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Didaktik & Methoden · Prompt Engineering

Sachurteil und Werturteil mit KI-Beispielen unterscheiden

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Ein Sachurteil ordnet historische Zusammenhänge anhand sachlicher Kriterien und Belege ein, ein Werturteil bewertet sie anhand genannter Werte. Nutzen Sie KI für geprüfte Übungssätze und lassen Sie Lernende Kriterien, Belege und Massstäbe erklären.

Das Problem

«Diese Entscheidung war schlecht.» Der Satz klingt eindeutig, lässt aber offen, woran das Urteil gemessen wird. Frau Keller möchte, dass Lernende historische Entscheidungen zunächst nachvollziehbar untersuchen und anschliessend eigene Wertmassstäbe offenlegen können.

Ein historisches Sachurteil beurteilt einen Zusammenhang anhand begründeter sachlicher Kriterien und historischer Belege, etwa mit Blick auf Ursachen, Folgen oder Handlungsmöglichkeiten. Ein Werturteil bewertet ihn anhand ausdrücklich genannter Werte, beispielsweise Gleichberechtigung oder Freiheit. Beide brauchen Argumente; keines wird durch eine überzeugende KI-Formulierung automatisch tragfähig.

KI kann Übungssätze und kontrastierende Beispiele vorbereiten. Dafür müssen historische Grundlagen und gewünschte Kriterien vorgegeben sein. Die Lernenden sollen Urteile prüfen und verbessern, nicht bloss Sätze anhand einzelner Signalwörter sortieren.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Wählen Sie eine überschaubare historische Frage. Öffnen Sie Ihre Planung und grenzen Sie Ereignis, Zeitraum und Materialien ein. Nutzen Sie vorhandene geprüfte Unterrichtsunterlagen. Die Unterscheidung von Quelle und Darstellung hilft dabei, die Beleggrundlage sichtbar zu halten.
  1. Formulieren Sie mögliche sachliche Kriterien. Notieren Sie beispielsweise Reichweite einer Entscheidung, Folgen für bestimmte Gruppen oder verfügbare Handlungsmöglichkeiten. Ein Sachurteil ist mehr als die Wiedergabe eines Datums. Es verbindet Informationen zu einer begründeten Einschätzung und macht deren Grenzen deutlich.
  1. Legen Sie mögliche Wertmassstäbe offen. Sammeln Sie Begriffe wie Gleichberechtigung, Mitbestimmung oder Schutz vor Gewalt und erklären Sie diese altersgerecht. Unterscheiden Sie heutige eigene Massstäbe von den Wertvorstellungen historischer Akteure. Die Beschreibung einer damaligen Haltung ist noch nicht Ihre persönliche Zustimmung dazu.
  1. Lassen Sie die KI gekennzeichnete Übungssätze entwerfen. Geben Sie die geprüfte Materialgrundlage und die Kriterien in einen freigegebenen Dienst ein. Fordern Sie reine Sachurteile, Werturteile und bewusst gemischte Sätze an. Verlangen Sie eine getrennte Lehrpersonenfassung mit Begründung und den jeweils benötigten Belegen.
  1. Prüfen Sie die historische und begriffliche Qualität. Kontrollieren Sie, ob die Urteile durch das Material gedeckt sind und keine erfundenen Motive behaupten. Ein Satz mit «ungerecht» enthält einen Wertbezug, erklärt aber noch nicht dessen Massstab. Ein Satz ohne wertende Adjektive kann trotzdem eine normative Annahme verbergen.
  1. Lassen Sie Zuordnungen begründen und überarbeiten. Die Lernenden markieren Aussage, Kriterium, Beleg und Wertmassstab in unterschiedlichen Farben. Danach schreiben sie einen unklaren Satz präziser. Eine begründete Diskussion über einen Grenzfall ist wertvoller als das schnelle Abhaken einer vermeintlich eindeutigen Lösung.
  1. Übertragen Sie die Unterscheidung auf ein eigenes Urteil. Geben Sie eine verwandte Frage ohne fertige KI-Sätze. Lassen Sie zunächst eine sachlich begründete Einschätzung und anschliessend eine Bewertung mit genanntem Massstab formulieren. Nutzen Sie Ihre Rückmeldung zum Weiterlernen, bevor Sie eine abschliessende Leistung beurteilen.

Vorlage für das Untersuchen eines Urteils

PrüffeldLeitfrageBeispiel für eine Überarbeitung
AussageWas wird genau behauptet?Zeitraum und betroffene Gruppe ergänzen
Sachliches KriteriumWoran wird die Wirkung beurteilt?Reichweite oder Folgen benennen
BelegWelches Material stützt die Aussage?Geprüfte Textstelle anführen
WertmassstabWelcher Wert begründet die Bewertung?Gleichberechtigung ausdrücklich nennen
GrenzeWas lässt sich damit nicht entscheiden?Fehlende Perspektive offenlegen

Verankern Sie die Arbeit im kantonalen Lehrplan, etwa beim historischen Lernen in Räume, Zeiten, Gesellschaften. Die Unterrichtsformulierung soll zum Alter passen. Jüngere Lernende können zunächst zwischen «Was wissen wir darüber?» und «Wie beurteilen wir das und warum?» unterscheiden, ohne die gesamte Fachsprache beherrschen zu müssen.

Vorlage zum Kopieren

Ich bin Lehrperson und erstelle Beispiele zur historischen Urteilsbildung.
Stufe und Vorwissen: [allgemeine Angaben].
Historische Frage: [klar begrenzte Frage].
Geprüfte Materialgrundlage: [freigegebene Auszüge mit Fundstellen].
Sachliche Kriterien: [zum Beispiel Folgen und Handlungsmöglichkeiten].
Mögliche Wertmassstäbe: [begründbare Werte].
Erstellen Sie kurze Sachurteile, Werturteile und gemischte Übungssätze.
Kennzeichnen Sie sie als formulierte Unterrichtsbeispiele, nicht als Zitate.
Erfinden Sie keine Ereignisse, Absichten oder historischen Aussagen.
Liefern Sie getrennt eine Lehrpersonenfassung mit Aussage, Kriterium,
Belegbedarf, Wertmassstab und möglicher Überarbeitung.
Markieren Sie begriffliche Grenzfälle und fehlende Belege offen.

Ersetzen Sie die Platzhalter durch Ihre Unterrichtsgrundlage und geben Sie die Lösungshinweise erst nach der eigenen Bearbeitung aus.

Worauf Sie achten müssen

  • Sachurteile sind nicht bloss Fakten: Sie enthalten eine begründete Einordnung. Deshalb müssen auch hier Kriterien und Belege geprüft werden.
  • Werturteile sind nicht beliebig: Eine Bewertung soll ihren Massstab nennen und sich mit Gegenargumenten auseinandersetzen. Persönliche Abwertung von Menschen ersetzt keine historische Argumentation.
  • Nicht nur damals gegen heute stellen: Historische Kontexte sind für beide Urteilsformen wichtig. Auch heutige Sachurteile über Vergangenes sind möglich; entscheidend ist die Art der Begründung.
  • Perspektiven berücksichtigen: Fragen Sie, wessen Handlungsmöglichkeiten oder Folgen betrachtet werden. Ein Urteil über eine gesellschaftliche Veränderung kann für unterschiedliche Gruppen verschieden ausfallen.
  • Eigenständigkeit und Datenschutz sichern: Lassen Sie die Lernenden eigene Begründungen formulieren. Namen, politische Äusserungen einzelner Kinder oder benotete Arbeiten gehören nicht in öffentliche KI-Dienste.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein fiktives Beispiel: Frau Keller behandelt an einer Sekundarschule in Solothurn die Einführung des Frauenstimmrechts auf Bundesebene. Sie verwendet geprüfte Materialien zur eidgenössischen Abstimmung von 1971. Den historischen Eckpunkt belegt die Darstellung des Schweizerischen Nationalmuseums.

Als selbst formuliertes Sachurteil untersucht die Klasse, wie sich der Kreis der auf Bundesebene politisch Mitbestimmenden erweiterte. Als Werturteil diskutiert sie, weshalb diese Erweiterung aus dem ausdrücklich genannten Massstab der politischen Gleichberechtigung zu begrüssen ist. Beide Sätze werden als Unterrichtsformulierungen und nicht als historische Zitate gekennzeichnet.

Vorher stand im Entwurf lediglich «Die Entscheidung war richtig». Nach der Überarbeitung sind Gegenstand, Belegbedarf und Massstab erkennbar. Bei weiteren gesellschaftlichen Themen hilft auch die Prüfung von Ursachennetzen, Tatsachenzusammenhänge und Wertentscheidungen auseinanderzuhalten.

So hilft Ihnen Alpasana

Der Prompt-Engineering-Kurs von absofort zeigt, wie klare Kriterien, Beispiele und Ausgabeformate einen KI-Auftrag präzisieren. Sie können damit wiederverwendbare Vorlagen für Übungssätze und getrennte Lösungshinweise entwickeln. Die geschichtsdidaktische Einordnung und die Gesprächsführung im Unterricht bleiben Ihre Verantwortung.

Häufige Fragen

Kann ein Satz beide Urteilsformen enthalten?

Ja, viele Alltagssätze verbinden eine Einschätzung von Folgen mit einer Bewertung. Lassen Sie die Lernenden die Teile markieren und getrennt begründen. Eine solche Überarbeitung zeigt oft mehr Verständnis als eine erzwungene eindeutige Zuordnung.

Müssen alle Lernenden zum gleichen Werturteil kommen?

Nicht jede begründete Bewertung muss gleich ausfallen. Verlangen Sie nachvollziehbare Massstäbe, historische Bezüge und einen respektvollen Umgang mit anderen Positionen. Menschenfeindliche Aussagen werden dadurch nicht zu gleichwertigen Diskussionsbeiträgen.

Darf die KI die Schülerurteile bewerten?

Nutzen Sie für die Vorbereitung lieber fiktive Beispiele ohne Personendaten. Die Rückmeldung zu tatsächlichen Lernleistungen braucht Ihre fachliche und pädagogische Einordnung. Ein sprachlich flüssiger Text sagt allein wenig über das historische Verständnis aus.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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