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Hochschule & Studium · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben

Entwurfsseminar mit KI: Gestaltungsentscheidungen begründen

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

KI kann in kurzer Zeit viele Entwurfsvarianten erzeugen. Der Lerngewinn liegt nicht im Erzeugen, sondern im Vergleichen und Begründen: Studierende bewerten Varianten nach Kriterien und erklären, warum sie sich für eine Richtung entscheiden. Die Entwurfsleistung und die Entscheidung bleiben bei ihnen.

Das Problem

Herr Meier leitet ein Entwurfsseminar im Bachelor Architektur. Die Aufgabe: ein kleines Quartierzentrum für eine Schweizer Gemeinde. Einige Studierende lassen sich von einer Bild-KI zehn Fassadenvarianten erzeugen und wählen die schönste. Auf die Frage «Warum diese?» antworten sie: «Sie sieht gut aus.» Wie sie zu ihrem Entwurf stehen, kann niemand beurteilen.

Im Entwurf geht es nicht um das fertige Bild, sondern um den Weg: Aufgabe verstehen, Alternativen entwickeln, bewerten, entscheiden, begründen. Entwurfskritik (das Besprechen von Entwürfen anhand von Kriterien) ist das Herz der Entwurfslehre. Wer Varianten erzeugt, ohne sie zu bewerten, übt nichts.

KI verändert diesen Prozess: Varianten sind schnell und billig, Begründungen bleiben mühsam. Gerade deshalb kann man die KI didaktisch nutzen. Lassen Sie Studierende KI-Varianten nicht als Lösung, sondern als Material für die Entwurfskritik verwenden: Welche Variante erfüllt welche Kriterien, und warum entscheide ich mich so? Diese Seite beschreibt, wie das funktioniert, nicht nur für Architektur, sondern auch für Design, Kommunikation, Produktentwicklung.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Kriterien vor den Varianten festlegen. Studierende formulieren zuerst, nach welchen Kriterien sie Entwürfe beurteilen: Funktion, Einbindung in den Ort, Konstruktion, Nachhaltigkeit, Gestaltung. Ohne Kriterien keine Begründung.
  1. Eigene Idee skizzieren. Bevor KI zum Einsatz kommt, entwickeln Studierende eine eigene Grundidee und skizzieren sie. So bleibt die Entwurfshaltung bei ihnen.
  1. KI-Varianten erzeugen lassen. Mit einem klaren Auftrag (siehe Vorlage unten) lassen sie Beschreibungen oder Bilder von Varianten erzeugen, zum Beispiel drei Ansätze zur Erschliessung.
  1. Varianten kritisch lesen. Studierende prüfen jede Variante auf Plausibilität: Ist sie baubar, ortsgerecht, funktional? KI-Entwürfe haben oft unmögliche Konstruktionen oder ignorieren den Kontext.
  1. Vergleichen anhand der Kriterien. Eine Tabelle stellt Varianten und Kriterien gegenüber. Die Studierenden bewerten selbst und notieren Begründungen.
  1. Entscheidung treffen und verteidigen. Sie wählen eine Richtung, kombinieren oder verwerfen alle, und begründen mündlich in der Entwurfskritik, warum.
  1. Eigenleistung sichtbar machen. Verlangen Sie ein Entwurfsjournal: Was war meine Idee, was kam von der KI, was habe ich verändert, und warum? Es gehört zur Abgabe.
  1. Auswertung im Seminar. Besprechen Sie gemeinsam: Was hat die KI nicht gesehen? Welche Entscheidungen waren menschlich und warum?

Vorlage zum Kopieren

Du unterstützt mich beim Erzeugen von Entwurfsvarianten für ein Seminar. Aufgabe: [Entwurfsaufgabe, z. B. kleines Quartierzentrum in einer Schweizer Gemeinde]. Ort/Kontext: [kurze Beschreibung]. Meine eigene Grundidee: [Skizze in Stichworten]. Kriterien, die für uns zählen: [Kriterium 1], [Kriterium 2], [Kriterium 3].

Aufgabe:
1. Beschreibe drei deutlich unterschiedliche Entwurfsansätze in je fünf Sätzen (Grundidee, Organisation, Gestaltung, Bezug zum Ort).
2. Nenne zu jedem Ansatz Stärken und Schwächen bezüglich meiner Kriterien. Nenne ausdrücklich Punkte, bei denen ein Ansatz Annahmen trifft, die ich prüfen muss (Baubarkeit, Vorschriften, Kosten).
3. Triff KEINE Auswahl und empfiehl keinen Ansatz.
4. Erfinde keine Vorschriften, Normen oder Kosten.

Setzen Sie Ihre Aufgabe und Kriterien ein. Die Varianten sind Material für die Kritik, keine Entwürfe zur Abgabe.

SchrittWer?Ergebnis
Kriterien festlegenStudierendeBewertungsgrundlage
Eigene Idee skizzierenStudierendeEntwurfshaltung
Varianten erzeugenKIVergleichsmaterial
Bewerten, entscheidenStudierendeBegründete Wahl
Journal führenStudierendeNachweis der Eigenleistung

Worauf Sie achten müssen

  • Plausibilität: KI-Varianten enthalten oft unmögliche Konstruktionen, falsche Proportionen oder Fehler beim Ortsbezug. Studierende müssen sie fachlich prüfen und nicht übernehmen.
  • Eigenständigkeit und Offenlegung: Verlangen Sie, dass Studierende angeben, wo und wie sie KI genutzt haben. Regeln zur KI-Nutzung bei Leistungsnachweisen legt Ihre Hochschule fest.
  • Stilklischees: Bild-KI neigt zu typischen, oft stereotypen Formen und Stilen. Fragen Sie, was daran austauschbar ist, und diskutieren Sie es im Seminar. Siehe auch Kunstunterricht: KI-Stilklischees an Originalen überprüfen.
  • Urheberrecht: KI-generierte Bilder können Vorbilder imitieren, und die rechtliche Einordnung ist teils ungeklärt. Studierende sollten keine fremden Werke nachbilden lassen und Quellen nennen.
  • Datenschutz: Pläne mit Informationen zu realen Bauherren, Grundstücken oder Personen gehören nicht in öffentliche KI-Dienste. Nutzen Sie fiktive oder öffentlich verfügbare Angaben.
  • Gleiche Voraussetzungen: Kostenpflichtige KI-Werkzeuge schaffen Ungleichheit. Klären Sie den Zugang für alle oder verzichten Sie darauf.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Herr Meier lässt seine Studierenden zuerst eine eigene Grundidee für das Quartierzentrum skizzieren und Kriterien festlegen. Danach erzeugen sie mit der KI drei Varianten und vergleichen sie.

Vorher: «Sie sieht gut aus.» Nachher: Eine Studentin erkennt, dass zwei KI-Varianten die Erschliessung ignorieren und eine dritte eine Auskragung zeigt, die konstruktiv schwierig wäre. Sie entscheidet sich für ihre eigene Idee und übernimmt aus der KI-Variante nur die Anordnung der Fenster, mit Begründung. Im Entwurfsjournal hält sie fest, was sie verworfen hat. In der Kritik fragt Herr Meier nach den Kriterien, und sie kann jede Entscheidung erklären. Ein KI-Bild mit einer falschen Geschosszahl hat sie ausgeschieden.

So hilft Ihnen Alpasana

Wer KI als Werkzeug im Entwurfs- und Gestaltungsprozess einsetzt, braucht klare Einsatzregeln und eine konsequente Qualitätsprüfung. Die Kurse bei absofort behandeln unter anderem KI-Bilder, Video-Teaser, Podcast- und Voiceover-Vorbereitung, Claude mit Projektstruktur, Prompt-Bibliothek, Qualitätsprüfung und Einsatzregeln sowie betriebliche KI-Richtlinien. Praxisaufgaben, KI-Lerncoach und ein verifizierbarer Abschluss gehören dazu.

Entwurfsentscheidungen und deren fachliche Beurteilung bleiben Aufgabe der Studierenden und Lehrenden.

Häufige Fragen

Soll ich KI im Entwurfsseminar verbieten?

Das entscheiden Sie mit Ihrem Team. Ein Verbot ist schwer durchzusetzen. Sinnvoller ist eine klare Regel: KI als Material erlaubt, aber mit Offenlegung, Kritik und Begründung.

Wie beurteile ich die Eigenleistung?

Anhand von Entwurfsjournal, Skizzen, Zwischenständen und mündlicher Kritik. Das Gespräch zeigt, ob jemand seine Entscheidungen versteht.

Was, wenn Studierende nur KI-Varianten abgeben?

Fragen Sie nach Kriterien und Entscheidungen. Wer nicht begründen kann, hat nicht entworfen. Hinweise zu Entwurf und Materialprobe: Gestalten mit KI: Vom digitalen Entwurf zur Materialprobe.

Funktioniert das auch in anderen Fächern?

Ja, überall, wo Varianten entstehen: Produktdesign, Marketing, Softwarearchitektur. Das Prinzip bleibt: Kriterien, Vergleich, Begründung.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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