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Berufe & Funktionen · Prompt Engineering

Überschriften mit KI schreiben, ohne falsche Erwartungen

Stand 10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Eine gute Überschrift weckt Interesse und hält, was sie verspricht. Eine KI kann viele Varianten liefern, neigt aber zu reisserischen Formulierungen. Wählen Sie nur Titel, die der Text belegt, prüfen Sie jede Zahl und Behauptung im Titel und lassen Sie keinen Titel stehen, der mehr verspricht, als der Artikel enthält.

Das Problem

Frau Müller hat einen Artikel über die neue Verkehrsführung im Dorfzentrum fertig geschrieben. Der Text ist sachlich und enthält Pro und Contra. Nur der Titel fehlt. Ihr erster Versuch, «Neue Verkehrsführung im Dorfzentrum», klingt trocken. Sie fragt eine KI nach Vorschlägen und erhält: «Verkehrs-Chaos im Dorf: Das erwartet Sie jetzt!» und «Skandal um Dorfplatz: Darum ist alles anders».

Beide Titel wecken Aufmerksamkeit. Aber sie versprechen etwas, das der Text nicht hält: Von Chaos oder Skandal ist im Artikel keine Rede. Genau das ist das Problem bei Überschriften: Sie sind das Erste, was gelesen wird, und bei vielen Leserinnen oft das Einzige. Ein Titel, der etwas anderes sagt als der Text, enttäuscht und verliert Vertrauen.

Eine KI liefert in Sekunden dutzende Varianten, und viele sind übertrieben, weil sie auf Aufmerksamkeit trainiert wirkt. Ihre Aufgabe ist es, aus dem Angebot einen Titel zu wählen oder zu formen, der den Inhalt korrekt abbildet und trotzdem zum Lesen einlädt.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Kernaussage des Artikels festhalten. Schreiben Sie in einem Satz auf, was der Artikel belegt. Der Titel darf nicht mehr behaupten als dieser Satz.
  1. Titelzweck klären. Wo erscheint der Titel? Zeitung, Website, Newsletter, Social Media? Wie viele Zeichen sind erlaubt? Wer liest ihn?
  1. Kriterien festlegen. Notieren Sie, was Ihr Titel leisten soll: informieren, neugierig machen, ohne Übertreibung, mit wichtigem Stichwort früh. Und was nicht vorkommen darf: Superlative, Drohungen, Fragen, die der Text nicht beantwortet.
  1. Varianten erzeugen. Geben Sie der KI Kernaussage, Absatz oder Zusammenfassung des Artikels und die Kriterien. Verlangen Sie mehrere Varianten in unterschiedlichem Ton. Die Vorlage unten hilft.
  1. Jeden Titel gegen den Text prüfen. Steht alles, was der Titel sagt, im Artikel? Passen Zahlen, Namen, Wertungen? Ist die Gewichtung richtig? Streichen Sie, was nicht belegt ist.
  1. Versprechen und Fragen prüfen. Wenn der Titel eine Frage stellt, muss der Artikel sie beantworten. Wenn er «Das müssen Sie wissen» sagt, muss etwas Wichtiges folgen.
  1. Lautes Lesen und Gegenlesen. Lesen Sie den Titel laut. Lassen Sie eine Kollegin, die den Text nicht kennt, sagen, was sie erwartet, und vergleichen Sie es mit dem Inhalt.
  1. Titel finalisieren. Wählen Sie den besten, passen ihn an und prüfen auch den Vorspann und die Bildlegende auf Übereinstimmung.

Vorlage zum Kopieren

Du bist Titelredaktorin bei einer Schweizer Lokalzeitung. Du schlägst Überschriften vor, die den Inhalt korrekt wiedergeben und trotzdem zum Lesen einladen. Du vermeidest Clickbait.

Kernaussage des Artikels (belegt): [ein Satz]
Wichtigste Fakten im Text: [Stichworte]
Was der Text NICHT behauptet: [z. B. keine Aussage zu Kosten, keine Wertung]
Ort: [Printtitel / Website / Newsletter] mit maximal [Anzahl] Zeichen
Leserschaft: [z. B. Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde]

Aufgabe:
1. Schreibe 8 Titelvarianten: 3 sachlich-informativ, 3 mit Neugier (ohne Übertreibung), 2 kurz und prägnant.
2. Prüfe zu jeder Variante: Was verspricht sie? Wird es im Text gehalten? Antworte mit «ja», «teilweise» oder «nein».
3. Kennzeichne Varianten mit Superlativen, Drohungen, Fragen ohne Antwort oder verfälschenden Verkürzungen.

Regeln: Verwende nur Fakten aus meinen Angaben. Keine erfundenen Zahlen. Kein Ausrufezeichen. Schweizer Schreibweise.

Wählen Sie aus der Liste und prüfen Sie die Wahl selbst. Die Selbsteinschätzung der KI zu «ja/nein» ersetzt Ihre Prüfung nicht.

Problem im TitelBeispielBesser
Übertreibung«Verkehrs-Chaos im Dorf»«Neue Verkehrsführung: Das ändert sich ab Montag»
Frage ohne Antwort«Wird die Halle doppelt so teuer?»«Hallenbau: Kosten liegen über dem Kredit» (wenn belegt)
Falsche Gewichtung«Skandal um Dorfplatz»«Streit um Parkplätze am Dorfplatz» (wenn Streit belegt)
Zu vage«Das ist neu»«Dorfzentrum: Tempo 20 statt 30»

Die Beispiele sind erfunden, und die «besseren» Titel gelten nur, wenn der Text sie belegt.

Worauf Sie achten müssen

  • Clickbait-Tendenz: KI-Vorschläge übertreiben oft. Prüfen Sie jedes Wort mit Wertung wie «Skandal», «Chaos» oder «schockierend».
  • Verfälschende Verkürzung: Kürzen verändert manchmal den Sinn. Aus «Kosten könnten steigen» wird «Kosten steigen». Achten Sie auf Konjunktive und Einschränkungen.
  • Berufsethik: Die Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten des Schweizer Presserats verlangt unter anderem, Tatsachen nicht zu entstellen. Titel gehören dazu. Siehe Quelle am Seitenanfang. Wie weit das im Einzelfall geht, beurteilt Ihre Redaktion.
  • Persönlichkeitsschutz: Titel mit Namen oder Vorwürfen gegen Personen sind heikel. Verwenden Sie sie nur, wenn der Text sie sauber trägt. Bei Zweifeln klären Sie die Frage vor der Veröffentlichung.
  • Gleichklang mit dem Rest: Titel, Vorspann und Bildlegende müssen zusammenpassen, auch bei der Verbreitung auf Social Media. Mehr dazu: Faktencheck vor der Veröffentlichung.
  • Suchmaschinen und KI-Suche: Gute Titel enthalten das Thema klar. Vermeiden Sie Rätsel, die auch Menschen nicht verstehen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Eine Redaktorin einer Gemeindezeitung im Kanton Schwyz hat einen Artikel über die geplante Schliessung einer Poststelle geschrieben. Gesichert ist: Die Post prüft die Umwandlung in eine Agentur, ein Entscheid ist noch nicht gefallen. Die KI liefert unter anderem «Post schliesst Filiale: Das Dorf trauert» und «Poststelle vor dem Aus?»

Die Redaktorin streicht beide: Der erste behauptet eine Schliessung und eine Stimmung, die nicht belegt sind, der zweite deutet ein Aus an, das noch nicht entschieden ist. Sie wählt «Poststelle: Post prüft Umwandlung in eine Agentur» und ergänzt im Vorspann, dass noch nichts entschieden ist. Ihre Kollegin liest nur den Titel und sagt, sie erwarte einen Bericht über eine Prüfung. Das stimmt mit dem Text überein.

So hilft Ihnen Alpasana

Gute Titel entstehen aus klaren Aufträgen mit klaren Grenzen. Im Kurs Prompt Engineering von absofort lernen Sie, Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festzulegen, Beispiele einzusetzen, Prompts zu überarbeiten und Ergebnisse zu prüfen. Sie erarbeiten ein getestetes Prompt-Set für einen wiederkehrenden beruflichen Prozess.

Der Kurs ist online, braucht keine Programmierkenntnisse und endet mit einem Zertifikat. Journalistische Ethik oder Redaktionsregeln gehören nicht zum belegten Inhalt.

Häufige Fragen

Darf ein Titel eine Frage stellen?

Ja, wenn der Artikel die Frage beantwortet. Fragen ohne Antwort im Text wirken unseriös und enttäuschen die Leser.

Wie viele Varianten soll ich anschauen?

Fünf bis zehn genügen. Entscheidend ist, dass Sie jede prüfen. Beginnen Sie mit der sachlichen Variante und prüfen Sie, ob sie schon reicht.

Wie lang soll ein Titel sein?

Das hängt vom Medium ab. Auf Websites sind kürzere Titel besser lesbar, bei Printmedien gibt der Platz die Grenze vor. Wie es bei Mails aussieht, zeigt Newsletter-Betreffzeilen mit KI schreiben.

Kann die KI den Titel an meinen Stil anpassen?

Teils, wenn Sie Beispiele früherer Titel mitgeben. Prüfen Sie das Ergebnis immer auf Genauigkeit und Ton, siehe Redaktionellen Ton mit KI einhalten.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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