KI-Kompetenz lehren · KI-Weiterbildung für Unternehmen
KI-Lernziele formulieren: Was sollen Lernende zeigen können?
Kurz gesagt
Ein überprüfbares KI-Lernziel beschreibt eine Handlung, die Bedingungen und die erwartete Qualität. Lassen Sie Lernende beispielsweise eine Antwort prüfen und ihre Korrektur begründen, statt nur «KI verstehen» zu verlangen.
Das Problem
«Die Teilnehmenden kennen KI» klingt als Kursziel vernünftig. Frau Keller weiss damit aber noch nicht, welche Aufgabe sie stellen oder welche Rückmeldung sie geben soll. Auch die Lernenden können daraus kaum erkennen, woran sie arbeiten sollen.
Ein Lernziel beschreibt, was nach einer Lernphase sichtbar werden soll. Eine Kompetenz geht darüber hinaus: Sie verbindet Wissen, Können und Bereitschaft zum angemessenen Handeln in unterschiedlichen Situationen. Ein einzelner gelungener Arbeitsauftrag belegt deshalb noch keine umfassende KI-Kompetenz.
Besonders bei KI kann ein schön formulierter Text die tatsächliche Leistung verdecken. Wenn das Ziel die Quellenprüfung ist, muss die lernende Person Quellen auswählen und abgleichen. Die blosse Herstellung eines Textes zeigt diese Fähigkeit nicht.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Sammeln Sie die bisherigen Kursziele. Öffnen Sie Ihren Unterrichtsplan und markieren Sie Wörter wie «kennen», «verstehen» oder «sensibilisiert sein». Diese Begriffe sind als Absicht brauchbar, benötigen aber eine sichtbare Handlung. Wählen Sie zunächst ein Ziel, das für Ihre nächste Unterrichtseinheit besonders wichtig ist.
- Benennen Sie das angestrebte Verhalten. Ersetzen Sie die allgemeine Absicht beispielsweise durch «vergleicht», «begründet», «korrigiert» oder «entscheidet». Schreiben Sie dazu, worauf sich die Handlung bezieht. «Prüft eine KI-Auskunft anhand einer vorgegebenen Originalquelle» ist genauer als «prüft die KI».
- Legen Sie die Bedingungen fest. Notieren Sie, ob KI, Unterlagen, Partnerarbeit oder eine Checkliste erlaubt sind. Ein Ergebnis mit umfangreicher Hilfe zeigt etwas anderes als eine selbstständig begründete Entscheidung. Planen Sie nötige Unterstützung ausdrücklich ein, statt sie später als versteckten Mangel zu behandeln.
- Beschreiben Sie die erwartete Qualität. Formulieren Sie Kriterien wie «belegt die Korrektur mit einer passenden Textstelle» oder «unterscheidet gesicherte Angaben von offenen Fragen». Vermeiden Sie willkürliche Mengenangaben als Ersatz für Qualität. Ein entscheidender, sauber begründeter Befund kann aussagekräftiger sein als viele oberflächliche Markierungen.
- Lassen Sie Varianten vorschlagen. Geben Sie der KI Ihre allgemeine Zielabsicht, die Zielgruppe und den erlaubten Hilfsrahmen. Fordern Sie beobachtbare Formulierungen mit jeweils einer passenden Aufgabe. Prüfen Sie besonders, ob die KI aus einem einfachen Einstieg unbeabsichtigt eine anspruchsvolle Fachprüfung macht.
- Stimmen Sie Aufgabe und Rückmeldung ab. Schreiben Sie zu jedem Ziel, welche Handlung die Aufgabe auslöst und woran Sie deren Qualität erkennen. Diese Abstimmung von Ziel, Lernaktivität und Beurteilung verhindert, dass beispielsweise Quellenprüfung angekündigt, aber nur sprachlicher Stil bewertet wird. Besprechen Sie die Kriterien vor der Bearbeitung.
- Erproben und überarbeiten Sie das Ziel. Lassen Sie eine Kollegin den Arbeitsauftrag lesen und die erwartete Leistung beschreiben. Stimmen Ihre Vorstellungen nicht überein, präzisieren Sie Bedingungen oder Kriterien. Nutzen Sie danach eine kurze Lernaufgabe, um zu sehen, welche Hilfen tatsächlich nötig sind.
Wie werden allgemeine Absichten konkret?
| Allgemeine Absicht | Beobachtbares Lernziel |
|---|---|
| KI kritisch nutzen | Eine unbelegte Aussage markieren und einen geeigneten Prüfweg begründen |
| Gute Anweisungen schreiben | Eine unklare Eingabe anhand von Aufgabe und gewünschtem Ergebnis überarbeiten |
| Verantwortung kennen | In einem erfundenen Fall erklären, wann eine menschliche Freigabe nötig ist |
Die Formulierungen sind Beispiele, keine vorgeschriebenen Schweizer Standards. In der Volksschule beziehen Sie Ihre Planung auf den kantonal geltenden Lehrplan und das Modul Medien und Informatik. In der Erwachsenenbildung bilden die berufliche Aufgabe und der vereinbarte Kursauftrag den Ausgangspunkt.
Vorlage zum Kopieren
Überarbeite mein allgemeines KI-Kursziel: [Zielabsicht].
Zielgruppe und Vorwissen: [allgemeine Beschreibung]
Erlaubte Hilfen: [KI, Unterlagen, Zusammenarbeit]
Formuliere Lernziele nach diesem Muster:
Die Lernenden [Handlung] an [Gegenstand] unter [Bedingungen].
Die Leistung ist gelungen, wenn [fachliches Qualitätskriterium].
Gib zu jedem Ziel einen Arbeitsauftrag und einen beobachtbaren Lernbeleg an.
Kennzeichne Ziele, die mit einer einzelnen Aufgabe nicht überprüfbar sind.
Verlange keine persönlichen Angaben der Lernenden.Passen Sie vor allem die erlaubten Hilfen und das fachliche Qualitätskriterium an Ihre tatsächliche Unterrichtssituation an.
Worauf Sie achten müssen
- Verwenden Sie für die Vorbereitung erfundene Beispiele. Personendaten von Lernenden und vertrauliche Unterlagen gehören nicht in öffentliche KI-Dienste.
- Prüfen Sie KI-Vorschläge fachlich: Auch flüssig formulierte Antworten können Fehler oder erfundene Angaben enthalten. Die Lehrperson verantwortet Auswahl, Rückmeldung und Beurteilung.
- Planen Sie einen gleichwertigen Zugang ohne privates Konto ein. Berücksichtigen Sie Alter, Sprache und Unterstützungsbedarf, ohne Lernende öffentlich nach Schwierigkeiten einzuteilen.
- Klären Sie die Regeln Ihrer Institution und Ihres Kantons. Rechtliche Fragen zu einem konkreten Einsatz lassen Sie durch die zuständige Fachstelle prüfen.
- Bewerten Sie nicht jedes Lernziel sofort mit einer Note. Eine formative Rückmeldung, also eine Rückmeldung zur Verbesserung während des Lernens, schafft Raum für Fehler und Überarbeitung.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Keller leitet einen Weiterbildungskurs für Mitarbeitende einer Schweizer Gemeinde. Ihr ursprüngliches Ziel lautet «KI für Bürgerinformationen nutzen». Die ersten Entwürfe klingen gut, doch niemand kann sagen, ob die darin genannten Voraussetzungen stimmen.
Sie formuliert das Ziel neu: Die Teilnehmenden vergleichen einen fiktiven KI-Entwurf mit einem bereitgestellten Merkblatt, korrigieren unbelegte Aussagen und begründen ihre Freigabeentscheidung. Die Rückmeldung bezieht sich nun auf den Abgleich und die Entscheidung, nicht auf die Eleganz des Textes.
Für die nächste Lernphase verbindet Frau Keller Aufgaben mit und ohne KI. So kann sie erkennen, welche Prüfentscheidungen die Teilnehmenden bereits selbstständig treffen.
So hilft Ihnen Alpasana
Bei Alpasana finden Sie das Angebot KI-Weiterbildung für Unternehmen. Das Angebot umfasst Online-Weiterbildung für berufliche KI-Anwendungen, den verantwortungsvollen Umgang mit Unternehmensdaten und die Prüfung von Ergebnissen. Mitarbeitende lernen im eigenen Tempo und können ihren Abschluss nachweisen. Für Firmenlösungen und Teambuchungen besteht eine Kontaktmöglichkeit. Als Kursleiterin können Sie die Inhalte auf ihren Bezug zu Ihren betrieblichen Lernzielen prüfen; eine individuell entwickelte Präsenzschulung wird damit nicht pauschal zugesagt.
Häufige Fragen
Sind Verben wie «verstehen» grundsätzlich falsch?
Nein, sie können eine übergeordnete Bildungsabsicht ausdrücken. Ergänzen Sie jedoch, woran sich das Verständnis zeigen soll, etwa an einer Erklärung mit eigenem Beispiel. So bleibt das Ziel auch für Lernende verständlich.
Brauche ich für jede kleine Tätigkeit ein eigenes Lernziel?
Nicht jeder Klick braucht ein separates Ziel. Bündeln Sie Tätigkeiten, die zu einer sinnvollen Handlung gehören. Das übergeordnete Kompetenzmodell hilft, den Zusammenhang zu behalten.
Wie plane ich unterschiedliche Anspruchsniveaus?
Behalten Sie den fachlichen Kern bei und verändern Sie beispielsweise die Offenheit des Falls oder die verfügbaren Hilfen. Wer einen neuen Fall selbstständig beurteilt, zeigt mehr Übertragung als jemand, der eine bekannte Vorlage nachvollzieht. Machen Sie diese Unterschiede in den Kriterien transparent.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
Weiterlesen in der Galaxie
- Welches KI-Kompetenzmodell passt zu meinem Bildungsangebot?KI Kompetenzmodell auswählen: Vergleichen Sie Zielgruppe, Lernziele und Aufgabenbezug und finden Sie einen passenden Rahmen für Ihr Bildungsangebot.
- KI-Kompetenz prüfen: Aufgaben mit und ohne KI verbindenKI Kompetenz Aufgaben ohne KI: Verbinden Sie eigenständige Erklärungen mit Werkzeugaufgaben und erkennen Sie, was Lernende selbst verstehen und prüfen.
- KI-Anwendungsfälle nach Lernnutzen beurteilen lernenKI Lernnutzen beurteilen: Prüfen Sie an konkreten Aufgaben, ob KI Verständnis und Eigenständigkeit fördert oder die entscheidende Denkarbeit übernimmt.