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Branchen · Prompt Engineering

Pressemitteilungen mit KI auf offene Fragen prüfen

Stand 10.10.2026 · 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Lassen Sie die KI eine Pressemitteilung in einzelne Behauptungen zerlegen und nach Prüfbarkeit sortieren: belegt, unbelegt, Meinung, Zahl. Das Ergebnis ist Ihre Prüfliste mit Rückfragen. Ob eine Aussage stimmt, finden Sie nur über unabhängige Quellen heraus, nie über die KI selbst.

Das Problem

Die Redaktion erhält täglich Pressemitteilungen: von Firmen, Verbänden, Gemeinden, Parteien. Sie klingen oft sachlich, enthalten aber Behauptungen, Zahlen und Bewertungen, die der Absender gerne so lesen möchte. «Marktführer», «um 30 Prozent gestiegen», «als einziger Anbieter» sind Beispiele für Aussagen, die ohne Prüfung gefährlich sind.

Unter Zeitdruck wird manches übernommen. Das ist ein Risiko für Glaubwürdigkeit und Qualität. Gleichzeitig ist es mühsam, jede Mitteilung Satz für Satz zu zerlegen.

KI kann die Vorarbeit leisten: Behauptungen herausarbeiten, nach Art sortieren und Rückfragen vorschlagen. Das spart Zeit und schärft den Blick. Die eigentliche Prüfung, nämlich Gegenrecherche bei unabhängigen Quellen, bleibt journalistische Arbeit. Eine KI kann Ihnen nicht sagen, ob eine Behauptung wahr ist. Sie kann nur zeigen, welche Aussagen geprüft werden müssen.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Lesen Sie die Mitteilung zuerst selbst. Verschaffen Sie sich einen Eindruck: Wer sendet, was wird behauptet, was fehlt? Das Urteil der KI soll Ihren Blick ergänzen, nicht ersetzen.
  1. Prüfen Sie, ob die Mitteilung vertraulich ist. Sperrfristen und vertrauliche Unterlagen gehören nicht in öffentliche KI-Dienste. Siehe Quellenschutz und KI.
  1. Lassen Sie Aussagen herausarbeiten. Mit der Vorlage unten: jede überprüfbare Behauptung einzeln, mit Fundstelle im Text.
  1. Sortieren Sie nach Art. Zahl, Tatsachenbehauptung, Superlativ, Meinung, Prognose, Zitat. So sehen Sie, wo Prüfung nötig ist.
  1. Lassen Sie Rückfragen vorschlagen. Welche Belege würden die Aussage stützen? Wer könnte sie bestätigen oder widerlegen? Die KI macht Vorschläge, Sie wählen aus.
  1. Prüfen Sie unabhängig. Suchen Sie Originalquellen: amtliche Statistiken, Register, Studien im Original, Gesprächspartner. Siehe Recherchequellen prüfen.
  1. Halten Sie das Ergebnis fest. Pro Aussage: bestätigt, nicht bestätigt, offen, mit Quelle und Datum.
  1. Fragen Sie beim Absender nach. Mit konkreten Fragen aus Ihrer Liste. Nicht beantwortete Fragen sind selbst eine Information.
  1. Entscheiden Sie über Veröffentlichung und Formulierung. Unbestätigte Aussagen werden gekennzeichnet («laut Mitteilung des Unternehmens») oder weggelassen.

Von der Behauptung zur Prüfung

Aussage in der MitteilungArtMögliche Prüfung
«Umsatz um 30 % gestiegen»ZahlGeschäftsbericht, Rückfrage
«Marktführer in der Region»SuperlativMarktdaten, Vergleich, Definition
«Als einziger Anbieter»TatsachenbehauptungKonkurrenz recherchieren
«Wir erwarten starkes Wachstum»Prognoseals Erwartung kennzeichnen
«Experten sind begeistert»unbelegtNamen und Quellen verlangen

Vorlage zum Kopieren

Du bist Assistent für die Gegenprüfung von Pressemitteilungen in einer
Schweizer Redaktion.
Analysiere die folgende Pressemitteilung. Erstelle eine Tabelle:
Nr. | Aussage (wörtlich oder knapp) | Fundstelle (Absatz) | Art
(Zahl / Tatsache / Superlativ / Meinung / Prognose / Zitat) |
Belegt im Text? (ja/nein) | Vorschlag für Rückfrage oder
Prüfquelle (Art der Quelle, keine erfundenen Namen).
Liste danach auf, was in der Mitteilung fehlt, das man erwarten
würde (z. B. Quellenangabe, Vergleichswert, Zeitraum).
Beurteile nicht, ob die Aussagen stimmen. Prüfe nichts im Internet
und nenne keine Zahlen, die nicht im Text stehen.
Mitteilung: [Text einfügen]

Passen Sie die Tabelle an Ihre Redaktionsabläufe an. Die Spalte «Prüfquelle» ist ein Vorschlag, den Sie fachlich beurteilen.

Worauf Sie achten müssen

  • Keine Wahrheitsprüfung durch KI: Sie kann Behauptungen erkennen, aber nicht zuverlässig prüfen. Sie kann sogar falsche Gegenbehauptungen erfinden.
  • Journalistische Sorgfalt: Die Pflichten der Journalistinnen und Journalisten, etwa Wahrhaftigkeit und Quellenprüfung, ergeben sich aus der berufsethischen Erklärung des Schweizer Presserats. Sie gelten unabhängig vom Werkzeug.
  • Vertrauliches Material: Sperrfristen, Entwürfe und interne Dokumente nicht in externe KI-Dienste eingeben, siehe Datenschutz bei KI: Grundlagen.
  • Zitate: Prüfen Sie Zitate immer am Original, siehe KI-Zitate prüfen.
  • Transparenz: Machen Sie unbestätigte Angaben als solche kenntlich.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Eine Regionalredaktion im Kanton Thurgau erhält eine Mitteilung eines Industriebetriebs: «Mit 25 Millionen Franken Investition schafft das Unternehmen 40 neue Arbeitsplätze und ist damit grösster Arbeitgeber der Region.»

Die Redaktorin lässt die Mitteilung zerlegen. Die KI findet vier Aussagen: Investitionssumme, Zahl neuer Stellen, Superlativ «grösster Arbeitgeber», Zeitrahmen fehlt. Sie fragt beim Unternehmen nach Zeitraum, Stellenart und Vergleichsbasis und prüft den Superlativ in der Statistik der Gemeinde.

Der Artikel nennt Investition und Stellenzahl «laut Unternehmen», verzichtet auf den Superlativ und nennt den Zeitrahmen, den das Unternehmen auf Nachfrage bestätigt.

So hilft Ihnen Alpasana

Im Prompt-Engineering-Kurs von absofort lernen Sie, KI klar zu beauftragen: Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festlegen, Beispiele zur Steuerung einsetzen und Ergebnisse prüfen. Sie erarbeiten ein getestetes Prompt-Set für einen wiederkehrenden beruflichen Prozess, wie das Zerlegen von Mitteilungen in Prüfpunkte.

Der Online-Kurs ist auf Deutsch, ohne Programmierkenntnisse und mit Zertifikat. Journalistische Ausbildung ist nicht Teil des Angebots.

Häufige Fragen

Kann die KI Behauptungen im Internet gegenprüfen?

Manche Werkzeuge suchen im Netz, doch Ergebnisse sind lückenhaft und können falsch sein. Verwenden Sie sie höchstens als Hinweisgeber und prüfen Sie Originalquellen selbst.

Darf ich Pressemitteilungen in KI-Werkzeuge einfügen?

Veröffentlichte Mitteilungen sind meist unproblematisch. Bei Sperrfristen, Entwürfen oder vertraulichen Anhängen ist Vorsicht geboten. Klären Sie das mit Ihrer Redaktionsleitung.

Wie erkenne ich Werbung in einer Mitteilung?

Achten Sie auf Superlative, fehlende Belege und einseitige Darstellung. Die Spalte «Art» in der Tabelle hilft dabei. Für Überschriften ist auch Überschriften-Varianten interessant.

Reicht ein Prompt für alle Mitteilungen?

Er ist ein guter Start. Passen Sie ihn an Themenbereiche an, etwa Wirtschaft, Politik oder Vereine, und verbessern Sie ihn mit der Erfahrung.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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