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Lernen & Motivation · Prompt Engineering

Wie reduziere ich KI-Lösungshilfen Schritt für Schritt?

Stand 10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Reduzieren Sie KI-Hilfen stufenweise, indem Sie vorab Hilfestufen festlegen, mit der kleinsten Hilfe beginnen und eine Stufe zurücknehmen, sobald Lernende Aufgaben mehrmals ohne diese Hilfe lösen. So wächst die Selbstständigkeit. Beobachten Sie dabei, ob Lernende die Hilfe noch brauchen oder nur gewohnt sind.

Das Problem

Frau Keller hat in ihrer 7. Klasse erlaubt, bei Mathematikaufgaben eine KI als Lernhilfe zu verwenden. Nach einigen Wochen fällt ihr auf: Manche Lernende fragen bei jeder Aufgabe sofort nach der Lösung. Wenn die KI bei einer Prüfung nicht zur Verfügung steht, wissen sie nicht weiter.

Unterstützung ist am Anfang sinnvoll. Die Fachdidaktik nennt sie Scaffolding (Gerüst): Eine Lehrperson oder ein Hilfsmittel gibt Halt, solange jemand etwas noch nicht allein kann. Das Gerüst soll aber abgebaut werden, sobald das Gebäude steht. Dieses schrittweise Zurücknehmen heisst Fading oder Ausschleichen. Eine dauerhaft verfügbare Hilfe kann die selbständige Anwendung erschweren; ob und wann sie reduziert wird, hängt von Aufgabe und Lernstand ab.

Das Zurücknehmen ist auch für Lehrpersonen schwierig: Zu früh überfordert, zu spät macht abhängig. Hilfreich sind klare Hilfestufen und ein Kriterium, wann eine Stufe entfällt. KI lässt sich dafür so einstellen, dass sie nur Hinweise gibt. Der Stand ist Oktober 2026; Altersgrenzen und Regeln der Schule für KI-Nutzung sind zu beachten.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Legen Sie Hilfestufen fest. Beispiel: Stufe 1 Aufgabe noch einmal lesen und in eigenen Worten sagen, Stufe 2 Hinweis auf das Verfahren, Stufe 3 erster Schritt vorgezeigt, Stufe 4 ausgearbeitetes Beispiel einer ähnlichen Aufgabe, Stufe 5 vollständige Lösung zum Vergleichen.
  2. Beginnen Sie mit der kleinsten nötigen Hilfe. Lernende starten bei Stufe 1 und gehen erst weiter, wenn sie nicht vorankommen. Die KI gibt nur die verlangte Stufe.
  3. Notieren Sie die genutzte Stufe. Lernende halten bei jeder Aufgabe fest, welche Stufe sie gebraucht haben. Das macht Fortschritt sichtbar, siehe Lerntagebuch für KI-Hausaufgaben.
  4. Legen Sie ein Kriterium für den Abbau fest. Als mögliches Beispiel kann eine Lehrperson nach mehreren ähnlichen Aufgaben prüfen, ob eine Hilfestufe noch nötig ist. Den Abbau entscheidet sie anhand fachlicher Beobachtung und des individuellen Lernstands.
  5. Nehmen Sie schrittweise Stufen weg. Zuerst entfällt die vollständige Lösung, dann das Vorzeigen des ersten Schrittes, dann der Verfahrenshinweis. Ziel ist, dass Lernende ohne Hilfe starten.
  6. Planen Sie Aufgaben ohne Hilfe ein. Regelmässige Kontrollaufgaben ohne KI zeigen, was wirklich sitzt, siehe Hausaufgaben mit KI: Abruf ohne Hilfe.
  7. Individualisieren Sie. Nicht alle Lernenden brauchen denselben Zeitplan. Wer länger Hilfe braucht, bekommt sie ohne Etikett. Wer sicher ist, wechselt früher.
  8. Richten Sie die KI so ein. Mit der Vorlage unten stellen Sie die KI auf Hinweise nach Stufen ein. Prüfen Sie, ob sie sich daran hält.

Beispiel für Hilfestufen bei einer Textaufgabe

StufeHilfeWas Lernende tun
1Aufgabe wiederholen lassenMit eigenen Worten sagen, was gesucht ist
2Hinweis auf das VerfahrenVerfahren selbst anwenden
3Ersten Schritt zeigenWeitere Schritte selbst lösen
4Ähnliches Beispiel zeigenÜbertragen auf die Aufgabe
5Vollständige Lösung zum VergleichenEigene Lösung mit der Lösung abgleichen

Vorlage zum Kopieren

Ein Prompt ist ein schriftlicher Auftrag an die KI. Diese Vorlage richtet sich an Lehrpersonen und enthält keine Angaben zu Lernenden.

Ich möchte ein KI-Werkzeug als Lernhilfe für [Fach] auf der Stufe [Stufe]
in der Schweiz einstellen. Verhalte dich so: Du gibst nie sofort die
vollständige Lösung. Du arbeitest mit fünf Hilfestufen:
1. Aufgabe in eigenen Worten wiederholen lassen, 2. Hinweis auf das
Verfahren, 3. ersten Schritt zeigen, 4. ähnliches Beispiel zeigen,
5. vollständige Lösung zum Vergleich. Du beginnst bei Stufe 1 und gehst
nur eine Stufe weiter, wenn die lernende Person ausdrücklich um mehr
Hilfe bittet. Frage vor jeder Stufe, was bereits versucht wurde.
Gib am Ende jeder Aufgabe eine Kontrollaufgabe ohne Hilfe. Antworte in
einfacher Sprache. Du sagst deutlich, wenn du dir unsicher bist.

Ergänzen Sie Fach und Stufe. Testen Sie das Verhalten selbst mit einigen Aufgaben, bevor Lernende es nutzen, und passen Sie die Stufen an.

Worauf Sie achten müssen

  • KI hält Regeln nicht immer ein. Auch eine genaue Anweisung kann umgangen werden, besonders wenn Lernende nach der Lösung drängen. Rechnen Sie damit und prüfen Sie Verläufe stichprobenartig im Unterricht, nicht über Speicherung.
  • Nicht zu früh abbauen. Wer noch Hilfe braucht, darf sie behalten. Zu frühes Abbauen frustriert und schadet der Motivation. Beobachten Sie Lernende und fragen Sie nach.
  • Alter und Nutzungsbedingungen. Viele KI-Dienste haben Altersgrenzen. Klären Sie mit der Schulleitung, welche Werkzeuge für welche Stufe zugelassen sind.
  • Keine Daten von Lernenden. Geben Sie keine Leistungsdaten oder Namen in öffentliche KI-Dienste ein. Orientierung bietet das Educa-Dossier zum schulischen Datenschutz; es gelten die kantonalen Vorgaben.
  • Ohne KI üben können. Das Ziel ist Selbstständigkeit, nicht Unabhängigkeit von jeder Hilfe. Lernende dürfen weiterhin Hilfe suchen, aber gezielt. Hinweise zum Umgang mit Überforderung: KI-Übungen bei Überforderung stoppen.
  • Menschliche Hilfe bleibt wichtig. Die Beziehung zur Lehrperson und zu Mitlernenden kann Hilfe geben, die KI nicht ersetzt.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel aus einer Sekundarschule im Kanton Thurgau: Frau Keller beobachtet, dass mehrere Lernende bei Textaufgaben sofort die Lösung abrufen. Beim Kurztest ohne Hilfsmittel scheitern sie.

Vorher gibt es keine Stufen, die KI liefert Lösungen auf Wunsch. Frau Keller führt die fünf Hilfestufen ein und stellt die KI mit der Vorlage entsprechend ein. Die Lernenden notieren pro Aufgabe die gebrauchte Stufe. Das Kriterium: Wer dreimal mit Stufe 2 oder weniger auskommt, nutzt die Stufen 4 und 5 nicht mehr.

Nachher steigt die Zahl der Aufgaben, die auf Stufe 1 oder 2 gelöst werden. Beim nächsten Kurztest ohne Hilfen sind die Ergebnisse stabiler. Zwei Lernende, die noch Stufe 4 brauchen, erhalten zusätzlich Beispiele von Frau Keller. Eine Hilfe zum Aufbau solcher Stufen bietet KI-Tutor mit Hinweisleiter.

So hilft Ihnen Alpasana

Wenn Sie lernen möchten, KI so zu beauftragen, dass sie Hinweise statt Lösungen gibt, bietet absofort den Online-Kurs Prompt Engineering. Er behandelt, wie man Aufgabe, Rolle, Kontext, Ziel und Ausgabeformat festlegt, Beispiele einsetzt, komplexe Aufgaben schrittweise bearbeitet sowie Prompts überarbeitet und Ergebnisse prüft. Datenschutz wird berücksichtigt.

Der Kurs ist online, schliesst mit einem Zertifikat ab und setzt keine Programmierkenntnisse voraus. Er garantiert nicht, dass sich jede KI an Ihre Vorgaben hält. Welche Werkzeuge und Hilfestufen Sie im Unterricht verwenden, regeln Sie mit Ihrer Schule.

Häufige Fragen

Wann ist der richtige Zeitpunkt, Hilfe zurückzunehmen?

Wenn Lernende ähnliche Aufgaben mehrmals mit weniger Hilfe lösen. Beobachten Sie, nicht nur den Kalender. Die Zeit ist individuell verschieden.

Was, wenn Lernende die KI ohne Stufen nutzen?

Klären Sie in der Klasse, wofür KI gedacht ist. Ausserhalb des Unterrichts können Sie nur wenig steuern, deshalb sind Kontrollaufgaben ohne Hilfe wichtig. Siehe auch Hausaufgaben mit KI: Hilfeleiter.

Widerspricht der Abbau nicht dem Ziel, individuell zu helfen?

Nein. Individuell helfen heisst auch, Hilfe passend zu dosieren. Wer weniger braucht, bekommt weniger.

Gilt das auch für Erwachsene beim Lernen?

Ja. Auch Erwachsene profitieren davon, Hilfe schrittweise zu reduzieren. Sie können die Stufen selbst festlegen.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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