Zum Inhalt springen

Branchen · KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben

Kundeninterviews mit KI auswerten und Bedarf erkennen

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Eine KI kann Interviewnotizen ordnen, Aussagen nach Themen gruppieren und Widersprüche sichtbar machen. Sie bewertet aber nicht, was wirklich wichtig ist, und neigt dazu, Gesagtes zu glätten. Entscheidend sind gute Fragen im Gespräch und der Abgleich jeder Erkenntnis mit wörtlichen Zitaten.

Das Problem

Sie haben zehn Kundengespräche geführt und alle waren freundlich. «Spannende Idee, so etwas bräuchten wir!» Und doch kauft niemand. Das ist ein bekanntes Phänomen: Menschen sind höflich, sagen gern Ja und versprechen mehr, als sie tun werden. Wer nur Zustimmung sammelt, baut oft etwas, das keiner braucht.

Gute Interviews drehen sich nicht um Ihre Idee, sondern um das Leben der anderen: Wie lösen sie das Problem heute? Was kostet sie das? Was haben sie schon versucht? Aus solchen Antworten lässt sich echter Bedarf erkennen. Dazu braucht es aber Ordnung: Notizen, Aufnahmen, Zitate, Muster.

Eine KI kann beim Auswerten helfen. Sie sortiert Aussagen, findet wiederkehrende Themen und stellt Zitate zusammen. Sie hat aber nicht im Raum gesessen, hört keinen Tonfall und kann Gesagtes verfälschen. Darum bleibt die Interpretation bei Ihnen, und jede Erkenntnis muss auf Zitate zurückführbar sein.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Ziel der Interviews klären. Welche Annahme möchten Sie prüfen? Zum Beispiel: «Kleine Treuhandbüros verlieren viel Zeit mit der Belegerfassung.» Schreiben Sie sie vorab auf.
  1. Gute Fragen vorbereiten. Fragen Sie nach vergangenem Verhalten, nicht nach Wünschen: «Wann haben Sie das letzte Mal …? Was haben Sie getan? Was hat es gekostet?» Vermeiden Sie Suggestivfragen.
  1. Einverständnis einholen. Fragen Sie vor Notizen oder Aufnahmen, ob das in Ordnung ist, und erklären Sie, wie Sie die Daten verwenden.
  1. Notizen strukturiert festhalten. Schreiben Sie Wörtliches in Anführungszeichen, Eigenes in Klammern. Notieren Sie Rolle, Branche und Firmengrösse, nicht Namen.
  1. Notizen anonymisieren. Ersetzen Sie Namen und Firmen durch Kürzel. Geben Sie Notizen erst dann in die KI.
  1. Auswerten lassen. Verwenden Sie die Vorlage unten. Verlangen Sie Themen mit Belegzitaten und eine Liste von Widersprüchen.
  1. Gegenprüfen. Lesen Sie die Zitate im Original nach. Hat die KI Aussagen verdreht? Fehlen unbequeme Stimmen? Suchen Sie bewusst Gegenbeispiele.
  1. Entscheiden und nachfassen. Leiten Sie aus den Mustern nächste Schritte ab und planen Sie Interviews mit Personen, die Ihrer Annahme widersprechen könnten.

Vorlage zum Kopieren

Du unterstützt ein Schweizer Startup bei der Auswertung von Kundeninterviews. Du erfindest nichts und bewertest keine Geschäftsidee.

Annahme, die wir prüfen: [z. B. Kleine Treuhandbüros verlieren viel Zeit mit der Belegerfassung.]
Zielgruppe: [Rolle, Branche, Grösse]
Interviewnotizen (anonymisiert, mit wörtlichen Zitaten in Anführungszeichen):
Interview 1: [Notizen]
Interview 2: [Notizen]
...

Aufgabe:
1. Fasse je Interview in drei Sätzen zusammen, was die Person heute tut, um das Problem zu lösen.
2. Bilde Themen (höchstens 6) und nenne zu jedem Thema, in welchen Interviews es vorkommt, mit je einem wörtlichen Zitat.
3. Nenne Aussagen, die unserer Annahme widersprechen oder sie nicht stützen.
4. Unterscheide, was die Personen tatsächlich getan haben, von dem, was sie sagen, dass sie tun würden.
5. Nenne Fragen, die wir in weiteren Interviews stellen sollten.
Wenn eine Erkenntnis nicht durch ein Zitat belegt ist, kennzeichne sie als Vermutung.

Ersetzen Sie Annahme und Notizen durch Ihre eigenen; geben Sie bei vielen Interviews Gruppen von drei bis fünf ein.

Aussage im InterviewEinordnung
«Das wäre toll, würde ich sofort kaufen.»Wunsch, kein Beleg
«Letzten Monat habe ich dafür zwei Tage gebraucht.»Verhalten, starker Hinweis
«Wir haben schon drei Lösungen ausprobiert.»Echter Bedarf, Wettbewerb prüfen

Worauf Sie achten müssen

  • Glättung und Verzerrung: KI neigt dazu, Aussagen zu vereinheitlichen und Widersprüche zu verwischen. Prüfen Sie jede Erkenntnis an Originalzitaten.
  • Bestätigungsfehler: Wenn Sie die KI nach «Belegen für unsere Idee» fragen, finden Sie welche. Fragen Sie auch nach Gegenbelegen.
  • Datenschutz: Interviews enthalten Personen- und Firmendaten, manchmal Geschäftsgeheimnisse. Anonymisieren Sie und prüfen Sie, ob Ihr Werkzeug dafür zulässig ist. Siehe Welche Daten gehören nicht in eine KI?.
  • Einverständnis: Interviewte müssen wissen, wie ihre Aussagen verwendet werden. Holen Sie das Einverständnis ein und halten Sie es fest.
  • Kleine Stichprobe: Zehn Interviews sind eine Annäherung, keine Statistik. Formulieren Sie Erkenntnisse vorsichtig.
  • Transkription: Automatische Abschriften enthalten Fehler. Prüfen Sie Zitate gegen die Aufnahme, bevor Sie sie weiterverwenden.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Beispiel: Zwei Gründer in Zürich entwickeln eine Software für Hauswartungsfirmen und führen zwölf Interviews. Ihre Annahme: Das Planen der Einsätze ist das grösste Problem. Die Notizen sind lang und uneinheitlich.

Sie anonymisieren die Texte und lassen die KI Themen mit Zitaten ableiten. Die Auswertung zeigt: Planung wird zwar erwähnt, aber öfter und emotionaler geht es um die Kommunikation mit Mietern bei Schäden. Ein Zitat bringt es auf den Punkt: «Ich verbringe den halben Tag am Telefon, um zu erklären, wann jemand kommt.» Beim Gegenprüfen im Original bestätigt sich das.

Die Gründer ändern ihren Schwerpunkt. Vorher glaubten sie, das Problem zu kennen, nachher wissen sie, wo es wirklich drückt. Als Nächstes geht es um die Frage, welche Funktionen zuerst gebaut werden sollen, wie in MVP planen: nötige Funktionen auswählen beschrieben.

So hilft Ihnen Alpasana

Wenn Sie lernen möchten, wie Sie mit KI Texte, Notizen und Daten ordnen und die Ergebnisse prüfen, bietet absofort Kurse zu konkreten Arbeitsaufgaben an. Auf der Seite KI und IT für konkrete Arbeitsaufgaben sind unter anderem Vertrieb, Kundenservice, Excel und Datenverständnis sowie Qualitätsprüfung beschrieben.

Die Kurse sind online und mit Praxisaufgaben aufgebaut. Gute Gesprächsführung üben Sie am besten im echten Interview.

Häufige Fragen

Wie viele Interviews brauche ich?

Das hängt vom Vorhaben ab. Wiederholen sich die Aussagen nach einigen Gesprächen, ist das ein Zeichen, dass Sie Muster gefunden haben. Nehmen Sie bewusst unterschiedliche Personen auf.

Darf ich Interviews aufnehmen und von KI transkribieren lassen?

Mit Einverständnis der Befragten und einem geeigneten Werkzeug ja. Klären Sie, wo die Daten verarbeitet werden. Mehr dazu: KI-Transkription vertraulicher Meetings.

Soll die KI mir sagen, ob meine Idee gut ist?

Nein. Sie kann Muster zeigen, aber Ihre Idee nicht verlässlich beurteilen. Entscheidend sind Verhalten und Zahlungsbereitschaft Ihrer Kunden.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Weiterlesen in der Galaxie