Coaching verstehen · Prompt Engineering
Ausnahmefragen im Coaching: hilfreiche Momente finden
Kurz gesagt
Ausnahmefragen fragen nach Momenten, in denen ein Problem fehlte oder schwächer war. Sie machen Ressourcen sichtbar, die die Person schon nutzt. Mit KI können Sie solche Fragen an erfundenen Beispielen üben und auf Suggestion prüfen. Wichtig ist, das Problem dabei nicht kleinzureden.
Das Problem
Ein Klient beschreibt seine Situation: «Ich bin ständig gestresst, es ist jeden Tag dasselbe.» Der Coach hört von lauter schwierigen Tagen und sucht nach Ansatzpunkten. Wenn jemand nur das Problem im Blick hat, entsteht der Eindruck, es sei immer da und nichts helfe.
Ausnahmefragen setzen genau hier an. Sie fragen nach Zeiten, Orten oder Situationen, in denen das Problem nicht oder weniger auftritt: «Gab es in den letzten Wochen einen Moment, der etwas leichter war?» Der Gedanke dahinter stammt aus dem lösungsfokussierten Ansatz: Auch bei hartnäckigen Problemen gibt es Ausnahmen, und in diesen steckt Wissen darüber, was hilft.
Ausnahmefragen sind kein Schönreden. Sie funktionieren nur, wenn Sie das Problem zuvor ernst nehmen. Wer zu früh nach Ausnahmen fragt, wirkt, als wolle er die Not abkürzen. Auch das Wort «Ausnahme» kann schwierig sein, wenn die Person keine erkennen kann. Dann hilft «Was war an diesem Tag etwas anders?» oder «Wann war es eher auszuhalten?» KI kann Ihnen helfen, solche Fragen zu formulieren. Üben Sie mit erfundenen Beispielen, und geben Sie keine Gesprächsinhalte von Klientinnen in öffentliche KI-Dienste ein.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Problem würdigen: Planen Sie, das Problem zuerst anzuhören und zu spiegeln. Üben Sie Sätze wie «Das klingt belastend.»
- Erfundenes Beispiel wählen: Denken Sie sich ein typisches Anliegen aus, zum Beispiel «Dauerstress im Büro» oder «Konflikt mit Kollegin».
- Fragetypen sammeln: Notieren Sie Fragen zu Zeit («Wann war es besser?»), Ort («Wo ist es leichter?»), Menschen («Mit wem klappt es?»), eigenem Handeln («Was haben Sie dann anders gemacht?»).
- KI-Entwurf einholen: Geben Sie das Beispiel in die Vorlage unten ein. Lassen Sie sich Fragen für jeden Typ und eine Prüfung auf Suggestion geben.
- Fragen überarbeiten: Streichen Sie Formulierungen, die Zuversicht erzwingen («Sicher gab es doch Gutes?»). Offene Fragen genügen.
- Rollenspiel üben: Lassen Sie die KI eine Klientin spielen, die sagt: «Es gibt keine Ausnahmen.» Üben Sie Alternativen wie «Wann war es etwas weniger schlimm?»
- Details erkunden: Üben Sie Nachfragen, sobald eine Ausnahme genannt wird: «Was war da anders? Wer war beteiligt? Was haben Sie getan?»
- Verwertung üben: Fragen Sie am Ende: «Was davon könnten Sie öfter möglich machen?» und lassen Sie die Person den nächsten Schritt wählen.
Vorlage zum Kopieren
Ich bin Coach und möchte Ausnahmefragen üben. Wir arbeiten mit einem erfundenen Beispiel.
Erfundenes Anliegen: [z. B. Dauerstress im Büro]
Erfundene Aussage: [z. B. «Es ist jeden Tag gleich schlimm.»]
Aufgabe:
1. Formuliere je zwei offene Fragen zu: Zeit, Ort, Menschen, eigenem Handeln, bei denen das Problem schwächer oder abwesend war.
2. Prüfe die Fragen auf Suggestion und darauf, ob sie das Problem kleinreden.
3. Schlage drei Alternativen vor für den Fall, dass die Person sagt: «Es gibt keine Ausnahmen.»
4. Spiele die Klientin. Reagiere zuerst skeptisch und werde konkreter, wenn ich gut frage. Gib mir danach Feedback.
Keine Diagnosen, keine Bewertung der Person, keine realen Daten. Sprache: Deutsch (Schweiz), Anrede «Sie».Ändern Sie Anliegen und Aussage und wählen Sie Beispiele aus Ihrem Praxisfeld.
Worauf Sie achten müssen
- Nicht zu früh fragen: Wer das Problem nicht zuerst gewürdigt hat, wirkt abwertend. Hören Sie zu, bevor Sie nach Ausnahmen fragen.
- Keine Klientendaten in öffentlichen KI-Diensten: Arbeiten Sie mit erfundenen Beispielen. Berufsgeheimnis, Datenschutz und Einwilligung bleiben im Einzelfall zu prüfen.
- Nicht jede Situation hat Ausnahmen: Bei Verlust, Trauer oder akuter Belastung suchen Sie nicht nach Lichtblicken, sondern geben Sie Raum.
- Keine Garantie: Ausnahmen sind kein Beleg, dass das Problem bald verschwindet. Versprechen Sie nichts.
- Strukturelle Probleme: Wenn die Ursache in den Verhältnissen liegt, etwa unzumutbare Arbeitsbedingungen, hilft das Suchen nach Ausnahmen nur begrenzt. Siehe Strukturelle Grenzen im Lösungsfokus.
- Krisen: Bei Hinweisen auf Hoffnungslosigkeit oder Selbstgefährdung verweisen Sie an Hausarzt, Psychotherapie oder die Dargebotene Hand (Telefon 143).
| Typ | Beispielfrage |
|---|---|
| Zeit | «Gab es in den letzten zwei Wochen einen Tag, der etwas leichter war?» |
| Ort | «Wo oder in welcher Situation fühlen Sie sich weniger angespannt?» |
| Menschen | «Mit wem fällt Ihnen die Zusammenarbeit leichter?» |
| Handeln | «Was haben Sie an diesem Tag anders gemacht?» |
| Wenn keine Ausnahme | «Wann war es etwas weniger schlimm als sonst?» |
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Ursina, 45, Coachin in Zofingen, begleitet eine Pflegefachfrau, die erschöpft von Spät- und Wochenenddiensten ist. Die Klientin sagt: «Jeder Dienst ist gleich anstrengend.»
Vorher: Ursina fragt: «Gab es nicht auch gute Dienste?» Die Klientin antwortet knapp: «Nein.»
Nachher: Nach der Übung mit einer erfundenen Aussage und KI-Feedback fragt Ursina zuerst: «Das klingt sehr fordernd.» Dann: «Gab es einen Dienst, der Sie weniger Kraft gekostet hat als andere?» Die Klientin erinnert sich an eine Schicht, in der zwei Kolleginnen im Team waren, die gut zusammenarbeiten. Daraus entsteht ein Thema für das Gespräch: Zusammensetzung der Schichten.
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Häufige Fragen
Was, wenn die Klientin keine Ausnahme findet?
Fragen Sie nach Abstufungen («Wann war es etwas weniger stark?») oder wechseln Sie zu Bewältigungsfragen, siehe Bewältigungsfragen.
Wie unterscheidet sich die Ausnahmefrage von der Skalierung?
Die Ausnahmefrage sucht nach Momenten, die Skalierung ordnet einen Zustand ein. Beide lassen sich verbinden. Mehr dazu auf der Seite Skalierungsfragen.
Kann ich Ausnahmefragen in der Führung nutzen?
Ja, zum Beispiel im Mitarbeitergespräch: «Wann lief die Zusammenarbeit zuletzt gut?» Dabei bleibt die Rolle als Führungsperson eine andere als die des Coaches.
Wie halte ich Ausnahmen fest?
Als kurze Notiz der Klientin. Bei Bedarf hilft eine Fortschrittsliste.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
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