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Prüfen & Bewerten · KI-Beratung und digitale Transformation

KI-Serienkorrektur: Vermischte Schülerarbeiten verhindern

Stand 10.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Korrigieren Sie jede Arbeit in einem eigenen, frischen Gespräch und arbeiten Sie mit anonymen Codes statt Namen. Prüfen Sie jede Rückmeldung mit einer kurzen Checkliste auf Zuordnung und Belegstellen, bevor Sie sie weitergeben. So verhindern Sie, dass Inhalte aus einer Arbeit in die Beurteilung einer anderen einfliessen.

Das Problem

Frau Keller korrigiert 24 Aufsätze und möchte sich bei der Rückmeldung von einer KI unterstützen lassen. Sie fügt die Arbeiten nacheinander in dasselbe Gespräch ein. Beim Durchsehen fällt ihr auf: In der Rückmeldung zur 17. Arbeit steht ein Hinweis auf ein Beispiel, das gar nicht im Text vorkommt, sondern aus der 12. Arbeit stammt. Ein Kind würde eine Rückmeldung zu etwas erhalten, das es nie geschrieben hat.

Dieses Problem hat einen Namen: Kontextübernahme. Ein KI-Werkzeug berücksichtigt in einem laufenden Gespräch alles, was zuvor geschrieben wurde. Dadurch können Inhalte, Formulierungen oder Bewertungsmassstäbe aus früheren Arbeiten in spätere einfliessen. Das gilt auch für Vergleiche: Eine Arbeit wird plötzlich im Verhältnis zur vorherigen beurteilt, obwohl jede für sich bewertet werden sollte.

Für eine faire Beurteilung muss jeder Fall getrennt bleiben. Das nennt man Falltrennung. Dazu kommen die Zuordnung (welche Rückmeldung gehört zu welcher Arbeit?) und eine Qualitätskontrolle am Ende. Wichtig ist ausserdem der Datenschutz: Schülerarbeiten sind Personendaten und gehören nicht ohne Weiteres in öffentliche KI-Dienste.

So lösen Sie es mit KI – Schritt für Schritt

  1. Klären, ob und womit korrigiert werden darf. Fragen Sie bei Ihrer Schulleitung nach den Regeln zum KI-Einsatz bei Beurteilungen. Verwenden Sie nur ein von der Schule freigegebenes Werkzeug.
  1. Arbeiten anonymisieren. Entfernen Sie Namen und Angaben, die auf Personen schliessen lassen, und vergeben Sie einen Code wie «A17». Die Zuordnungsliste führen Sie getrennt von der KI.
  1. Für jede Arbeit ein neues Gespräch öffnen. Starten Sie pro Arbeit einen frischen Chat. Das mindert das Risiko einer Kontextübernahme, garantiert aber keine vollständige Trennung. Prüfen Sie Gedächtnis, Projektwissen und weitere Einstellungen des konkreten Werkzeugs und deaktivieren Sie solche Funktionen, soweit möglich.
  1. Denselben Auftrag verwenden. Fügen Sie in jedem neuen Gespräch denselben Auftrag mit den Kriterien ein. Das sorgt für vergleichbare Rückmeldungen.
  1. Rückmeldung mit Code beschriften lassen. Lassen Sie die KI den Code der Arbeit nennen, damit Sie die Rückmeldung zuordnen können, und prüfen Sie, ob er stimmt.
  1. Mit der Checkliste kontrollieren. Prüfen Sie jede Rückmeldung: Stimmen die genannten Textstellen mit der Arbeit überein? Kommen Inhalte vor, die nicht im Text stehen?
  1. Stichproben vergleichen. Vergleichen Sie einzelne Rückmeldungen auf gegenseitige Einflüsse, zum Beispiel ähnliche Formulierungen in verschiedenen Arbeiten. Wenn Sie etwas auffällt, prüfen Sie alle Arbeiten neu.
  1. Die Beurteilung selbst treffen. Die Note und die endgültige Rückmeldung bestimmen Sie. Die KI-Rückmeldung ist ein Entwurf, den Sie ändern, kürzen oder verwerfen.
Ablaufgrafik in 8 Schritten: 1. Klären, ob und womit korrigiert werden darf; 2. Arbeiten anonymisieren; 3. Für jede Arbeit ein neues Gespräch öffnen; 4. Denselben Auftrag verwenden; 5. Rückmeldung mit Code beschriften lassen; 6. Mit der Checkliste kontrollieren; 7. Stichproben vergleichen; 8. Die Beurteilung selbst treffen.
Der Weg im Überblick: KI-Serienkorrektur: Vermischte Schülerarbeiten verhindern
PrüfpunktFrageBei «Nein»
CodeStimmt der Code der Rückmeldung mit der Arbeit überein?Rückmeldung verwerfen
BelegstelleSteht die zitierte Stelle wirklich in dieser Arbeit?Rückmeldung korrigieren
Fremde InhalteKommen Beispiele oder Fehler vor, die nicht in der Arbeit stehen?Neues Gespräch, neu erzeugen
MassstabWurde nach denselben Kriterien beurteilt?Auftrag prüfen, neu erzeugen

Vorlage zum Kopieren

Ein Prompt ist der schriftliche Auftrag an die KI. Verwenden Sie ihn in jedem neuen Gespräch und fügen Sie nur die anonymisierte Arbeit ein.

Du unterstützt mich beim Entwurf einer Rückmeldung zu einer einzelnen, anonymisierten Schülerarbeit mit dem Code [Code].
Fach und Stufe: [Fach, Stufe]. Aufgabe: [Aufgabenstellung].
Beurteilungskriterien: [Kriterien].
Arbeite ausschliesslich mit dem folgenden Text und berücksichtige keine anderen Arbeiten oder früheren Angaben:
[Arbeit einfügen]
Schreibe:
1. den Code der Arbeit,
2. zu jedem Kriterium eine Beobachtung mit wörtlichem Zitat aus dem Text,
3. einen konkreten nächsten Lernschritt.
Wenn du eine Aussage nicht am Text belegen kannst, schreibe «nicht belegbar».
Vergib keine Note.

Ändern Sie Fach, Aufgabe und Kriterien und verwenden Sie den Auftrag unverändert für alle Arbeiten.

Worauf Sie achten müssen

  • Schülerarbeiten und Beurteilungen sind besonders sensibel. Geben Sie keine Namen oder identifizierbaren Angaben in öffentliche KI-Dienste ein; für öffentliche Schulen gelten kantonale Vorgaben. Orientierung bieten das Educa-Dossier zum schulischen Datenschutz und der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte.
  • Die Anonymisierung ist unvollständig, wenn der Text selbst Hinweise enthält, etwa Ortsangaben oder Familiengeschichten. Prüfen Sie jede Arbeit, bevor Sie sie einfügen.
  • Auch mit Falltrennung können KI-Rückmeldungen Fehler enthalten, etwa erfundene Zitate. Die Belegprüfung bleibt Pflicht.
  • Die Beurteilung ist Ihre Aufgabe. Wenn Rückmeldungen ohne Prüfung weitergegeben werden, tragen Sie die Verantwortung.
  • Informieren Sie Lernende und Eltern darüber, wie KI in der Korrektur genutzt wird, soweit Ihre Schule das vorsieht.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein erfundenes Beispiel aus einer 8. Klasse in Dietlikon: Frau Keller hat zuerst alle Aufsätze in ein Gespräch gegeben. Bei der Kontrolle merkt sie, dass die Rückmeldung zu Arbeit A17 eine Metapher erwähnt, die nur in A12 steht. Sie verwirft die Rückmeldungen.

Neu arbeitet sie mit Codes und einem neuen Gespräch pro Arbeit. Vorher streicht sie in jedem Text die Namen. Sie prüft jede Rückmeldung anhand der Checkliste und findet noch zwei erfundene Zitate, die sie streicht. Die Korrektur dauert länger als zuerst gedacht, aber die Rückmeldungen sind verlässlich. Beim Elterngespräch kann sie jede Aussage am Text belegen.

So hilft Ihnen Alpasana

Wenn eine Schule den Korrekturablauf auf mögliche KI-Einsätze prüfen möchte, kann die KI-Beratung und digitale Transformation von Alpasana Prozesse aufnehmen, Potenziale analysieren und Einsatzregeln sowie Umsetzung planen. Die Beurteilung einzelner Arbeiten bleibt bei der Lehrperson.

Häufige Fragen

Reicht es, die Namen zu streichen?

Nicht immer. Texte können Hinweise auf Personen enthalten. Prüfen Sie jede Arbeit und beachten Sie den Beitrag zum Aufbereiten von Prüfungsarbeiten.

Was tun, wenn die KI erfundene Textstellen nennt?

Verwerfen Sie die Rückmeldung und erzeugen Sie sie neu, mit der Vorgabe, nur Wörtliches zu zitieren. Mehr dazu im Beitrag zu erfundenen Fehlern in der KI-Korrektur.

Warum bewertet die KI dieselbe Arbeit unterschiedlich?

KI-Antworten schwanken von Mal zu Mal. Deshalb ist die eigene Prüfung wichtig; Hintergründe bietet der Beitrag zu schwankenden KI-Bewertungen.

Muss ich die Rückmeldung selbst schreiben?

Sie entscheiden, was weitergegeben wird. Der KI-Entwurf ist ein Hilfsmittel. Lesen, ändern und verantworten müssen Sie jede Rückmeldung selbst.

Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von der Alpasana GmbH · 10.10.2026. So arbeitet die Redaktion · Fehler entdeckt? Melden Sie es uns.

Quellen

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