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Hochschulprüfungen an KI-Hilfsmittel anpassen
Kurz gesagt
Wenn Prüfungsaufgaben mit KI mühelos lösbar sind, zeigen sie wenig über das Verständnis der Studierenden. Passen Sie Formate an: Kompetenzen statt Reproduktion, mündliche Elemente, Prozessnachweise, persönliche Bezüge und klare Regeln zu erlaubten Hilfsmitteln. Das Ziel ist nicht KI zu verbieten, sondern Eigenleistung sichtbar und fair beurteilbar zu machen.
Das Problem
Frau Müller ist Dozentin an einer Fachhochschule und gibt das Modul «Projektmanagement». Seit Jahren besteht die Prüfung aus einer schriftlichen Arbeit: Die Studierenden beschreiben ein Projekt und wenden Methoden an. In diesem Semester sind die Arbeiten auffallend gut, aber auch auffallend ähnlich. Im Gespräch mit einzelnen Studierenden zeigt sich, dass manche die Inhalte kaum erklären können. Frau Müller fragt sich: «Was prüfe ich eigentlich noch?»
Die Frage betrifft viele Hochschulen. Aufgaben, die früher Verständnis verlangten, lassen sich heute mit KI in Minuten erledigen: Zusammenfassungen, Essays, Standardrechnungen, Fallanalysen nach bekanntem Muster. Das heisst nicht, dass KI Prüfungen unmöglich macht, aber es verändert, was eine Prüfung aussagt. Wenn sie nur Reproduktion verlangt, wird sie unscharf.
Zwei Wege liegen nahe, beide mit Grenzen: KI verbieten und kontrollieren (technisch schwer, und KI-Erkennungsprogramme sind unzuverlässig) oder Prüfungen so gestalten, dass Eigenleistung sichtbar wird. Der zweite Weg ist aufwendiger, aber nachhaltiger. KI selbst kann Dozierenden bei der Entwicklung helfen, etwa beim Entwerfen von Aufgaben und Rastern. Die Entscheidungen treffen aber Fachleute.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
Diese Checkliste hilft bei der Überprüfung bestehender Prüfungen.
- Klären Sie, was Sie prüfen wollen. Welche Kompetenzen soll das Modul belegen? Formulieren Sie Lernziele als Handlungen (analysieren, beurteilen, entwickeln, begründen), nicht als Wissensabfrage.
- Testen Sie Ihre Aufgaben. Lassen Sie eine KI Ihre Prüfungsaufgabe lösen. Ist das Ergebnis gut genug für eine Bestnote? Dann zeigt die Aufgabe wenig über Studierende. Das gibt Hinweise, wo Anpassung nötig ist.
- Machen Sie Aufgaben persönlicher und kontextbezogener. Bezug auf eigene Erfahrungen, aktuelle Projekte der Studierenden, Daten aus dem eigenen Berufsfeld, Entscheidungen mit Begründung. KI kennt diese Kontexte nicht.
- Prüfen Sie den Prozess, nicht nur das Produkt. Zwischenstände, Entwürfe, Projekttagebuch, Reflexion zur Arbeitsweise, Dokumentation der Quellen. So zeigt sich der Weg zum Ergebnis.
- Ergänzen Sie mündliche Elemente. Ein kurzes Fachgespräch zur schriftlichen Arbeit klärt rasch, ob Inhalte verstanden wurden. Siehe auch Mündliche Prüfung mit KI üben aus Sicht der Studierenden.
- Legen Sie klare Regeln zu KI fest. Was ist erlaubt (zum Beispiel Recherche, Struktur, Sprachkorrektur), was nicht, und wie ist KI-Nutzung zu kennzeichnen? Halten Sie die Regeln schriftlich im Modulbeschrieb fest und besprechen Sie sie mit den Studierenden. Beachten Sie die Vorgaben Ihrer Hochschule.
- Gestalten Sie Bewertungskriterien neu. Gewichten Sie Begründung, Urteilsfähigkeit, Anwendung auf den Fall, Reflexion. Kriterien wie «sprachlich fehlerfrei» verlieren an Aussagekraft.
- Bleiben Sie fair und lernen Sie dazu. Setzen Sie keine unzuverlässigen KI-Detektoren als Beweis ein. Werten Sie Erfahrungen aus und passen Sie an. Siehe Hinweise für Lehrpersonen und KI-Texte erkennen: Grenzen.
Vorlage zum Kopieren
Dozierende können damit Prüfungsideen entwickeln. Verwenden Sie keine Studierendendaten.
Du berätst eine Dozentin an einer Schweizer Fachhochschule bei der Anpassung einer Prüfung an die Verfügbarkeit von KI-Werkzeugen.
Modul: [Name, Studiengang]. Lernziele (als Handlungen formuliert): [Liste]. Bisherige Prüfung: [Form, z. B. «schriftliche Arbeit von 10 Seiten»]. Anzahl Studierende: [Zahl]. Rahmen (Zeit, Raum, Betreuung): [Stichworte].
Aufgabe:
1. Analysiere, welche Teile der bisherigen Prüfung mit KI leicht lösbar wären und welche Kompetenzen dadurch nicht sichtbar werden.
2. Schlage fünf alternative oder ergänzende Prüfungsformate vor (z. B. Fachgespräch, Prozessdokumentation, persönlicher Fallbezug, Präsentation mit Rückfragen), jeweils mit Vor- und Nachteilen und Aufwand.
3. Entwirf ein Bewertungsraster mit fünf Kriterien, das Begründung und Eigenleistung gewichtet.
4. Formuliere einen Entwurf für Regeln zur KI-Nutzung im Modul (erlaubt, nicht erlaubt, Kennzeichnung), den ich mit der Hochschule abgleiche.
Regeln: Keine Behauptungen über die Zuverlässigkeit von KI-Erkennungsprogrammen. Erfinde keine Hochschulvorgaben. Markiere Punkte, die ich mit der Studiengangleitung klären muss, mit [KLÄREN]. Deutsch (Schweiz).Setzen Sie Ihre Angaben ein und besprechen Sie die Ergebnisse im Kollegium. Entscheiden Sie selbst, was passt.
Worauf Sie achten müssen
- Rechtssicherheit: Prüfungsformen und Bewertungskriterien müssen in Prüfungsordnungen und Modulbeschrieben verankert und den Studierenden bekannt sein. Änderungen sind frühzeitig mit der Studiengangleitung abzusprechen.
- Gleichbehandlung und Fairness: Alle Studierenden brauchen gleiche Voraussetzungen und Informationen. Berücksichtigen Sie Nachteilsausgleich.
- Unzuverlässige Erkennung: KI-Detektoren irren in beide Richtungen und können Studierende zu Unrecht verdächtigen. Verlassen Sie sich nicht darauf.
- Aufwand: Mündliche und prozessbezogene Formen kosten Zeit. Planen Sie Ressourcen ein.
- Datenschutz: Studierendendaten gehören nicht in nicht freigegebene KI-Dienste.
- Offenheit für KI-Kompetenz: Hochschulen sollen auch vermitteln, wie man KI sinnvoll und kritisch nutzt. Das kann Teil der Prüfung sein.
| Prüfungsform | Zeigt Eigenleistung? | Aufwand |
|---|---|---|
| Schriftliche Arbeit ohne Zusatz | gering, wenn KI erlaubt | mittel |
| Arbeit mit Prozessdokumentation | höher | mittel bis hoch |
| Fachgespräch zur Arbeit | hoch | hoch |
| Persönlicher Fallbezug | höher | mittel |
| Prüfung vor Ort ohne Hilfsmittel | hoch (für Reproduktion) | hoch (Organisation) |
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Müller überarbeitet die Prüfung im Modul Projektmanagement. Sie lässt eine KI die bisherige Aufgabe lösen und stellt fest, dass das Ergebnis eine gute Note erhalten würde.
Vorher: Eine schriftliche Arbeit über ein erfundenes Projekt. Nachher: Die Studierenden analysieren ein reales Projekt aus ihrem Arbeitsumfeld, führen ein Projekttagebuch, geben ihre KI-Nutzung an und führen ein zehnminütiges Fachgespräch. Die Regeln stehen im Modulbeschrieb. Das Raster gewichtet Begründung und Reflexion. Im ersten Durchgang kostet es mehr Zeit, aber die Arbeiten sind vielfältiger und die Gespräche zeigen, wer das Thema verstanden hat.
So hilft Ihnen Alpasana
Damit Lehr- und Führungspersonen KI im Betrieb und in der Bildung verantwortungsvoll einordnen können, bietet absofort die KI-Weiterbildung für Unternehmen. Sie reicht von Grundlagen bis zum Executive-Diplomlehrgang, behandelt Schweizer Praxisbezug und Datenschutz als Lerninhalte und den verantwortungsvollen Umgang mit Ergebnissen und Daten; das Lernen findet online im eigenen Tempo statt, mit verifizierbaren Abschlüssen und einer Kontaktmöglichkeit für Firmenlösungen und Teambuchungen. Das Angebot richtet sich an Unternehmen; ein Hochschul-Prüfungsdesign ist nicht Teil davon.
Rechtliche Beratung zu Prüfungsordnungen bietet absofort nicht an.
Häufige Fragen
Soll ich KI an Prüfungen verbieten?
Das entscheidet die Hochschule im Rahmen ihrer Reglemente. Ein Verbot muss durchsetzbar und für alle klar sein.
Kann ich KI-Texte sicher erkennen?
Nein. Erkennungsprogramme sind unzuverlässig. Gespräche und Prozessnachweise sind aussagekräftiger.
Wie gehe ich mit Studierenden um, die KI nutzen?
Mit klaren Regeln, Transparenz und Fachgesprächen. Fragen Sie nach der Arbeitsweise, bevor Sie Vorwürfe erheben.
Ändern sich Lernziele durch KI?
Teilweise. Urteilen, Begründen und kritisches Prüfen gewinnen an Gewicht, Reproduktion verliert an Aussagekraft.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
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