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Didaktik & Methoden · Prompt Engineering

Geschichte mit KI: Quelle und Darstellung unterscheiden

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Vergleichen Sie nachweisbar überlieferte Materialien mit späteren Darstellungen und halten Sie deren Herkunft sichtbar fest. KI kann Arbeitsaufträge vorbereiten, aber keine historischen Belege erzeugen; erfundene Texte müssen ausdrücklich als fiktiv erscheinen.

Das Problem

Eine KI schreibt einen eindrücklichen «Tagebucheintrag eines Fabrikkindes». Er klingt alt und passt zum Thema Industrialisierung. Wenn Frau Keller ihn ohne Kennzeichnung verteilt, könnten Lernende ihn für ein tatsächlich überliefertes Dokument halten.

Eine historische Quelle ist Material, das im Hinblick auf eine historische Frage als Zeugnis untersucht wird. Eine Geschichtsdarstellung ordnet und deutet Vergangenes aus einer späteren Perspektive. Ob ein Dokument als Quelle oder als Darstellung genutzt wird, hängt auch von der Fragestellung ab.

KI kann Vergleichsfragen und verständliche Arbeitsaufträge entwerfen. Sie kann jedoch keinen historischen Beleg erzeugen, indem sie einen Text im alten Stil schreibt. Für den Unterricht müssen Herkunft, Bearbeitung und Verwendungszweck jedes Materials sichtbar bleiben.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Wählen Sie eine konkrete historische Frage. Notieren Sie beispielsweise, wie ein Schulort auf einem überlieferten Bild dargestellt wird. Wählen Sie anschliessend Material aus einem Archiv, Museum oder geprüften Lehrmittel. Beginnen Sie mit einer nachvollziehbaren Fundstelle und nicht mit der Aufforderung an die KI, eine passende Quelle zu erfinden.
  1. Erstellen Sie einen Quellensteckbrief. Halten Sie Urheberschaft, Entstehungszeit, Ort, Materialart und Fundstelle fest, soweit diese bekannt sind. Unbekannte Angaben bleiben ausdrücklich offen. Ergänzen Sie, wer angesprochen werden sollte und welche Absicht sich anhand des Materials begründet vermuten lässt.
  1. Wählen Sie eine spätere Darstellung dazu. Nutzen Sie einen geprüften Sachtext, Museumstext oder Lehrmittelauszug zum gleichen Thema. Markieren Sie dessen Autorenschaft und Veröffentlichungszusammenhang. Prüfen Sie, auf welche Belege sich die Darstellung stützt und welche Fragen sie anders beantwortet als die Quelle.
  1. Lassen Sie die KI Vergleichsaufträge vorbereiten. Öffnen Sie einen schulisch freigegebenen Dienst und geben Sie nur zur Verarbeitung freigegebene Auszüge mit Metadaten ein. Metadaten sind Angaben über ein Dokument, etwa Datum und Herkunft. Verlangen Sie getrennte Fragen zu sichtbarem Inhalt, Entstehungskontext und späterer Deutung.
  1. Prüfen Sie Bearbeitungen am Original. Kontrollieren Sie vereinfachte Formulierungen und Zusammenfassungen Satz für Satz. Kennzeichnen Sie Kürzungen und sprachliche Übertragungen. Ein in heutiges Deutsch übertragener Text darf nicht unbemerkt als wortgetreues historisches Zitat erscheinen.
  1. Lassen Sie die Klasse den Status begründen. Geben Sie Materialkarten mit den gesicherten Herkunftsangaben aus. Die Lernenden sollen erklären, was das Material für die gewählte Frage leisten kann und wo seine Grenzen liegen. Ergänzend unterstützt die Seite zu Sachurteil und Werturteil den Umgang mit anschliessenden Bewertungen.
  1. Sichern Sie Erkenntnis und offene Fragen. Lassen Sie einen Satz formulieren: «Dieses Material zeigt uns …, aber nicht …». Besprechen Sie widersprüchliche Hinweise, statt sie durch eine einheitliche KI-Erzählung zu glätten. Halten Sie fest, welche zusätzliche Quelle für die historische Frage nützlich wäre.

Wie beschriften Sie die Materialien?

MaterialSichtbare KennzeichnungWas Lernende prüfen
Überlieferte QuelleHerkunft, Datum und FundstellePerspektive, Absicht und Aussagegrenzen
Spätere DarstellungAutorenschaft und VeröffentlichungDeutung und verwendete Belege
Bearbeiteter QuellenauszugArt der Kürzung oder ÜbertragungUnterschied zum Original
Erfundenes KI-Beispiel«Fiktiver Unterrichtstext, keine historische Quelle»Wirkung der Sprache, nicht historische Beweiskraft

Eine ältere Geschichtsdarstellung kann selbst zur Quelle werden, wenn die Klasse untersucht, wie Menschen zu dieser Zeit Geschichte erzählten. Umgekehrt ist ein zeitgenössisches Foto kein neutrales Fenster in die Vergangenheit: Bildausschnitt, Inszenierung und Auswahl beeinflussen seine Aussage. Die Einordnung braucht deshalb immer eine Frage.

Vorlage zum Kopieren

Ich plane als Lehrperson einen historischen Materialvergleich.
Stufe und Vorwissen: [allgemeine Angaben].
Historische Leitfrage: [Frage].
Quelle mit gesicherten Herkunftsangaben: [freigegebener Auszug].
Spätere Darstellung mit Herkunftsangaben: [freigegebener Auszug].
Entwerfen Sie Fragen zu Inhalt, Entstehung, Perspektive und Aussagegrenzen.
Trennen Sie Beobachtungen am Material von Deutungen.
Erfinden Sie keine Zitate, Archivsignaturen, Datierungen oder Autorennamen.
Kennzeichnen Sie fehlende Angaben ausdrücklich als unbekannt.
Falls Sie sprachlich vereinfachen, liefern Sie die Bearbeitung getrennt
und nennen Sie mögliche Bedeutungsverluste.
Erstellen Sie keine fingierte historische Quelle.

Ersetzen Sie die Platzhalter durch nachweisbar vorhandene Materialien und kontrollieren Sie alle Vergleichsfragen an diesen Vorlagen.

Worauf Sie achten müssen

  • Echtheit nicht am Stil festmachen: Alte Wörter, vergilbte Optik oder eine historische Ich-Stimme belegen keine Herkunft. Die Fundstelle und die Angaben zum Dokument sind entscheidend.
  • Quellen nicht mit Wahrheit gleichsetzen: Auch überlieferte Dokumente können irren, beschönigen oder Interessen vertreten. Gerade deshalb werden sie kritisch untersucht.
  • Unbekanntes offenlassen: Eine KI kann Lücken bei Datum, Urheberschaft oder Anlass überzeugend ergänzen. Ohne überprüfbaren Beleg dürfen solche Ergänzungen nicht ins Arbeitsblatt gelangen.
  • Verwendung klären: Prüfen Sie vor Upload oder Veröffentlichung die Nutzungsbedingungen von Bildern und Texten. Bei unklaren rechtlichen Fragen lassen Sie den Einzelfall fachlich beurteilen.
  • Persönliche Unterlagen schützen: Familienbriefe, Fotos und Geschichten können Angaben über lebende Personen enthalten. Verwenden Sie dafür keine öffentlichen KI-Dienste und planen Sie gleichwertige Aufgaben ohne private Familienarchive.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein fiktives Beispiel: Frau Keller plant an einer Schule im Kanton St. Gallen einen Vergleich zwischen einer überlieferten Schulhausfotografie und einem späteren Ausstellungstext. Sie verwendet nur Materialien, deren Herkunft und schulische Nutzung geklärt sind. Der erste KI-Auftrag vermischt Bildbeobachtung und Wissen aus dem Ausstellungstext.

Frau Keller trennt die Aufgaben: Zuerst beschreiben die Lernenden nur Sichtbares. Danach untersuchen sie, welche zusätzlichen Aussagen der spätere Text macht und worauf diese beruhen. Ein erfundener Tagebucheintrag bleibt höchstens ein ausdrücklich fiktiver Vergleichstext über sprachliche Wirkung.

Die Klasse lernt so, Wissen und Beleg nicht zu verwechseln. Für jüngere Kinder lässt sich der Einstieg über Kinderfragen und Untersuchungen im NMG vereinfachen.

So hilft Ihnen Alpasana

Der Prompt-Engineering-Kurs von absofort vermittelt klare Aufträge, die Arbeit mit Kontext und die Prüfung von Ergebnissen. Damit können Sie Vorlagen entwickeln, die Materialangaben und KI-Bearbeitungen getrennt ausgeben. Die historische Quellenkritik und die Auswahl geeigneter Unterrichtsmaterialien bleiben bei Ihnen.

Häufige Fragen

Darf ich erfundene historische Texte überhaupt verwenden?

Ja, wenn sie einen klaren didaktischen Zweck haben und unmissverständlich als fiktiv gekennzeichnet sind. Sie können beispielsweise untersuchen lassen, wie eine Ich-Erzählung Nähe erzeugt. Als Beleg für vergangene Ereignisse eignen sie sich nicht.

Ist ein Schulbuch immer eine Darstellung?

Für eine Frage zum beschriebenen Ereignis dient es meist als spätere Darstellung. Wenn Sie untersuchen, wie Geschichte in einer bestimmten Zeit unterrichtet wurde, kann das Schulbuch selbst eine Quelle sein. Entscheidend ist die jeweilige Untersuchungsfrage.

Was hilft bei schwer lesbaren Originalen?

Stellen Sie eine geprüfte Abschrift oder Übertragung neben das Original. Kennzeichnen Sie unleserliche Stellen und erklären Sie schwierige Wörter. Lassen Sie die KI keine fehlenden Wörter stillschweigend ergänzen.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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