Hochschule & Studium · KI-Beratung und digitale Transformation
KI-Richtlinie: Gemeinsame Regeln trotz verschiedener Fächer
Kurz gesagt
Eine tragfähige KI-Richtlinie verbindet gemeinsame Grundsätze mit fachbezogenen Aufgabenregeln. Vergleichen Sie konkrete Nutzungssituationen und klären Sie, wer Regeln beschliesst, Ausnahmen prüft und offene Fragen beantwortet.
Das Problem
Frau Keller arbeitet in einer Hochschulgruppe an gemeinsamen KI-Regeln. In einem Fach gehört das Erzeugen und Prüfen von Code zur Aufgabe, in einem anderen soll ein eigener Text entstehen. Ein allgemeines «KI erlaubt» oder «KI verboten» bildet diese Unterschiede schlecht ab.
Fachkultur bezeichnet die gewachsenen Arbeits-, Begründungs- und Prüfungsweisen eines Fachgebiets. Unterschiedliche Fachkulturen brauchen nicht völlig getrennte Regeln, aber nachvollziehbare Begründungen für Unterschiede. Studierende müssen erkennen können, welche Unterstützung bei einer konkreten Aufgabe zulässig ist und weshalb.
KI kann Nutzungsszenarien ordnen und Widersprüche in Entwürfen sichtbar machen. Sie entscheidet jedoch nicht über Lehrfreiheit, Prüfungsregeln oder institutionelle Zuständigkeiten. Die Regelentwicklung braucht beteiligte Lehrende, Studierende und die verantwortlichen Fachstellen, damit aus einem sprachlich glatten Text eine tatsächlich anwendbare Regel wird.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Bestimmen Sie Auftrag und Entscheidungsebene. Öffnen Sie bestehende Hochschulregeln und klären Sie, wer eine Richtlinie beschliessen darf. Unterscheiden Sie hochschulweite Grundsätze, Regeln eines Studiengangs und Hinweise für einzelne Aufgaben. Halten Sie offene Zuständigkeitsfragen fest, bevor Sie neue Pflichten formulieren.
- Sammeln Sie konkrete Fachfälle. Bitten Sie Fachvertretungen um abstrakte Beispiele mit Lernziel, KI-Funktion und erforderlicher Eigenleistung. Verwenden Sie keine identifizierbaren Konfliktfälle. Ein Vergleich wird aussagekräftiger, wenn er etwa «sprachliche Überarbeitung einer Reflexion» und «Generierung eines zu prüfenden Programmentwurfs» statt nur Werkzeugnamen enthält.
- Lassen Sie die Fälle systematisch vergleichen. Geben Sie der KI die freigegebenen Beschreibungen und verlangen Sie Gemeinsamkeiten, Unterschiede und offene Fragen. Prüfen Sie, ob die Ausgabe tatsächliche Lernziele berücksichtigt. Die KI darf Fachunterschiede nicht als blosse Uneinigkeit darstellen oder eine einheitliche Regel ohne Begründung bevorzugen.
- Formulieren Sie einen gemeinsamen Kern. Halten Sie verständliche Grundsätze zu Eigenverantwortung, Prüfung von Ergebnissen, Datenumgang und Transparenz fest. Jeder Grundsatz braucht einen praktischen Bezug. «Ergebnisse prüfen» sollte beispielsweise bedeuten, dass verwendete Aussagen fachlich belegt und Quellen im Original kontrolliert werden.
- Ergänzen Sie Aufgabenregeln. Entwickeln Sie ein gemeinsames Formular für erlaubte Unterstützung, ausgeschlossene Übernahme und geforderte Dokumentation. Die konkrete Ausfüllung bleibt fachbezogen. So können Unterschiede sichtbar werden, ohne dass Studierende bei jeder Lehrveranstaltung erst eine völlig neue Regelsprache entschlüsseln müssen.
- Prüfen Sie Grenzfälle gemeinsam. Testen Sie den Entwurf an widersprüchlichen Situationen, fehlendem Zugang und genehmigten individuellen Anpassungen. Beziehen Sie Prüfungsorganisation, Datenschutz und weitere zuständige Stellen ein. Lassen Sie rechtliche Fragen im Einzelfall fachlich klären; ein KI-Vorschlag liefert dafür nur Diskussionsmaterial.
- Veröffentlichen Sie Zuständigkeiten und Überprüfung. Geben Sie an, wo verbindliche Fassungen stehen und wer Fragen beantwortet. Planen Sie eine Rückmeldung aus der Anwendung und eine geregelte Aktualisierung. Vermeiden Sie rückwirkende Änderungen während laufender Leistungsnachweise und klären Sie Übergänge im zuständigen Verfahren.
Vorlage zum Kopieren
Ich moderiere als Lehrperson die Entwicklung von Hochschulregeln.
Bestehende verbindliche Grundlagen: [freigegebene Zusammenfassung]
Fachbezogene Nutzungsszenarien: [abstrakte Fälle]
Vergleiche je Fall Lernziel, KI-Funktion, Eigenleistung,
Dokumentationsbedarf und mögliche Zugangshürden.
Schlage gemeinsame Grundsätze und begründete fachliche Varianten vor.
Markiere Widersprüche und ungeklärte Zuständigkeiten.
Erfinde keine gesetzlichen Pflichten oder institutionellen Befugnisse.
Formuliere anschliessend Fragen für die gemeinsame Beratung.Ersetzen Sie die Szenarien durch fachlich geprüfte Fälle und lassen Sie die zuständigen Personen jeden Regelvorschlag beurteilen.
Was gehört auf welche Ebene?
| Ebene | Geeigneter Inhalt |
|---|---|
| Hochschule | Grundsätze, Zuständigkeiten, Verfahren und Datenrahmen |
| Studiengang | Fachliche Anforderungen und typische Nachweisformen |
| Einzelne Aufgabe | Erlaubte Hilfe, geforderte Eigenleistung und Dokumentation |
| Beratung | Klärung nicht eindeutig geregelter Situationen |
Ein guter Regeltext enthält Beispiele, aber keine scheinbar abschliessende Liste aller Werkzeuge. Funktionen und Angebote können sich ändern. Beschreiben Sie deshalb die Handlung und ihre Wirkung auf das Lernziel; technische Einzelheiten gehören in eine gepflegte Ergänzung, die überprüft werden kann.
Worauf Sie achten müssen
- Verwenden Sie für die Vorbereitung erfundene Fälle oder ausdrücklich freigegebene Materialien. Personendaten von Studierenden sowie Schülerdaten aus Praxisprojekten gehören nicht in öffentliche KI-Dienste; Namen zu entfernen genügt bei wiedererkennbaren Situationen nicht.
- Prüfen Sie fachliche Aussagen, Quellen und vorgeschlagene Kriterien selbst. Eine KI kann plausible, aber falsche Angaben erzeugen; diese Fehler werden auch Halluzinationen genannt.
- Beachten Sie die Vorgaben Ihrer Hochschule und die zuständigen kantonalen Stellen. Lassen Sie rechtliche Fragen im Einzelfall fachlich prüfen, bevor aus einem Entwurf eine verbindliche Regel wird.
- Trennen Sie pädagogische Empfehlungen von verbindlichen Vorgaben. Studierende müssen erkennen können, ob eine Formulierung einen Vorschlag oder eine tatsächlich beschlossene Anforderung beschreibt.
- Lassen Sie Unterschiede begründen. Die persönliche Vorliebe für oder gegen KI reicht als Erklärung einer Prüfungsregel nicht aus.
- Denken Sie an unterschiedliche Hochschultypen und kantonale Rahmenbedingungen. Eine Vorlage aus einer anderen Institution kann Anregungen liefern, aber keine lokale Zuständigkeit ersetzen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein fiktives Beispiel: Frau Keller moderiert an einer Schweizer Hochschule einen Austausch zwischen einem gestalterischen und einem wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang. Beide möchten eigenständige Entscheidungen sehen, verlangen aber unterschiedliche Produkte.
Die Arbeitsgruppe nutzt KI, um abstrakte Fälle nach Lernziel und Unterstützungsfunktion zu ordnen. Gemeinsam bleibt die Pflicht zur fachlichen Verantwortung; auf Aufgabenebene unterscheiden sich erlaubte Entwurfs- und Formulierungshilfen. Die zuständigen Stellen prüfen den Entwurf, bevor er veröffentlicht wird. Studierende erhalten danach zu jeder Aufgabe einen verständlichen Hinweis mit Ansprechperson für offene Fragen.
So hilft Ihnen Alpasana
Mit der KI-Beratung und digitalen Transformation unterstützt Alpasana die Aufnahme von Prozessen, die Analyse sinnvoller KI-Anwendungen und die Planung einer Umsetzung. Sie können damit Abläufe, Zuständigkeiten und einen begrenzten Pilotversuch strukturieren, bevor Sie eine technische Lösung einführen.
Bringen Sie Ihr konkretes Lehrproblem und die bereits geklärten institutionellen Vorgaben mit. Der Beratungsumfang wird für das Vorhaben vereinbart; hochschulrechtliche Entscheidungen und die pädagogische Freigabe treffen weiterhin die zuständigen Stellen Ihrer Hochschule.
Häufige Fragen
Braucht jedes Fach eine eigene Richtlinie?
Nicht zwingend. Ein gemeinsamer Rahmen mit fachbezogenen Ergänzungen kann Orientierung und begründete Unterschiede verbinden. Prüfen Sie, welche Fragen tatsächlich auf welcher Ebene entschieden werden müssen.
Wie werden Studierende beteiligt?
Lassen Sie sie prüfen, ob konkrete Aufgabenhinweise verständlich und praktikabel sind. Ihre Rückmeldungen können verdeckte Zugangshürden oder widersprüchliche Erwartungen zeigen. Die formale Entscheidung bleibt bei den dafür zuständigen Organen.
Wie oft müssen Regeln überarbeitet werden?
Legen Sie einen institutionell passenden Prüfzeitpunkt und zusätzliche Anlässe fest. Neue Funktionen, wiederkehrende Unklarheiten oder veränderte Vorgaben können eine Überprüfung auslösen. Veröffentlichen Sie Änderungen mit Geltungsbereich, damit keine unterschiedlichen Fassungen kursieren.
Vertiefen können Sie dies mit Studieren ohne KI-Konto: Gleichwertige Lernwege gestalten, KI-Prüfung ohne Bezahlvorteil: Gleiche Bedingungen schaffen, KI-Fortbildung für Dozierende als Lehrwerkstatt gestalten.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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