Lernen & Motivation · Prompt Engineering
Lösungsbeispiele mit KI erstellen, die Denken sichtbar machen
Kurz gesagt
Ausgearbeitete Beispiele zeigen eine Aufgabe mit allen Lösungsschritten und Begründungen. Sie helfen Anfängern beim Einstieg, weil sie das Denken sichtbar machen. KI kann sie vorbereiten, doch Sie prüfen jeden Schritt. Mit wachsendem Können ersetzen Sie Schritte durch Lücken, die Lernende selbst füllen.
Das Problem
Frau Keller führt in der 8. Klasse Gleichungen mit einer Unbekannten ein. Nach der Erklärung bekommen die Lernenden Aufgaben. Mehrere sitzen vor dem leeren Blatt und wissen nicht, wie sie beginnen sollen. Sie fragen: «Können Sie es mir einmal zeigen?»
Für Anfänger kann das Lösen von Problemen anspruchsvoll sein, weil sie gleichzeitig verstehen, planen und rechnen müssen. Mehrere gleichzeitige Anforderungen können das Lernen erschweren. Ausgearbeitete Beispiele (englisch: Worked Examples) zeigen eine vollständig gelöste Aufgabe mit Schritten und Begründungen und können den Einstieg unterstützen.
Ausgearbeitete Beispiele können besonders beim Einstieg hilfreich sein. Mit wachsendem Vorwissen kann sich der Nutzen verändern; in der Forschung wird dieser Zusammenhang als Expertise-Umkehr-Effekt beschrieben. Prüfen Sie deshalb, ob Aufgaben mit Lücken oder eigenes Lösen besser passen. KI kann ausgearbeitete Beispiele schnell erzeugen, doch Fehler in Lösungen sind gerade hier gefährlich. Der Stand ist Oktober 2026.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Wählen Sie den Aufgabentyp. Ein Beispiel pro Aufgabentyp, den Lernende noch nicht sicher lösen. Beginnen Sie mit einem typischen, nicht mit einem Sonderfall.
- Legen Sie die Denkschritte fest. Notieren Sie selbst in Stichworten, wie Sie die Aufgabe lösen und warum. Das ist Ihr Massstab für die KI-Version.
- Lassen Sie die KI das Beispiel ausarbeiten. Mit der Vorlage unten erhalten Sie Schritte mit Begründungen in einfacher Sprache.
- Prüfen Sie jeden Schritt. Rechnen Sie nach, kontrollieren Sie die Begründungen und achten Sie auf Sprünge. Fehler können falsche Vorstellungen fördern; prüfen Sie Beispiele deshalb vor dem Einsatz.
- Fügen Sie Fragen zur Selbsterklärung ein. An wichtigen Stellen: «Warum darf man auf beiden Seiten dasselbe abziehen?» Lernende erklären sich die Begründung selbst, siehe Selbsterklärung mit KI.
- Wechseln Sie zwischen Beispiel und Aufgabe. Zeigen Sie ein Beispiel, lassen Sie danach eine ähnliche Aufgabe lösen. Dieser Wechsel verbindet Verstehen und Üben.
- Blenden Sie Schritte nach und nach aus. Nach einigen Beispielen enthalten die Lösungen Lücken, die Lernende ausfüllen. Das ist das Ausschleichen der Hilfe, siehe Lösungshilfen ausschleichen.
- Beobachten Sie den Fortschritt. Wenn Lernende die Schritte nicht mehr brauchen, wechseln Sie zu eigenen Aufgaben.
Vom ausgearbeiteten Beispiel zur eigenen Aufgabe
| Phase | Aufgabenform | Aufgabe der Lernenden |
|---|---|---|
| Einstieg | Vollständig gelöstes Beispiel mit Begründungen | Nachvollziehen, Warum-Fragen beantworten |
| Übergang | Beispiel mit einer fehlenden Stelle | Fehlenden Schritt ergänzen |
| Festigung | Beispiel mit mehreren Lücken | Mehrere Schritte selbst bearbeiten |
| Selbstständig | Aufgabe ohne Hilfe | Lösen und Begründen |
Vorlage zum Kopieren
Ein Prompt ist ein schriftlicher Auftrag an die KI. Diese Vorlage enthält keine Angaben zu Lernenden.
Ich unterrichte [Fach] auf der Stufe [Stufe] in der Schweiz. Erstelle ein
ausgearbeitetes Beispiel für diesen Aufgabentyp: [Aufgabentyp].
Die Aufgabe lautet: [Aufgabe, selbst formuliert].
Gib die Lösung in nummerierten Schritten. Zu jedem Schritt: 1. was
getan wird, 2. warum es erlaubt oder sinnvoll ist, in einem Satz in
einfacher Sprache. Füge nach zwei wichtigen Schritten je eine Frage ein,
die Lernende sich selbst beantworten sollen (ohne Antwort).
Erstelle danach zwei ähnliche Aufgaben, die eine Lücke enthalten,
und eine vollständige Lösung nur für mich als Lehrperson.
Kennzeichne Stellen, bei denen du dir unsicher bist, und erfinde keine
Regeln.Ergänzen Sie Fach, Stufe, Aufgabentyp und Aufgabe. Rechnen Sie das Beispiel und alle Lösungen selbst nach, bevor Lernende es sehen.
Worauf Sie achten müssen
- Fehler in Lösungen. KI kann falsch rechnen, Schritte überspringen oder falsche Begründungen liefern. Solche Fehler können falsche Vorstellungen fördern. Prüfen Sie jedes Beispiel vollständig.
- Nicht zu lange einsetzen. Mit wachsendem Können kann sich der Nutzen ausgearbeiteter Beispiele verändern. Beobachten Sie die Lernenden und wechseln Sie rechtzeitig zu Lücken und eigenen Aufgaben.
- Verstehen statt Abschreiben. Wenn Lernende nur Schritte kopieren, ohne nachzudenken, bleibt der Effekt aus. Verlangen Sie Erklärungen und Anwendung auf neue Aufgaben.
- Sprache und Aufbau. Kurze Sätze, einheitliche Schritte, eine Information pro Schritt. Überladene Beispiele belasten das Arbeitsgedächtnis, siehe Kognitive Belastung bei KI-Material.
- Keine Daten von Lernenden. Geben Sie keine Aufgaben mit Namen oder Arbeiten einzelner Kinder in öffentliche KI-Dienste ein. Orientierung bietet das Educa-Dossier zum schulischen Datenschutz.
- Bildungsgerechtigkeit. Manche Lernende brauchen länger vollständige Beispiele. Bieten Sie differenzierte Hilfen an und stigmatisieren Sie niemanden.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel aus einer Sekundarschule im Kanton Luzern: Frau Keller führt Gleichungen ein. Mehrere Lernende lösen den ersten Aufgabenblock nicht und warten auf Hilfe.
Vorher bekommen sie nur die Regel und Aufgaben. Frau Keller lässt sich mit der Vorlage ein ausgearbeitetes Beispiel erstellen, rechnet nach und streicht einen Schritt, in dem die KI eine ungenaue Begründung lieferte. Die Lernenden lesen das Beispiel, beantworten die zwei Warum-Fragen und lösen danach eine ähnliche Aufgabe mit einer Lücke.
Nachher starten die meisten selbstständig. Nach drei Lektionen verwendet Frau Keller Beispiele mit mehr Lücken. Ein Lernender, der schon sicher ist, wechselt direkt zu eigenen Aufgaben, und Frau Keller lässt ihn Beispiele für andere erstellen. Eine ähnliche Idee zu Lücken bietet Lösungsbeispiele vervollständigen.
So hilft Ihnen Alpasana
Wenn Sie KI-Aufträge für Lösungsbeispiele und Unterrichtsmaterial klar formulieren möchten, bietet absofort den Online-Kurs Prompt Engineering. Er behandelt, wie man Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festlegt, Beispiele einsetzt, komplexe Aufgaben schrittweise bearbeitet sowie Prompts überarbeitet und Ergebnisse prüft. Datenschutz wird berücksichtigt.
Der Kurs ist online, schliesst mit einem Zertifikat ab und setzt keine Programmierkenntnisse voraus. Die fachliche Prüfung der Beispiele und die didaktische Entscheidung bleiben Ihre Aufgabe. Für den Einsatz im Unterricht gelten die Vorgaben Ihrer Schule.
Häufige Fragen
Verhindern Lösungsbeispiele nicht das eigene Denken?
Bei Anfängern sind sie eine Hilfe, weil sie den Einstieg erleichtern. Das eigene Denken wird gefördert, wenn Lernende Begründungen erklären und Lücken füllen. Mit wachsendem Können geben Sie mehr Verantwortung ab.
Wie viele Beispiele brauche ich?
Pro Aufgabentyp ein bis zwei vollständige Beispiele, dann Beispiele mit Lücken. Wie viele es für Ihre Klasse braucht, zeigt die Beobachtung.
Kann ich auch Beispiele mit Fehlern verwenden?
Ja, als Fehleranalyse, wenn Lernende wissen, dass Fehler enthalten sind, und diese suchen. Das ist ein anderer Zweck und gehört in spätere Phasen.
Was, wenn die KI-Lösung nicht meinem Lösungsweg entspricht?
Verwenden Sie Ihren Weg. Unterschiedliche Verfahren verwirren Anfänger. Zeigen Sie Alternativen erst, wenn der erste Weg sitzt.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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