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Berufe & Funktionen · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben

Pressemitteilungen mit KI auf unbelegte Aussagen prüfen

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Zerlegen Sie eine Pressemitteilung in einzelne Aussagen und ordnen Sie sie: belegte Tatsache, prüfbare Behauptung, Wertung, Werbesprache. Die KI kann beim Sortieren helfen, aber die Prüfung der Behauptungen an Quellen und durch Rückfragen beim Absender bleibt Ihre Arbeit.

Das Problem

In Ihrem Posteingang liegt eine Pressemitteilung: «Marktführer», «bis zu 40 Prozent weniger Energieverbrauch», «erstmals in der Schweiz», «Experten sind begeistert». Sie arbeiten in einer Redaktion, in der Kommunikationsabteilung einer Gemeinde oder für ein Vereinsmagazin und müssen entscheiden, ob und wie Sie darüber berichten. Vieles klingt plausibel, aber was davon ist belegt?

Pressemitteilungen sind Werbung in Textform. Sie stellen Sachverhalte aus Sicht des Absenders dar. Das ist legitim, verlangt aber von der Empfängerin, zwischen Tatsache, Behauptung und Wertung zu unterscheiden. Wer ungeprüft übernimmt, verbreitet womöglich unbelegte oder irreführende Aussagen.

KI kann bei der Zerlegung und Einordnung der Aussagen helfen. Das Prüfen selbst, mit Quellen, Rückfragen und Gegenrecherche, bleibt eine menschliche Aufgabe.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Die Mitteilung vollständig lesen. Achten Sie auf Absender, Datum, Anlass, Kontakt und Anhänge. Wer spricht, mit welchem Interesse? Das ordnet alles Weitere ein.
  1. Aussagen markieren. Streichen Sie alle Sätze an, die etwas behaupten: Zahlen, Rekorde, Vergleiche, Ursachen, Zitate, Zusicherungen. Wertende Sätze wie «innovativ» sind kein Beleg, aber auch keine überprüfbare Tatsache.
  1. Die Aussagen mit KI sortieren. Öffnen Sie einen erlaubten KI-Assistenten, also ein Programm, dem Sie schriftlich Aufgaben geben. Mit der Vorlage unten lassen Sie die Aussagen in Gruppen einteilen: belegt (mit Quelle in der Mitteilung), prüfbare Behauptung, Wertung, Werbesprache, Zitat.
  1. Die Einordnung kritisch prüfen. Die KI kann irren, etwa eine Behauptung als Tatsache einordnen. Lesen Sie die Gruppen selbst durch und korrigieren Sie.
  1. Prüfpläne für die Behauptungen aufstellen. Für jede prüfbare Aussage: Welche Quelle würde sie bestätigen oder widerlegen? Amtsstelle, Studie, Originaldokument, unabhängige Fachperson, Gegenseite? Notieren Sie Fragen an den Absender.
  1. Quellen selbst prüfen. Suchen Sie die Quellen und lesen Sie sie. Eine genannte Studie öffnen Sie selbst und prüfen, ob sie das aussagt, was behauptet wird. Siehe Rechercheplan mit KI.
  1. Beim Absender nachfragen. Bitten Sie um Belege: Studie, Messmethode, Zeitraum, Vergleichsbasis. Notieren Sie Antworten oder fehlende Antworten. Vorsicht bei «bis zu»-Werten und Rekorden ohne Bezug.
  1. Berichten Sie vorsichtig. Übernehmen Sie nur Belegtes als Tatsache. Behauptungen kennzeichnen Sie als Aussagen des Absenders («Das Unternehmen gibt an, …»). Bleibt etwas unbelegt, lassen Sie es weg oder weisen darauf hin.
Art der AussageBeispielUmgang
Belegte TatsacheEröffnung am 1. März (Handelsregister)Übernehmen, Quelle nennen
Prüfbare Behauptung«40 Prozent weniger Energie»Beleg verlangen, sonst als Behauptung kennzeichnen
Wertung«bahnbrechend»Nicht übernehmen oder als Meinung kennzeichnen
Werbesprache«Marktführer»Prüfen oder weglassen
Zitat«Wir sind begeistert», sagt der CEOAls Aussage kennzeichnen

Vorlage zum Kopieren

Ich prüfe eine Pressemitteilung und möchte ihre Aussagen sortieren.
Hier ist der Text (ohne vertrauliche Anhänge): [Text einfügen].
Bitte:
1. zerlege den Text in einzelne Aussagen und ordne jede einer Gruppe zu: belegte Tatsache (Beleg im Text genannt), prüfbare Behauptung (ohne Beleg im Text), Wertung, Werbesprache, Zitat,
2. nenne zu jeder prüfbaren Behauptung, welche Art von Quelle sie bestätigen oder widerlegen könnte,
3. formuliere für den Absender höchstens zehn Rückfragen.
Prüfe die Aussagen nicht selbst auf Wahrheit und behaupte nicht, dass etwas stimmt oder nicht stimmt. Erfinde keine Quellen oder Zahlen.
Wenn du dir bei einer Einordnung unsicher bist, schreibe «[unsicher]».

Fügen Sie den Text ein und prüfen Sie die Einordnung selbst.

Worauf Sie achten müssen

  • KI prüft nicht die Wahrheit. Sie sortiert Aussagen, sie hat keinen Zugang zu den Fakten dahinter. Ihre Einschätzungen sind keine Prüfergebnisse. Siehe KI-Antworten prüfen.
  • Erfundene Quellen. Wenn die KI Quellen oder Studien nennt, die nicht in der Mitteilung stehen, handelt es sich vermutlich um Halluzinationen. Prüfen Sie jede.
  • Abhängigkeit und Eindruck. Ein sauber formulierter Text wirkt glaubwürdig. Lassen Sie sich nicht vom Stil leiten. Siehe auch Faktencheck-Vorlage.
  • Vertraulichkeit. Sperrfristen und vertrauliche Mitteilungen gehören nicht in öffentliche KI-Dienste. Beachten Sie Vereinbarungen mit dem Absender.
  • Berufsregeln. Für Medienschaffende gelten Grundsätze zur Sorgfalt, etwa die Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten des Schweizer Presserats. Einzelfragen klären Sie mit Ihrer Redaktion oder dem Presserat.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein erfundenes Beispiel: Frau Müller arbeitet in der Redaktion eines Regionalblatts im Aargau. Eine Firma meldet «die erste emissionsfreie Fabrik der Region» mit «über 50 Prozent weniger Energie».

Sie lässt die Aussagen mit der Vorlage sortieren: Zwei prüfbare Behauptungen ohne Beleg, eine Wertung, ein Zitat. Frau Müller fragt nach der Messmethode, dem Vergleichszeitraum und der Definition «emissionsfrei». Die Firma liefert eine Studie, die nur einen Teil der Aussage trägt. Der Artikel schreibt: «Das Unternehmen gibt an …» und nennt die Einschränkung.

So hilft Ihnen Alpasana

Die KI-Praxiskurse von absofort umfassen unter anderem Claude mit Projektstruktur, Prompt-Bibliothek, Qualitätsprüfung und Einsatzregeln sowie Phishing, Deepfakes und betriebliche KI-Richtlinien. Praxisaufgaben und KI-Lerncoach begleiten Sie beim kritischen Umgang mit Texten und KI-Ergebnissen.

Journalistische Ausbildung und Rechtsberatung gehören nicht zum Angebot.

Häufige Fragen

Muss ich jede Aussage prüfen?

Priorisieren Sie nach Gewicht: Was tragend, überraschend oder heikel ist, prüfen Sie zuerst. Nebensächliches können Sie weglassen.

Was, wenn der Absender nicht antwortet?

Dann berichten Sie nur, was belegt ist, und kennzeichnen Behauptungen als Aussagen des Absenders. Alternativ berichten Sie nicht.

Kann die KI Studien für mich lesen?

Sie kann zusammenfassen, aber nicht verlässlich bewerten. Lesen Sie wichtige Studien selbst. Eine Hilfe bietet Lange Berichte auswerten.

Wie gehe ich mit Werbesprache um?

Streichen Sie sie oder übersetzen Sie sie in überprüfbare Aussagen. Titel formulieren Sie sachlich, siehe Titel mit KI schreiben.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

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