Schule & Unterricht · Prompt Engineering
Politische Positionen mit KI vergleichen und einordnen
Kurz gesagt
Lassen Sie die KI Argumente zu mehreren Positionen sammeln, aber behandeln Sie das Ergebnis als Rohmaterial. Die Lernenden prüfen es an Originalquellen der Parteien und Verbände, achten auf Auslassungen und beurteilen die Begründungsqualität. Die Kontroversität des Themas bleibt im Unterricht erhalten.
Das Problem
Frau Keller möchte vor einer Abstimmung mit ihrer 9. Klasse die Argumente für und gegen eine Vorlage besprechen. Einige Jugendliche haben die KI bereits gefragt «Was ist die beste Position?» und eine überzeugend klingende Antwort bekommen. Andere erhielten von derselben Frage ein anderes Ergebnis.
KI-Werkzeuge geben Sprache wieder, die sie aus Trainingsdaten gelernt haben. Das kann zu Verzerrungen führen: Eine Position wird ausführlicher oder wohlwollender dargestellt, eine andere fehlt oder wird verkürzt. Die Antworten wirken ruhig und ausgewogen, sind es aber nicht zwingend. Ein «Überblick» der KI ist deshalb kein neutraler Überblick.
In der politischen Bildung gilt der Grundsatz der Kontroversität: Was in Politik und Gesellschaft umstritten ist, soll auch im Unterricht als umstritten erscheinen. Lehrpersonen sollen Lernende nicht überwältigen, also ihnen keine Meinung aufdrängen, sondern sie zu einem eigenen Urteil befähigen. Dieser Grundsatz stammt aus der deutschen Didaktik (Beutelsbacher Konsens) und wird auch im Schweizer Unterricht als Orientierung genutzt.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Das Lernziel bestimmen. Zum Beispiel «Die Lernenden vergleichen Argumente zu einer Vorlage und beurteilen deren Begründung». Das Ziel ist die Urteilsbildung, nicht ein bestimmtes Ergebnis.
- Ein Thema mit Originalquellen wählen. Nutzen Sie eine aktuelle Vorlage mit den Erläuterungen des Bundesrates und den Argumenten der Komitees. Informationen zu Abstimmungen finden Sie bei ch.ch.
- Die KI als Rohmaterial-Lieferantin nutzen. Lassen Sie sich für Ihre Planung Argumente für verschiedene Positionen auflisten. Fragen Sie dabei jede Position gleich ausführlich ab.
- Die Ergebnisse mit den Originalquellen abgleichen. Prüfen Sie, welche Argumente fehlen oder verkürzt sind und ob die Darstellung für jede Position faire Worte findet.
- Ein Arbeitsblatt mit Originalstellen erstellen. Geben Sie den Lernenden Auszüge aus den Quellen, nicht die KI-Zusammenfassung. Die KI-Fassung kann später als Vergleichsmaterial dienen.
- Die Lernenden Begründungen bewerten lassen. Ein Raster hilft: Wird eine Behauptung belegt? Wird eine Quelle genannt? Werden Folgen benannt? Die Qualität der Begründung wird bewertet, nicht die Position.
- Die KI-Darstellung kritisch untersuchen. Zeigen Sie einen KI-Text und fragen Sie: Welche Position kommt vor? Welche Wörter sind wertend? Was fehlt?
- Das eigene Urteil formulieren lassen. Lernende schreiben ein begründetes Urteil. Sie dürfen sich festlegen oder unentschieden bleiben, wenn sie es begründen.
| Prüffrage | Warum wichtig | Beispiel |
|---|---|---|
| Wer sagt das? | Herkunft der Aussage | Komitee, Bundesrat, KI |
| Wird es belegt? | Unterscheidung Behauptung und Beleg | Zahl mit Quelle oder bloss «viele» |
| Was fehlt? | Auslassungen erkennen | Gegenargument nicht genannt |
| Wertende Wörter? | Verzerrung sichtbar machen | «radikal», «vernünftig» |
Vorlage zum Kopieren
Ein Prompt ist der schriftliche Auftrag an die KI. Verwenden Sie ein freigegebenes Werkzeug und keine Daten von Lernenden.
Ich bereite für eine [Klassenstufe] eine Unterrichtseinheit zur Vorlage [Titel der Vorlage] vor.
Liste die wichtigsten Argumente der Befürwortenden und der Gegnerinnen und Gegner auf. Beide Seiten sollen gleich ausführlich und in neutraler Sprache dargestellt werden.
Kennzeichne bei jedem Argument, ob es auf einer überprüfbaren Tatsache, einer Annahme oder einem Wert beruht.
Nenne am Schluss, welche Argumente du nicht abdecken konntest oder bei denen du unsicher bist.
Gib keine eigene Empfehlung ab.
Ich überprüfe alle Angaben mit den offiziellen Unterlagen.Passen Sie die Vorlage an und fügen Sie die offiziellen Texte selbst ein, wenn Sie das Ergebnis genauer an der Quelle halten wollen.
Worauf Sie achten müssen
- Vergleichen Sie jede KI-Zusammenfassung mit den offiziellen Unterlagen. Fehlende Seiten oder verkürzte Positionen sind häufig.
- Wahren Sie die Kontroversität: Stellen Sie nicht eine Position als einzig vernünftige dar, auch nicht durch Ihre Auswahl der Quellen. Legen Sie Ihre eigene Meinung nicht offen, wenn sie die Lernenden beeinflussen könnte.
- Beachten Sie die Vorgaben Ihres Kantons und Ihrer Schule zur politischen Bildung. Die Kompetenzen finden Sie im Lehrplan 21 Ihres Kantons.
- Lassen Sie Lernende nicht ihre politische Haltung oder die ihrer Familie in öffentliche KI-Dienste eingeben. Politische Meinungen sind besonders schützenswerte Personendaten.
- Üben Sie aktuelle Themen nur dann, wenn Sie die Gesprächsregeln im Voraus geklärt haben.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein erfundenes Beispiel aus einer 9. Klasse in Schwyz: Vor einer kantonalen Abstimmung bittet Frau Keller die KI um Argumente für beide Seiten. Beim Vergleich mit den offiziellen Unterlagen sieht sie, dass die Gegenargumente deutlich kürzer sind und ein wichtiges Argument zu den Kosten fehlt.
Sie verwendet die KI-Fassung nur als Vergleichstext. Die Klasse arbeitet mit Auszügen aus den Abstimmungsunterlagen. In Gruppen bewerten sie, welche Argumente belegt sind. Anschliessend zeigt Frau Keller die KI-Fassung und lässt die Lernenden Auslassungen suchen. Eine Schülerin schreibt am Ende ein Urteil und begründet, warum sie unentschieden bleibt. Frau Keller beurteilt die Begründung, nicht die Entscheidung.
So hilft Ihnen Alpasana
Für sorgfältig formulierte Aufträge, die beide Seiten gleich behandeln, kommt es auf klare Vorgaben an. Der Prompt-Engineering-Kurs von absofort vermittelt, Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festzulegen, Prompts zu überarbeiten und Ergebnisse zu prüfen. Er läuft online mit Zertifikat.
Der Kurs ist nicht auf politische Bildung ausgerichtet. Für die inhaltliche und didaktische Verantwortung sind Sie als Lehrperson zuständig.
Häufige Fragen
Soll ich die KI im Unterricht zu Politik befragen lassen?
Nur in begleiteten Situationen und als Untersuchungsgegenstand. Eine ungeprüfte Antwort der KI sollte nicht als Überblick dienen. Hilfreich sind Testaufgaben wie im Beitrag zu KI-Vorurteilen.
Was, wenn Lernende die KI-Antwort überzeugend finden?
Fragen Sie nach Belegen und Gegenargumenten. Überzeugend klingen heisst nicht richtig sein. Ein Experiment mit unterschiedlich formulierten Fragen zeigt das, wie im Beitrag zum kontrollierten Prompt-Vergleich beschrieben.
Wie reagiere ich, wenn Lernende extreme Positionen vertreten?
Verlangen Sie Begründungen und bleiben Sie sachlich. Die Grenze liegt bei menschenverachtenden Aussagen; dort greifen die Regeln Ihrer Schule. Bei Unsicherheit sprechen Sie mit der Schulleitung.
Gibt es neutrale KI?
Nein, kein Werkzeug ist vollkommen neutral. Eine kritische Haltung gegenüber jeder Quelle gehört zur politischen Urteilsbildung.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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