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KI in der Redaktion: Wie schütze ich vertrauliche Quellen?
Kurz gesagt
Geben Sie nie Namen, Kontaktdaten, Dokumente oder Details in KI-Dienste ein, die eine vertrauliche Quelle erkennbar machen könnten. Legen Sie in der Redaktion fest, welches Material nie in KI geht, und verwenden Sie bei Bedarf lokale oder geschützte Systeme. Im Zweifel arbeiten Sie ohne KI.
Das Problem
Ein Informant meldet sich bei Ihnen: Er arbeitet in einer Firma und möchte auf Missstände hinweisen, aber nur, wenn seine Identität geschützt bleibt. Sie erhalten Dokumente, Mails, vielleicht Sprachnachrichten. Sie wollen sie auswerten, zusammenfassen und übersetzen. Eine KI würde Ihnen viel Zeit sparen.
Doch jede Eingabe in einen KI-Dienst ist eine Weitergabe von Informationen an Dritte. Je nach Dienst werden Eingaben gespeichert, ausgewertet oder, bei Panne, offengelegt. Ein Dokument mit Metadaten, ein Zitat mit Dialektfärbung oder ein einziger Name kann genügen, eine Quelle erkennbar zu machen.
Quellenschutz ist ein Kernprinzip des Journalismus und in der Schweiz auch gesetzlich geschützt. Die Verantwortung dafür kann niemand an ein Werkzeug abgeben. Deshalb braucht es klare Regeln, was in KI-Dienste gehört und was nie.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Das Material einstufen. Teilen Sie Ihr Material in drei Gruppen: öffentlich (Pressemitteilungen, Medienberichte), intern (eigene Notizen ohne Quellenbezug), geschützt (alles, was Quellen erkennbar macht: Namen, Kontakte, Originaldokumente, Metadaten, Sprachaufnahmen, Details, die nur wenige kennen). Geschütztes Material geht nie in öffentliche KI-Dienste.
- Die Redaktionsregel festlegen. Halten Sie schriftlich fest: Welche Dienste sind erlaubt, für welche Gruppe von Material, mit welchen Einstellungen? Wer entscheidet in Zweifelsfällen? Siehe auch KI-Richtlinie für KMU, die sich auf eine Redaktion übertragen lässt.
- Vor jeder Eingabe fragen. Könnte dieser Text, dieses Dokument oder dieses Detail auf eine Person hinweisen? Wenn ja oder vielleicht, geben Sie es nicht ein. Prüfen Sie auch Dateien auf versteckte Informationen wie Autorennamen oder Änderungsverläufe.
- Material vor der Nutzung bereinigen. Wenn eine Verwendung nötig ist, entfernen Sie Namen, Orte, Daten und Besonderheiten, die identifizieren könnten, und verallgemeinern Sie. Beachten Sie, dass auch Schreibstil und Fachwissen verraten können. Siehe Welche Daten nicht in KI.
- Das richtige System wählen. Für heikles Material kommen höchstens lokal betriebene oder besonders geschützte Systeme in Frage, die von der IT geprüft sind. Klären Sie, wo Daten verarbeitet werden. Öffentliche Chatbots sind dafür nicht geeignet.
- Mit KI nur Unkritisches erledigen. Öffnen Sie einen erlaubten KI-Assistenten, also ein Programm, dem Sie schriftlich Aufgaben geben, nur für öffentliche und bereinigte Inhalte, etwa um Recherchefragen zu strukturieren oder allgemeine Hintergründe zu ordnen. Verwenden Sie die Vorlage unten.
- Kommunikation absichern. Der Quellenschutz betrifft mehr als KI: sichere Kanäle, Geräte, Passwörter und Gespräche. Besprechen Sie mit der Quelle, wie Sie kommunizieren. Informieren Sie Kolleginnen über die Regeln.
- Im Zweifel ohne KI arbeiten. Wenn ein Risiko besteht, verzichten Sie auf KI. Eine Verzögerung ist besser als eine Enttarnung. Besprechen Sie Zweifelsfälle mit der Redaktionsleitung und holen Sie bei Bedarf rechtlichen Rat ein.
| Material | KI-Nutzung | Beispiel |
|---|---|---|
| Öffentlich | Erlaubt | Medienberichte, offizielle Mitteilungen |
| Intern ohne Quellenbezug | Mit Vorsicht, freigegebene Dienste | Allgemeine Notizen |
| Geschützt | Nie in öffentliche KI | Namen, Originaldokumente, Aufnahmen, Metadaten |
Vorlage zum Kopieren
Ich arbeite in einer Redaktion und möchte Regeln für den Quellenschutz beim Einsatz von KI festlegen.
Unsere Redaktion: [Art und Grösse, z. B. Regionalzeitung mit zehn Personen].
Genutzte oder geplante KI-Werkzeuge (nur Arten): [z. B. Chatassistent, Übersetzungsdienst, Transkription].
Bitte erstelle mir:
1. eine einseitige Regel in einfacher Sprache mit den Gruppen öffentlich, intern, geschützt,
2. eine Checkliste mit zehn Fragen, die man sich vor jeder Eingabe stellt,
3. eine Liste von Merkmalen eines Dokuments oder Textes, die eine Quelle erkennbar machen können (z. B. Metadaten, Schreibstil, Details).
Gib keine Rechtsberatung und erfinde keine Gesetze. Weise darauf hin, dass Rechtsfragen mit einer Fachperson geklärt werden müssen.
Verwende allgemeine Beschreibungen. Echte Namen oder Dokumente gebe ich nicht ein.Verwenden Sie die Vorlage nur mit allgemeinen Angaben und stimmen Sie die Regel mit der Redaktionsleitung ab.
Worauf Sie achten müssen
- Gesetzlicher und berufsethischer Schutz. Quellenschutz ist für Medienschaffende in der Schweiz gesetzlich geschützt und in den Berufsregeln verankert. Hinweise bietet der Schweizer Presserat. Die Beurteilung im Einzelfall gehört zu einer Fachperson, etwa einer Medienrechtlerin.
- Metadaten und Spuren. Dokumente enthalten oft versteckte Informationen. Entfernen Sie sie, bevor Sie etwas weitergeben, und prüfen Sie auch Bilder und Audio.
- Kein Ersatz für Sicherheit. Quellenschutz braucht sichere Kommunikation und Geräte. KI-Regeln allein genügen nicht.
- Dienstleister und Datenfluss. Auch Transkriptions-, Übersetzungs- und Cloud-Dienste verarbeiten Material. Klären Sie, wohin Daten gehen. Siehe KI-Übersetzung prüfen.
- Schulung des Teams. Regeln wirken nur, wenn alle sie kennen. Besprechen Sie Beispiele und Zweifelsfälle regelmässig.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein erfundenes Beispiel: Frau Müller ist Redaktorin bei einem Regionalportal. Ein Mitarbeiter einer Firma schickt ihr ein internes Protokoll mit auffälligen Passagen. Sie möchte es von einer KI zusammenfassen lassen.
Sie hält inne: Das Dokument enthält Namen, Daten und Formulierungen, die auf wenige Personen hinweisen. Sie gibt es nicht ein. Stattdessen liest sie selbst und fragt die KI allgemein nach Hintergrund zu Branchenregeln, ohne Bezug zum Dokument. Mit der Redaktionsleitung stellt sie die Regel auf, dass geschützte Dokumente nie in externe KI-Dienste gehen.
So hilft Ihnen Alpasana
Die KI-Weiterbildung für Unternehmen von absofort bietet Online-Weiterbildung von Grundlagen an, mit Schweizer Praxisbezug, Datenschutz als Lerninhalt und dem verantwortungsbewussten Umgang mit Unternehmensdaten. Lernen geschieht im eigenen Tempo mit verifizierbaren Abschlüssen; für Firmenlösungen und Teambuchungen gibt es eine Kontaktmöglichkeit.
So kann ein Team Grundregeln für den Umgang mit sensiblen Daten aufbauen. Rechtliche Beratung zum Quellenschutz und Medienrecht gehört nicht zum Angebot.
Häufige Fragen
Darf ich anonymisierte Texte in KI eingeben?
Wenn wirklich nichts mehr auf die Quelle hinweist, ist das Risiko kleiner. Aber Schreibstil, Details und Zusammenhänge können verraten. Im Zweifel nicht.
Gibt es sichere KI für Redaktionen?
Lokale oder gesondert geprüfte Systeme können das Risiko senken. Das muss die IT beurteilen. Eine gesicherte Lösung ersetzt die Regeln nicht.
Was, wenn ich versehentlich etwas eingegeben habe?
Informieren Sie sofort die Redaktionsleitung, prüfen Sie, ob Sie Daten löschen lassen können, und bewerten Sie das Risiko für die Quelle. Dokumentieren Sie den Vorfall. Eine Vorlage bietet KI-Vorfall melden.
Wo finde ich mehr zur Recherche mit KI?
Eine Anleitung bietet Rechercheplan mit KI.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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