KI-Kompetenz lehren · Prompt Engineering
Gute und schlechte Prompts im Kurs begründet vergleichen
Kurz gesagt
Gute und schlechte Prompts lassen sich nur im Verhältnis zu einer konkreten Aufgabe vergleichen. Legen Sie Kriterien vor dem Test fest und beurteilen Sie Auftrag und Antwort getrennt, damit zufällig gelungene Ausgaben nicht mit sicherem Können verwechselt werden.
Das Problem
Ein langer Prompt sieht fachkundig aus, ein kurzer wirkt nachlässig. Solche ersten Eindrücke sagen wenig darüber, ob die KI den gewünschten Auftrag sinnvoll bearbeiten kann. Frau Keller möchte, dass Lernende konkrete Stärken und Lücken benennen.
Auftragsklarheit bedeutet, dass Zweck, nötige Angaben und erwartetes Ergebnis verständlich sind. Antwortqualität beschreibt dagegen, wie brauchbar eine tatsächlich erzeugte Ausgabe ist. Beide hängen zusammen, sind aber nicht identisch: Auch auf einen klaren Auftrag kann eine falsche Antwort folgen.
Beginnen Sie als Frau Keller mit einem fachlich vertrauten Inhalt, damit fehlendes Sachwissen nicht den ganzen Vergleich verdeckt. In der Schweizer Berufsbildung kann ein vollständig fiktiver betrieblicher Text passen. Vorgaben des Lehrbetriebs oder der Berufsfachschule müssen dafür nicht als echte Dokumente eingegeben werden.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Den gemeinsamen Fall festlegen. Wählen Sie ein fiktives Anliegen, etwa die Erklärung einer Bibliotheksregel für neue Lernende. Geben Sie den Ausgangstext und die Zielgruppe vor. Alle vergleichen damit Aufträge für denselben Zweck, statt unterschiedliche Aufgaben gegeneinander auszuspielen.
- Kriterien vor dem Lesen vereinbaren. Notieren Sie Verständlichkeit, Vollständigkeit der nötigen Angaben und eine passende Prüfmöglichkeit. Beschreiben Sie jeweils, woran das erkennbar wird. Begrenzen Sie die Auswahl so, dass Lernende jedes Kriterium am konkreten Text tatsächlich anwenden können.
- Zwei Aufträge unabhängig beurteilen. Verteilen Sie eine knappe, zielgerichtete und eine längere, aber widersprüchliche Fassung. Die Lernenden markieren Textstellen und notieren ihre Erwartungen an die Antworten. Lassen Sie zuerst allein urteilen, damit die erste Wortmeldung nicht die ganze Gruppe lenkt.
- Unter vergleichbaren Bedingungen testen. Nutzen Sie denselben freigegebenen Zugang, dasselbe Ausgangsmaterial und getrennte neue Gespräche. Sichern Sie die unveränderten Ausgaben. Dokumentieren Sie Abweichungen der Bedingungen, statt daraus vermeintlich präzise Aussagen über die Wirkung einzelner Wörter abzuleiten.
- Auftrag und Antwort getrennt besprechen. Prüfen Sie zunächst, welche Anweisung verständlich war, und danach, welche Anforderungen die Ausgabe erfüllt. Suchen Sie ein Gegenbeispiel zum ersten Eindruck. Ein gut klingender Text kann eine zentrale Regel auslassen oder nicht gegebene Informationen hinzufügen.
- Eine begründete Überarbeitung formulieren. Jede Person verändert eine konkrete Schwachstelle und erklärt die erwartete Verbesserung. Lassen Sie die Fassung erneut prüfen oder mit vorbereiteten Antworten vergleichen. Am Ende steht ein fallbezogenes Urteil, nicht eine allgemeine Rangliste vermeintlich wirksamer Formeln.
Vorlage zum Kopieren
Der folgende Prompt, also ein Arbeitsauftrag an die KI, unterstützt Sie als Lehrperson bei der Vorbereitung.
Ich plane eine Vergleichsaufgabe für [Stufe].
Fiktiver Fall: [Aufgabe], Ausgangsinformationen: [freigegebener Sachtext]
Erstelle zwei Prompts für denselben Zweck: einen knapp und klar, einen länger mit einer erkennbaren Unklarheit.
Gib die Texte ohne wertende Etiketten aus.
Erstelle separat für mich eine Kriterienhilfe mit Textbelegen und möglichen Überarbeitungen.
Unterscheide die Beurteilung des Auftrags von der Prüfung einer späteren KI-Antwort.
Erfinde keine zusätzlichen Sachangaben zum Fall.Ersetzen Sie die Platzhalter durch Ihre Stufe und einen vollständig fiktiven oder freigegebenen Sachfall; prüfen Sie den Entwurf vor dem Einsatz fachlich.
Was zählt als Beleg für ein Urteil?
| Pauschales Urteil | Präzisere Begründung |
|---|---|
| Der Prompt ist besser | Die Zielgruppe ist ausdrücklich genannt |
| Die Antwort klingt gut | Die erforderlichen Angaben sind enthalten |
| Die KI hat versagt | Eine im Material belegte Bedingung fehlt |
Lassen Sie Urteile immer an einer Stelle festmachen. Das schützt auch davor, eloquente Formulierungen mit fachlicher Genauigkeit gleichzusetzen. Eine Person kann ihren ersten Eindruck ändern und damit gerade eine wichtige Fähigkeit zeigen.
Worauf Sie achten müssen
- Daten schützen: Geben Sie keine Namen, Leistungsdaten, privaten Chats oder anderen Personendaten von Lernenden in öffentliche KI-Dienste ein. Verwenden Sie erfundene Sachfälle und die von Ihrer Institution freigegebenen Arbeitswege.
- Antworten prüfen: KI kann falsche Angaben und überzeugend klingende Erklärungen liefern. Vergleichen Sie entscheidende Aussagen mit dem Fachmaterial, bevor Lernende damit weiterarbeiten.
- Grenzen beachten: Verwenden Sie «gut» und «schlecht» als vorläufige Urteile zur Aufgabe, nicht als Eigenschaften einer Person. Kontrollieren Sie selbst erstellte Vergleichstexte auf unbeabsichtigte zusätzliche Unterschiede. Für eine gezielte Gegenprobe sollte möglichst nur die untersuchte Unklarheit verändert werden.
- Teilhabe ermöglichen: Passen Sie Sprache und Unterstützung an Alter und Vorwissen an. Stellen Sie vorbereitete Ausgaben oder eine Aufgabe ohne eigenes Konto bereit, damit private Geräte und Abonnements nicht über Lernchancen entscheiden.
- Zuständigkeit klären: Kantone und Bildungsinstitutionen regeln den Einsatz unterschiedlich. Klären Sie rechtliche Einzelfragen mit der zuständigen Fachstelle; die Unterrichtsvorlage ist keine rechtliche Freigabe.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Keller gibt in einem Kurs an einer Schweizer Berufsfachschule einen fiktiven Bibliothekstext aus. Der lange Auftrag verlangt gleichzeitig eine vollständige Erklärung und eine extrem kurze Antwort. Der knappe Auftrag benennt die Zielgruppe und verlangt, offene Punkte als Rückfragen zu markieren.
Einige Lernende bevorzugen zuerst den längeren Text. Beim Vergleich merken sie, dass die Antwort wichtige Bedingungen auslässt. Sie ändern ihre Beurteilung und können die widersprüchliche Stelle benennen. Andere kritisieren auch am kurzen Auftrag eine unklare Formulierung. So entsteht eine begründete Überarbeitung beider Fassungen statt eines blossen Gewinnerurteils.
So hilft Ihnen Alpasana
Mit dem Angebot Kurs Prompt Engineering bietet Alpasana einen passenden Zugang zur eigenen Weiterbildung. Der Kurs behandelt Aufgabe, Hintergrund, Ziel und Ausgabeformat sowie den Einsatz von Beispielen. Sie üben, Aufträge schrittweise zu bearbeiten, zu überarbeiten und Ergebnisse zu prüfen. Programmierkenntnisse sind dafür nicht erforderlich; der Online-Kurs führt zu einem Zertifikat.
Die Kursinhalte passen zur begründeten Überarbeitung von Aufträgen. Frau Keller kann daraus eigene Vergleichsfälle entwickeln und die Kriterien vor dem Unterricht erproben.
Häufige Fragen
Kann ein sehr kurzer Prompt genügen?
Ja, wenn die Aufgabe einfach und der nötige Hintergrund bereits eindeutig ist. Entscheidend ist nicht die Länge. Lassen Sie Lernende erklären, welche Information bei diesem Fall entbehrlich ist und welche nicht.
Was bedeutet es, wenn der schwächere Auftrag besser abschneidet?
Eine einzelne Ausgabe kann unerwartet gut passen. Halten Sie den Befund fest und prüfen Sie weitere vorbereitete Fälle oder einen erneuten Versuch. Die nachvollziehbare Schwäche im Auftrag verschwindet dadurch nicht automatisch.
Dürfen Lernende die Kriterien selbst entwickeln?
Ja, wenn Sie zuerst ein gemeinsames Verständnis der Aufgabe sichern. Sammeln Sie Vorschläge und übersetzen Sie vage Wörter wie «professionell» in beobachtbare Merkmale. Prüfen Sie anschliessend gemeinsam, ob die Kriterien unterschiedliche Lösungen fair erfassen.
Für die Weiterarbeit passen Prompt-Bausteine mit Karten statt Merksätzen vermitteln, Prompts überarbeiten: Ein Lernjournal für mehrere Versuche.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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