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Fallgeschichten für NGO-Berichte anonymisieren
Kurz gesagt
Eine Fallgeschichte ist erst sicher anonym, wenn niemand sie der Person zuordnen kann, auch nicht Menschen, die sie kennen. Ändern Sie nicht nur den Namen, sondern auch Ort, Alter, Beruf, Details und Umstände. Holen Sie die Einwilligung der Person ein und lassen Sie den Text prüfen. Die KI kann nur beim Aufspüren erkennbarer Angaben helfen, nicht beim Entscheid.
Das Problem
Für den Jahresbericht, die Website oder einen Spendenbrief möchten Sie zeigen, was Ihre Arbeit bewirkt, mit einer konkreten Geschichte: «Frau M., 54, alleinerziehend in einem Dorf im Oberland, fand dank unserer Beratung eine Stelle.» Solche Geschichten berühren und überzeugen mehr als Zahlen.
Aber: Die beschriebene Person hat Ihnen vertraut. Wenn sie erkennbar ist, etwa weil das Dorf, das Alter, der Beruf und die Familiensituation zusammen genau auf sie passen, kann die Veröffentlichung ihr schaden. Nachbarn, Arbeitgeber, Familie oder Behörden erkennen sie vielleicht sofort. Ein geänderter Vorname genügt nicht.
Besonders kritisch ist es bei Themen wie Gesundheit, Armut, Flucht, Sucht oder Gewalt. Die Einwilligung der Person ist nötig, und der Text muss so gestaltet sein, dass er niemanden blossstellt. KI kann eine zweite Brille sein, die erkennbare Angaben aufspürt. Entscheiden müssen Sie.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Fragen Sie zuerst: Brauchen wir diese Geschichte? Gibt es eine Möglichkeit, das Thema ohne Einzelfall darzustellen (zusammengesetzte oder erfundene typische Beispiele, ausdrücklich gekennzeichnet)? Oft ist das die sicherste Lösung. Erfundene Geschichten müssen als solche erkennbar sein («Beispiel»).
- Holen Sie die Einwilligung ein. Die Person muss verstehen, wo und wie die Geschichte erscheint (Bericht, Website, soziale Medien) und kann Nein sagen oder später widerrufen. Halten Sie die Einwilligung schriftlich fest. Siehe Einwilligung: Vorlage. Bei Minderjährigen und schutzbedürftigen Personen gelten besondere Anforderungen.
- Verändern Sie erkennbare Merkmale. Namen, Ort (grössere Region statt Dorf), genaues Alter (Altersgruppe), Beruf (allgemeiner), Familienverhältnisse, Zeitpunkt, besondere Ereignisse, Fotos, Zitate im Dialekt. Gehen Sie davon aus, dass Menschen im Umfeld sie erkennen könnten.
- Prüfen Sie die Kombination. Einzelne Angaben sind harmlos, zusammen identifizieren sie. «Alleinerziehende Pflegefachfrau, 54, aus einem Dorf mit 800 Einwohnern» ist in der Praxis eine einzige Person. Fragen Sie: Würde jemand aus dem Dorf sie erkennen?
- Lassen Sie die KI als zweite Brille prüfen. Aber mit einem bereits stark vorbereiteten Text, nicht mit dem Original. Bitten Sie sie, Angaben zu markieren, die zur Identifizierung beitragen könnten. Siehe Vorlage. Geben Sie nie echte Namen, Adressen oder Rohdaten aus Akten ein.
- Lassen Sie die Person den Text lesen. Sie sollte sich wiedererkennen können, aber nicht blossgestellt fühlen, und sie soll Änderungen verlangen können. Das ist die beste Qualitätskontrolle.
- Lassen Sie eine Drittperson prüfen. Eine Kollegin ohne Detailkenntnis, die den Fall nicht kennt, liest: Wer könnte das sein? Nehmen Sie ihre Einschätzung ernst.
- Verzichten Sie auf Bilder oder entpersonalisieren Sie sie. Fotos von Betroffenen sind besonders heikel. Verwenden Sie Symbolbilder oder Bilder mit ausdrücklicher Einwilligung. KI-generierte Bilder kennzeichnen Sie.
- Dokumentieren Sie die Freigabe. Einwilligung, geprüfte Fassung, Datum, Freigebende. Löschen Sie Rohdaten und Entwürfe, die nicht mehr nötig sind.
- Behalten Sie den Widerruf im Blick. Wenn die Person später die Löschung wünscht, entfernen Sie die Geschichte nach Möglichkeit. Rechnen Sie bei Veröffentlichungen im Internet damit, dass Kopien existieren können.
Merkmale, die identifizieren können:
| Merkmal | Hinweis |
|---|---|
| Name, Initialen | auch Abkürzungen können erkennbar sein |
| Wohnort, Quartier | grösser fassen |
| Alter, Beruf | Altersgruppe, allgemeinere Berufsbeschreibung |
| Familie, Kinder | Anzahl, Alter weglassen oder ändern |
| besondere Ereignisse | Unfall, Gerichtsfall, Pressebericht |
| Zeitpunkt | Jahr statt genauer Daten |
| Foto, Stimme, Dialekt | besonders erkennbar |
| Kombination mehrerer Angaben | immer gesamthaft beurteilen |
Vorlage zum Kopieren
Mit diesem Prompt lassen Sie einen bereits bearbeiteten Text auf erkennbare Angaben prüfen. Fügen Sie nie das Original mit echten Angaben ein.
Ich bin in einer Non-Profit-Organisation in der Schweiz für Kommunikation zuständig und prüfe eine bereits anonymisierte Projektgeschichte auf erkennbare Angaben.
Der folgende Text enthält keine echten Namen und keine genauen Orte (bereits verändert):
[Text einfügen]
Aufgaben auf Deutsch (Schweiz): 1. Markiere alle Angaben, die einzeln oder in Kombination zur Identifizierung der Person beitragen könnten (Alter, Beruf, Ort, Familie, Ereignisse, Zeitpunkt, Details), und begründe kurz.
2. Schlage allgemeinere Formulierungen vor, die den Sinn der Geschichte erhalten.
3. Nenne fünf Fragen, die ich mir vor der Veröffentlichung stellen soll.
4. Weise darauf hin, dass du die Wirklichkeit nicht kennst und die Einschätzung keine Garantie ist.
Schreibe keine neuen Details hinzu und erfinde nichts.Beziehen Sie die betroffene Person ein: Ihre Einschätzung zählt mehr als die jeder KI.
Worauf Sie achten müssen
- KI ist keine Anonymisierungsgarantie. Sie erkennt Muster im Text, nicht das reale Umfeld. Entscheidend ist, ob Menschen, die die Person kennen, sie erkennen könnten.
- Das Original gehört nicht in die KI. Akten, Notizen und Gesprächsprotokolle mit echten Angaben bleiben ausserhalb von KI-Werkzeugen, besonders bei Gesundheits-, Sozial- und Asylthemen. Nach dem Datenschutzgesetz (DSG) sind Gesundheitsdaten und Angaben zu sozialen Hilfen besonders schützenswert.
- Einwilligung ist nötig, nicht nur Anonymisierung. Auch bei veränderten Angaben sollte die Person einverstanden sein. Bei Unsicherheit klären Sie mit einer Fachperson; siehe Falldaten anonymisieren: Geheimnis und Anonymisieren und Pseudonymisieren.
- Berufsgeheimnis und Schweigepflicht. Wo Berufs- oder Amtsgeheimnisse gelten, sind Veröffentlichungen besonders eng begrenzt. Fragen Sie vorher.
- Würde wahren. Auch anonyme Geschichten sollen respektvoll sein und nicht Mitleid ausbeuten. Betroffene sind Menschen mit Würde, nicht nur Beispiele.
- Zusammengesetzte Geschichten kennzeichnen. Wenn Sie ein Beispiel aus mehreren Fällen bilden, schreiben Sie es dazu. Erfundene Geschichten als wahr auszugeben, ist unlauter.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Eine Schuldenberatung in Luzern möchte im Jahresbericht zeigen, wie eine Beratung helfen kann. Die Kommunikationsverantwortliche hat die Geschichte eines Klienten, der durch Arbeitsverlust und Krankheit in Schulden geriet.
Vorher: Die erste Fassung enthält Wohnort, genauen Beruf, Alter und Details zur Krankheit. Nachher: Sie holt die schriftliche Einwilligung des Klienten ein, ändert Ort, Beruf und Alter, lässt Krankheitsdetails weg und prüft den Text mit einer Kollegin und mit der KI als zweiter Brille. Der Klient liest die Fassung, bittet um eine Änderung eines Details und gibt sie frei. Die Geschichte erscheint ohne Foto und wirkt trotzdem.
So hilft Ihnen Alpasana
Wenn Ihr Team lernen soll, wie KI im Unternehmen mit Daten und Datenschutz verantwortungsvoll eingesetzt wird, bietet absofort die KI-Weiterbildung für Unternehmen. Laut Beschreibung sind Schweizer Praxisbezug und Datenschutz als Lerninhalte sowie der verantwortungsbewusste Umgang mit Unternehmensdaten enthalten; die Weiterbildung läuft online im eigenen Tempo, mit Kontakt für Teambuchungen.
Die Entscheidung über eine Veröffentlichung trifft Ihre Organisation zusammen mit den Betroffenen.
Häufige Fragen
Reicht es, den Namen zu ändern?
Nein. Auch Ort, Alter, Beruf, Familie und besondere Ereignisse können die Person verraten. Prüfen Sie die Kombination aller Angaben.
Muss ich immer die Einwilligung einholen?
Wenn die Person erkennbar sein könnte, ist die Einwilligung der sichere Weg. Bei besonders schützenswerten Themen unbedingt. Im Einzelfall klärt eine Fachperson, was gilt.
Darf ich eine Geschichte erfinden?
Ja, als erkennbar gekennzeichnetes Beispiel. Ausdrücklich nicht als wahre Geschichte ausgeben.
Kann die KI die Anonymisierung für mich übernehmen?
Sie kann bei der Prüfung helfen, aber nicht entscheiden. Geben Sie ihr nur bereits veränderte Texte und beurteilen Sie das Ergebnis selbst.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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