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KI-Kompetenz lehren · absofort: KI-Weiterbildung mit verifizierbarem Lernnachweis

Kritisches Denken mit KI: Behauptung und Begründung trennen

Stand 10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Lassen Sie Lernende markieren, was ein KI-Text behauptet, welchen Grund er nennt und welcher Beleg die Aussage stützt. Gegenbeispiele und eine begründete Überarbeitung zeigen, ob sie die Tragfähigkeit des Arguments verstanden haben.

Das Problem

Ein KI-Text klingt schlüssig, verwendet Wörter wie «deshalb» und endet mit einer klaren Empfehlung. Ihre Lernenden halten ihn für gut begründet, obwohl eine wichtige Aussage gar nicht belegt ist. Sprachliche Sicherheit wird so mit fachlicher Verlässlichkeit verwechselt.

Frau Keller möchte kritisches Denken im KI-Unterricht an einer konkreten Handlung üben: Behauptung, Begründung und Beleg unterscheiden. Dabei sollen die Lernenden nicht einfach alles anzweifeln. Sie sollen erkennen, was eine Aussage tragen würde und welche Information noch fehlt.

Eine Behauptung ist eine Aussage, deren Gültigkeit zur Diskussion steht. Eine Begründung nennt einen Grund dafür; ein Beleg liefert überprüfbare Unterstützung, etwa eine passende Stelle aus einem Fachtext. Eine Schlussfolgerung entsteht, wenn aus Voraussetzungen etwas abgeleitet wird, und kann trotz wahrer Einzelaussagen zu weit gehen.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Wählen Sie eine vertraute Sachfrage. Öffnen Sie Ihre Planung und nehmen Sie ein Thema, zu dem die Klasse bereits Grundlagen kennt. Geeignet ist etwa die Frage, ob ein überdachter Abstellplatz Fahrräder trocken hält. Legen Sie eine kurze, fachlich geprüfte Beschreibung bereit, damit die Lernenden nicht nur nach Gefühl urteilen.
  2. Bereiten Sie einen überschaubaren Argumenttext vor. Lassen Sie einen freigegebenen KI-Dienst einen kurzen Vorschlag zur Sachfrage formulieren oder schreiben Sie selbst einen Übungstext. Prüfen Sie ihn und markieren Sie in Ihrer eigenen Fassung die problematischen Übergänge. Erfundenes Übungsmaterial muss als solches erkennbar bleiben.
  3. Führen Sie die Unterscheidung sichtbar vor. Markieren Sie eine Behauptung und fragen Sie laut: «Welcher Grund wird dafür genannt?» Markieren Sie dann die Begründung in einer anderen Form oder Farbe. Zeigen Sie auch eine Stelle ohne Beleg, damit nicht jeder Satz zwanghaft einer fertigen Lösung zugeordnet werden muss.
  4. Lassen Sie Begründungen rekonstruieren. Die Paare ergänzen den Satz «Der Text behauptet …, weil …». Danach fragen sie, ob der angegebene Grund die Behauptung tatsächlich stützt. Eine Wiederholung wie «Es ist sinnvoll, weil es eine gute Idee ist» liefert keinen zusätzlichen Grund.
  5. Prüfen Sie den Beleg an der Quelle. Geben Sie den fachlichen Vergleichstext dazu. Die Lernenden notieren, welche Stelle welche Aussage stützt und was offenbleibt. Eine Quelle mit passendem Thema genügt nicht automatisch: Sie muss gerade die verwendete Aussage tragen.
  6. Suchen Sie einen Gegenfall. Fragen Sie, wann der Schluss trotz des genannten Grundes nicht gelten könnte. Beim Abstellplatz könnte seitlicher Regen trotz Dach relevant sein. Ein Gegenfall hilft, eine zu starke Behauptung einzugrenzen; er beweist nicht, dass jede schwächere Fassung ebenfalls falsch ist.
  7. Lassen Sie das Argument überarbeiten. Die Gruppen ersetzen «immer» durch eine sachlich passende Einschränkung oder ergänzen fehlende Voraussetzungen. Sie kennzeichnen, ob sie einen Beleg gefunden oder nur eine Vermutung formuliert haben. Geben Sie Rückmeldung zur Begründung, nicht bloss zum gefälligen Stil.
  8. Prüfen Sie den selbstständigen Transfer. Verteilen Sie einen neuen kurzen Text mit einer ähnlichen Argumentstruktur. Jede Person markiert Behauptung und Grund, nennt eine offene Prüffrage und formuliert ein vorsichtiges Urteil. Besprechen Sie die Unterschiede, bevor Sie die Methode bei längeren Texten einsetzen.
Ablaufgrafik in 8 Schritten: 1. Wählen Sie eine vertraute Sachfrage; 2. Bereiten Sie einen überschaubaren Argumenttext vor; 3. Führen Sie die Unterscheidung sichtbar vor; 4. Lassen Sie Begründungen rekonstruieren; 5. Prüfen Sie den Beleg an der Quelle; 6. Suchen Sie einen Gegenfall; 7. Lassen Sie das Argument überarbeiten; 8. Prüfen Sie den selbstständigen Transfer.
Der Weg im Überblick: Kritisches Denken mit KI: Behauptung und Begründung trennen

Diese Arbeit ergänzt KI-Kompetenz über Bedienwissen hinaus. Wenn neben Sachfragen auch konkurrierende Werte eine Rolle spielen, führt die Seite zu KI-Ethik und Dilemmata weiter.

Vorlage zum Kopieren

Erstelle für mich als Lehrperson Material zur Argumentanalyse.
Schulstufe: [Stufe]. Bekanntes Sachthema: [Thema].
Geprüfte fachliche Grundlage: [eigener freigegebener Sachtext].
Schreibe einen kurzen, ausdrücklich als Übung markierten Argumenttext.
Er soll eine Behauptung, einen passenden Grund und einen zu weit gehenden
Schluss enthalten. Erfinde keine Studien, Zahlen, Zitate oder Quellen.
Erstelle getrennt eine Lehrpersonenfassung mit Erläuterungen.
Plane Aufgaben zu Behauptung, Begründung, Beleg und Gegenbeispiel.
Lass offene Fragen als offen stehen und fordere eine begründete Überarbeitung.
Ergänze eine neue Einzelaufgabe mit vergleichbarer Schwierigkeit.
Verwende keine persönlichen Daten oder Texte einzelner Lernender.

Ersetzen Sie die Platzhalter und kontrollieren Sie insbesondere, ob die vermeintlich passende Begründung fachlich trägt.

Was genau wird geprüft?

BestandteilErfundenes ÜbungsbeispielPrüffrage
BehauptungEin Dach schützt die abgestellten FahrräderVor welcher Art von Regen?
BegründungEs hält senkrecht fallenden Regen abReicht dieser Grund für den gesamten Satz?
BelegEine Skizze zeigt die abgedeckte FlächeWas zeigt die Skizze tatsächlich?
Zu starker SchlussDeshalb bleiben alle Fahrräder immer trockenWas geschieht bei seitlichem Regen?
ÜberarbeitungDas Dach kann vor Regen von oben schützenIst die Einschränkung sachlich angemessen?

Wichtig ist auch der Unterschied zwischen plausibel und belegt. Plausibel bedeutet zunächst, dass etwas nachvollziehbar erscheint. Erst die Prüfung zeigt, ob die Annahmen passen und ob eine Quelle oder Beobachtung den Schluss tatsächlich unterstützt.

Worauf Sie achten müssen

  • Fakten und Wertungen trennen: «Das Dach deckt die Fläche ab» ist anders zu prüfen als «Das Dach ist die beste Investition». Für die zweite Aussage brauchen Sie zusätzlich Kriterien und eine Abwägung.
  • Keine erfundenen Quellen übernehmen: KI kann glaubwürdig klingende Verweise erzeugen. Öffnen Sie eine angeführte Quelle selbst und prüfen Sie Inhalt und Herkunft, bevor Sie sie in das Aufgabenblatt aufnehmen.
  • Personendaten vermeiden: Verwenden Sie eigene neutrale Übungstexte. Laden Sie keine erkennbaren Schülerarbeiten, Rückmeldungen oder Leistungsprofile in öffentliche KI-Dienste.
  • Lesebelastung begrenzen: Nutzen Sie kurze Abschnitte, klare Markierungen und Satzanfänge. Die Schwierigkeit soll in der Argumentprüfung liegen und nicht in unnötig komplizierter Sprache.
  • Lernbeziehung schützen: Beurteilen Sie Argumente und keine vermeintliche Intelligenz der Schreibenden. Wenn ein Text überzeugt hat, untersuchen Sie gemeinsam den Grund dafür, ohne jemanden blosszustellen.

Für den konkreten Einsatz digitaler Anwendungen gelten schulische und kantonale Vorgaben; offene Rechtsfragen gehören in eine fachliche Einzelfallprüfung. Hinweise dazu bündelt das Educa-Dossier zur datenschutzkonformen Schule.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein fiktives Beispiel: Frau Keller arbeitet mit einer Sekundarklasse im Kanton Zürich an begründenden Texten. Ein vorbereiteter KI-Entwurf behauptet, ein überdachter Veloplatz werde automatisch dazu führen, dass alle mit dem Fahrrad kommen. Als Grund nennt er den Schutz vor Regen.

Zunächst finden mehrere Lernende den Text überzeugend. Beim Rekonstruieren entdecken sie, dass der Regenschutz allein nichts über Schulweg, Fahrradbesitz oder persönliche Möglichkeiten aussagt. Sie streichen die pauschale Vorhersage und formulieren einen begrenzten möglichen Nutzen.

Anschliessend kennzeichnen sie, welche Informationen für eine tatsächliche Entscheidung noch nötig wären. Frau Keller verbindet die Sprachaufgabe mit Medienreflexion im kantonalen Lehrplan 21. Die Klasse übt so fachliches Begründen, ohne reale Mobilitätsdaten ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler sammeln zu müssen.

So hilft Ihnen Alpasana

Die KI-Weiterbildung mit verifizierbarem Lernnachweis von Alpasana bietet Grundlagen, Praxisaufgaben und Abschlusskontrollen im eigenen Lerntempo. Sie können damit Ihre eigene Erfahrung im Umgang mit KI erweitern und die Prüfung von Ergebnissen bewusst in Ihre Unterrichtsvorbereitung aufnehmen.

Der Nachweis bestätigt einen privaten Kursabschluss. Ein spezifisches schulisches Argumentationstraining oder eine fachwissenschaftliche Prüfung Ihrer Unterrichtstexte ist dadurch nicht als Leistung zugesagt.

Häufige Fragen

Müssen Lernende immer eine externe Quelle suchen?

Nein, beim Einstieg ist ein bereitgestellter, geprüfter Fachtext oft geeigneter. So bleibt die Aufmerksamkeit auf dem Verhältnis zwischen Behauptung und Beleg. Eigenständige Recherche können Sie später als zusätzliche Fähigkeit aufbauen.

Ist eine unbelegte Aussage automatisch falsch?

Nein, fehlende Belege machen eine Aussage zunächst ungesichert. Lassen Sie die Lernenden genau diesen Status benennen. «Noch nicht geprüft» ist ein anderes Urteil als «widerlegt».

Wie beurteile ich unterschiedliche Schlussfolgerungen?

Prüfen Sie, ob die Lernenden passende Gründe nennen, Quellen korrekt verwenden und Unsicherheit angemessen ausdrücken. Bei offenen Sachfragen können verschiedene vorsichtige Urteile vertretbar sein. Eine sachlich falsche Voraussetzung wird durch eine elegante Begründung jedoch nicht richtig.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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