Coaching verstehen · Prompt Engineering
GROW Options: KI-Ideen anbieten, ohne Lösungen vorzugeben
Kurz gesagt
In der Options-Phase des GROW-Modells sammelt die Klientin Handlungsmöglichkeiten. KI kann Ihnen helfen, offene Fragen und Denkanstösse vorzubereiten. Eigene Lösungsvorschläge der KI gehören nur nach Erlaubnis und als Angebot ins Gespräch, nie als Empfehlung.
Das Problem
Die Klientin hat ihr Ziel formuliert und die aktuelle Lage geschildert. Jetzt stockt das Gespräch: «Ich weiss nicht, was ich tun soll.» Der Coach hat drei Ideen im Kopf und möchte sie vorschlagen. Er weiss auch, dass genau das gegen das Coaching-Prinzip verstösst. Was tun?
Das GROW-Modell, durch Sir John Whitmore bekannt geworden, gliedert ein Coaching-Gespräch in vier Phasen: Goal (Ziel), Reality (Ist-Situation), Options (Möglichkeiten) und Will oder Way Forward (Verbindlichkeit). In der Options-Phase geht es darum, möglichst viele Handlungsmöglichkeiten zu sammeln, bevor bewertet und entschieden wird. Die Ideen sollen von der Klientin kommen, weil sie die Umsetzung tragen wird.
Oft fehlt es nicht an Möglichkeiten, sondern an Raum, sie zu denken. Fragen helfen: «Was könnten Sie tun?», «Was noch?», «Was würden Sie tun, wenn Sie keine Einschränkungen hätten?» Manchmal stockt die Ideensammlung aber. Dann kann ein Angebot von Ideen helfen, sofern die Person es wünscht und es als Anregung, nicht als Empfehlung gilt. KI kann Ihnen helfen, solche Fragen und Anregungen vorzubereiten. Verwenden Sie dazu erfundene Beispiele und keine echten Gesprächsdaten.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Phase klar abgrenzen: Prüfen Sie, ob Goal und Reality ausreichend geklärt sind. Options ohne klares Ziel führen zu Beliebigkeit.
- Eigene Frageroutine festlegen: Notieren Sie Ihre Standardfragen für diese Phase, zum Beispiel «Welche Möglichkeiten sehen Sie?», «Was noch?», «Was würden Sie einer Freundin raten?»
- Erfundenes Beispiel wählen: Denken Sie sich ein Ziel und eine Ist-Situation aus, etwa «mehr Ruhe im Arbeitsalltag».
- KI um Denkanstösse bitten: Nutzen Sie die Vorlage unten. Die KI soll Fragen und neutrale Kategorien liefern (zum Beispiel «Was könnten Sie hinzufügen, weglassen, verändern, delegieren, aufschieben?»), keine konkreten Lösungen.
- Angebotsform prüfen: Falls Ideen nötig sind, formulieren Sie das Angebot als Erlaubnisfrage: «Darf ich ein paar Ideen nennen, die andere schon ausprobiert haben?» Mehr dazu unter Erlaubnisfragen.
- Rollenspiel üben: Lassen Sie die KI eine Klientin spielen, die sagt: «Mir fällt nichts ein.» Üben Sie, mit Fragen statt mit Lösungen zu reagieren.
- Sammeln vor Bewerten: Üben Sie, Ideen zunächst ohne Wertung zu notieren und erst danach zu fragen: «Welche davon spricht Sie an?»
- Übergang zu Will: Üben Sie die Überleitung: «Welche Option möchten Sie näher anschauen?»
Vorlage zum Kopieren
Ich bin Coach und bereite die Options-Phase des GROW-Modells vor. Wir arbeiten mit einem erfundenen Beispiel.
Erfundenes Ziel: [z. B. mehr Ruhe im Arbeitsalltag]
Erfundene Ist-Situation: [z. B. viele Unterbrechungen, wenig Pausen]
Aufgabe:
1. Nenne zehn offene Fragen für die Options-Phase, die kein Lösungsangebot enthalten.
2. Nenne eine neutrale Liste von Denkkategorien («hinzufügen, weglassen, verändern, delegieren, aufschieben, Hilfe holen»), mit der eine Klientin selbst Ideen entwickeln kann.
3. Formuliere zwei Erlaubnisfragen, mit denen ich eigene Ideen anbieten könnte, und weise darauf hin, wie ich sie als Angebot kennzeichne.
4. Spiele die Klientin, die sagt «Mir fällt nichts ein». Warte auf meine Antworten und gib Feedback, wo ich Lösungen vorgegeben habe.
Keine Empfehlungen zur Lösung, keine Diagnosen, keine realen Daten. Sprache: Deutsch (Schweiz), Anrede «Sie».Ersetzen Sie Ziel und Ist-Situation durch ein erfundenes Beispiel aus Ihrem Praxisfeld.
Worauf Sie achten müssen
- KI liefert Lösungen, die niemand bestellt hat: Lassen Sie sich ausdrücklich nur Fragen und Kategorien geben. Konkrete Empfehlungen der KI passen nicht zu den Zielen der Klientin.
- Keine Klientendaten: Arbeiten Sie mit erfundenen Beispielen. Berufsgeheimnis, Datenschutz (revDSG, DSGVO) und Einwilligung bleiben im Einzelfall zu prüfen.
- Autonomie wahren: Gibt der Coach Lösungen vor, übernimmt die Klientin sie oft aus Höflichkeit und setzt sie nicht um.
- Qualität der Optionen: Nicht jede Option ist realistisch. Prüfen Sie in einem zweiten Schritt Machbarkeit und Folgen, statt in der Sammelphase zu bewerten.
- Grenzen von Coaching: Gesundheitliche, rechtliche oder finanzielle Fragen brauchen Fachpersonen. Coaching ersetzt keine Beratung und keine Therapie.
- Krisenhinweis: Bei Hinweisen auf Hoffnungslosigkeit oder Selbstgefährdung verweisen Sie an Hausarzt, Psychotherapie oder die Dargebotene Hand (Telefon 143).
| Frage in der Options-Phase | Zweck |
|---|---|
| «Was könnten Sie tun?» | erste Ideen |
| «Was noch?» | Menge steigern |
| «Was würden Sie tun, wenn alles möglich wäre?» | Denkgrenzen öffnen |
| «Was würde eine Person, der Sie vertrauen, tun?» | Perspektivwechsel |
| «Welche der Ideen spricht Sie an?» | Übergang zur Auswahl |
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Beat, 51, Coach in Baden, begleitet eine Teamleiterin, die ihre Arbeitslast reduzieren möchte. Nach der Ist-Aufnahme sagt sie: «Ich weiss nicht, was ich tun soll.»
Vorher: Beat zählt drei Ideen auf. Die Klientin nickt und sagt, sie werde es probieren. Im nächsten Gespräch hat sie nichts davon umgesetzt.
Nachher: Beat hat sich zuvor mit der KI neutrale Kategorien zurechtgelegt. Er fragt: «Was könnten Sie hinzufügen, weglassen, delegieren?» Die Klientin findet sechs Möglichkeiten, darunter eine, an die er nicht gedacht hat. Auf Nachfrage wählt sie zwei zum Näherbetrachten. Beat fragt erst dann: «Darf ich eine Idee ergänzen?»
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Häufige Fragen
Darf ein Coach in der Options-Phase Ideen einbringen?
Ja, mit Erlaubnis und als Angebot. Wichtig ist, dass die Klientin frei bleibt, sie abzulehnen. Siehe Erlaubnisfragen im Coaching.
Was, wenn die Klientin gar keine Ideen hat?
Prüfen Sie, ob das Ziel klar ist, und wechseln Sie die Perspektive mit Fragen wie «Was würde eine Kollegin tun?». Weitere Ansätze zeigt die Seite GROW-Modell: nicht linear.
Wie viele Optionen sind sinnvoll?
Es gibt keine feste Zahl. Fünf bis zehn Ideen reichen oft, damit sich Alternativen zeigen. Entscheidend ist, dass die Auswahl bewusst getroffen wird.
Wie geht es nach den Optionen weiter?
Mit der Phase Will: Welche Option wird gewählt, was ist der erste Schritt, wie verbindlich ist er? Siehe GROW Will.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
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