Hochschule & Studium · Prompt Engineering
Problemorientiertes Lernen: Offene Fälle mit KI entwickeln
Kurz gesagt
Beim problemorientierten Lernen arbeiten Studierende an einem realistischen, offenen Fall und müssen sich fehlendes Wissen selbst erschliessen. Eine KI kann Fallentwürfe liefern; entscheidend ist, dass der Fall keine Lösungsrichtung vorgibt, fachlich stimmt und zu den Lernzielen passt, was Sie als Lehrperson prüfen.
Das Problem
Frau Keller lehrt Gesundheitsförderung an einer Fachhochschule. Sie will das Semester mit problemorientiertem Lernen gestalten, also mit Fällen, die Studierende selbst bearbeiten, statt mit Vorlesungen zu jedem Thema. Beim Verfassen der Fälle merkt sie: Ihre Entwürfe verraten viel zu viel. Der Fall nennt schon die Diagnose, den Lösungsweg und die relevante Theorie. Die Studierenden müssen kaum noch suchen.
Problemorientiertes Lernen (PBL) ist eine Lehrform, bei der Studierende in Kleingruppen an einem komplexen, realitätsnahen Fall arbeiten. Sie klären Begriffe, sammeln, was sie schon wissen, formulieren Lernfragen, recherchieren selbständig und führen die Ergebnisse zusammen. Der Fall ist der Auslöser: Er muss offen genug sein, dass unterschiedliche Fragen entstehen, und konkret genug, dass er sich lösen lässt.
Gute Fälle zu schreiben, ist die grösste Hürde. Sie erfordern Fachwissen, Kreativität und das Wissen, was Studierende nicht schon können. KI kann Ideen und Rohfassungen liefern. Die Passung zu den Lernzielen und die fachliche Richtigkeit müssen Sie sicherstellen.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Lernziele des Falls bestimmen. Welches Wissen und welche Kompetenzen sollen Studierende sich erarbeiten? Schreiben Sie drei bis fünf Ziele auf. Der Fall dient diesen Zielen.
- Fachliche Kernpunkte sammeln. Notieren Sie für sich, was die Studierenden am Ende wissen sollten. Das ist Ihre Referenz, die sie nicht im Fall verraten.
- Rohfassung entwerfen lassen. Geben Sie der KI mit der Vorlage unten die Ziele (nicht die Lösung). Sie schreibt einen Fall mit Ausgangssituation, offenen Informationen und Fragen.
- Fall auf Verrat prüfen. Lesen Sie ihn wie ein Studierender: Verrät der Text schon die Antwort? Entfernen Sie Hinweise auf Diagnose, Lösung und Theorie. Lassen Sie Informationen weg, die erst recherchiert werden sollen.
- Fachliche Richtigkeit prüfen. Prüfen Sie Angaben, Zahlen und Rollen. KI-Fälle enthalten oft unrealistische Details. Korrigieren Sie sie.
- Offenheit und Mehrdeutigkeit sicherstellen. Der Fall sollte mehrere Lernfragen auslösen. Testen Sie ihn mit einer Kollegin: Welche Fragen entstehen?
- Begleitmaterial vorbereiten. Erstellen Sie eine Quellenliste für die Recherche und Leitfragen für die Tutorin. Die Lösung bleibt bei der Lehrperson.
- Durchführen, auswerten, verbessern. Beobachten Sie, welche Fragen die Studierenden stellen, und passen Sie den Fall für die nächste Gruppe an.
Vorlage zum Kopieren
Sie unterstützen mich als Dozentin bei der Entwicklung eines Falls für problemorientiertes Lernen. Fach: [Fach]. Studiengang/Semester: [Angabe]. Lernziele des Falls (was Studierende selbst erarbeiten sollen): [Liste]. Kontext: [z. B. Schweizer Gemeinde, Betrieb, Spital – allgemein].
Aufgabe:
1. Schreibe einen realistischen Fall (200 bis 300 Wörter) als Ausgangssituation mit erfundenen Personen. Der Fall muss offen sein: Er nennt KEINE Diagnose, KEINE Lösung, KEINE Fachbegriffe, die die Studierenden erst erarbeiten sollen.
2. Baue bewusst Informationslücken und mehrdeutige Hinweise ein, die zu Lernfragen führen.
3. Nenne am Ende, welche Lernfragen Studierende vermutlich stellen werden (nur für mich, nicht für die Studierenden).
4. Verwende keine echten Personen, Organisationen oder Ereignisse und erfinde keine Studien oder Zahlen.
5. Markiere Angaben, die ich fachlich prüfen muss.Setzen Sie Fach und Lernziele ein. Prüfen Sie den Fall auf Verrat und auf Realismus, bevor Studierende ihn sehen.
| Merkmal | Guter Fall | Schlechter Fall |
|---|---|---|
| Offenheit | Mehrere Lernfragen | Nur eine Antwort möglich |
| Hinweise | Mehrdeutig, unvollständig | Nennt Diagnose und Lösung |
| Realismus | Plausibel | Konstruiert oder unrealistisch |
| Passung | Dient den Lernzielen | Zufälliges Thema |
Worauf Sie achten müssen
- Fachliche Richtigkeit: KI erfindet Details, die nicht stimmen, etwa Symptome, Abläufe oder Rechtslagen. Prüfen Sie jeden Fall mit Ihrer Fachkenntnis und im Zweifel mit einer Kollegin.
- Stereotype: In KI-Fällen tauchen häufig Klischees auf, etwa bei Geschlecht, Alter oder Herkunft. Prüfen Sie Rollen und Beschreibungen und ändern Sie sie.
- Datenschutz: Verwenden Sie erfundene Fälle. Echte Fälle aus der Praxis dürfen nicht in öffentliche KI-Dienste, auch nicht anonymisiert, wenn Personen erkennbar bleiben.
- Eigenständige Wissenssuche: Studierende sollen selbst recherchieren. Klären Sie, wie KI dabei genutzt werden darf, und verlangen Sie, dass sie Quellen belegen und KI-Antworten am Original prüfen.
- Überforderung: Zu offene Fälle frustrieren Anfänger. Passen Sie die Offenheit an das Semester an und bieten Sie Begleitung in den Kleingruppen.
- Vorgaben des Studiengangs: Ziele, Lehrformen und Prüfungen sind im Modulbeschrieb geregelt. Der Fall muss dazu passen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Keller will einen Fall zur Gesundheitsförderung in einer Gemeinde entwickeln. Lernziele: Zielgruppen analysieren, Massnahmen begründen, Evaluation planen. Sie lässt sich eine Rohfassung entwerfen.
Vorher: Ihr erster Entwurf nannte schon die Zielgruppe, die Massnahme und den Namen der Theorie. Nachher: Der KI-Fall beschreibt eine Gemeinde mit steigendem Medikamentenverbrauch bei älteren Menschen und widersprüchlichen Aussagen des Gemeindepräsidenten, der Spitex und einer Apothekerin. Er nennt keine Massnahme. Zwei Details sind unrealistisch (eine Zahl, eine Zuständigkeit), und sie ändert beides. In der Gruppe entstehen Lernfragen wie «Was wissen wir über die Gemeinde?» und «Welche Daten brauchen wir?». Die Studierenden recherchieren selbständig und stellen ihre Ergebnisse vor.
So hilft Ihnen Alpasana
Gute Fälle brauchen klare Anfragen mit Zielen, Grenzen und Format. Der Online-Kurs Prompt Engineering von absofort übt Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festzulegen, Prompts zu überarbeiten und Ergebnisse zu prüfen. Datenschutz wird berücksichtigt; Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich, und der Kurs endet mit einem Zertifikat.
Wie Sie PBL in Ihrem Studiengang einsetzen, entscheiden Sie mit Ihrem Team.
Häufige Fragen
Wie lang sollte ein Fall sein?
Meist eine halbe bis eine Seite. Längere Fälle bieten mehr Detail, aber auch mehr Verratsrisiko. Bei Anfängern sind kürzere Fälle besser.
Soll die KI die Lösung des Falls liefern?
Für Sie als Lehrperson kann das hilfreich sein, um zu sehen, welche Themen auftauchen. Prüfen Sie sie aber fachlich und geben Sie sie nicht an Studierende weiter. Einen Start in den Fall beschreibt Problembasiertes Lernen: Offene Ausgangsfälle mit KI bauen.
Funktioniert PBL in grossen Gruppen?
Mit Kleingruppen von sechs bis acht Personen und Tutorinnen funktioniert es gut. In grossen Kohorten braucht es mehr Organisation.
Wie beurteile ich PBL?
Mit Kriterien zum Vorgehen, zu den Quellen und zur Zusammenarbeit, nicht nur mit einer Wissensprüfung. Legen Sie sie vorab fest.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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