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Abschlussarbeit: Gutachten mit KI vergleichen
Kurz gesagt
Weichen Erst- und Zweitgutachten ab, hilft eine Gegenüberstellung nach Kriterien, die Streitpunkte zu finden. Eine KI kann Ihre eigenen Bewertungsnotizen ordnen, ohne die Arbeit oder Namen zu kennen; über die Note entscheiden die Gutachtenden im Gespräch.
Das Problem
Frau Keller betreut eine Bachelorarbeit an einer Fachhochschule und hat sie mit 5,0 bewertet. Der Zweitgutachter vergibt 4,0. Beide Gutachten sind schriftlich begründet, aber auf den ersten Blick schwer vergleichbar: Das eine betont die gute Struktur, das andere bemängelt die Methode. Im Gespräch droht die Diskussion zu «Die Arbeit ist doch gut» gegen «Sie ist schwach» zu werden.
Ob und wie eine Zweitbeurteilung vorgesehen ist, regelt die jeweilige Prüfungsordnung. Bei abweichenden Gutachten ist entscheidend, wie man die Differenzen bearbeitet. Ein sachliches Gutachtergespräch (auch Konsensgespräch) klärt, welche Kriterien unterschiedlich gewichtet oder verschieden beurteilt wurden. Es hilft, wenn beide Gutachten nach denselben Kriterien aufgeschlüsselt vorliegen, etwa Fragestellung, Methode, Argumentation, Quellenarbeit, Form.
Die Gegenüberstellung von Hand ist mühsam. Eine KI kann beim Ordnen helfen, wenn man ihr nur das gibt, was nötig ist: die eigenen, anonymisierten Bewertungsbegründungen und das Kriterienraster. Die Arbeit selbst und die Person der Studierenden bleiben aussen vor. Entschieden wird im Gespräch, nicht von der KI.
So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt
- Rahmen klären. Prüfen Sie die Prüfungsordnung Ihrer Hochschule: Wie läuft die Zweitbeurteilung ab, wer entscheidet bei Differenzen, welche Fristen und Formen gelten? Das ist hochschulspezifisch.
- Vertraulichkeit prüfen. Gutachten sind vertrauliche Beurteilungen mit Personenbezug. Prüfen Sie, ob Ihre Hochschule den Einsatz von KI dafür erlaubt und welche Systeme zulässig sind. Im Zweifel verzichten Sie darauf oder nutzen nur lokal oder hochschulintern freigegebene Werkzeuge.
- Eigene Bewertungsbegründung vorbereiten. Schreiben Sie Ihre Begründung nach den Kriterien des Rasters in knappen Stichworten, ohne Namen und ohne Zitate aus der Arbeit.
- Beide Begründungen anonymisieren. Erhalten Sie von der Zweitgutachterin deren Begründung, entfernen Sie Namen und Details, die auf die Person oder die Arbeit schliessen lassen. Fragen Sie vorher, ob sie einverstanden ist, dass die Stichworte so verarbeitet werden.
- Gegenüberstellung erstellen lassen. Geben Sie der KI mit der Vorlage unten die Kriterien und die beiden Stichwortlisten. Sie ordnet sie pro Kriterium nebeneinander und markiert Unterschiede.
- Ergebnis prüfen. Vergleichen Sie die Tabelle mit den Originalgutachten. Hat die KI etwas weggelassen oder verändert? Streichen Sie, was nicht stimmt.
- Streitpunkte benennen. Wählen Sie zwei bis drei zentrale Differenzen aus und bereiten Sie je eine Frage vor, die die Gutachtenden im Gespräch klären: «Wie gewichten wir die Methode im Verhältnis zur Argumentation?»
- Gespräch führen und Ergebnis festhalten. Besprechen Sie die Punkte, einigen Sie sich auf eine Note oder bereiten Sie die Weiterleitung gemäss Prüfungsordnung vor. Halten Sie das Ergebnis schriftlich fest.
Vorlage zum Kopieren
Du unterstützt mich bei der Vorbereitung eines Gutachtergesprächs. Ich gebe dir nur anonymisierte Stichworte zu zwei Bewertungsbegründungen. Es gibt keine Namen und keinen Text der Arbeit.
Kriterien: [Kriterium 1], [Kriterium 2], [Kriterium 3], [Kriterium 4], [Kriterium 5]
Stichworte Gutachten 1: [Stichworte je Kriterium]
Stichworte Gutachten 2: [Stichworte je Kriterium]
Aufgabe:
1. Erstelle eine Tabelle: pro Kriterium die Stichworte von Gutachten 1 und Gutachten 2 nebeneinander.
2. Markiere in einer weiteren Spalte, wo die Einschätzungen deutlich abweichen und wo sie übereinstimmen.
3. Formuliere für die drei grössten Abweichungen je eine neutrale Klärungsfrage für das Gespräch.
4. Gib keine Note, keine Empfehlung zur Note und keine Beurteilung der Arbeit. Ergänze nichts, was nicht in den Stichworten steht.Prüfen Sie nach dem Ergebnis, ob jede Stichwortzeile richtig zugeordnet ist. Löschen Sie den Chat nach der Nutzung, soweit der Dienst das erlaubt.
| Kriterium | Gutachten 1 | Gutachten 2 | Abweichung |
|---|---|---|---|
| Fragestellung | klar, eng | breit formuliert | gering |
| Methode | angemessen | Begründung fehlt | gross |
| Argumentation | schlüssig | Lücken in Kap. 4 | mittel |
| Form | sauber | wenige Fehler | gering |
Worauf Sie achten müssen
- Vertraulichkeit und Datenschutz: Gutachten und Studierendenarbeiten enthalten Personendaten. Nach dem Datenschutzgesetz ist ein sorgfältiger Umgang erforderlich; was an Dritte weitergegeben wird, ist zu begrenzen. Geben Sie keine Arbeiten, Namen oder ganzen Gutachten in öffentliche KI-Dienste ein und klären Sie die Regeln Ihrer Hochschule.
- Rechtliche Stellung der Studierenden: Welche Begründungs- und Rechtsmittelmöglichkeiten bestehen, richtet sich nach der Prüfungsordnung und dem anwendbaren Recht; klären Sie dies im Einzelfall mit der Hochschule. Erwecken Sie nie den Eindruck, eine KI habe die Note bestimmt.
- Entscheidung bleibt beim Menschen: Die KI darf keine Note vorschlagen oder gewichten. Die Beurteilung ist eine fachliche und rechtlich verantwortete Aufgabe der Gutachtenden.
- Verzerrung: KI kann Stichworte falsch zuordnen oder Unterschiede glätten. Kontrollieren Sie jede Zeile am Originalgutachten.
- Einverständnis der Zweitgutachtenden: Sprechen Sie offen ab, ob und wie Gutachten strukturiert werden. Hintergründe gehören in das Gespräch, nicht in die KI.
- Transparenz: Wenn Ihre Hochschule es verlangt, vermerken Sie den Einsatz von Hilfsmitteln bei der Gutachtervorbereitung.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Beispiel: Frau Keller und ihr Kollege weichen bei einer Bachelorarbeit um eine ganze Note ab. Beide formulieren Stichworte je Kriterium und lassen sie ohne Namen zusammenführen. Zuvor hat die Hochschule bestätigt, dass dafür ein freigegebenes Werkzeug zulässig ist.
Vorher: Das Gespräch beginnt mit «Die Arbeit ist gut» gegen «Die Arbeit ist schwach». Nachher: Die Tabelle zeigt, dass die Abweichung fast nur beim Kriterium Methode liegt: Der eine sieht sie als angemessen, der andere vermisst die Begründung der Stichprobe. Sie klären das im Gespräch anhand des Kapitels, einigen sich auf eine Zwischennote und halten sie schriftlich fest. Ein Eintrag der KI («Gutachten 2 ist strenger») hat Frau Keller gestrichen, weil er eine Wertung enthielt, die nicht in den Stichworten stand.
So hilft Ihnen Alpasana
Wer in Organisationen mit vertraulichen Daten und KI arbeitet, braucht klare Regeln und geübte Praxis. Die Online-Weiterbildung KI für Unternehmen von absofort behandelt KI für Verwaltung, Kommunikation, Analyse und Entscheidungsgrundlagen, Schweizer Praxisbezug, Datenschutz und den verantwortungsbewussten Umgang mit Unternehmensdaten. Es gibt Lernen im eigenen Tempo, verifizierbare Abschlüsse sowie eine Kontaktmöglichkeit für Firmenlösungen und Teambuchungen.
Für Hochschulen gelten eigene Regeln zu Prüfungen und Gutachten. Wenden Sie sich bei Rechtsfragen an die zuständige Stelle Ihrer Institution.
Häufige Fragen
Darf ich Gutachten überhaupt mit KI bearbeiten?
Das entscheidet Ihre Hochschule. Gutachten sind vertraulich. Ohne klare Erlaubnis und ein zulässiges System verzichten Sie besser darauf. Mehr zur Vertraulichkeit: Darf ich vertrauliche Gutachten mit KI vorbereiten?.
Kann ich auch ohne KI ein Kriterienraster nutzen?
Ja, und das ist sogar die Grundlage. Mit einer Tabelle von Hand erreichen Sie dasselbe. Zum Abgleich im Prüfungsteam siehe Mit KI die Bewertung im Prüfungsteam abgleichen.
Was, wenn wir uns nicht einigen?
Dann gilt das Verfahren der jeweiligen Prüfungsordnung. Klären Sie bei der zuständigen Stelle, wer entscheidet und ob eine weitere Beurteilung vorgesehen ist.
Soll ich die Studierenden informieren?
Fragen Sie Ihre Hochschule, ob und wie Hilfsmittel bei der Bewertung offenzulegen sind. Transparenz schafft Vertrauen, solange nicht die KI, sondern die Gutachtenden verantwortlich zeichnen.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.
Quellen
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