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Didaktik & Methoden · Prompt Engineering

Lernziele mit KI formulieren: Was sollen Lernende können?

Stand 10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Geben Sie der KI ein vorläufiges Lernziel, den Unterrichtsinhalt und die erlaubten Hilfen. Lassen Sie daraus beobachtbare Handlungen mit passenden Aufgaben und Qualitätsmerkmalen vorschlagen. Sie prüfen selbst, ob damit das angestrebte Können sichtbar wird.

Das Problem

Frau Keller schreibt in ihre Planung: «Die Lernenden verstehen Werbung.» Das klingt sinnvoll, lässt aber offen, was die Klasse anschliessend zeigen soll. Reicht es, eine Werbeanzeige zu erkennen, oder sollen die Jugendlichen deren Wirkung begründen?

Ein Lernziel beschreibt das angestrebte Ergebnis des Lernens. Bleibt es unklar, passen Übung und Rückmeldung möglicherweise nicht zusammen: Die Klasse markiert Bilder, während die Lehrperson später eine begründete Einschätzung erwartet. Eine flüssige KI-Formulierung löst diese Unklarheit nicht automatisch.

Die KI kann verschiedene Zielformulierungen gegenüberstellen und Lücken benennen. Ihre Aufgabe als Lehrperson bleibt, den fachlichen Gehalt, die Voraussetzungen der Klasse und den tatsächlich verfügbaren Unterricht zu beurteilen. Beobachtbarkeit soll Ihnen beim Verstehen des Lernprozesses helfen, ohne Bildung auf leicht zählbare Handlungen zu verkürzen.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Öffnen Sie Ihre Planung und die verbindliche Grundlage. Notieren Sie Thema, Stufe, Vorwissen und das bisherige Ziel in einem Dokument. Ziehen Sie die für Ihren Kanton geltende Lehrplanfassung heran; die Kompetenzorientierung im Lehrplan 21 verbindet Wissen mit dessen Anwendung. Übernehmen Sie keine von der KI erfundenen Kompetenzcodes.
  1. Beschreiben Sie das gewünschte Können in Alltagssprache. Schreiben Sie beispielsweise: «Die Jugendlichen sollen erklären können, wie eine Anzeige zum Kaufen anregt.» Eine Kompetenz ist ein umfassenderes Können, bei dem Wissen und Fertigkeiten in Situationen eingesetzt werden; ein einzelnes Lernziel bildet davon einen begrenzten Ausschnitt ab. Halten Sie fest, welcher Ausschnitt in dieser Unterrichtseinheit bearbeitbar ist.
  1. Lassen Sie mehrere beobachtbare Fassungen entwerfen. Öffnen Sie einen schulisch freigegebenen KI-Chat und verwenden Sie die Vorlage unten. Ein Prompt ist der schriftliche Auftrag an die KI. Verlangen Sie zu jeder Fassung eine Handlung, einen fachlichen Gegenstand, erlaubte Hilfen und ein Qualitätsmerkmal, etwa eine Begründung mit Bezug auf Bild und Wortwahl.
  1. Prüfen Sie die tatsächliche Denkleistung. «Analysieren» klingt anspruchsvoll, kann aber bloss das Ausfüllen eines bekannten Schemas bedeuten. Lesen Sie deshalb Ziel und vorgeschlagene Aufgabe gemeinsam: Müssen Lernende selbst Zusammenhänge herstellen oder eine Erklärung nachsprechen? Die Anleitung zu Lernaufgaben und Bloom-Taxonomie hilft, unterschiedliche Denkansprüche auseinanderzuhalten.
  1. Verbinden Sie Ziel, Lernhandlung und Beobachtung. Lassen Sie eine passende Übung sowie eine kurze Anschlussaufgabe vorschlagen. Wenn das Ziel Begründen verlangt, müssen Lernende vorher Begründungen entwickeln und besprechen dürfen. Dieser Abgleich heisst Constructive Alignment, also die Abstimmung von Lernzielen, Lernaktivitäten und Leistungsnachweisen; eine Vorlage zur Abstimmung unterstützt die Planung.
  1. Formulieren Sie verständliche Qualitätsmerkmale. Ersetzen Sie «gut erklärt» durch «Die Erklärung nennt ein Gestaltungsmittel und beschreibt dessen mögliche Wirkung anhand der Anzeige». Fragen Sie die KI nach einem passenden und einem noch unvollständigen Antwortbeispiel. Kontrollieren Sie beide selbst und vermeiden Sie starre Wortzahlen als Ersatz für fachliche Qualität.
  1. Erproben und überarbeiten Sie das Ziel. Zeigen Sie der Klasse die Formulierung und lassen Sie sie in eigenen Worten wiedergeben, was erwartet wird. Nutzen Sie eine kurze Aufgabe zur formativen Beurteilung, also zur Rückmeldung während des Lernens. Falls die Antworten nicht das gewünschte Können sichtbar machen, prüfen Sie zuerst auch die Aufgabe und die gewährten Hilfen.
Ablaufgrafik in 7 Schritten: 1. Öffnen Sie Ihre Planung und die verbindliche Grundlage; 2. Beschreiben Sie das gewünschte Können in Alltagssprache; 3. Lassen Sie mehrere beobachtbare Fassungen entwerfen; 4. Prüfen Sie die tatsächliche Denkleistung; 5. Verbinden Sie Ziel, Lernhandlung und Beobachtung; 6. Formulieren Sie verständliche Qualitätsmerkmale; 7. Erproben und überarbeiten Sie das Ziel.
Der Weg im Überblick: Lernziele mit KI formulieren: Was sollen Lernende können?

Woran erkennen Sie eine brauchbare Formulierung?

Unklarer EntwurfBeobachtbare Fassung als BeispielDarauf achten Sie
Werbung verstehenAn einer unbekannten Anzeige ein Gestaltungsmittel benennen und seine mögliche Wirkung begründenDie Begründung bezieht sich auf sichtbare Merkmale
Brüche kennenZwei vorgegebene Brüche mit einer Zeichnung vergleichen und den Vergleich erklärenDarstellung und Erklärung passen zusammen
Gut zusammenarbeitenIm Gruppengespräch einen Vorschlag aufgreifen und die gemeinsame Entscheidung begründenEinzelne Beobachtungen sind kein Persönlichkeitsurteil

Diese Fassungen sind Planungsbeispiele, keine Lehrplanvorgaben. Ergänzen Sie jeweils die passenden Inhalte, Hilfsmittel und Voraussetzungen Ihrer Klasse. Für den Bezug zur Originalquelle nutzen Sie die Anleitung zum Erschliessen von Lehrplan-21-Kompetenzen.

Vorlage zum Kopieren

Unterstütze mich als Lehrperson beim Präzisieren eines Lernziels.
Stufe und Fach: [Stufe, Fach]
Thema und bekannte Voraussetzungen: [allgemeine Angaben]
Bisheriges Lernziel: [Formulierung]
Verbindliche Grundlage: [zulässiger kurzer Auszug oder eigene Zusammenfassung]
Verfügbare Lerngelegenheiten: [Unterricht und Materialien]
Erlaubte Hilfen beim Zeigen des Könnens: [Hilfen]

Schlage drei alternative Fassungen desselben Lernziels vor.
Nenne jeweils Handlung, Inhalt, Bedingungen und Qualitätsmerkmale.
Ergänze eine passende Übung und eine kurze Beobachtungsaufgabe.
Erkläre, welche Denkleistung die Aufgabe wirklich verlangt.
Markiere zusätzliche Anforderungen, die im ursprünglichen Ziel fehlen.
Erfinde keine Lehrplanbezüge und keine Angaben über Lernende.
Nenne offene Fragen, die ich vor der Auswahl klären muss.

Ersetzen Sie die Platzhalter durch allgemeine Planungsangaben und wählen Sie anschliessend eine fachlich geprüfte Fassung aus.

Worauf Sie achten müssen

  • Daten schützen: Geben Sie keine Namen, individuellen Förderberichte oder Schülerarbeiten mit Personendaten in öffentliche KI-Dienste ein. Zur Unterrichtsplanung genügen allgemeine Voraussetzungen und erfundene Beispiele. Educa zur Datennutzung bietet Orientierung; klären Sie konkrete Datenschutzfragen mit den zuständigen Stellen Ihrer Schule beziehungsweise Ihres Kantons.
  • Erfindungen erkennen: KI kann fachlich falsche Aufgaben oder nicht existente Lehrplanstellen liefern. Kontrollieren Sie den Inhalt am Lehrmittel und jeden Lehrplanbezug am Original.
  • Bildung nicht verengen: Neugier, Haltung und Beziehung lassen sich nicht vollständig durch einzelne sichtbare Handlungen erfassen. Beobachten Sie Gesprächsbeiträge, ohne daraus innere Überzeugungen oder feste Eigenschaften abzuleiten.
  • Faire Zugänge ermöglichen: Ein sprachlich komplizierter Auftrag kann fachliches Können verdecken. Bieten Sie altersgerechte Formulierungen und passende Darstellungsformen an, sofern die Darstellungsform nicht selbst Lernziel ist.
  • Eigenständigkeit erhalten: Legen Sie fest, ob das Können ohne KI gezeigt werden soll. Ein von der KI geschriebenes Ergebnis belegt nicht, dass die lernende Person den Gedankengang selbst beherrscht.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein erfundenes Beispiel: Frau Keller plant an einer Schweizer Sekundarschule eine Unterrichtseinheit über Werbung mit Bezug zum Modul Medien und Informatik. Bisher lautet das Ziel «Werbung kritisch verstehen»; auf dem Arbeitsblatt sollen die Jugendlichen nur auffällige Farben markieren. Diese Tätigkeit zeigt noch keine begründete Auseinandersetzung.

Mit KI entwirft sie eine genauere Fassung und prüft diese an ihrer kantonalen Lehrplanfassung. Anschliessend untersucht die Klasse gemeinsam, wie Gestaltung und Werbebotschaft zusammenwirken. In einer neuen Anzeige begründen die Jugendlichen selbst eine mögliche Wirkung; Frau Keller bespricht auch unterschiedliche nachvollziehbare Deutungen.

Der Unterschied liegt in der Passung: Lernhandlung und Rückmeldung beziehen sich nun auf begründetes Erklären. Ob das Ziel erreichbar war, beurteilt Frau Keller anhand der tatsächlichen Antworten und im Gespräch mit der Klasse.

So hilft Ihnen Alpasana

Im Online-Kurs Prompt Engineering lernen Sie, Aufgabe, Kontext, Ziel und Ausgabeformat für KI-Aufträge festzulegen. Sie üben, komplexe Aufgaben aufzuteilen, Prompts zu überarbeiten und Ergebnisse zu prüfen; Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich.

Diese Vorgehensweise können Sie für wiederkehrende Planungsaufgaben nutzen, etwa für eine eigene Vorlage zur Lernzielformulierung. Die fachliche Auswahl der Ziele und ihre Zuordnung zum kantonalen Unterrichtsauftrag bleiben bei Ihnen.

Häufige Fragen

Muss jedes Lernziel eine Zahl enthalten?

Nein, eine Zahl macht ein Ziel nicht automatisch aussagekräftig. Entscheidend ist, woran Sie fachlich angemessenes Handeln erkennen; eine nachvollziehbare Begründung kann hilfreicher sein als eine vorgegebene Anzahl Sätze.

Darf ich das Ziel während der Unterrichtseinheit ändern?

Ja, wenn sich Voraussetzungen oder Lernhürden anders zeigen als erwartet. Machen Sie Anpassungen transparent und prüfen Sie, ob die geplante Beurteilung weiterhin zu den angebotenen Lerngelegenheiten passt.

Wie bespreche ich die Ziele mit Eltern oder dem Kollegium?

Zeigen Sie eine konkrete Aufgabe und erläutern Sie, welches Können daran sichtbar werden soll. Ein geprüftes Beispiel einer möglichen Antwort ist meist verständlicher als eine lange Liste abstrakter Lernzielverben.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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