KI-Kompetenz lehren · absofort: KI-Weiterbildung mit verifizierbarem Lernnachweis
KI-Ethik unterrichten: Dilemmata ohne einfache Musterlösung
Kurz gesagt
Arbeiten Sie mit erfundenen Situationen, in denen begründbare Werte miteinander in Konflikt stehen. Die Lernenden wägen Perspektiven und Folgen ab und nennen zu ihrer Entscheidung auch einen Einwand und offene Fragen.
Das Problem
Bei KI-Ethik fallen schnell allgemeine Sätze wie «KI muss fair sein» oder «Menschen sollen entscheiden». Diese Aussagen geben Orientierung, lösen aber einen konkreten Konflikt noch nicht. Was geschieht, wenn eine hilfreiche Unterstützung zusätzliche Daten verlangt oder eine gemeinsame Regel einzelne Lernende benachteiligt?
Frau Keller sucht KI-Ethik-Unterrichtsmaterial, das begründete Urteile statt vorgegebener Schlagwörter hervorbringt. Ein Dilemma ist eine Entscheidungssituation, in der wichtige Werte miteinander in Konflikt geraten und keine verfügbare Wahl alle Anliegen erfüllt. Die Aufgabe besteht darin, diesen Konflikt ernst zu nehmen und die Entscheidung nachvollziehbar zu begründen.
Das folgende Format nutzt erfundene Schulsituationen. Es verlangt weder persönliche Erfahrungen noch einen realen KI-Einsatz. Rechtliche Grenzen werden vorab geklärt und nicht als beliebig verhandelbare Meinung behandelt.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Wählen Sie einen verständlichen Wertekonflikt. Nehmen Sie beispielsweise eine erfundene Lernhilfe, die passgenaue Rückmeldungen verspricht, dafür aber mehr Lerninformationen erhalten möchte. Stellen Sie gleichzeitig eine weniger angepasste Variante ohne persönliche Angaben zur Wahl. Lassen Sie technische Leistungsversprechen ausdrücklich als ungesicherte Annahmen des Falls erkennbar.
- Klären Sie den verbindlichen Rahmen. Legen Sie fest, welche Handlungen im Unterricht gar nicht zur Wahl stehen, etwa echte Schülerdaten in einen öffentlichen Dienst einzugeben. Unterscheiden Sie die fiktive Entscheidung vom tatsächlichen Schulbetrieb. Für eine reale Einführung wären Freigaben und fachliche Prüfungen erforderlich.
- Sammeln Sie zunächst Einzelurteile. Jede Person notiert, welche Option sie vorläufig wählen würde und warum. Geben Sie Satzanfänge wie «Mir ist wichtig, dass …» und «Dabei nehme ich in Kauf, dass …». Die erste Position bleibt eine Arbeitshypothese und muss später nicht verteidigt werden um jeden Preis.
- Machen Sie Betroffene und Werte sichtbar. Lassen Sie Gruppen die Perspektiven von Lernenden, Lehrpersonen, Eltern und Schulleitung untersuchen. Ein Wert ist hier ein wichtiges Orientierungsprinzip, etwa Selbstbestimmung, Fürsorge oder gerechte Teilhabe. Fragen Sie jeweils nach konkreten Folgen statt nur nach abstrakten Begriffen.
- Organisieren Sie einen Perspektivwechsel. Jede Gruppe formuliert das stärkste nachvollziehbare Argument für eine andere Option. Niemand muss persönliche Erfahrungen offenlegen oder eine verletzende Position spielen. Prüfen Sie gemeinsam, ob die Gegenposition fair wiedergegeben wurde, bevor die Diskussion weitergeht.
- Suchen Sie Alternativen und deren Kosten. Vielleicht lassen sich Daten begrenzen, Rückmeldungen durch Menschen ergänzen oder freiwillige Lernwege anbieten. Fragen Sie, welchen Teil des Konflikts jede Alternative entschärft und welcher bestehen bleibt. Eine erfundene perfekte Technik darf das Dilemma nicht bequem auflösen.
- Lassen Sie ein begründetes Urteil schreiben. Verlangen Sie Entscheidung, wichtigsten Grund, stärksten Einwand und eine Bedingung für eine spätere Änderung. Bewertet wird die Qualität der Abwägung und nicht die Übereinstimmung mit Ihrer persönlichen Präferenz. Unzutreffende Sachannahmen müssen trotzdem korrigiert werden.
- Schliessen Sie mit einer Übertragung ab. Ändern Sie eine relevante Bedingung, etwa die Verfügbarkeit einer menschlichen Rückmeldung. Die Lernenden erklären, ob und warum dies ihr Urteil verändert. So erkennen Sie, ob sie den Wertekonflikt verstanden haben oder nur eine fertige Position wiederholen.
Vor der Diskussion hilft die Unterscheidung von Behauptung und Begründung. Die grundsätzliche Frage nach KI-Kompetenz über Bedienwissen hinaus ordnet die Urteilsbildung in einen breiteren Lernweg ein.
Vorlage zum Kopieren
Entwirf für mich als Lehrperson ein fiktives KI-Dilemma.
Zielgruppe: [Schulstufe oder Kursgruppe].
Thema: [Lernhilfe / Schreibunterstützung / gemeinsame Nutzungsregeln].
Konkurrierende Werte: [zwei begründbare Anliegen].
Verbindliche Grenzen: [schulisch geklärte Rahmenbedingungen].
Schreibe eine kurze Situation mit mindestens zwei vertretbaren Optionen,
deren Nachteile nicht einfach verschwinden. Erfinde keine Rechtsregeln.
Trenne gegebene Fakten, ungesicherte Annahmen und Werturteile.
Erstelle Perspektivkarten ohne stereotype oder abwertende Zuschreibungen.
Ergänze Fragen zu Betroffenen, Folgen, Alternativen und offenen Informationen.
Gib keine moralische Musterlösung vor. Verlange keine persönlichen Daten.
Erstelle separat Hinweise, was ich fachlich prüfen und moderieren muss.Ersetzen Sie die Platzhalter und streichen Sie alle Fallbedingungen, deren sachliche oder rechtliche Plausibilität Sie nicht verantworten können.
Drei erfundene Fälle für die Auswahl
| Fall | Konkurrierende Anliegen | Frage zur Vertiefung |
|---|---|---|
| Individuelle Lernhilfe benötigt zusätzliche Angaben | Passende Unterstützung und Datensparsamkeit | Welche Angaben wären für welchen Nutzen nötig? |
| KI-Schreibhilfe verbessert einen Text für eine Ausstellung | Sprachliche Teilhabe und sichtbare Eigenleistung | Wie lassen sich Unterstützung und eigener Beitrag zeigen? |
| Alle nutzen dieselbe KI-Regel bei einer Übungsaufgabe | Gemeinsame Orientierung und unterschiedlicher Hilfebedarf | Wann braucht eine faire Regel begründete Unterschiede? |
Diese Fälle sind Ausgangspunkte, keine Aussagen über reale Dienste. Bei der Schreibhilfe kann etwa eine gemeinsam veröffentlichte Endfassung sinnvoll sein, während eine individuelle Schreibübung andere Anforderungen stellt. Der Zweck der Aufgabe verändert also, welche Werte wie stark ins Gewicht fallen.
Worauf Sie achten müssen
- Keine falsche Ausgewogenheit: Eine Diskussion macht belegte Tatsachen oder verbindliche Rechte nicht beliebig. Begrenzen Sie den Raum der Abwägung, bevor Lernende über vertretbare Optionen sprechen.
- Persönliche Distanz ermöglichen: Nutzen Sie erfundene Situationen und erlauben Sie Beobachtungsrollen. Kinder sollen weder ihre Unterstützungsbedürfnisse noch familiäre Überzeugungen öffentlich rechtfertigen müssen.
- KI-Vorschläge kritisch lesen: Ein Entwurf kann bestimmte Menschen stereotyp darstellen oder eine Option sprachlich bevorzugen. Überarbeiten Sie Perspektivkarten so, dass nachvollziehbare Interessen und keine Karikaturen entstehen.
- Gleichen Zugang sichern: Alle erhalten dieselben Fallinformationen in verständlicher Sprache. Bieten Sie mündliche Begründungen oder Satzanfänge an, damit sprachliche Sicherheit nicht mit ethischer Urteilskraft verwechselt wird.
- Datenschutz und Recht klären: Geben Sie keine Personendaten in öffentliche KI-Dienste. Für reale schulische Vorhaben sind kantonale Regeln und eine fachliche Einzelfallprüfung massgeblich; Orientierung bietet Educa zum schulischen Datenschutz.
Die Diskussion kann an überfachliche Fähigkeiten wie begründetes Entscheiden und Perspektivwechsel sowie an Medienreflexion anschliessen. Ordnen Sie die Ziele Ihrem kantonalen Lehrplan 21 zu. Die KI-Thematik ersetzt weder fachliches Wissen noch eine verlässliche Gesprächskultur.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein fiktives Beispiel: Frau Keller diskutiert mit einer Sekundarklasse im Kanton Bern die Schreibunterstützung für eine Klassenausstellung. Zu Beginn fordert eine Gruppe dieselbe Beschränkung für alle. Eine andere Gruppe betont, dass unterschiedliche Sprachkenntnisse auch unterschiedliche Hilfen sinnvoll machen können.
Frau Keller trennt gemeinsam mit der Klasse den Zweck der Ausstellung von einer individuellen Schreibprüfung. Die Gruppen entwickeln eine Variante mit gekennzeichneter Unterstützung und einer persönlichen Erklärung des eigenen Beitrags. Gleichzeitig halten sie fest, dass dadurch nicht jede Frage nach Eigenleistung bereits beantwortet ist.
Im Schlussauftrag ändert Frau Keller den Fall zu einer benoteten Schreibaufgabe. Mehrere Lernende passen ihre Entscheidung an und begründen dies mit dem veränderten Lernziel. Sie bewertet die nachvollziehbare Abwägung, nicht die blosse Bereitschaft, KI zuzulassen oder abzulehnen.
So hilft Ihnen Alpasana
Die KI-Weiterbildung mit verifizierbarem Lernnachweis von Alpasana verbindet Grundlagen mit Praxisaufgaben und Abschlusskontrollen. Sie lernen im eigenen Tempo und können damit eine Grundlage für Ihre eigene Auseinandersetzung mit KI aufbauen.
Das private Kurszertifikat ersetzt keine pädagogische Qualifikation oder rechtliche Freigabe eines Schulprojekts. Auswahl der Dilemmata, Moderation und Beurteilung verantworten Sie anhand Ihres Unterrichtsauftrags.
Häufige Fragen
Darf ich meine eigene Position nennen?
Ja, kennzeichnen Sie sie als begründete persönliche Einschätzung innerhalb des fachlichen Rahmens. Lassen Sie andere vertretbare Urteile ausdrücklich zu. Nennen Sie Ihre Position gegebenenfalls erst nach den ersten Schülerbeiträgen, damit diese nicht bloss übernommen wird.
Was mache ich bei einer verletzenden Aussage?
Unterbrechen Sie und schützen Sie die betroffenen Personen. Klären Sie, weshalb die Formulierung die Gesprächsregeln verletzt, und führen Sie zur sachlichen Frage zurück. Eine Dilemmadiskussion verpflichtet niemanden, Abwertung auszuhalten.
Braucht die Klasse am Ende einen Konsens?
Nein, unterschiedliche begründete Urteile können bestehen bleiben. Halten Sie gemeinsame Fakten, verbleibende Konflikte und offene Informationen getrennt fest. Ein gemeinsamer Beschluss ist nur nötig, wenn tatsächlich eine gemeinsame Handlung vereinbart werden soll.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
Weiterlesen in der Galaxie
- KI-Kompetenz vermitteln: Was gehört ausser Bedienwissen dazu?KI Kompetenz vermitteln: Planen Sie Lernaufgaben, die Verständnis, Ergebnisprüfung und verantwortliche Entscheidungen über reine Bedienung hinaus zeigen.
- Elternabend zu KI: Lernchancen an Aufgaben erfahrbar machenKI Elternabend Vorlage: Zeigen Sie an einer Mitmachaufgabe, wie Hinweise das Lernen unterstützen, und besprechen Sie Eigenarbeit und Begleitung zu Hause.
- Kritisches Denken mit KI: Behauptung und Begründung trennenKritisches Denken KI Unterricht: Lassen Sie Behauptungen, Begründungen und Belege unterscheiden, Gegenbeispiele prüfen und eigene Urteile begründen.