Arbeit im Wandel · Job-Coaching und Laufbahnberatung
Welche Jobs ersetzt KI? Studien richtig einordnen
Kurz gesagt
Studien zu KI und Jobs kommen zu verschiedenen Ergebnissen, weil sie Unterschiedliches messen: Aufgaben oder Berufe, technische Möglichkeit oder tatsächlichen Wegfall, Schweiz oder weltweit. Prüfen Sie Fragestellung, Methode, Zeithorizont und Auftraggeber, bevor Sie einer Zahl vertrauen.
Das Problem
Frau Weber liest eine Schlagzeile: «Millionen Jobs bedroht.» Am nächsten Tag steht in einer anderen Zeitung, KI schaffe mehr Arbeit, als sie wegnehme. Beide berufen sich auf Studien. Sie fragt sich, welche Jobs durch KI wirklich ersetzt werden und welcher Studie sie glauben kann.
Das Problem liegt selten bei einer «falschen» Studie. Meist messen sie unterschiedliche Dinge. Die eine fragt, welche Aufgaben technisch automatisierbar wären. Eine andere befragt Firmen, was sie in den nächsten Jahren planen. Eine dritte beobachtet, was in den Arbeitsmarktdaten tatsächlich passiert ist.
Wer diese Unterschiede kennt, liest Schlagzeilen gelassener. Sie lernen hier, fünf Fragen an jede Studie zu stellen. So erkennen Sie schnell, was eine Zahl aussagt und was nicht. Der Stand der Beispiele ist Oktober 2026.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Finden Sie die Originalquelle. Zeitungsartikel fassen zusammen und kürzen. Suchen Sie die Studie oder den Bericht selbst, meist beim Herausgeber wie einer Behörde, der OECD, der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), dem Weltwirtschaftsforum oder einer Hochschule.
- Klären Sie, was gemessen wurde. Geht es um Berufe oder um Aufgaben? Um das, was technisch möglich wäre, oder um das, was tatsächlich geschieht? Die Begriffe unterscheiden sich stark, siehe Tabelle.
- Prüfen Sie Gebiet und Zeitraum. Gilt die Aussage für die Schweiz, für die EU oder weltweit? Für welches Jahr? Ergebnisse aus Ländern mit anderer Berufsbildung lassen sich nicht einfach übertragen.
- Fragen Sie nach Auftraggeber und Interesse. Wer hat die Studie bestellt oder bezahlt? Anbieter von KI-Lösungen, Beratungsfirmen und Gewerkschaften haben unterschiedliche Interessen. Das macht eine Studie nicht falsch, aber Sie sollten es wissen.
- Achten Sie auf Annahmen und Unsicherheit. Seriöse Berichte nennen Szenarien, Bandbreiten und Grenzen. Ein einziger exakter Wert für das Jahr 2040 ist ein Warnzeichen.
- Vergleichen Sie mit einer zweiten Quelle. Suchen Sie eine Behörde oder eine unabhängige Organisation. In der Schweiz sind dies zum Beispiel das SECO und das Bundesamt für Statistik.
- Übersetzen Sie das Ergebnis auf Ihren Alltag. Fragen Sie: Welche meiner Aufgaben sind gemeint, und was folgt daraus für die nächsten zwei Jahre?

Vorlage zum Kopieren
Ich habe folgende Studie bzw. folgenden Bericht gelesen:
[Titel, Herausgeber, Jahr] (öffentlich zugänglich).
Hilf mir, die Aussagen einzuordnen. Beantworte allgemein, ohne neue
Zahlen zu erfinden:
1. Worin unterscheiden sich «Exposition», «Automatisierungspotenzial»,
«Ersetzung» und «Ergänzung» (Augmentation)?
2. Welche fünf Fragen sollte ich an solche Studien stellen?
3. Welche Informationen aus dem Bericht fehlen mir noch,
um die Aussage auf die Schweiz zu übertragen?
Sage ausdrücklich, wo du dir nicht sicher bist. Prüfe meine Fakten
nicht aus dem Gedächtnis, sondern nenne, was ich im Original nachlesen muss.Kopieren Sie nur öffentlich zugängliche Angaben hinein. Nennen Sie die Fragen, und prüfen Sie die Antworten im Original der Studie.
Welche Begriffe werden oft verwechselt?
| Begriff | Bedeutung | Was er nicht heisst |
|---|---|---|
| Exposition | Eine Tätigkeit könnte von KI berührt werden | Dass die Stelle wegfällt |
| Automatisierungspotenzial | Technisch wäre Automatisierung denkbar | Dass sie wirtschaftlich eingeführt wird |
| Ersetzung (Substitution) | Eine Aufgabe wird von Technik übernommen | Dass der ganze Beruf verschwindet |
| Ergänzung (Augmentation) | Technik unterstützt die Arbeit der Menschen | Dass es keine Veränderung gibt |
Worauf Sie achten müssen
- Berufe sind keine Aufgaben: Studien untersuchen teils ganze Berufe, teils einzelne Tätigkeiten und verwenden unterschiedliche Methoden. Deshalb können ihre Einschätzungen voneinander abweichen. Wer nur Berufslisten liest, übersieht diese Unterschiede und sollte daraus keinen sicheren Stellenwegfall ableiten.
- Zahlen mit Quelle und Stand: Verwenden Sie Zahlen nur mit Quelle und Jahr. Ohne Angabe von Herausgeber, Methode und Zeitraum sollten Sie sie nicht weitergeben.
- Prognosen sind keine Tatsachen: Niemand kann Beschäftigung in 30 Jahren zuverlässig berechnen. Zahlen für die ferne Zukunft sind Szenarien. Mehr dazu in Prognosen prüfen: Wie glaubwürdig sind sie?.
- KI als Quelle: Wenn Sie KI nutzen, um Studien zusammenzufassen, kann sie Zahlen und Titel erfinden. Prüfen Sie jede Angabe im Original.
- Schweizer Besonderheiten: Berufsbildung, Löhne und Fachkräftemangel unterscheiden sich von anderen Ländern. Prüfen Sie, ob die Studie die Schweiz überhaupt berücksichtigt.
- Persönliche Belastung: Wenn Schlagzeilen Ihnen Angst machen, sprechen Sie mit jemandem. Bei akuter Not hilft die Dargebotene Hand unter 143.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Weber arbeitet in der Administration eines Pflegeheims in Zofingen. Ihre Kollegin leitet einen Zeitungsartikel weiter, laut dem Büro- und Verwaltungsberufe besonders gefährdet seien. Die Stimmung im Team sinkt.
Frau Weber sucht die Studie hinter dem Artikel. Sie stellt fest: Die Studie bewertet technische Möglichkeiten für Aufgaben und sagt ausdrücklich nichts über tatsächliche Stellenverluste. Es handelt sich um einen internationalen Bericht ohne Schweizer Schwerpunkt.
Nachher kann sie im Team erklären, was die Studie aussagt und was nicht. Gemeinsam sammeln sie, welche Verwaltungsaufgaben sich mit KI verändern könnten, und besprechen das mit der Heimleitung. Weitere Hilfe: Durch KI gefährdet: Was heisst das? und Arbeitsmarktprognosen richtig lesen.
So hilft Ihnen Alpasana
Wenn eine Studie über KI und Jobs Ihre Laufbahn infrage stellt, kann Job-Coaching und Laufbahnberatung helfen, Ihre Situation mit einer Standortbestimmung und einem Stärkenprofil zu ordnen. Das Gespräch bietet Orientierung für eigene Schritte, aber keine Prognose über den Arbeitsmarkt.
Häufige Fragen
Welcher Studie kann ich am meisten trauen?
Am ehesten solchen, die Methode und Unsicherheit offenlegen, von unabhängigen Stellen stammen und Aufgaben statt nur Berufe betrachten. Eine einzelne Studie ist nie das letzte Wort; vergleichen Sie mehrere.
Warum widersprechen sich die Studien?
Weil sie verschiedene Fragen beantworten, andere Länder und Zeiträume betrachten und andere Annahmen treffen. Der Widerspruch ist oft nur scheinbar.
Gibt es Studien speziell für die Schweiz?
Ja, Behörden, Hochschulen und Verbände veröffentlichen Berichte zum Schweizer Arbeitsmarkt. Beginnen Sie bei SECO, BFS und SBFI und achten Sie auf das Veröffentlichungsjahr.
Soll ich Studien überhaupt lesen?
Sie müssen nicht alle lesen. Es genügt, bei Schlagzeilen die fünf Fragen zu stellen und bei wichtigen Entscheidungen das Original nachzusehen.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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