KI-Kompetenz lehren · Prompt Engineering
Prompts überarbeiten: Ein Lernjournal für mehrere Versuche
Kurz gesagt
Ein hilfreiches Lernjournal hält nicht jeden Klick fest, sondern den Grund einer Änderung und das beobachtete Ergebnis. Vergleichen Sie ausgewählte Fassungen anhand desselben Kriteriums und schliessen Sie mit einer eigenen Erkenntnis.
Das Problem
Nach mehreren Eingaben ist die Antwort brauchbar, aber niemand weiss mehr, welche Änderung geholfen hat. Lernende schreiben dann rückblickend «Prompt verbessert», ohne den eigenen Gedankengang zeigen zu können. Frau Keller möchte diese Entwicklung nachvollziehbar machen, ohne eine umfangreiche Dokumentationspflicht aufzubauen.
Iteration bedeutet, einen Entwurf schrittweise zu überarbeiten. Ein Lernjournal verbindet dabei Absicht, Handlung und Beobachtung. Es soll Entscheidungen unterstützen und darf nicht zur Sammlung immer weiterer KI-Ausgaben werden.
Das Journal unterstützt formative Beurteilung, also Rückmeldung während des Lernens zur Planung weiterer Schritte. Frau Keller kann ausgewählte Einträge mit den Lernenden besprechen, ohne jeden Versuch zu benoten. Erklären Sie vorher, welche Teile privat bleiben und welche im Kurs geteilt werden sollen.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Aufgabe und Kriterium festhalten. Öffnen Sie ein lokales Dokument oder verteilen Sie ein Blatt. Die Lernenden notieren den fiktiven Auftrag und ein erkennbares Qualitätsmerkmal, etwa eine Anleitung mit nachvollziehbarer Reihenfolge. Dieses Merkmal bleibt zunächst über die Versuche hinweg gleich.
- Den ersten Stand sichern. Lassen Sie den Ausgangsprompt und eine relevante Stelle der Antwort übernehmen. Nicht der ganze Gesprächsverlauf ist nötig. Daneben steht eine konkrete Beobachtung, beispielsweise dass ein Arbeitsschritt fehlt oder ein verwendeter Begriff nicht erklärt wird.
- Eine Änderung vorhersagen. Vor der nächsten Eingabe schreiben die Lernenden, was sie verändern und welche Wirkung sie erwarten. Halten Sie die Änderung möglichst begrenzt. Wer gleichzeitig Zielgruppe, Material und Ausgabeformat wechselt, kann später kaum zuordnen, worauf eine Verbesserung zurückgeht.
- Die neue Fassung erproben. Verwenden Sie denselben freigegebenen Zugang und vermerken Sie, ob der Versuch in einem neuen oder laufenden Gespräch erfolgt. Zusätzlicher Gesprächshintergrund kann die Antwort beeinflussen. Sichern Sie wieder nur die Stelle, die für das vereinbarte Kriterium wichtig ist.
- Erwartung und Beobachtung vergleichen. Die Lernenden markieren: verbessert, unverändert, verschlechtert oder noch unklar. Sie begründen die Auswahl mit einer Textstelle. Ein unerwartetes Ergebnis ist kein Scheitern des Journals, sondern Material für die nächste sinnvolle Entscheidung.
- Mit einer Folgerung abschliessen. Lassen Sie einen brauchbaren Überarbeitungsgrund und eine verbleibende Grenze formulieren. Vereinbaren Sie eine Stoppregel: Ist das Kriterium erfüllt oder fehlt eine fachliche Information, endet die Eingabeschleife. Danach folgt eigenständige Bearbeitung oder eine menschliche Rückfrage.
Vorlage zum Kopieren
Der folgende Prompt, also ein Arbeitsauftrag an die KI, unterstützt Sie als Lehrperson bei der Vorbereitung.
Ich bereite ein Lernjournal für [Stufe] zur Aufgabe [fiktiver Auftrag] vor.
Erstelle eine leere Vorlage mit Ausgangsprompt, beobachtetem Problem, Änderung, erwarteter Wirkung und tatsächlicher Beobachtung.
Ergänze Felder für eine kurze Belegstelle, unveränderte Bedingungen und den nächsten Entscheid.
Gib einen vollständig fiktiven Mustereintrag an.
Verlange keine Namen, privaten Chats oder Schülerleistungen.
Formuliere eine Stoppregel und eine Abschlussfrage zum übertragenen Lernen.
Bewerte nicht die Zahl der Versuche.Ersetzen Sie die Platzhalter durch Ihre Stufe und einen vollständig fiktiven oder freigegebenen Sachfall; prüfen Sie den Entwurf vor dem Einsatz fachlich.
Wie sieht eine aussagekräftige Zeile aus?
| Feld | Beispiel |
|---|---|
| Problem | Der Beginn jedes Wegschritts ist unklar |
| Änderung | Orientierungspunkt zuerst nennen |
| Erwartung | Schritte lassen sich leichter zuordnen |
| Beobachtung | Reihenfolge klarer, zusätzlicher Name unbelegt |
Nutzen Sie das Journal auch für Rückmeldungen zwischen Lernenden. Eine andere Person fragt nach einer Belegstelle oder einer alternativen Erklärung. Sie soll die Notizen verstehen können, ohne den ganzen ursprünglichen Chat öffnen zu müssen.
Worauf Sie achten müssen
- Daten schützen: Geben Sie keine Namen, Leistungsdaten, privaten Chats oder anderen Personendaten von Lernenden in öffentliche KI-Dienste ein. Verwenden Sie erfundene Sachfälle und die von Ihrer Institution freigegebenen Arbeitswege.
- Antworten prüfen: KI kann falsche Angaben und überzeugend klingende Erklärungen liefern. Vergleichen Sie entscheidende Aussagen mit dem Fachmaterial, bevor Lernende damit weiterarbeiten.
- Grenzen beachten: Das Journal belegt eine beobachtete Veränderung, nicht sicher deren einzige Ursache. KI-Ausgaben können auch bei ähnlichen Eingaben unterschiedlich ausfallen. Vermeiden Sie deshalb Aussagen wie «Dieses Wort verbessert immer jede Antwort» und trennen Sie Vermutung von nachvollziehbarer Beobachtung.
- Teilhabe ermöglichen: Passen Sie Sprache und Unterstützung an Alter und Vorwissen an. Stellen Sie vorbereitete Ausgaben oder eine Aufgabe ohne eigenes Konto bereit, damit private Geräte und Abonnements nicht über Lernchancen entscheiden.
- Zuständigkeit klären: Kantone und Bildungsinstitutionen regeln den Einsatz unterschiedlich. Klären Sie rechtliche Einzelfragen mit der zuständigen Fachstelle; die Unterrichtsvorlage ist keine rechtliche Freigabe.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Keller lässt in einem Weiterbildungskurs eine fiktive Wegbeschreibung überarbeiten. Eine Teilnehmerin schreibt zunächst nur, die Antwort sei zu kompliziert. Im Journal benennt sie danach die konkrete Schwierigkeit: Die Orientierungspunkte erscheinen erst nach den Abbiegehinweisen.
Sie ändert den Auftrag so, dass jeder Schritt mit einem sichtbaren Orientierungspunkt beginnt. Die neue Antwort lässt sich besser verfolgen, enthält jedoch einen nicht vorgegebenen Gebäudenamen. Im Journal hält sie beides fest und entfernt den erfundenen Zusatz nach Prüfung. Ihr Lernergebnis ist eine begründete Strukturänderung samt verbleibender Prüfpflicht, nicht bloss die letzte schönere Fassung.
So hilft Ihnen Alpasana
Mit dem Angebot Kurs Prompt Engineering bietet Alpasana einen passenden Zugang zur eigenen Weiterbildung. Der Kurs behandelt Aufgabe, Hintergrund, Ziel und Ausgabeformat sowie den Einsatz von Beispielen. Sie üben, Aufträge schrittweise zu bearbeiten, zu überarbeiten und Ergebnisse zu prüfen. Programmierkenntnisse sind dafür nicht erforderlich; der Online-Kurs führt zu einem Zertifikat.
Die Arbeit an überarbeiteten Prompts passt zum Lernjournal. Die schulische Form des Journals und die Entscheidung über Rückmeldung legt Frau Keller selbst fest.
Häufige Fragen
Wie lang soll ein Eintrag sein?
So kurz, dass Problem, Änderung und Beobachtung nachvollziehbar bleiben. Eine ausgewählte Textstelle und wenige eigene Sätze reichen oft. Umfangreiche Abschriften verdecken eher, welche Entscheidung tatsächlich getroffen wurde.
Darf ein erfolgloser Versuch als gute Leistung gelten?
Ja, wenn das Problem sinnvoll erkannt und das Ergebnis ehrlich ausgewertet wurde. Lernen zeigt sich auch im Verwerfen einer ungeeigneten Änderung. Beurteilen Sie die Qualität der Prüfung statt nur die letzte Ausgabe.
Was tun wir, wenn das Journal nachträglich entsteht?
Kennzeichnen Sie rekonstruierte Einträge als Rückblick. Verlangen Sie keine vorgetäuschte Genauigkeit bei nicht mehr erinnerlichen Schritten. Planen Sie bei der nächsten Aufgabe feste kurze Notizpausen unmittelbar vor und nach einer Änderung ein.
Für die Weiterarbeit passen Gute und schlechte Prompts im Kurs begründet vergleichen, Rückfragen an KI üben, statt neue Antworten anzufordern.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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