklarheit bleibt der Kern der Aufgabe.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Eine geeignete Ausgangsantwort vorbereiten. Wählen Sie eine kurze fiktive Anleitung mit einer sichtbaren Lücke oder einem unklaren Begriff. Prüfen Sie den Sachverhalt selbst, bevor Sie das Material verwenden. Die Lernenden brauchen eine Grundlage, anhand derer sie die spätere Überarbeitung beurteilen können.
- Das Problem vor dem Fragen benennen. Lassen Sie die unklare Stelle markieren und in eigenen Worten beschreiben. «Ich verstehe das nicht» wird etwa zu «Hier fehlt, woran ich das Ende erkenne». Diese Diagnose entsteht zunächst ohne weitere KI-Hilfe.
- Die passende Frageart auswählen. Unterscheiden Sie Begriffsklärung, fehlende Voraussetzung, Belegfrage und Änderungsauftrag. Lassen Sie die Lernenden entscheiden, welche Art das erkannte Problem trifft. Nicht jede Schwierigkeit lässt sich mit «Erkläre einfacher» beheben, besonders wenn eine Sachinformation fehlt.
- Eine begrenzte Rückfrage senden. Öffnen Sie den erlaubten Gesprächsverlauf und beziehen Sie sich auf die ausgewählte Stelle. Formulieren Sie, was ergänzt werden soll und was unverändert bleiben darf. Geben Sie keine persönlichen Erfahrungen oder Schülerdaten ein, um die Frage anschaulicher zu machen.
- Die Wirkung an der Ausgangslücke prüfen. Vergleichen Sie die alte und neue Stelle. Ist nun klar, was vorher fehlte, und stimmen die ergänzten Angaben? Eine längere Erklärung kann verständlicher wirken und trotzdem eine erfundene Voraussetzung enthalten.
- Den nächsten Arbeitsweg entscheiden. Ist die Lücke geschlossen, bearbeiten die Lernenden die Aufgabe selbst weiter. Bleibt sie offen, wählen sie eine präzisere Rückfrage, ein Sachmedium oder die Lehrperson. Dokumentieren Sie den Grund für diesen Wechsel, statt eine endlose Gesprächsschleife als Fleiss zu belohnen.
Vorlage zum Kopieren
Der folgende Prompt, also ein Arbeitsauftrag an die KI, unterstützt Sie als Lehrperson bei der Vorbereitung.
Ich bereite eine Übung zu gezielten KI-Rückfragen für [Stufe] vor.
Fiktives Sachthema: [Thema]
Erstelle eine kurze Antwort mit einer klar benennbaren Verständnishürde.
Gib mir separat eine fachlich zu prüfende Erläuterung dieser Hürde.
Entwickle Frageanfänge für Begriffsklärung, Voraussetzungen und begrenzte Überarbeitung.
Die Lernenden sollen die passende Frage selbst formulieren.
Ergänze ein Vergleichsblatt: Ausgangslücke, Rückfrage, Veränderung, verbleibende Unsicherheit.
Keine personenbezogenen Beispiele verwenden.Ersetzen Sie die Platzhalter durch Ihre Stufe und einen vollständig fiktiven oder freigegebenen Sachfall; prüfen Sie den Entwurf vor dem Einsatz fachlich.
Welche Rückfrage passt zur Lücke?
| Beobachtung | Mögliche Rückfrage |
|---|---|
| Ein Begriff ist unklar | Was bedeutet dieser Begriff im vorliegenden Fall? |
| Ein Schritt fehlt | Was muss vor diesem Schritt bereits geschehen sein? |
| Eine Behauptung bleibt unbelegt | Welche überprüfbare Quelle trägt genau diese Aussage? |
Prüfen Sie erhaltene Quellen selbst. Eine genaue Frage kann den Prüfweg eröffnen, aber auch zu einer erfundenen Literaturangabe führen. Halten Sie deshalb im Vergleichsblatt fest, welche neue Aussage noch offen ist.
Worauf Sie achten müssen
- Daten schützen: Geben Sie keine Namen, Leistungsdaten, privaten Chats oder anderen Personendaten von Lernenden in öffentliche KI-Dienste ein. Verwenden Sie erfundene Sachfälle und die von Ihrer Institution freigegebenen Arbeitswege.
- Antworten prüfen: KI kann falsche Angaben und überzeugend klingende Erklärungen liefern. Vergleichen Sie entscheidende Aussagen mit dem Fachmaterial, bevor Lernende damit weiterarbeiten.
- Grenzen beachten: Eine KI kann ihre frühere Antwort überzeugend erklären und dabei neue Fehler hinzufügen. Behandeln Sie solche Selbstkorrekturen als neue Vorschläge. Bei fehlenden Belegen hilft eine externe Prüfung; wiederholtes Nachfragen allein macht eine Behauptung nicht verlässlich.
- Teilhabe ermöglichen: Passen Sie Sprache und Unterstützung an Alter und Vorwissen an. Stellen Sie vorbereitete Ausgaben oder eine Aufgabe ohne eigenes Konto bereit, damit private Geräte und Abonnements nicht über Lernchancen entscheiden.
- Zuständigkeit klären: Kantone und Bildungsinstitutionen regeln den Einsatz unterschiedlich. Klären Sie rechtliche Einzelfragen mit der zuständigen Fachstelle; die Unterrichtsvorlage ist keine rechtliche Freigabe.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Keller verwendet in einem Kurs einer Schweizer Bibliothek eine fiktive Anleitung zur Medienrecherche. Darin steht «Grenzen Sie die Suche sinnvoll ein», ohne zu erklären, woran sich eine passende Einschränkung erkennen lässt. Zuerst fordern Teilnehmende einfach eine bessere Anleitung an.
Danach formulieren sie die Rückfrage: «Zeige am vorgegebenen Thema, welche Suchbegriffe enger werden und warum.» Die neue Fassung liefert nachvollziehbare Beispiele, nennt aber zusätzlich eine nicht vorhandene Katalogfunktion. Diese wird nach Prüfung gestrichen. Die Gruppe erkennt, dass gezielte Rückfragen Verständnishürden bearbeiten, aber die Kontrolle der neuen Angaben nicht ersetzen.
So hilft Ihnen Alpasana
Mit dem Angebot Kurs Prompt Engineering bietet Alpasana einen passenden Zugang zur eigenen Weiterbildung. Der Kurs behandelt Aufgabe, Hintergrund, Ziel und Ausgabeformat sowie den Einsatz von Beispielen. Sie üben, Aufträge schrittweise zu bearbeiten, zu überarbeiten und Ergebnisse zu prüfen. Programmierkenntnisse sind dafür nicht erforderlich; der Online-Kurs führt zu einem Zertifikat.
Die Überarbeitung von Prompts und die Ergebniskontrolle passen zur gezielten Nachfrage. Die konkreten Fachfälle und geeigneten Hilfen wählt Frau Keller für ihren Kurs.
Häufige Fragen
Soll jede Rückfrage im selben Gespräch stehen?
Ein Bezug auf die vorige Antwort ist dort oft leichter. Prüfen Sie aber, ob frühere falsche Annahmen weiterwirken. Bei einem Neustart müssen die nötigen, bereits geprüften Grundlagen erneut knapp mitgegeben werden.
Wie helfen wir Lernenden, die ihre Lücke nicht benennen können?
Bieten Sie Frageanfänge und lassen Sie eine Stelle zeigen statt sofort eine vollständige Frage zu verlangen. Sie können auch gemeinsam laut beschreiben, wo das eigene Verständnis abbricht. Danach übernimmt die lernende Person die Formulierung zunehmend selbst.
Wann wechseln wir von KI zu menschlicher Hilfe?
Wenn neue Antworten die Unklarheit vergrössern, Fachbelege fehlen oder Frust das Weiterdenken verhindert. Der Wechsel sollte begründet und erlaubt sein. Eine passende Hilfe zu wählen gehört zur Selbstständigkeit und ist kein Rückschritt.
Für die Weiterarbeit passen Prompts überarbeiten: Ein Lernjournal für mehrere Versuche, Komplexe KI-Aufträge zerlegen: Eine Übung für Lernende.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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