Zum Inhalt springen

Berufe im Wandel · Swiss Jobrollen Check

Wie viele Jobs ersetzt KI? Studien einordnen

Stand 10.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Wie viele Jobs durch KI ersetzt werden, weiss heute niemand verlässlich. Prozentzahlen aus Studien beschreiben meist, wie viele Tätigkeiten betroffen sein könnten, nicht wie viele Stellen verschwinden. Prüfen Sie bei jeder Zahl, was gemessen wurde, für welches Land und wie sicher die Annahmen sind.

Das Problem

Frau Weber arbeitet im Verkauf eines Schweizer Fachgeschäfts. In der Zeitung steht eine Schlagzeile mit einer hohen Prozentzahl zu «ersetzten Jobs», am Tag darauf ein Beitrag, der von neuen Stellen spricht. Beide berufen sich auf Studien. Sie fragt sich: Wie viele Jobs werden durch KI ersetzt, und wie belastbar sind solche Zahlen?

Die ehrliche Antwort: Es gibt Schätzungen, aber keine verlässliche Zahl. Die Angaben unterscheiden sich stark, weil sie unterschiedliche Fragen beantworten. Eine Studie zählt Tätigkeiten, die technisch automatisierbar wären. Eine andere schätzt, wie viele Stellen in einem Land verschwinden oder entstehen könnten. Eine dritte fragt Arbeitgeber nach ihren Erwartungen.

Wer die Zahlen nebeneinanderlegt, ohne diesen Unterschied zu kennen, zieht leicht falsche Schlüsse und fühlt sich unnötig bedroht oder zu sicher. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie Zahlen einordnen, und ersetzt keine Prognose.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Notieren Sie die Zahl und die Quelle. Wer hat sie veröffentlicht, wann, für welches Land, welchen Zeitraum? Ohne diese Angaben ist eine Zahl wertlos.
  2. Klären Sie, was gemessen wurde. Betroffene Tätigkeiten, technisch automatisierbare Arbeitszeit, wegfallende Stellen oder Stellen unter dem Strich? Das sind vier verschiedene Aussagen.
  3. Prüfen Sie den Bezug. Gilt die Zahl für die Schweiz, für Industrieländer oder weltweit? Berufsbildung, Löhne und Branchen unterscheiden sich stark.
  4. Unterscheiden Sie Möglichkeit und Wirklichkeit. Dass eine Aufgabe technisch automatisierbar ist, heisst nicht, dass sie automatisiert wird. Kosten, Recht, Qualität, Akzeptanz und Betriebsabläufe entscheiden mit.
  5. Prüfen Sie das Szenario. Seriöse Studien nennen Annahmen und Bandbreiten. Fehlen sie, ist Vorsicht angebracht.
  6. Lassen Sie die KI die Zahl einordnen. Fügen Sie Schlagzeile und Quelle ein und lassen Sie die Fragen aus Schritt 1 bis 5 beantworten. Mit der Vorlage unten erfindet sie keine Zahlen.
  7. Wenden Sie die Zahl auf sich an. Fragen Sie nicht, wie viele Jobs, sondern welche Tätigkeiten in Ihrem Alltag betroffen sein könnten. Das geht mit Eigenen Beruf auf KI-Betroffenheit prüfen.
  8. Entscheiden Sie nach Tätigkeiten. Welche Aufgaben bleiben, welche ändern sich, was können Sie lernen? Das ist die handlungsrelevante Frage.

Vorlage zum Kopieren

Ich habe diese Aussage über Arbeitsplätze und KI gelesen:
«[Schlagzeile oder Zitat einfügen]» aus [Quelle, Datum].
Ordne sie ein, ohne eigene Zahlen zu nennen:
1. Was wurde vermutlich gemessen (Tätigkeiten, Stellen, Arbeitszeit, Nettoeffekt)?
2. Für welche Region, welchen Zeitraum und welche Gruppe gilt die Aussage nach den Angaben im Text?
3. Welche Annahmen stecken wahrscheinlich dahinter?
4. Welche drei Fragen sollte ich der Quelle stellen?
5. Was lässt sich aus der Aussage für meinen Alltag nicht schliessen?
Wenn der Text dazu nichts hergibt, schreibe «nicht erkennbar». Erfinde keine Zahlen, Studien oder Namen.

Setzen Sie die Aussage und Quelle ein. Prüfen Sie die Antwort mit der Originalquelle, denn die KI sieht nur, was Sie einfügen.

Was eine Zahl wirklich aussagen kann

Art der ZahlBeispielaussageWas sie nicht sagt
Betroffene Tätigkeiten«Ein Teil der Aufgaben liesse sich mit KI unterstützen»Dass Stellen wegfallen
Automatisierbare Arbeitszeit«Anteil der Arbeitszeit, die technisch ersetzbar wäre»Dass sie tatsächlich ersetzt wird
Wegfallende Stellen«Stellen, die bis zu einem Zieljahr verschwinden»Wie viele neu entstehen
Nettoeffekt«Stellen gesamt, nach Abzug und Zuwachs»Wer betroffen ist, welche Region, welche Qualifikation
Befragung von Arbeitgebern«Erwartungen von Unternehmen»Was eintreten wird

Worauf Sie achten müssen

  • Bekannte Schätzungen weichen weit ab. Frey und Osborne schätzten 2013, dass rund 47 Prozent der US-Beschäftigung auf Berufe mit hohem technischen Automatisierungsrisiko entfielen. Das ist keine Zahl zu tatsächlich wegfallenden Stellen. Spätere, von der OECD erläuterte Analysen betrachteten die Tätigkeiten innerhalb von Berufen und kamen auf deutlich kleinere Anteile. Die Schätzungen beruhen auf unterschiedlichen Annahmen.
  • Internationale Organisationen sprechen von Veränderung. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO beschrieb in Analysen zu generativer KI, dass viele Tätigkeiten teilweise betroffen sind und eher verändert als ersetzt werden könnten. Das bleibt ein Szenario, kein Befund.
  • Arbeitgeberumfragen sind Erwartungen. Berichte wie jene des Weltwirtschaftsforums beruhen auf Befragungen. Sie zeigen Erwartungen und Trends, aber keine gesicherten Entwicklungen.
  • Schweizer Zahlen suchen. Für die Schweiz sind das Bundesamt für Statistik und das SECO verlässliche Quellen zu Beschäftigung und Arbeitsmarkt.
  • Zahlen veralten. KI entwickelt sich schnell. Prüfen Sie Jahr und Datenstand.
  • Verlässlich ist die Richtung, nicht das Mass. Breit belegt ist, dass sich Aufgaben verändern und dass Bereiche wie Pflege, Gesundheit, Bau, Handwerk und Bildung wegen Alterung und Bedarf gefragt bleiben. Wie stark und wie schnell KI wirkt, ist offen.
  • Angst ernst nehmen. Wenn Zahlen Sie belasten, sprechen Sie mit einer vertrauten Person oder einer Laufbahnberatung. Bei anhaltender Not hilft die Dargebotene Hand unter Telefon 143.
  • KI-Antworten zu Zahlen sind unsicher. Sie können Statistiken erfinden oder verwechseln. Gleichen Sie sie immer mit der Quelle ab.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein fiktives Beispiel: Frau Weber verkauft seit zwölf Jahren in einem Elektrofachgeschäft in Olten. Ihr Sohn zeigt ihr einen Artikel, in dem von einem hohen Anteil bedrohter Verkaufsjobs die Rede ist.

Vorher: Sie ist beunruhigt und überlegt, sofort die Branche zu wechseln. Nachher: Sie prüft mit der Vorlage, was gemessen wurde. Der Artikel bezieht sich auf technisch automatisierbare Tätigkeiten in einem anderen Land, nennt keinen Zeitraum und keine Annahmen. Sie schreibt auf, welche ihrer Aufgaben sich verändern könnten (Bestellungen erfassen, Produktinformationen nachschlagen) und welche bleiben (Beratung, Reklamationen, Vertrauen der Stammkundschaft). Dann bucht sie eine Weiterbildung zu digitalen Werkzeugen im Verkauf, statt die Branche zu wechseln.

So hilft Ihnen Alpasana

Wenn Sie nicht bei Zahlen stehen bleiben, sondern wissen möchten, welche Berufe und Bildungswege zu Ihren Interessen und Stärken passen könnten, gibt es den Swiss Jobrollen Check. Beschrieben ist ein Berufs-Check mit 64 Fragen zu Interessen, Arbeitsweise, Stärken, Umfeld und Werten mit Abgleich zu über 1800 Schweizer Berufen und Bezug zu EBA, EFZ, Berufsmaturität, HF und FH. Der Check ist kostenlos, nach Registrierung wird eine erste Auswertung gespeichert. Die Pro-Ausgabe nennt drei beste Berufe und Berufsfelder mit Namen und Bildungswegen.

Der Check ist eine Orientierung und keine Prognose, ob ein Beruf «sicher» ist. Er sagt nichts über die Entwicklung des Arbeitsmarktes aus. Ergänzend gibt es persönliches Job-Coaching.

Häufige Fragen

Stimmt es, dass KI Millionen Jobs vernichtet?

Solche Aussagen beruhen auf Szenarien und Annahmen. Es gibt ebenso Schätzungen, die einen Zuwachs an Stellen unter dem Strich erwarten. Weder das eine noch das andere ist gesichert. Wie Sie Studien lesen, zeigt KI-Jobs-Studien richtig lesen.

Wie viele Jobs werden in der Schweiz ersetzt?

Dazu gibt es keine verlässliche Zahl. Wer eine nennt, sollte Quelle, Jahr, Annahmen und Messgrösse angeben. Informationen zum Arbeitsmarkt finden Sie beim SECO und beim Bundesamt für Statistik.

Woran erkenne ich eine seriöse Studie?

Sie nennt Methode, Datenbasis, Annahmen, Zeitraum und Unsicherheiten, spricht von Szenarien und unterscheidet Tätigkeiten von Stellen. Ergänzend hilft Prognosen prüfen: Wie glaubwürdig?.

Was kann ich jetzt konkret tun?

Schauen Sie auf Ihre Aufgaben statt auf Schlagzeilen, probieren Sie KI im Alltag aus und planen Sie eine kleine Weiterbildung. Wer den Überblick behalten möchte, findet Hinweise unter Tätigkeiten statt Berufe.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

Weiterlesen in der Galaxie