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Lernen & Motivation · Prompt Engineering

KI-Feedback nachfragen: Ein Dialogleitfaden für Lernende

Stand 10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Wenn eine KI-Rückmeldung unklar ist, helfen gezielte Nachfragen: Bitten Sie um eine Textstelle, ein Beispiel für besser, das zugrunde liegende Kriterium und einen einzelnen nächsten Schritt. Fragen Sie auch, wo die KI sich irren könnte. Der Dialog übt Feedbackkompetenz, ersetzt aber nicht die Beurteilung durch die Lehrperson.

Das Problem

Frau Keller lässt ihre Lernenden Texte von einer KI rückmelden. Ein Schüler zeigt ihr die Rückmeldung: «Dein Text könnte klarer strukturiert sein, und einige Formulierungen wirken ungenau.» Er sagt: «Ich weiss nicht, was ich jetzt ändern soll.» Er überarbeitet nichts.

Rückmeldungen helfen nur, wenn Lernende sie verstehen und umsetzen können. KI-Rückmeldungen bleiben oft allgemein und enthalten Fachsprache. Viele Lernende nehmen sie hin, anstatt nachzufragen. Dabei ist ein Dialog ein grosser Vorteil von KI: Man kann beliebig oft nachfragen, ohne dass jemand ungeduldig wird.

Die Fähigkeit, Rückmeldungen einzuholen, zu verstehen und zu nutzen, nennt man Feedbackkompetenz. Sie lässt sich üben. Ein Dialogleitfaden mit Fragen hilft Lernenden, konkrete Hinweise, Beispiele und nächste Schritte zu erhalten. Gleichzeitig lernen sie, Rückmeldungen kritisch zu prüfen: KI kann sich irren. Der Stand ist Oktober 2026.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Besprechen Sie, wozu Nachfragen dienen. Rückmeldung ist ein Angebot, kein Urteil. Nachfragen ist erwünscht und kein Zeichen von Schwäche.
  2. Geben Sie einen Dialogleitfaden ab. Die Tabelle unten nennt Situationen und passende Fragen. Lernende kleben ihn ins Heft oder legen ihn neben das Gerät.
  3. Lassen Sie die Textstelle nennen. Erste Nachfrage: «Auf welche Stelle in meinem Text beziehst du dich?» So wird aus allgemeinem Feedback ein konkreter Hinweis.
  4. Fordern Sie ein Beispiel an. «Zeige mir an einem Satz aus meinem Text, wie es klarer klingen würde.» Das Beispiel soll anschaulich sein, Lernende schreiben die Verbesserung aber selbst.
  5. Fragen Sie nach dem Kriterium. «Nach welchem Kriterium beurteilst du das?» Passt es zum Lernziel der Aufgabe? Wenn nicht, ist der Hinweis womöglich nicht relevant.
  6. Fordern Sie einen einzigen nächsten Schritt. «Was ist das Wichtigste, das ich als Nächstes ändern soll?» Das verhindert Überforderung, siehe Zu viel KI-Feedback: Korrekturen begrenzen.
  7. Prüfen Sie die Rückmeldung. «Wo könntest du dich irren?» oder «Was spricht gegen deinen Hinweis?» Lernende vergleichen mit Kriterienliste, Lehrmittel oder Lehrperson.
  8. Setzen Sie um und reflektieren Sie. Nach der Überarbeitung notieren Lernende, was sie geändert haben und ob es besser wurde. Das macht den Dialog zum Lernschritt.

Dialogleitfaden: Situation und Frage

SituationMögliche Nachfrage
Rückmeldung ist allgemein«Auf welche Stelle meines Textes beziehst du dich?»
Ich weiss nicht, was «besser» heisst«Zeige mir an einem Satz aus meinem Text, wie es klarer wirken könnte.»
Ich verstehe das Wort nicht«Erkläre das Wort in einfacher Sprache mit einem Beispiel.»
Zu viele Hinweise«Was ist der wichtigste Punkt, den ich zuerst ändern soll?»
Ich bin nicht sicher, ob der Hinweis stimmt«Nach welchem Kriterium sagst du das? Wo könntest du dich irren?»
Ich bin fertig mit der Überarbeitung«Prüfe nur, ob der eine Punkt jetzt besser ist.»

Vorlage zum Kopieren

Ein Prompt ist ein schriftlicher Auftrag an die KI. Diese Vorlage ist für Lehrpersonen gedacht und enthält keine Angaben zu Lernenden. Lernende verwenden nur Texte ohne persönliche Angaben und ein von der Schule freigegebenes Werkzeug.

Erstelle einen Dialogleitfaden für Lernende der Stufe [Stufe], die eine
KI-Rückmeldung zu einem Text in [Fach] verstehen wollen.
Gib zehn kurze Nachfragen in einfacher Sprache, geordnet nach Situationen:
Rückmeldung unklar, Fachbegriff unbekannt, zu viele Hinweise, Beispiel
gewünscht, Kriterium unklar, Hinweis anzweifeln, Überarbeitung prüfen.
Füge zu jeder Nachfrage einen Satz hinzu, wozu sie dient. Ergänze drei
Regeln für den Dialog: 1. Ich schreibe Verbesserungen selbst.
2. Ich prüfe Hinweise mit Kriterienliste oder Lehrperson.
3. Ich gebe keine persönlichen Angaben ein.
Verwende freundliche, klare Sprache.

Ergänzen Sie Stufe und Fach. Prüfen Sie die Fragen auf Verständlichkeit und kürzen Sie auf das, was Ihre Klasse nutzt.

Worauf Sie achten müssen

  • KI-Rückmeldungen können falsch sein. Sie können Fehler anmerken, die keine sind, oder echte Fehler übersehen. Lernende sollen Hinweise nicht blind übernehmen. Die Lehrperson entscheidet bei Unsicherheit.
  • Verbesserungen selbst schreiben. Wenn die KI Sätze umformuliert und Lernende sie übernehmen, geht der Lerneffekt verloren. Verlangen Sie Beispiele, aber lassen Sie die Überarbeitung selbst schreiben.
  • Beurteilung bleibt bei der Lehrperson. KI-Dialoge dienen dem Lernen. Noten und Leistungsbeurteilung folgen eigenen Kriterien und gehören nicht in den KI-Dialog.
  • Sprache und Fairness. KI-Rückmeldungen können sprachliche Besonderheiten, etwa Mundartanteile oder Deutsch als Zweitsprache, falsch bewerten. Siehe Benachteiligt KI-Feedback Dialekt und Mehrsprachigkeit?.
  • Keine Daten eingeben. Texte ohne Namen und persönliche Angaben, kein Teilen von Verläufen. Orientierung bietet das Educa-Dossier zum schulischen Datenschutz; es gelten die kantonalen Vorgaben.
  • Alter und Zugang. Viele KI-Dienste haben Altersgrenzen. Klären Sie, welche Werkzeuge Ihre Schule zulässt, und bieten Sie Lernenden ohne Zugang Alternativen, etwa Peer-Feedback.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel aus einer Sekundarschule im Kanton Basel-Stadt: Frau Keller gibt ihrer 8. Klasse den Dialogleitfaden. Ein Schüler hat die Rückmeldung erhalten, sein Text sei «ungenau».

Vorher überarbeitet er nichts. Mit dem Leitfaden fragt er: «Auf welche Stelle beziehst du dich?» Die KI nennt zwei Sätze, in denen Zahlenangaben fehlen. Er bittet um ein Beispiel für einen genaueren Satz, schreibt seine eigene Fassung und fragt: «Ist der eine Punkt jetzt besser?» Auf die Frage «Wo könntest du dich irren?» weist die KI darauf hin, dass sie die Textart nicht kennt. Der Schüler fragt Frau Keller, ob Zahlen in dieser Textform nötig sind. Sie bestätigt es.

Nachher hat er den Text gezielt verbessert und weiss, was er gemacht hat. Frau Keller beobachtet, dass Lernende, die nachfragen, ihre Texte häufiger überarbeiten. Für Fälle, in denen KI und Lehrperson widersprechen, hilft KI-Feedback und Widerspruch.

So hilft Ihnen Alpasana

Wenn Sie lernen möchten, KI-Dialoge gezielt zu führen und Rückfragen klar zu formulieren, bietet absofort den Online-Kurs Prompt Engineering. Er behandelt, wie man Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festlegt, Beispiele einsetzt, komplexe Aufgaben schrittweise bearbeitet sowie Prompts überarbeitet und Ergebnisse prüft. Datenschutz wird berücksichtigt.

Der Kurs ist online, schliesst mit einem Zertifikat ab und setzt keine Programmierkenntnisse voraus. Er ersetzt die Beurteilung durch die Lehrperson nicht. Wie Sie KI-Rückmeldungen im Unterricht einsetzen, entscheiden Sie nach den Regeln Ihrer Schule.

Häufige Fragen

Soll die KI meinen Text umschreiben?

Besser nicht. Lassen Sie sich Beispiele und Hinweise geben, aber schreiben Sie selbst. So lernen Sie am meisten und der Text bleibt Ihrer.

Wie oft darf ich nachfragen?

So oft es hilft. Wichtig ist, dass Sie nach den Nachfragen etwas umsetzen. Zu viele Rückfragen ohne Überarbeitung bringen wenig.

Was, wenn die KI auf Nachfrage etwas anderes sagt?

Dann ist die Rückmeldung unsicher. Prüfen Sie mit Kriterienliste oder fragen Sie die Lehrperson. Das ist ein Lernanlass.

Gilt das auch für Rückmeldungen von Menschen?

Ja. Nachfragen zu konkreten Stellen, Beispielen und Kriterien helfen bei jeder Rückmeldung. Eine Methode für den Austausch unter Lernenden bietet Peer-Feedback mit KI vorbereiten.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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