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Didaktik & Methoden · Prompt Engineering

Multiperspektivität: KI-Perspektiven an Quellen rückbinden

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Für Multiperspektivität im Geschichtsunterricht kann KI belegte Perspektiven ordnen und Fragen vorschlagen. Jede Perspektive muss an eine Quelle zurückgebunden werden. Erfundene Stimmen historischer Personen sind keine Zeugnisse und werden als Fiktion gekennzeichnet oder weggelassen.

Das Problem

Frau Keller behandelt mit der achten Klasse den Bau der Gotthardbahn im 19. Jahrhundert. Sie möchte mehrere Sichtweisen zeigen: Bauunternehmen, Arbeiter, Anwohnerinnen und Anwohner, Politik. Ein erster Entwurf mit KI liefert lebendige «Ich-Berichte» von Figuren. Sie klingen überzeugend, sind aber frei erfunden.

Multiperspektivität bedeutet, ein historisches Ereignis aus den Blickwinkeln verschiedener Beteiligter zu betrachten. Sie ist ein Grundprinzip des Geschichtsunterrichts, weil Ereignisse von Menschen unterschiedlich erlebt und gedeutet werden. Entscheidend ist, dass jede Perspektive auf Quellen beruht, also auf Zeugnissen aus der Zeit, und nicht auf blosser Erfindung.

Eine KI erzeugt Stimmen, die nach Zeitzeugen klingen, ohne dass es solche Zeugnisse gibt. Wenn Lernende diese Texte als Quelle lesen, verwechseln sie Fiktion und Beleg. Der folgende Ablauf zeigt, wie KI beim Ordnen und Fragen helfen kann, ohne falsche Zeugnisse zu erzeugen.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Legen Sie das Lernziel fest. Beispiel: «Die Lernenden beschreiben zwei Perspektiven auf das Ereignis, belegen sie mit Quellen und erklären, warum sie sich unterscheiden.» Gleichen Sie es mit dem Lehrplan 21 (Räume, Zeiten, Gesellschaften) und Ihrem Lehrmittel ab.
  2. Stellen Sie eine Quellenauswahl zusammen. Wählen Sie vier bis sechs echte Quellen aus Lehrmittel, Archiv oder Museum, die verschiedene Gruppen betreffen. Notieren Sie, wer sie verfasst hat und wann.
  3. Lassen Sie die Quellen ordnen. Geben Sie der KI nur Texte, die frei verwendbar sind und keine Personendaten enthalten. Verwenden Sie die Vorlage unten und lassen Sie Perspektiven und offene Fragen benennen.
  4. Prüfen Sie jede Zuordnung. Stimmt die Aussage mit dem Quellentext überein? Hat die KI etwas hinzugefügt? Streichen Sie Behauptungen ohne Beleg.
  5. Erstellen Sie ein Perspektivenraster. Spalten: Wer spricht? Quelle? Was sagt sie? Was verschweigt sie? Interessen?
  6. Lassen Sie Lernende mit dem Raster arbeiten. Sie füllen es mit den echten Quellen aus und vergleichen Perspektiven. Fiktive Texte erscheinen nur, wenn sie als Fiktion gekennzeichnet sind.
  7. Fragen Sie nach Lücken. Welche Perspektiven fehlen in den Quellen, etwa weil Menschen nicht schreiben konnten oder ihre Texte nicht erhalten sind? Das ist eine wichtige historische Erkenntnis.
  8. Sichern Sie. Die Lernenden schreiben eine Zusammenfassung, in der jede Aussage einer Quelle zugeordnet ist.

Vorlage zum Kopieren

Ich bin Geschichtslehrperson in der Schweiz (Stufe: [Klasse]). Thema:
[z. B. Bau der Gotthardbahn]. Ich gebe dir diese frei verwendbaren Quellen
(Auszüge): [Quelle 1 mit Verfasser und Jahr], [Quelle 2 …].

Ordne in einer Tabelle: Wer spricht? Welche Perspektive? Welche Aussage steht
tatsächlich im Text? Welche Interessen sind erkennbar? Was wird nicht
gesagt? Schreibe keine fiktiven Zeugnisse, keine Ich-Berichte und keine
Zitate, die nicht im Text stehen. Nenne keine Jahreszahlen oder Fakten,
die nicht in den Quellen stehen, oder kennzeichne sie mit «prüfen».
Ergänze drei Fragen, welche Perspektiven noch fehlen.

Fügen Sie nur Quellenauszüge ein, die Sie verwenden dürfen. Prüfen Sie die Tabelle am Originaltext.

Worauf Sie achten müssen

  • Erfundene Stimmen sind keine Quellen: KI-Texte im Ich-Stil sind Fiktion. Kennzeichnen Sie sie oder verwenden Sie sie nicht.
  • Quellen frei verwendbar? Laden Sie nur Texte hoch, deren Nutzung erlaubt ist. Beachten Sie Urheberrecht und Schutzfristen von Archiven; fragen Sie im Zweifel die Archivstelle.
  • Keine Personendaten: Quellen mit Namen lebender Personen oder heiklen Angaben gehören nicht in öffentliche KI-Dienste.
  • Fakten prüfen: KI nennt Jahreszahlen, Orte und Zahlen falsch oder erfindet Zusammenhänge. Gleichen Sie sie mit Lehrmittel und Fachquellen ab.
  • Perspektiven nicht gleichsetzen: Multiperspektivität heisst nicht, dass alle Sichtweisen gleich gut belegt sind. Machen Sie Unterschiede in Beleglage und Macht sichtbar.
  • Sensible Themen: Bei Gewalt, Flucht oder Ausgrenzung gehen Sie behutsam vor und achten auf Betroffenheit in der Klasse.
Prüfpunkt für jede PerspektiveJa / NeinMassnahme bei «Nein»
Gibt es eine echte Quelle dazu?☐Perspektive als Lücke benennen
Steht die Aussage im Quellentext?☐Aussage streichen oder anpassen
Ist Verfasser und Zeit bekannt?☐Quelle ergänzen oder weglassen
Ist Fiktion als Fiktion gekennzeichnet?☐Hinweis ergänzen
Sind Interessen der Quelle erkennbar?☐Gemeinsam analysieren

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Eine achte Klasse in Bern behandelt den Bau der Gotthardbahn. Frau Keller hat vier Quellen ausgewählt: einen Zeitungsbericht, ein Dokument eines Unternehmens, einen Auszug aus einem Lehrmittel und einen Brief aus einer Familienchronik. Die KI ordnet sie in einem Raster und ergänzt den ausdrücklich erfundenen Beispielsatz «Aus Sicht eines Arbeiters: Ich schuftete täglich zwölf Stunden». Er steht in keiner Quelle und darf nicht als historische Aussage verstanden werden.

Frau Keller streicht den Satz und lässt die Lernenden notieren, welche Perspektive durch echte Quellen vertreten ist und welche fehlt. Die Klasse stellt fest, dass kaum Zeugnisse der Arbeiter selbst vorliegen, und überlegt, warum.

Nachher schreiben die Lernenden eine Zusammenfassung mit Quellenbelegen und einem Absatz zu Lücken. Frau Keller ergänzt die Unterrichtseinheit mit KI als Zeitzeuge? Historisches Lernen ohne falsche Zeugnisse.

So hilft Ihnen Alpasana

Wie Sie KI-Aufträge so formulieren, dass nur vorgegebene Quellen verwendet werden und nichts hinzuerfunden wird, üben Sie im Online-Kurs Prompt Engineering von Alpasana auf absofort. Beschrieben sind das Festlegen von Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat, das Überarbeiten von Prompts und das Prüfen der Ergebnisse.

Der Kurs enthält keine Geschichtsdidaktik. Die Auswahl der Quellen und die fachliche Beurteilung bleiben Ihre Aufgabe. Wie Quellen und Darstellungen unterschieden werden, zeigt Geschichte: Quelle und Darstellung mit KI.

Häufige Fragen

Darf die KI Ich-Berichte historischer Figuren schreiben?

Als klar gekennzeichnete Fiktion kann das als kreative Aufgabe dienen, aber nie als Quelle. Lernende müssen jederzeit erkennen, was belegt und was erfunden ist.

Wie viele Perspektiven brauche ich?

Zwei bis vier genügen meist. Wichtiger als die Zahl ist, dass jede mit Quellen gestützt ist und die Lernenden Unterschiede erklären können.

Was tun, wenn Quellen für eine Perspektive fehlen?

Benennen Sie die Lücke. Das ist ein historischer Befund: Nicht alle Gruppen haben Zeugnisse hinterlassen. Fragen Sie, warum und wer die Überlieferung bestimmt.

Ersetzt die KI die Quellenarbeit?

Nein. Sie kann bei der Ordnung helfen, aber die Lernenden lesen und deuten die Quellen selbst. Sonst fehlt der Kern des historischen Lernens.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

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