Zum Inhalt springen

Lernen & Motivation · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben

Benachteiligt KI-Feedback Dialekt und Mehrsprachigkeit?

Stand 10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Ja, KI-Feedback kann sprachliche Unterschiede wie Mundartanteile, Schweizer Schreibweisen oder Deutsch als Zweitsprache mit mangelndem Fachverständnis verwechseln. Prüfen Sie das mit einem Variationstest an fiktiven Texten, trennen Sie Inhalt und Sprache im Feedbackauftrag und lassen Sie Hinweise von einer Lehrperson gegenlesen.

Das Problem

In einem fiktiven Beispiel setzt Frau Keller in ihrer 8. Klasse eine KI für Rückmeldungen zu Sachtexten ein. In der Klasse sind viele Lernende mehrsprachig aufgewachsen, andere sprechen zu Hause Mundart. Ein Schüler schreibt in einem Aufsatz «Ich habe den Bus parkiert» und «Das Trottoir war voll». Die KI markiert beides als Fehler. Eine Schülerin, die seit zwei Jahren Deutsch lernt, erhält die Rückmeldung, ihre Argumentation sei «unklar», obwohl der Inhalt stimmt und nur die Satzbildung noch unsicher ist.

KI-Systeme lernen aus Texten, in denen bestimmte Sprachformen überwiegen, meist ein standardisiertes Hochdeutsch aus Deutschland. Schweizer Standardsprache (Helvetismen wie «parkieren», «Trottoir», durchgehende Schreibung mit Doppel-s), Mundartanteile und Deutsch als Zweitsprache (DaZ) können deshalb als «falsch» oder als Zeichen mangelnden Verstehens erscheinen. Solche Verzerrungen nennt man Bias.

Für Lernende ist das heikel: Wer ständig Rückmeldungen erhält, die Sprache mit Inhalt verwechseln, verliert Vertrauen in die eigene Leistung. Faire Rückmeldung trennt, was fachlich stimmt, von der Frage, wie sprachlich formuliert wird. Der Stand ist Oktober 2026; wie weit KI mit Varietäten umgehen kann, ändert sich mit den Werkzeugen und muss geprüft werden.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Klären Sie, was Sie beurteilen wollen. Geht es um fachlichen Inhalt, um Sprache oder um beides? Legen Sie das Ziel der Aufgabe fest. Bei Fachaufgaben sollte Sprache nicht den Inhalt überdecken.
  2. Erstellen Sie fiktive Testtexte. Schreiben Sie denselben Inhalt in drei Fassungen: Standardhochdeutsch, Schweizer Standardsprache mit Helvetismen, einfacher Text mit typischen DaZ-Fehlern. Verwenden Sie erfundene Texte, keine Arbeiten von Lernenden.
  3. Führen Sie den Variationstest durch. Lassen Sie die KI alle drei Fassungen mit derselben Anweisung beurteilen. Vergleichen Sie: Beurteilt sie den Inhalt gleich? Markiert sie Helvetismen als Fehler? Wertet sie DaZ-Texte inhaltlich ab?
  4. Dokumentieren Sie die Unterschiede. Notieren Sie, wo die Rückmeldung verschieden ausfällt. Das gibt Ihnen ein Bild der Schwächen Ihres Werkzeugs.
  5. Trennen Sie Inhalt und Sprache im Auftrag. Verlangen Sie getrennte Rückmeldungen: erst nur zum Inhalt, dann auf Wunsch zur Sprache. Nutzen Sie die Vorlage unten.
  6. Legen Sie Regeln für Schweizer Standardsprache fest. Sagen Sie der KI ausdrücklich, dass Schweizer Schreibweisen und Wörter zulässig sind. Prüfen Sie, ob sie sich daran hält.
  7. Lassen Sie Rückmeldungen gegenlesen. Bei DaZ-Lernenden und bei Zweifeln prüft eine Lehrperson die Hinweise, bevor sie ankommen. Besprechen Sie Unterschiede offen mit den Lernenden.
  8. Entscheiden Sie über den Einsatz. Wenn das Werkzeug systematisch benachteiligt, setzen Sie es für bestimmte Gruppen oder Aufgaben nicht ein. Wiederholen Sie den Test bei Werkzeugwechsel.

Checkliste: Fairer Umgang mit sprachlicher Vielfalt

PrüfpunktFrageHinweis
HelvetismenWerden Schweizer Wörter als Fehler markiert?«parkieren», «Trottoir», «Velo» sind korrekt
SchreibungWird das Doppel-s (Strasse) beanstandet?In der Schweiz üblich
MundartanteileWird Mundart mit Fehlern in der Standardsprache verwechselt?Unterscheiden zwischen Hinweis und Wertung
DaZWird fachlich richtiger Inhalt wegen Satzbau abgewertet?Inhalt und Sprache getrennt beurteilen
TonKlingen Rückmeldungen herablassend?Auf Tonfall achten
KonsistenzFallen Hinweise bei gleichem Inhalt gleich aus?Variationstest wiederholen

Vorlage zum Kopieren

Ein Prompt ist ein schriftlicher Auftrag an die KI. Diese Vorlage ist für Tests mit fiktiven Texten gedacht. Geben Sie keine Arbeiten oder Namen von Lernenden ein.

Beurteile die folgenden drei Fassungen desselben Sachtextes
(Stufe [Stufe], Fach [Fach]) mit derselben Anweisung. Kriterium:
Ist der fachliche Inhalt zum Thema [Thema] richtig und verständlich
dargestellt? Beurteile nur den Inhalt, nicht die Sprache. Schweizer
Standardsprache (z. B. «parkieren», «Trottoir», «Strasse» mit Doppel-s) ist
korrekt und darf nicht als Fehler gelten.
Fassung 1 (Standardhochdeutsch): [Text]
Fassung 2 (Schweizer Standardsprache): [Text]
Fassung 3 (einfaches Deutsch, DaZ-typische Fehler): [Text]
Gib pro Fassung eine Einschätzung des Inhalts mit Begründung und
liste auf, was du als sprachliche Auffälligkeit bemerkst, getrennt
vom Inhalt. Weise darauf hin, wo du dir unsicher bist.

Ergänzen Sie Stufe, Fach und Thema und fügen Sie die drei fiktiven Fassungen ein. Vergleichen Sie die Ergebnisse und halten Sie fest, wo sich die Beurteilung unterscheidet.

Worauf Sie achten müssen

  • Ergebnisse sind nicht stabil. Dasselbe Werkzeug kann bei Wiederholung anders urteilen, und Modelle ändern sich. Ein Test ist eine Momentaufnahme. Wiederholen Sie ihn mehrfach.
  • Keine Daten von Lernenden in Tests. Verwenden Sie erfundene Texte. Orientierung zum Datenschutz bietet das Educa-Dossier zum schulischen Datenschutz; es gelten die kantonalen Vorgaben.
  • Keine Zuschreibungen. Sprachliche Merkmale sagen nichts über Intelligenz oder Fleiss. Vermeiden Sie in Gesprächen Aussagen, die Lernende auf Herkunft oder Sprache reduzieren.
  • Beurteilung bleibt bei der Lehrperson. KI-Hinweise dienen dem Lernen. Noten und Leistungsbeurteilung folgen Ihren Kriterien. Wenn KI und Lehrperson abweichen, entscheiden Sie, siehe KI-Feedback und Widerspruch.
  • Mehrsprachigkeit als Ressource. Lernende mit mehreren Sprachen bringen Fähigkeiten mit. Rückmeldungen sollten das würdigen und nicht nur Defizite auflisten, siehe auch Satzgerüste für Deutsch als Zweitsprache.
  • Weitere Sprachen. Wenn Lernende Texte in anderen Sprachen schreiben, ist die Qualität von KI-Rückmeldungen je nach Sprache sehr unterschiedlich. Prüfen Sie das, bevor Sie sich darauf verlassen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein fiktives Beispiel aus einer Sekundarschule im Kanton Zürich: Frau Keller will KI-Rückmeldungen zu Sachtexten einführen und prüft vorher, ob das Werkzeug fair urteilt. Sie schreibt einen erfundenen Text zum Thema «Verkehr in der Stadt» in drei Fassungen.

Vorher glaubt sie, KI beurteile Inhalte neutral. Der Variationstest zeigt: Bei der Fassung mit Helvetismen markiert die KI «parkieren» und «Trottoir» als Fehler. Bei der DaZ-Fassung bewertet sie die Argumentation als schwächer, obwohl der Inhalt identisch ist. Mit der Vorlage und dem Hinweis auf Schweizer Standardsprache fallen beide Auffälligkeiten deutlich geringer aus, bleiben aber teilweise bestehen.

Nachher setzt Frau Keller die KI nur für Rückmeldungen zum Inhalt ein, mit der getrennten Anweisung. Rückmeldungen zu DaZ-Texten liest sie vor der Weitergabe gegen. Sie bespricht die Beobachtung in der Fachschaft und plant einen Test, sobald das Werkzeug gewechselt wird. Zum Verständnis von Verzerrungen hilft KI-Bias im Unterricht: Testaufgaben.

So hilft Ihnen Alpasana

Wenn Sie selbst üben möchten, mehrsprachige Kommunikation mit KI zu gestalten und Ergebnisse kritisch zu prüfen, bieten die KI-Praxiskurse von absofort Kurse zu konkreten Arbeitsaufgaben, unter anderem zu mehrsprachiger Kommunikation. Dazu gehören Praxisaufgaben, Qualitätsprüfung, KI-Lerncoach und ein verifizierbarer Abschluss.

Die Kurse sind für Berufsaufgaben beschrieben und nicht für die Beurteilung von Schülertexten. Sie können Ihr Verständnis für Möglichkeiten und Grenzen von KI-Übersetzung und KI-Sprachhilfen stärken. Welche Werkzeuge Sie im Unterricht einsetzen, entscheiden Sie nach den Regeln Ihrer Schule.

Häufige Fragen

Kann ich der KI sagen, Schweizer Standardsprache sei korrekt?

Ja, das verbessert die Ergebnisse oft, garantiert sie aber nicht. Prüfen Sie stichprobenartig, ob sich die KI an die Vorgabe hält.

Soll ich Mundart in Schultexten zulassen?

Das hängt vom Ziel der Aufgabe und von den Regeln Ihrer Schule ab. Für die Beurteilung der Standardsprache ist sie nicht gedacht. Für Ideensammlungen kann Mundart hilfreich sein.

Wie gehe ich mit DaZ-Lernenden um, wenn die KI abwertend rückmeldet?

Lesen Sie Rückmeldungen gegen, betonen Sie die Stärken im Inhalt und geben Sie Hinweise zur Sprache getrennt und freundlich. Wenn nötig, verzichten Sie auf KI-Rückmeldung für diese Aufgabe.

Wie oft soll ich den Variationstest wiederholen?

Bei jedem Werkzeugwechsel und nach grossen Updates. Zusätzlich lohnt sich eine Stichprobe im laufenden Betrieb.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

Weiterlesen in der Galaxie