Schriftsätze mit KI vorbereiten: Vom Sachverhalt zur Gliederung
Kurz gesagt
Eine KI kann aus einem sauber aufbereiteten Sachverhalt eine Gliederung und eine Übersicht der Argumente vorschlagen. Rechtliche Aussagen, Zitate und Beweise müssen Sie selbst prüfen. Den fertigen Schriftsatz verantwortet immer die Anwältin oder der Anwalt.
Das Problem
Ein Schriftsatz beginnt selten mit dem ersten Satz. Zuerst liegt ein Berg an Unterlagen auf dem Tisch: E-Mails, Verträge, Notizen aus dem Mandantengespräch, vielleicht ein Urteil der Gegenseite. Bevor jemand schreibt, muss jemand ordnen. Dieses Ordnen kostet Stunden, und am Anfang fehlt oft nur eine klare Gliederung, um in Gang zu kommen.
Hier kann eine KI helfen, aber nur in einer begrenzten Rolle. Sie kann Fakten sortieren, eine Gliederung vorschlagen und die möglichen Argumente übersichtlich nebeneinanderstellen. Sie kennt Ihr Mandat nicht, sie kennt nur den Text, den Sie ihr geben. Und sie kann Rechtssätze oder Urteile erfinden, die es nicht gibt.
Diese Seite zeigt, wie Sie die KI für das Vorbereiten nutzen, ohne dass etwas Unprüftes im Schriftsatz landet. Gemeint ist die Arbeit des Sekretariats oder der Substitutin, die einen Entwurf für die Anwältin vorbereitet.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Ziel des Schriftsatzes festhalten. Schreiben Sie in einem Satz auf, was der Schriftsatz erreichen soll, zum Beispiel «Klageantwort», «Stellungnahme zur Einsprache» oder «Replik». Das Ziel kommt von der Anwältin, nicht von der KI.
- Freigegebene Fakten zusammenstellen. Sammeln Sie nur Fakten, die im Dossier belegt sind, und geben Sie jedem eine Nummer und eine Fundstelle (zum Beispiel «Beilage 4, Seite 2»). Alles andere lassen Sie weg.
- Persönliche Angaben ersetzen. Ersetzen Sie Namen, Adressen und Aktenzeichen durch Platzhalter wie «Partei A». Prüfen Sie vorher, welches Werkzeug Ihre Kanzlei verwenden darf. Hinweise stehen bei Anwaltsgeheimnis und KI.
- Gliederung vorschlagen lassen. Verwenden Sie die Vorlage unten. Die KI soll nur die nummerierten Fakten verwenden und bei jedem Punkt die Nummer angeben.
- Gliederung kritisch lesen. Fehlt ein Punkt, den Sie wichtig finden? Sind Dinge hineingerutscht, die nicht belegt sind? Streichen und ergänzen Sie.
- Argumentationsübersicht erstellen. Lassen Sie die KI zu jedem Punkt in einer Tabelle auflisten, welche Fakten dafür und welche dagegen sprechen. Das ist Rohmaterial, noch keine Rechtsmeinung.
- Rechtliche Teile selbst ergänzen. Rechtsgrundlagen, Rechtsprechung und Zitate recherchieren und prüfen Sie in Ihren juristischen Datenbanken. Wie Sie Quellen kontrollieren, steht unter Urteile und Quellen prüfen.
- Entwurf der Anwältin vorlegen. Übergeben Sie Gliederung, Faktenliste mit Fundstellen und offene Fragen. Die Anwältin schreibt oder überarbeitet den Text und verantwortet ihn.
- Eigene Muster sammeln. Bewährte Gliederungen speichern Sie als Vorlage, damit Sie beim nächsten Fall nicht von vorne beginnen.
Vorlage zum Kopieren
Du bist Assistenz in einer Schweizer Anwaltskanzlei und bereitest einen Schriftsatz vor. Du schreibst keinen Schriftsatz, sondern eine Gliederung.
Art des Schriftsatzes: [z. B. Klageantwort / Stellungnahme / Replik]
Ziel (von der Anwältin vorgegeben): [ein Satz]
Freigegebene Fakten (nummeriert, mit Fundstelle):
[1. … (Beilage …)]
[2. … (Beilage …)]
Aufgabe:
1. Schlage eine Gliederung mit Überschriften vor.
2. Ordne jedem Punkt die passenden Faktennummern zu.
3. Liste offene Fragen auf, die zuerst geklärt werden müssen.
Regeln: Verwende nur die genannten Fakten. Nenne keine Gesetzesartikel, Urteile
oder Fundstellen. Wenn Informationen fehlen, schreibe «Angabe fehlt».Passen Sie «Art des Schriftsatzes» und «Ziel» an jeden Fall an. Fügen Sie bei Bedarf ein Beispiel einer früheren, anonymisierten Gliederung an.
| Arbeitsschritt | KI geeignet? | Wer prüft? |
|---|---|---|
| Fakten ordnen und gliedern | Ja, als Vorschlag | Sekretariat und Anwältin |
| Argumente nebeneinanderstellen | Ja, als Rohmaterial | Anwältin |
| Rechtsgrundlagen und Urteile nennen | Nein | Anwältin mit eigener Recherche |
| Endgültige Formulierung | Nur als Hilfe | Anwältin |
Worauf Sie achten müssen
- Erfundene Quellen: KI-Programme nennen manchmal Urteile mit Aktenzeichen, die es nicht gibt. Verwenden Sie daher nie Fundstellen aus einer KI-Antwort, ohne sie in einer verlässlichen Datenbank zu finden.
- Berufsgeheimnis: Die Schweigepflicht der Anwaltschaft ist im Strafgesetzbuch geregelt (Art. 321 StGB). Geben Sie nur Angaben ein, die Ihre Kanzlei für das gewählte Werkzeug freigegeben hat.
- Einseitigkeit: Die KI schreibt gern überzeugend und glättet Widersprüche. Verlangen Sie ausdrücklich auch die Punkte, die gegen Ihre Position sprechen.
- Vollständigkeit: Was Sie nicht eingeben, kennt die KI nicht. Eine fehlende Beilage fällt ihr nicht auf.
- Verantwortung: Unterzeichnet wird der Schriftsatz von einer Person. Sie trägt die Verantwortung, auch für Sätze, die ein Programm vorgeschlagen hat.
- Sprache: Achten Sie darauf, dass Fachbegriffe in der Schweizer Rechtssprache stehen und nicht in deutscher oder österreichischer Wendung.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Eine Anwältin in Winterthur vertritt einen Handwerksbetrieb in einem Streit um eine offene Rechnung. Das Sekretariat hat 14 Beilagen. Statt alles zu lesen und neu zu ordnen, nummeriert die Sekretärin die gesicherten Fakten und ersetzt die Namen durch «Betrieb» und «Kunde».
Die KI schlägt eine Gliederung mit fünf Punkten vor und ordnet jedem die Faktennummern zu. Beim Lesen merkt die Sekretärin, dass ein Punkt zur Mängelrüge keine Fakten enthält, weil das entsprechende E-Mail im Dossier fehlt. Sie sucht es und ergänzt es. Die Anwältin erhält eine Gliederung, eine Faktenliste und drei offene Fragen und schreibt den Schriftsatz in der Hälfte der sonst nötigen Vorbereitungszeit ihres Sekretariats nicht neu, sondern auf einer geprüften Grundlage.
So hilft Ihnen Alpasana
Ob eine Gliederung brauchbar wird, hängt stark davon ab, wie klar Sie die KI beauftragen. Der Kurs Prompt Engineering von absofort zeigt, wie Sie Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festlegen, komplexe Aufgaben schrittweise bearbeiten und Ergebnisse prüfen. Datenschutz wird dabei mitgedacht.
Sie erarbeiten im Kurs ein getestetes Prompt-Set für einen wiederkehrenden beruflichen Prozess, etwa Ihre Gliederungen. Er läuft online mit Zertifikat und setzt keine Programmierkenntnisse voraus. Juristische Beratung bietet er nicht.
Häufige Fragen
Darf die KI auch den ganzen Schriftsatz schreiben?
Technisch ja, fachlich nicht empfehlenswert. Ein ganzer Text verleitet dazu, ihn zu überfliegen, statt ihn zu prüfen. Für das Vorbereiten sind Gliederung und Faktenordnung der sicherere Einsatz.
Wie stelle ich sicher, dass die KI keine Fakten erfindet?
Geben Sie nummerierte Fakten vor und verlangen Sie, dass jeder Punkt eine Nummer nennt. Was keine Nummer hat, streichen Sie. So erkennen Sie Erfundenes sofort.
Kann ich eine frühere Eingabe wiederverwenden?
Ja, als Vorlage mit Platzhaltern. Fügen Sie keine echten Namen aus früheren Fällen darin zurück. Wie Sie Dokumente vorher bereinigen, zeigt Kanzleidokumente anonymisieren.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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